Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Schon zu Beginn des Studiums war ich mir sicher, dass ich einen Teil meiner Studienzeit im Ausland verbringen möchte. Insbesondere habe ich mich für die USA interessiert. Die Website der Uni Potsdam bietet hierbei eine Menge Informationen zu den einzelnen Partnerländern und den dazugehörigen Institutionen. Am Anfang der Vorbereitungszeit waren vor allem die Erfahrungsberichte anderer Studenten hilfreich. So konnte ich mir schon vorab einen ungefähren Eindruck der einzelnen potenziellen Gast-Universitäten machen. Weiterhin war es für mich wichtig, mir vorab die fachliche Orientierung der einzelnen Unis etwas näher anzuschauen. So konnte ich mir schon vorher sicher sein, welche Unis meine gewünschten Kurse anbieten. Ich kann jedem raten, sich einfach mal persönlich im International Office bei Frau Subasic vorzustellen und sich ganz unverbindlich zu informieren.


Studienfach: B. Ed. Englisch und Geschichte

Aufenthaltsdauer: 08/2019 - 12/2019

Gastuniversität:Middlebury College

Gastland: USA

Die Bewerbung findet über ein Onlineportal statt. Hier konnte ich drei Wunsch-Universitäten angeben. Es sollte unbedingt sichergestellt werden, dass genügend Zeit für die Bewerbung einplant wird. Vor allem das erforderliche Gutachten eines Hochschullehrers kann bei manchen Dozenten einige Zeit in Anspruch nehmen. Der Fokus der ersten Bewerbungsrunde liegt vor allem auf dem Motivationsschreiben in englischer Sprache. Es ist besonders darauf zu achten, dass es so gut wie möglich auf einen persönlich zugeschnitten ist: Warum möchte man in seinem Wunschland studieren? Warum möchte man gerade an die angegebenen Universitäten (Fokus liegt hierbei auf dem Erstwunsch)? Warum sollte die Uni Potsdam gerade mich an diese Institution senden? Es ist sehr (!) hilfreich, wenn schon hier zu erkennen gegeben wird, dass man sich mit dem Kursplan und dem Profil der möglichen Gast-Uni beschäftigt hat. Eine große Hilfe waren hier sowohl das International Office als auch der Career Service der Uni Potsdam. Nach einer Vorauswahl wurde ich für die zweite Bewerbungsrunde – einem persönlichen Gespräch – eingeladen. Hier wurden nicht nur meine persönlichen Motive näher betrachtet, sondern auch landesspezifische Fragen gestellt. Nach der Nominierung durch die Uni Potsdam musste ich mich noch auf einem Onlineportal vom Middlebury College bewerben, da die endgültige Entscheidung über die Zulassung immer die jeweilige Gasthochschule trifft und nicht die Uni Potsdam. Aber kein Stress: Bisher wurde jeder angenommen, der durch die Uni Potsdam nominiert wurde. Das Middlebury College bietet seinen Studenten eine Krankenversicherung an, welche jedoch ziemlich kostenintensiv ist (circa $1225 pro Semester). Ich nahm die Möglichkeit wahr, diese abzulehnen und mir selbst eine Versicherung zu suchen. Mit der HanseMerkur zahlte ich lediglich circa 260€ für den gesamten Aufenthalt. Außerdem wird von allen Auslandsstudenten verlangt, dass sie gewisse Impfungen nachweisen können. Diese und alle weiteren wichtigen Bestimmungen werden einem jedoch alle von dem ISSS (International Student & Scholar Services) frühzeitig mitgeteilt. Einer der wichtigsten Schritte war das Visum, um das man sich selbstständig kümmern musste. Um das Visum sollte man sich nach der Zulassung zum Auslandsstudium so frühzeitig wie möglich bemühen, da die Termine im Konsulat sehr begehrt sind und mitunter lange Wartezeiten vorkommen können. Es ist hierbei wichtig zu beachten, dass man in das Konsulat keine elektronischen Geräte mitnehmen darf und es außerdem keine Aufbewahrungsmöglichkeiten für jene Gegenstände gibt. Das Handy sollte man daher zu Hause lassen. Alle notwendigen Details zum Visaantrag und dem (völlig unkomplizierten) Visatermin werden vom International Office, dem ISSS in Middlebury und dem Konsulat selbst ausreichend kommuniziert. Die Kontaktaufnahme mit dem ISSS erfolgte recht schnell nach der Zusage und verlief durchgehend problemlos. Alle meine Fragen konnten mir zuverlässig beantwortet werden, wodurch mögliche Unsicherheiten schnell verschwanden. Es ist auch das ISSS-Büro, das einen Shuttleservice vom nächstgelegenen Flughafen in Burlington zum College organisiert, sodass man sich keine großen Sorgen machen muss, wie man nach Middlebury kommen soll. Ich persönlich nutzte die Gelegenheit, nach dem Abschluss des Sommersemesters in Potsdam, indem ich noch einige Zeit vor Start des Semesters in Middlebury in New York City verbrachte. Ein Punkt, der für mich sehr relevant war, war die Finanzierung des Auslandsaufenthalts. Daher bewarb ich mich sowohl für das PROMOS-Stipendium als auch für eine Förderung durch die German-American Fulbright Commission. Für beide bekam ich den Zuschlag und erhielt so insgesamt 3.600€, der meine finanzielle Sicherheit für meine Zeit in den USA deutlich stärkte.

