Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Etwa ein Jahr vor dem Antritt meiner Reise erfuhr ich von einer Kommilitonin, dass der Musikbereich zwei Plätze für ein Erasmus-Semester zu vergeben hatte. Sie war interessiert und ich hatte schon länger über einen Auslandsaufenthalt nachgedacht. Über den jährlich stattfindenden International Day der Uni Potsdam hatte ich auch erfahren, wie so etwas ablaufen kann (Gastländer, Finanzen, usw.). Die freien Plätze gab es an der Uni Liverpool, welche ein großes Angebot an Kursen hat – von der Klassischen Instrumentalausbildung, über Musikwissenschaft verknüpft mit sozialen Themen, bis hin zur Musikproduktion (die mich besonders interessiert). Da ich schon einschätzen konnte, dass ich es finanziell stemmen kann, entschied ich mich recht spontan dafür, füllte die Bewerbung aus und nahm Kontakt zur Erasmus-Zuständigen im Musikbereich (Frau Uta Meyer) und Herrn Prof. Thorau auf, der die Uni Liverpool als Gast-Uni gewonnen hatte. Meine Kommilitonin entschied sich auch für das Erasmussemester und wir bauten über das International Office Kontakt zu jemandem auf, der gerade in Liverpool war. Wir fragten sie unter anderem nach guten Wohnmöglichkeiten – mehr dazu unter dem Punkt „Wohn-  und Lebenssituation“.


Studienfach:  Musik und Englisch (Lehramt Primarstufe)

Aufenthaltsdauer: 03/2021 - 06/2021

Gastuniversität: University of Liverpool

Gastland: Großbritannien

Studium an der Gastuniversität

Das Studium ist aus frei wählbaren „Modules“ aufgebaut, von denen vier gewählt werden können, insbesondere bei Kursen aus einem höheren Fachsemester: Auf benötigtes Vorwissen/ Qualifikationen achten. 15 LP pro Module, ca. und zwei bis drei (Zwischen-) Prüfungen, die alle in die Endnote mit einfließen. Den Zeitaufwand pro Kurs und Woche schätze ich zwischen  vier und acht Stunden ein. Für die Abgaben habe ich noch einige Stunden extra benötigt. Das Bewertungssystem steht in „Prozent“, wobei eine Bewertung über 80 % selten ist, nur für besonders herausragende Leistungen vergeben wird und 70-80 % schon die beste Note darstellen. Das Minimum um einen Kurs zu bestehen sind 40 %. Im Frühjahr 2021 waren aufgrund der Covid-19 Pandemie alle meine Kurse online, weshalb ich nichts über die Uni-Gebäude oder Präsenzveranstaltungen sagen kann. Die Hauptplattform fürs digitale Lernen war „Canvas“ (https://liverpool.instructure.com/), auf der Kursinhalte abgerufen werden konnten. Für Live-Seminare wurde Zoom benutzt und Microsoft Teams kam auch bei manchen Dozierenden zum Einsatz. Es gibt auch viele Möglichkeiten zur individuellen Beratung. Beispielsweise hat der Fachbereichsleiter uns zwei Erasmusstudierende zu einem Meeting eingeladen und es gab in allen Kursen Möglichkeiten für individuelle (digitale) Treffen mit Dozent:innen. Das Klima war sehr offen und herzlich – die Dozierenden werden z.B. mit Vornamen angesprochen, zu persönlich sollte man natürlich trotzdem nicht werden. Ich habe mich auch als Abschied mit einem Dozenten auf einen Kaffee getroffen. Das ist dort viel normaler als hier. Es gibt auch die Möglichkeit sich für das Austauschpartner:innen-Programm anzumelden. So kann dir ein „Buddy“ zugewiesen werden, der/die schon länger an der Uni studiert. Du kannst auch selbst entscheiden wie viel Kontakt du mit der Person haben möchtest. Die Anmeldung funktioniert über ein einzelnes ankreuzbares Kästchen, was auf der englischen Bewerbungsplattform zu finden ist. Dort, wo man auch seinen Reisepass und Infos zu bisherigen Qualifikationen hochladen soll. Also Ausschau halten nach den Worten „Exchange Buddy Programme“. Mein Buddy hat ca. einen Monat vor Beginn des Semesters meine E-Mail-Adresse mitgeteilt bekommen und mich dann kontaktiert.

