Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Ein Studium im Ausland klang schon immer sehr exotisch, aber schien nicht sonderlich greifbar – bis mich eine E-Mail der Universität Potsdam über Hochschulpartnerschaften im Ausland erreichte. So informierte ich mich also zuerst über die einzelnen Partnerschaften und deren Studienprogramme. Das Middlebury College in Monterey stach durch seine Spezialisierung heraus, da nicht nur der Studiengang “Nonproliferation and Terrorism Studies“ etwas Besonderes ist, sondern auch die Professoren, welche ihre praktischen Berufserfahrungen sehr gut in die Lehre einbinden. Meine Wahl stand also fest – der Traum könnte Realität werden. Der Prozess der Bewerbung war insgesamt einfach und unkompliziert. Zuerst bewarb ich mich auf die offene Position an der Universität Potsdam und nach deren Zusage musste ich eine weitere aussagekräftige Bewerbung an die Partneruniversität richten. Die Voraussetzungen habe ich erfüllt – im Fall der sprachlichen Vorkenntnisse habe ich einen DAAD-Sprachtest an der Universität Potsdam absolviert, sowie ein Videointerview mit einer Mitarbeiterin des Colleges. Beides stellte kein Problem dar, da ich bereits vorher im englischsprachigen Ausland gelebt habe. Für die Bewerbung brauchte ich die gängigen Unterlagen wie etwa eine Notenübersicht und die Bachelorurkunde sowie jeweils ein Motivationsschreiben.


Studienfach: War and Conflict Studies

Aufenthaltsdauer: 08/2019 - 12/2019

Gastuniversität: Middlebury Institute of International Studies

Gastland: USA

Studium an der Gastuniversität

Die weiteren Vorbereitungen waren vielseitig, da nicht nur eine Unterkunft gesucht werden musste, sondern auch parallel das Visum bei der U.S.-Botschaft beantragt sowie alle Formalitäten in Deutschland erledigt werden mussten. Die Zeit verging so schnell, dass die Verwunderung umso größer war als ich final im Flugzeug saß und mich auf dem Weg nach Monterey befand. Dort angekommen fand ich nicht nur extrem hilfreiche Mitarbeiter des International Office vor, sondern auch Studienanfänger und andere Austauschstudenten mit denen ich mich austauschen konnte. Studenten aus höheren Semestern boten außerdem immer ihre Hilfe an und standen mir mit Rat und Tat zur Seite. Auch die Lehrkräfte befürworten die Diversität der Studentenschaft und sind meist glücklich, wenn Nicht-U.S.-Bürger den Veranstaltungen beiwohnen, da es ihnen die Möglichkeit bietet, auch andere Perspektiven zu beleuchten oder bestehende Vorgehensweisen zu kontrastieren. Das US-Studiensystem selbst ist ein wenig anders als das europäische, denn in Seminaren werden zum Beispiel nicht nur ein Vortrag und eine Hausarbeit gefordert, sondern darüber hinaus noch wöchentliche Hausaufgaben, kleine Gruppenarbeiten und die so genannten “Midterms“. Die einzelnen Aufgaben waren vom Umfang zwar geringer als in Deutschland, aber die Masse kumuliert hatte ein weit höheres Ausmaß. Die Beteiligung des einzelnen Studenten während der Veranstaltung oder auch darüber hinaus fallen ebenfalls schwerer ins Gewicht. So sagte einer meiner Dozenten, dass es keinen guten Eindruck macht, wenn er am Ende des Semesters eine E-Mail erhält und dem Absender kein Gesicht zuordnen kann. Das geforderte Leistungsprofil ist anspruchsvoller als ich es bisher aus dem deutschen Raum gewohnt war. Dass man als Geisteswissenschaftler viel lesen muss war mir vorher bewusst, aber für eine einzelne Veranstaltung durchschnittlich 300+ Seiten pro Woche zu lesen und die bereits beschriebenen zusätzlichen Aufgaben zu erledigen war dann doch sehr fordernd. Aufgrund der Spezialisierung des Colleges war es nicht verwunderlich, dass auch von der technischen Seite her viele Funktionalitäten geboten wurden. Videokonferenzen mit Spracherkennung boten einen technischen Standard, welcher einen nachhaltigen Eindruck hinterließ. Auch für andere Studiengänge ist das College sehr gut aufgestellt: so werden für jene Studenten, die Simultan-Übersetzung als Schwerpunkt gewählt haben, Übersetzungsboxen bereitgestellt und während offizieller Veranstaltungen des Colleges die Studenten eingebunden, um ihre Kenntnisse zu festigen oder sogar um daraus Noten zu gewinnen.