Studium an der Gastuniversität

Direkt zu Beginn des Aufenthaltes am Middlebury College wird man als Austauschstudent von Studenten und Mitarbeitern betreut. Während des Early-Arrival Wochenendes lernte man die anderen Austauschstudenten und Erstsemester-Studenten, die nicht aus den USA stammen, kennen und wurde mit dem College bekannt gemacht. In der darauffolgenden Einführungswoche wurden wir Austauschstudenten von einheimischen Studenten betreut und durchliefen ein auf uns zugeschnittenes Programm, um unser neues Zuhause besser verstehen- und kennenzulernen. Außerdem erhält jeder Austauschstudent einen academic advisor, welcher ein Dozent des Colleges ist und einem bei der Kurswahl und anderen organisatorischen Sachen behilflich ist. Mein academic advisor schaffte es beispielsweise, mich in einem meiner absoluten Wunschkurse unterzubringen, obwohl dieser schon maßlos überfüllt war. Das Middlebury College hat es geschafft, dass ich mich von Anfang an sehr gut aufgehoben und gut in den alltäglichen Ablauf integriert gefühlt habe. Middlebury unterscheidet sich teilweise deutlich von der Universität Potsdam. Als Liberal Arts College schreiben sich Studenten nicht in konkrete Studiengänge ein, sondern haben die Möglichkeit, sich in ihren ersten Semestern etwas auszuprobieren und erst später im Studium ihren Studienfokus zu setzen. Das führte oft zu einer guten Durchmischung der Studenten innerhalb der Lehrveranstaltungen, was mir sehr gefiel. In Middlebury studieren etwa 2.500 Studenten, weshalb die Anzahl der Kursteilnehmer geringer war als in meinen bisherigen Kursen in Potsdam. Durchschnittlich waren etwa um die 25 - 30 Mitstudenten anwesend. Ich hörte aber auch, dass in manchen Studienrichtungen die Anzahl der Kursteilnehmer noch viel geringer sein kann. Ich belegte insgesamt drei Kurse, welche mir alle in Potsdam angerechnet werden können – Möglichkeiten bezüglich der Anerkennung von Leistungen im Ausland klärte ich schon rechtzeitig vor Abreise mit den Vorsitzenden der Prüfungsausschüsse meiner Studienfächer ab. Die Anforderungen der Lehrveranstaltungen sind teilweise deutlich höher als in Potsdam. Für die Organisation der Vor- und Nachbereitung der Kurse ist nicht der Lernende selbst zuständig, sondern erfolgte vor allem durch die Lehrenden. Das bedeutete regelmäßige Tests, Midterm-Examen, Reading Reviews und Essays – es gibt also nicht nur eine Prüfung, die die Endnote ausmacht, sondern mehrere Teilbestandteile. Ergänzt wird das durch große Mengen an Lektüre. Außerdem wurde in allen meinen Kursen die mündliche Mitarbeit bewertet – diese machte bis zu 40 % der Endnote aus. Ich vermute, dass die Intensivität des Studiums vor allem an dem „Elite-College“-Status liegt, der dem Middlebury College zugesprochen wird. Es dauerte einige Zeit, um sich an diese neue Lernbelastung anzupassen, war jedoch gut machbar. Die Leistungsbewertung war dementsprechend etwas fordernder als in Potsdam. Sobald man