Kontakte zu einheimischen und internationalen Studierenden

Das genannte Parter:innen-Programm ist eine gute erste Anlaufstelle, um mit einheimischen Studierenden in Kontakt zu kommen – insbesondere im Online-Semester. Ich empfehle auch in günstigen Momenten bei Breakout-Sessions ein bisschen Smalltalk anzufangen und vielleicht so Kontakte zu knüpfen. Was ausländische Studierende angeht, wurde eine privat organisierte WhatsApp-Gruppe ins Leben gerufen, in der wir Erasmusstudierenden uns austauschen und Treffen organisieren konnten. Das englische Equivalent vom International Office ist der beste Anlaufpunkt, um nach so einer Gruppe zu fragen (erasmusliverpool.acuk). Dieses „Study Abroad Team“ ist ein guter Ansprechpartner für alles rund um das Studium an der Gastuni. Eine weitere Möglichkeit um garantiert in Kontakt mit anderen Studierenden zu kommen, ist das Leben in einer uni-eigenen Wohneinrichtung. Mehr dazu weiter unten.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Es ist gut, vor dem Aufenthalt schon sicher in Alltagsenglisch und halbwegs fit in Vokabular zum eigenem Fachbereich zu sein, denn für viele Kurse ist es wichtig, akademische Texte auf Englisch verstehen zu können. Es gibt einen Sprachkurs für Erasmus-Studierende, der während des Semesters stattfindet und über das normale Kurswahlsystem gewählt werden kann. Es gibt auch die Möglichkeit, finanzielle Unterstützung für private Sprachkurse zu bekommen. Dazu gibt es einen Antrag im Moodle-Kurs vom International Office. Durch den Aufenthalt konnte ich insbesondere mein Alltagsenglisch festigen, bzw. die Grundlagen auffrischen. Auch ist mein Selbstbewusstsein im Reden über komplexe Themen, insbesondere bezogen auf verschiedene Musikthemen, gewachsen. Auch in diesen Bereichen habe ich meine Fähigkeiten verbessert, mich mitzuteilen und zu diskutieren. Was andere Lernprozesse angeht, haben das Kennenlernen von beispielsweise der britischen Kultur oder des Gesundheitssystems dazu geführt, meine eigene Lebenswelt in Perspektive zu setzten, Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu erkennen, Stärken und Schwächen zu finden. Das interkulturelle WG-Leben hat nicht nur viel Spaß gemacht, sondern hat mich auch noch weiter für unterschiedliche Lebensstile und Bedürfnisse sensibilisiert.