Leben im Gastland

Das grundsätzliche Studienklima in Monterey ist hervorragend, wird aber auch durch kleinere Defizite überschattet. Einige meiner Kommilitonen streben berufliche Position in der Regierung an und hatten daher Bedenken mit mir als Nicht-US-Bürger zu sprechen, da sich dieses in einem Backgroundcheck negativ widerspiegeln könnte. Insgesamt lässt sich allerdings sagen, dass so etwas eher die Ausnahme als die Regel war und ich mehr Freunde gewonnen habe, als dass ich mich durch die Erfahrung abgeschreckt gefühlt hätte. Der Campus liegt mitten in der Innenstadt von Monterey, wo man in veranstaltungsfreien Blöcken die Möglichkeit hat, einen Snack zu erwerben oder auch einen vollständigen Einkauf durchzuführen. Die Stadt Monterey liegt direkt am Pazifik, sodass ein entspannender Spaziergang am Wasser möglich ist oder man in der zentralen Campus-Bibliothek arbeiten kann. Diese stellt nicht nur Flächen für Gruppenarbeiten zur Verfügung, sondern auch Einzelarbeitsplätze im oberen Stockwerk bereit, welches komplett als Ruhebereich ausgewiesen ist. Unabhängig vom College muss man sagen, dass Monterey und auch die umgebenden Städte vom Preisspiegel mit Städten wie München, Frankfurt oder auch Berlin durchaus mithalten können. Eine Wohnung für eine einzelne Person zu finden ist beinahe utopisch, wenn man keine Kreditwürdigkeit nachweisen kann. Diese wiederum erfordert ein regelmäßiges Einkommen in den U.S.A. Ich habe bei der Wohnungssuche nicht nur auf lokale Unternehmen vertraut, sondern bin auch über das Internet fündig geworden. Bei Facebook gibt es eine Gruppe, die sich ausschließlich mit der Wohnungssuche für Middlebury Studenten beschäftigt. Alternativ dazu bot Craigslist viele Wohnungsanzeigen, oder man suchte Kontakt zu anderen Studenten, die selbst noch auf der Suche waren oder jemand kannten, mit dem man zusammenziehen konnte. Das Mieten von einzelnen Räumen ist daher die bessere Lösung, aber auch hier darf man nicht davon abgeschreckt werden, wenn ein kleiner, meist unmöblierter Raum mit gemeinsamer Nutzung von Küche und Bad 750$ und mehr kostet. Natürlich wird es günstiger, je weiter entfernt man vom Campus wohnt, allerdings ist man dann wiederum auf ein eigenes Auto angewiesen, denn viele Städte in den U.S.A. bieten kein ausreichendes Nahverkehrssystem. Ich bin über die erwähnte Facebook-Gruppe in der Nachbarstadt von Monterey, Pacific Grove, fündig geworden und habe dort zur Untermiete in einem Haus gewohnt. Um zum 1,6 km entfernten College zu kommen, habe ich den Bus genutzt, welcher allerdings nur einmal die Stunde fährt. Eine Alternative stellt das Fahrrad dar, jedoch sind die Anstiege nicht zu unterschätzen, sodass man Radfahrer auch häufig schiebend sah. Ein eigener PKW ist aus persönlicher Perspektive die beste Wahl, nicht nur um im Alltag mobil zu sein, sondern auch um die Umgebung sowie Kalifornien und angrenzende Bundesstaaten zu erkunden. Da ich bereits mehrfach in den U.S.A. mit dem PKW unterwegs war, war das Fahren keine größere Herausforderung. Allerdings kann man durchaus sagen, dass es anfangs etwas gewöhnungsbedürftig ist, wenn man keine Rechts-vor-Links-Regelung hat, auf der Autobahn rechts überholt wird oder auch bei roten Ampeln rechts abgebogen werden darf (Regelung wie beim Grünpfeil in Deutschland, wenn nicht anders beschildert). Zum Thema Krankenversicherung muss ich an dieser Stelle als erstes auf eine spezifische Anforderung des Colleges verweisen. Es werden spezifische Angaben herausgegeben, welche Bereiche mit welchen Versicherungssummen mindestens abgedeckt werden müssen. Dabei ist es wichtig im Hinterkopf zu behalten, dass eine Auslandskrankenversicherung und eine Auslandsreisekrankenversicherung zwei unterschiedliche Dinge sind. Wenn man auch gern während des Auslandsaufenthaltes reisen möchte, empfehle ich beides abzuschließen. Alltägliche Dinge sind in den U.S.A. anders als man es aus Deutschland kennt. So sind die Größen der Produkte im Supermarkt meist eher XXL. Mehl, zum Beispiel, kann man nicht nur in 2-kg Packungen kaufen, sondern auch im Riesenformat mit ganzen 11 kg. Ähnliches gilt für Margarine und viele andere Produkte. Hier ist dann auch praktisch, wenn man ein Auto besitzt, denn oft gibt es neben Großverpackungen auch Sparangebote, also 5 für 5 oder 2 für 1, manchmal sogar 10 für 10. Außerdem helfen Mitgliedskarten beim Sparen. Ein Bankkonto in den U.S.A. zu haben ist zwar kein Muss, aber aus persönlicher Erfahrung kann ich nur sagen, dass es einfacher ist. Die Tankfüllung, den Einkauf oder andere Ausgaben mit einer lokalen Karte zu bezahlen heißt keinem schwankenden Umrechnungskurs zu unterliegen, keine Abbuchungsgebühren zu zahlen und, je nach Bank, im gesamten Land einfach an Bargeld zu kommen, ohne dass man es mit sich führen muss.