die Veranstaltungen regelmäßig besucht, sich einbringt und ausreichend lernt, sollten gute bis sehr gute Noten jedoch kein Problem sein. Mir kam es so vor, dass Austauschstudenten immer ein wenig freundlicher bei der Notenvergabe behandelt worden sind. Im Allgemeinen ist das Studienklima absolut fantastisch. Der Großteil der Studenten steckte viel Mühe in die Vorbereitung der einzelnen Kurse, sodass Diskussionen leicht zustande kommen konnten. Man merkte aber auch deutlich, dass den einzelnen Lehrenden viel daran lag, dass die Studenten möglichst viel durch Lehrveranstaltungen mitnehmen. Lehrpersonen in Middlebury haben deutlich weniger Kurse zu stemmen als Lehrende in Potsdam. Sie hatten dementsprechend sehr viel Zeit, sich auf ihre Stunden vorzubereiten und diese spannend zu gestalten. Ich hatte zu keiner Vorlesung und zu keinem Seminar den Eindruck, dass der Lernstoff lieblos heruntergebetet wird und es kam (unglaublich, aber war) quasi nie Langeweile auf. Außerdem stand man mit den Lehrpersonen in Middlebury in einem sehr guten (fast schon freundschaftlichen) Verhältnis – sowohl innerhalb als auch außerhalb der einzelnen Lehrveranstaltungen. In Middlebury ist es außerdem völlig normal, dass man am Anfang des Semesters zu seinen Kursleitern in die Sprechstunde – die „office hours“ – geht, um diese besser kennenzulernen. Das nahm auch ich in Anspruch und würde es ebenfalls jedem künftigen Austauschstudenten ans Herz legen. So konnten sich die Professoren einen ersten Eindruck von einem verschaffen, was wirklich sehr hilfreich ist, da man – wie oben schon beschrieben – wirklich viel mündlich leisten muss in den einzelnen Kursen. Als ich einen Professor nach der Zitierweise fragte, welche er für die schriftlichen Arbeiten in seinem Kurs bevorzugt, griff er in sein Bücherregal hinter sich und zog ein Buch über das amerikanische wissenschaftliches Schreiben hervor und schenkte es mir augenzwinkernd mit den Worten: „Das ist eigentlich aus der Bibliothek. Aber die haben so viele von denen, dass sie sicher gar nicht merken, wenn eines davon fehlt.“ Mit zwei meiner drei Kursleitern stehe ich bis heute noch in Kontakt. Alle meine Kurse waren unglaublich lehrreich und interessant. Middlebury verfügt über technisch sehr gut ausgestattete Vorlesungs- und Seminarräume. Für meine Studiengänge brauchte ich keine besonderen technischen Ausstattungen, jedoch habe ich mir von Mitstudenten sagen und zeigen lassen, dass Middlebury seinen Studenten großartige Möglichkeiten gibt, sich intensiv mit ihren Studieninteressen zu beschäftigen. Beispielsweise haben mir Freunde, die Filmwissenschaften studieren, das hauseigene Filmstudio des Colleges gezeigt. Sie hatten außerdem die Erlaubnis, professionelle Kameras auszuleihen und so Filmprojekte außerhalb des Campus zu drehen. Weiterhin verfügt Middlebury über allerhand Labore, mehrere Theaterbühnen, Konzertsäle und noch viele weitere besondere universitäre Ausstattungen.