Wohn- und Lebenssituation

Ich habe ein paar Monate vor Abreise auf verschiedenen Internetseiten nach einem Zimmer gesucht. Die Unterkünfte der Uni (Standorte sind nach Semester geordnet) kamen auch in Frage, die privat vermieteten Optionen waren aber oft günstiger. Ein Vorteil der Uni war, dass man während der Quarantäne Essen an die Tür gebracht bekommen konnte und einfach Kochutensilien dazubuchen konnte. Ersteres hat nicht immer ganz zuverlässig geklappt, wie ich von Kommilitonen gehört habe. Letztendlich fand ich ein Zimmer in einem Reihenhaus in Kensington über „Spare Room“ (https://www.spareroom.co.uk/), das ich unter anderem gewählt habe, weil dort schon ein Paar Leute wohnten und ich ungern allein sein wollte. Im Vorfeld baute ich über die Vermieterin Kontakt zu einer der Mieterinnen auf, um sicher zu gehen, dass die Wohnung wirklich existiert und vor allem wirklich so neu und sauber ist wie auf den Bildern. Eine Mitbewohnerin erzählte mir später, dass sie bei Wohnungsbesichtigungen in Kensington mehrmals die Zimmer in einem viel schlechteren Zustand anfand als angegeben. Kensington ist ein sehr studentischer Stadtteil Liverpools, der in Laufentfernung zum Stadtzentrum liegt (ca. 15-20) - Fahrräder lassen sich per App schnell ausleihen, für E-Scooter braucht es in England jedoch einen Führerschein. In Liverpool ist allgemein mehr Müll auf den Straßen als im, auch nicht besonders sauberen, Berlin. So also auch in Kensington. Die Bezirke außerhalb des Zentrum sind oft ein kleines bisschen heruntergekommen, oder wie ich es sage: urbaner Flair. Es gibt viele Restaurants und wer gerne Essen bestellt, wird vom Deliveroo-Boom durch Corona profitieren. Auch existiert ein brauchbares Busnetz, für viele sind aber Taxis oder Uber die erste Wahl. Busse in weniger touristischen Gegenden zeigen außerdem nicht die Stationen an, also besser mit GPS nachprüfen, wann du raus musst! Die Preise für Lebensmittel sind etwas höher als in Berlin oder dem Land Brandenburg, wobei Bars und „Pubs“ im Vergleich zu vielen anderen europäischen Ländern noch preislich in Ordnung sind. Von den Freizeiteinrichtungen kann ich leider coronabedingt nicht viel berichten, es gibt jedoch etliche Museen, eine Philharmonie, die Metropolitan Church (beeindruckend), Beatles-Attraktionen, einiges an Street Art und viel Gastronomie. Mit dem National Health System (NHS) hat die UK eine gratis medizinische Versorgung, auf die alle (auch ausländische Studierende) ein Anrecht haben. Ich empfehle, sich so bald man ankommt an einen Standort/Arzthaus des NHS zu richten und sich registrieren zu lassen. Diese Standorte werden GP (General Practice) genannt und soweit ich weiß ist es auch nicht schlimm, wenn du dich erst im Krankheitsfall registrierst (in die Notaufnahme kannst du immer), aber es spart im Ernstfall Nerven, wenn du deine NHS Nummer schon vorher hast. Theoretisch kannst du so nach der Registrierung auch telefonisch Arzttermine vereinbaren, du wirst aber wahrscheinlich nur einen bekommen, wenn es ernst klingt. Eine Mitbewohnerin hatte starke Knieschmerzen in ihrer ersten Woche im neuen Job und hat erst eine Woche später ein Telefongespräch mit einem Arzt bekommen, der ihr nur riet, Ibuprofen zu nehmen und sich auszuruhen. Eine einheimische Freundin erzählte später, dass das normal sei – auch in ihrer Heimat nördlich von Liverpool. Das NHS ist also etwas unterfinanziert, es gab aber z.B. auch recht früh gratis Corona-Tests (PCR und Schnelltests).

Studienfach:  Musik und Englisch (Lehramt Primarstufe)

Aufenthaltsdauer: 03/2021 - 06/2021

Gastuniversität: University of Liverpool

Gastland: Großbritannien


Rückblick

‚In hindsight‘ ist mir aufgefallen, wie wichtig mein Wohnumfeld war. Vor allem die Mitbewohner:innen haben mir sehr geholfen, anzukommen und Spaß zu haben. Das viele Zuhause hocken durch Corona war natürlich ein Grund dafür. Ich empfehle auch, wie gesagt, aktiv nach (einheimischen) Kontakten zu suchen um noch einen besseren Zugang zur Kultur und Sprache zu bekommen. Im Nachhinein wäre ich gerne mehr gereist. Besonders Schottland und Wales haben sehr schöne Ecken und sind gut zu erreichen (z.B. per Zug). Ich würde auch empfehlen, Kurse zu wählen, die es an der Heimatuni nicht gibt, um den Horizont und das Wissen zu erweitern. Das hat die Uni für mich besonders interessant gemacht und für mich war es nicht schlimm, nur 1-2 Kurse anrechnen lassen zu können. Special Tip: Die Inhalte der Kurse nach dem Semester auf dem eigenem Computer sichern! Das geht auf ‚Canvas‘ teilweise über einen einfachen Button, oder eben manuell. Nach der Heimreise lohnt es sich finde ich auch, in den Aushängen der eigenen Uni nach ausländischen Studierenden Ausschau zu halten, die Sprachpat:innen oder ähnliches suchen. Das ist eine gute Möglichkeit, um weiter zu lernen – egal ob für Sprachliebhaber:innen oder Kulturinteressierte. Sonstige Tipps: Ein Erasmus-Semester in Großbritannien machen! Die Zukunft des Programms ist meines Wissens nach wegen dem Brexit nicht sicher.

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