Studienfach: War and Conflict Studies

Aufenthaltsdauer: 08/2019 - 12/2019

Gastuniversität: Middlebury Institute of International Studies

Gastland: USA


Rückblick

Insgesamt habe ich fast nur sehr gute Erfahrungen gemacht. Ich konnte Kontakte knüpfen, hatte Glück mit meiner Unterkunft und hatte außerdem die Möglichkeit, ausgiebig die Gegend zu bereisen. Eine äußerst negative Erfahrung möchte ich jedoch nicht auslassen. Jeder, der San Francisco mit dem Auto bereist, sollte keinerlei Wertsachen im Auto lassen, sei es vorn, auf dem Sitz oder im Kofferraum. Unglücklicherweise wurde mein Mietwagen aufgebrochen und ein neuer Rucksack samt Laptop gestohlen, obwohl es keinerlei Hinweise auf Wertsachen im Auto gab. Mir wurde von mehreren Seiten danach bestätigt, dass dies in San Francisco sehr häufig passiert, daher seid bitte vorsichtig, denn dieses Gefühl der Hilflosigkeit kann man während eines Auslandsaufenthalts nicht gebrauchen. Zusätzlich gilt es zu beachten, dass man bei einem Studium im amerikanischen Ausland ein J-1 Visum erhält, wenn dieses über eine Hochschulpartnerschaft läuft. In der Regel bekommt man ein F-1 Visum (Studentenvisum). Wenn man nach dem Semester noch etwas Reisen möchte, muss man beachten, dass dies nur für weitere 30 Tage nach Semesterende möglich ist, beim F-1 sind es nämlich 60 Tage. Ein weiterer Hinweis für Studierende mit Familie oder Haustieren: lasst euch nicht abschrecken. Ein Auslandsaufenthalt ist trotzdem möglich, wenn auch mit etwas Mehraufwand verbunden. Ich selbst bin mit meiner Frau nach Kalifornien gezogen, wir haben uns bürokratischen Hürden stellen und wiederholt kleinbeigeben müssen, da das System in den U.S.A. leider nicht so effizient ist, wie wir es uns gewünscht hätten. Wir haben geplant, dass meine Frau mit dem Arbeitsvisum auch einer beruflichen Tätigkeit nachgehen kann. Die Behörde benötigt für die Bearbeitung der zusätzlich notwendigen Arbeitsgenehmigung jedoch vier bis sechs Monate, was bei einem viermonatigen Auslandsaufenthalt nicht produktiv ist. Trotzdem hatten wir eine schöne Zeit und konnten die Vorteile des Aufenthalts ausgiebig nutzen. Für mich war der gesamte Aufenthalt nicht nur prägend, sondern vor allem Wissensbereicherung und letztlich ein wichtiger Schritt in meine berufliche Zukunft. Derzeit strebe ich eine Position im Bereich “Anti-Money-Laundry/Compliance/Counter Terrorism Financing“ an, eine Sparte, mit der ich mich vorher nicht so ausgiebig auseinandergesetzt habe. Dieser Fachbereich stellt aber eine Schnittstellenfunktion in der Terrorismusbekämpfung dar und ich bin dankbar, dass mein Auslandsaufenthalt mir dahingehend die Richtung weisen konnte.

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