Kontakt zu einheimischen und internationalen Studierenden

Zur Anfangszeit in Middlebury unternahm man vor allem etwas mit den anderen international students und den Austauschstudenten, da man mit ihnen die gesamte erste Woche quasi ununterbrochen verbringt und sich somit mit ihnen die ersten Freundschaften ergeben. Sobald die eigentliche Vorlesungszeit losgeht, kommt man gar nicht mehr drum herum, mit einheimischen Studenten in Kontakt zu treten. Die allermeisten Studenten in Middlebury sind sehr herzlich und offen – es war nie ein Problem mit anderen in Kontakt zu treten. Es gibt unzählige Möglichkeiten sowohl einheimische als auch ausländische Studenten kennenzulernen. So organisieren sich ausländische Studenten beispielsweise in der International Students Organization. Aber auch außerhalb von offiziellen Organisationen ist es nicht schwer neue Bekanntschaften zu knüpfen. Ob im Crossroads Café (einem Café mitten auf dem Campus, das von Studenten betrieben wird), auf einer der vielen Collegepartys oder im The Grille (das Campus-Restaurant, das bis spät am Abend noch Essen serviert): Man findet problemlos Anschluss zu seinen Kommilitonen.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Schon vor dem Auslandsaufenthalt waren meine englischen Sprachkompetenzen stark ausgeprägt. Durch den permanenten Kontakt zu einheimischen Studenten und der Teilnahme an den Lehrveranstaltungen lernt man jedoch selbstverständlich einiges dazu. So lernte ich vor allem ganz neue Redewendungen und Slang-Wörter, die man in einer akademischen Laufbahn eher selten benutzen würde. Middlebury ist landesweit dafür berühmt einen großen Wert auf die Sprachbildung zu legen. Das bedeutet, dass ein immenser Teil der Studenten eine zweite Fremdsprache lernt. Je nach Freundeskreis kann man dadurch einige Wörter und Sätze auf Chinesisch, Französisch, Portugiesisch, Italienisch… (diese Liste könnte nun sehr lang werden) aufschnappen. Das bringt Middlebury oft ein gewisses internationales Flair. Weiterhin denke ich, dass es mir nun deutlich leichter fällt auf Englisch „einfach drauf los“ zu sprechen, ohne vorher noch groß darüber nachzudenken, wie ich denn nun einen Satz formulieren könnte – vor allem zu schwierigeren akademischen Themen.

Wohn- und Lebenssituation

Die allergrößte Erleichterung gleich vorab: ein Auslandsstudium am Middlebury College bedeutet automatisch, dass man weder für seine Unterkunft noch für Essen und Trinken aufkommen muss! Alles wird komplett kostenfrei gestellt. Nachdem man einen kurzen Fragebogen ausgefüllt hat (Fragen waren unter anderem bezüglich des eigenen Ordnungssinns, des Schlafverhaltens oder ob man Alkohol oder Zigaretten konsumiert), wird man einem passenden Zimmernachbarn zugewiesen oder in ein Einzelzimmer eingeteilt. Ich war sehr froh, dass ich ein Zimmer nur für mich alleine bekommen habe, was bei vielen Studenten in Middlebury sehr begehrt ist. In Middlebury werden alle Studenten in fünf verschiedene Commons eingeteilt. Commons sind Zusammenschlüsse von Studenten, die mit den Hogwarts-Häusern aus Harry Potter zu vergleichen sind. Je nachdem in welchem Commons man ist, wird man einem anderen Wohnheim zugeteilt. Auch als Austauschstudent wird man in das Commons System eingegliedert und so wurde ich Teil des Brainerd Commons. Neben Brainerd gibt es noch vier weitere Commons: Atwater, Cook, Ross und Wonnacott – alle benannt nach herausragenden Persönlichkeiten des Middlebury Colleges. Mein Zimmer war mit einem Bett, einem Tisch, einem Stuhl und einem Kleiderschrank recht spärlich eingerichtet. Tipp von mir: Im Recycling Center des Colleges kann man gebrauchte Gegenstände von anderen Studenten kostenlos abholen und somit sein Zimmer (und sein Leben) verschönern. Völlig kostenlos konnte ich somit einen riesigen Teppich, Lampen, eine große Sporttasche, eine große Menge an Second-Hand-Klamotten und vieles mehr ergattern. Auf meinem Flur im Wohnheim lebten noch viele andere Studenten. Viele von ihnen lassen ihre Tür den ganzen Tag offen und signalisieren somit, dass jeder hereinkommen darf, der das Bedürfnis hat sich zu unterhalten. Es gab ein großes Gemeinschaftsbadezimmer mit mehreren Duschen in Einzelkabinen. Wer das nicht gerne hat, kann eines der vier Einzelbadezimmer benutzen, in denen man eher seine Ruhe hat. Es gibt auf dem gesamten Campus insgesamt drei Mensen, in denen bis zum späten Abend Essen ausgegeben wird. Die Auswahl ist wirklich sehr groß – vor allem wird auf einen gesunden Lebensstil geachtet und dass eine große Zahl der Lebensmittel aus der Region kommt. Auf Burger, Pizza und Pommes muss man jedoch nicht verzichten, wenn man das gerne hat. Ich empfehle vor allem die wechselnden Eissorten – hergestellt von lokalen Molkereien und so lecker, dass man am liebsten zu jeder Mahlzeit zwei Kugeln Eis isst. Middlebury ist ein vergleichsweise kleiner Ort, der trotzdem einiges zu bieten hat: Neben dem schönen Wasserfall im Stadtkern gibt es einige nette kleine Geschäfte, mehrere Restaurants und Supermärkte. Hin und wieder gibt es auch Bauernmärkte und kleinere Veranstaltungen in Middlebury. Da das vielen nicht abwechslungsreich genug wäre, bemüht sich das College und seine Studenten sehr darum, dass auf dem Campus immer etwas los ist und ausreichend Freizeitbeschäftigungen angeboten werden. Es gibt Unmengen von studentischen Organisationen und Clubs, sodass wirklich jeder etwas finden kann, wofür er sich interessiert und begeistern kann. Ich wurde somit Teil der College-Radiostation (WRMC) und hatte zusammen mit zwei Freunden eine wöchentliche Radioshow. Außerdem nahm ich an mehreren Veranstaltungen des Middlebury Shooting Sports Clubs teil. Die Waffenreglementierung in Vermont ist relativ locker, weshalb es für uns möglich war, mit allerhand Handfeuerwaffen (von Pistolen, Revolvern bis hin zu Gewehren und Schrotflinten) an einem Schießstand (natürlich mit ausgebildetem Schießleiter) zu schießen. Andere Clubs und Organisationen sind vor allem in Feldern wie Sport, Politik (College-Democrats sind unglaublich gut politisch organisiert) oder Umweltschutz (einige fahren regelmäßig zu Demonstrationen – auch über Bundesstaatsgrenzen) tätig. Außerdem werden an jedem Wochenende eine Vielzahl von Partys auf dem gesamten Campus organisiert, die wirklich sehr viel Spaß machen können. Jedoch Achtung: Auf dem Campusgelände ist der Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit verboten und wird auch vom Sicherheitsdienst des Colleges verfolgt (auch wenn es keinerlei gravierende Konsequenzen nach sich zieht). Sollte man trotz der vielen Freizeitangebote das Bedürfnis haben den Campus zu verlassen, verbindet das lokale Busunternehmen Middlebury mit größeren Städten – ich kann vor allem Burlington (die Busfahrt kostet lediglich $4) wärmstens empfehlen. Größere Busunternehmen verbinden Middlebury auch mit größeren Städten: Montreal, Boston und New York City sind beispielsweise für amerikanische Verhältnisse nicht weit entfernt. Außerdem werden Sportveranstaltungen der College-Teams aus Middlebury immer zahlreich besucht. Besonders spannend war die letzte Football-Saison – die Middlebury Panthers gewannen ungeschlagen den Saisontitel. Es war immer unglaublich schön mit Freunden jeden zweiten Sonntag ins Football-Stadion zu gehen, die Panthers gegen andere College-Teams spielen zu sehen und dem College-Alltag ein wenig zu entfliehen. Aufgrund der vielen Freizeitaktivitäten und der relativ guten Anbindung an andere Ortschaften kann ich künftigen Austauschstudenten empfehlen, sich für die Zeit in Middlebury kein Auto zu kaufen. Meist lernt man sowieso einheimische Studenten kennen, die ein Auto besitzen und mit denen man dann Kurztrips unternehmen kann. Innerhalb des Semesters hat man immer mal wieder kurze Ferienzeiten, die man auch sehr gut nutzen kann, um etwas mehr von den USA zu sehen. Während der Fall Break-Ferien zog es meine Freunde und mich für eine knappe Woche nach New York City. Während der Thanksgiving Break-Ferien mieteten wir uns für eine Woche zu siebt eine kleine Hütte mitten im Nirgendwo in den Adirondack Mountains im Bundesstaat New York – ohne WLAN, aber dafür mit unvergesslichen Abenden am Kamin, Wandertouren durch die verschneite Wildnis und dem ersten Thanksgiving-Truthahn, den ich jemals eigenhändig zubereitet habe. Ich kann jedem nur dringend dazu raten, dass diese Kurzferien dazu genutzt werden, dem Lernstress zu entfliehen und aus der College-Filterblase herauszukommen und sich das „echte“ Amerika anzuschauen. Mein „Geheimtipp“ zum Schluss: Falls ihr mal Heimweh habt oder euch einfach mal wieder auf Deutsch unterhalten wollt, dann empfehle ich die wöchentlich stattfindende Kaffeestunde des Deutschhauses. Als Deutsch-Student hat man in Middlebury die Möglichkeit im Deutschhaus zu wohnen, in welchem (zur Übung der Sprache) ausschließlich Deutsch gesprochen werden soll. Die Bewohner des Deutschhauses und die Assistenzlehrkraft der Deutschfakultät organisieren immer wieder Events, bei denen deutsche und amerikanische Kultur einander nähergebracht werden sollen. Bei deutschem Essen (vor allem ganz toller Kuchen) trifft man sich zu einer ganz zwanglosen und entspannten Kaffeerunde und spricht über alles Mögliche. Ich fand, dass es für die einheimischen Deutschstudenten immer besonders spannend war, wenn sie auch Muttersprachler bei sich hatten, mit denen sie sich unterhalten konnten. Andere Highlights des Deutschhauses waren die Mauerfall-Party und das Oktoberfest.

Lebenshaltungskosten

Die Lebenshaltungskosten halten sich wirklich sehr in Grenzen, wenn man Austauschstudent in Middlebury ist. Wie bereits beschrieben, ist die Unterkunft und die Verpflegung völlig kostenlos, was nicht nur ein gewaltiger Vorteil, sondern auch einer der ausschlaggebenden Punkte war, warum ich mich für Middlebury entschieden habe. Einige Kosten kamen durch das Kaufen von Büchern auf mich zu, da alle meine Kurse sehr leseintensiv waren. Der amerikanische Markt für akademische Bücher ist dafür verschrien, dass teilweise unverschämte Preise verlangt werden. Es bietet sich daher an, so schnell wie möglich (also sobald man die Literaturliste seines Kurses vorliegen hat) die entsprechenden Bücher aus zweiter Hand aus dem Internet zu bestellen. Wie schon weiter oben beschrieben, kann man wirklich SEHR viel Geld damit sparen, wenn man nicht die Krankenversicherung des Colleges (mit ziemlich schlechten Konditionen) annimmt, sondern sich selber um seinen Versicherungsschutz kümmert. Der Zeitaufwand, den man dafür aufwenden muss, lohnt sich zu 100%, wenn man mit dem gesparten Geld eine tolle Reise antreten kann und sich immer sicher sein kann, dass auch Zahnarztbehandlungen versichert sind (diese sind beispielsweise im Versicherungsschutz des Colleges gar nicht enthalten!). Die generellen Lebenshaltungskosten in Vermont sind teilweise teurer als wir es in deutschen Großstädten gewohnt sind.

Studienfach: B. Ed. Englisch und Geschichte

Aufenthaltsdauer: 08/2019 - 12/2019

Gastuniversität:Middlebury College

Gastland: USA


Rückblick

Middlebury war der perfekte Ort für ein Auslandsstudium in den USA. Ich kann es gar nicht anders beschreiben. Die finanziellen Vorteile (kostenfreie Unterkunft und Verpflegung) sind vor allem fantastisch für Studenten, die nicht mit wohlhabenden Eltern gesegnet sind. Die Möglichkeit sich von Stipendienprogrammen fördern zu lassen hat mir darüber hinaus noch weitere Türen aufgemacht, da ich dadurch finanziell sehr gut abgesichert war. Neben diesem Faktor ist Middlebury auch ein äußerst besonderer und geeigneter Ort, um sich akademisch und privat entfalten zu können. Ich hatte zu jeder Zeit das Gefühl, dass sich irgendjemand – sowohl Kommilitonen als auch College-Personal – dafür interessiert, was ich denke und wie ich mich fühle. Man wird in Middlebury von der Gemeinschaft nicht alleine gelassen. Das Kursangebot ist gigantisch und unterscheidet sich teilweise ganz immens von den Möglichkeiten, die man in Potsdam hat. Ich hatte das Glück, dass ich zu jeder Zeit einen Rückzugsort nur für mich alleine hatte – mein Zimmer. Ich wüsste nicht, ob mich das eventuell gestört hätte, wenn ich mein Zimmer hätte teilen müssen. Ich vermute jedoch, dass die positiven Seiten eines netten Zimmernachbarn trotzdem überwiegen. Hin und wieder kam ich zwar etwas in Lernstress, jedoch ließ dieser Zustand nach einer gewissen Gewöhnungszeit auch wieder nach. Vor allem empfehle ich den künftigen Austauschstudenten, dass sie ihre ganz eigenen Erfahrungen machen, sich auf neue Sachen einlassen und sich eventuell von einer ganz neuen Seite kennenlernen können. Ich werde niemals den ersten Schnee in Vermont vergessen. Ebenso nicht den ersten schweren Schneesturm, die vielen Stunden in der einzigartigen Natur Neuenglands, die vielen Stunden auf den Highways zusammen mit Freunden oder meinen ersten Vortrag vor 50 einheimischen Studenten. Die Zeit in Middlebury hat mich nicht nur akademisch, sondern vor allem persönlich viel weitergebracht und mich als Menschen weiterentwickelt. Middlebury wird immer einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen haben. Falls Interesse besteht, sich persönlich mit mir über Middlebury auszutauschen, stellt das International Office und Frau Subašić mit Sicherheit den Kontakt zwischen euch und mir her. Ich beantworte mit Freude alle eure Fragen.

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