Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Wie vermutlich die meisten Englischstudierenden hatte auch ich den Wunsch, eine Zeit lang im englischsprachigen Ausland zu leben, vorzugsweise in Großbritannien, da mich die britische Kultur interessiert und ich zuvor auch alle Sprachmodule in britischem Englisch absolviert hatte. Demzufolge war es für mich selbstverständlich, dass ich ein Erasmus-Semester im Vereinigten Königreich verbringen wollte. Nach dem Bewerbungsverfahren und nachdem ich die Zusage der University of Southampton bekommen hatte, mussten erst einmal alle nötigen Unterlagen dorthin kommuniziert werden, zudem erfolgte eine erste, vorläufige Kurswahl mit dem Module Preference Form. Zu Komplikationen kam es dabei aber, da wir als Erasmus-Studierende in Southampton nicht wie angenommen im English Literature Studiengang eingeschrieben waren, sondern im Studiengang Modern Languages, wodurch es zu Einschränkungen in der Kurswahl kam. Zudem gab es Probleme, da einige Kurse kurzfristig auf ein anderes Semester verlegt oder abgesagt wurden, wodurch sich die Kurswahl schon im Vorfeld mehrmals änderte. Auch die Suche nach einer Unterkunft kann in manchen Fällen zur Herausforderung werden. Am Idealsten ist es, wenn man bereits Kontakte in Southampton hat oder man einen der begehrten Wohnheimplätze ergattert. Erasmus-Studierende haben in Southampton grundsätzlich kein Vorzugsrecht auf einen Platz im Studierendenwohnheim, bei mir hat es jedoch geklappt und ich habe eine Zusage für das Wohnheim bekommen. Nachdem die Flug- und Zugtickets gebucht und die Koffer gepackt waren, konnte es im September dann losgehen.


Studienfach: Englisch auf Lehramt

Aufenthaltsdauer: 09/2019 - 01/2020

Gastuniversität: University of Southampton

Gastland: Großbritannien

Studium an der Gastuniversität

Das englische Hochschulsystem unterscheidet sich in einigen Punkten von dem deutschen. So ist die Anzahl der Kurse zwar geringer, der Aufwand für die einzelnen Kurse jedoch umso größer. Zudem wird an englischen Universitäten viel Wert auf selbstständiges Lesen und Lernen gelegt. Es wird erwartet, dass sich die Studierenden über das im Unterricht besprochene hinaus umfassend belesen. Inhaltlich legen beide Systeme jedoch sehr viel Wert auf kritisches Denken, was sie von anderen Systemen beispielsweise in Südeuropa unterscheidet. Deutsche Studierende sollten also in der Regel keine Probleme haben, die Anforderungen des englischen Systems zu erfüllen. Anders als in Deutschland wählt man keine einzelnen Kurse, sondern gleich ganze Module mit in der Regel einer Vorlesung und einem Seminar. Die Wahl dieser Module erfolgt nicht wie bei uns selbständig über ein Online-Portal, sondern muss durch einen Mitarbeitenden im Student Office erfolgen. Dies ist manchmal recht umständlich, da man dauernd das Student Office konsultieren muss, wenn sich an der Kurswahl gewollt oder ungewollt etwas ändert und man vorher im Internet nicht einsehen kann, ob ein Kurs beispielweise bereits voll ist. Möchte man einen Kurs außerhalb seines Faches belegen, so muss man sich gegebenenfalls auch erst die Erlaubnis des Kursleitenden einholen. Im Gegensatz zu Deutschland, wo ein Großteil der Prüfungen am Semesterende in und nach der Klausurenphase stattfindet, ist es in England üblich, dass die meisten Deadlines innerhalb des Semesters liegen, wodurch es zwischenzeitlich ganz schön stressig werden kann. Das Semesterende ist dafür jedoch umso entspannter. In den Humanities muss man vor allem Essays schreiben und Vorträge ausarbeiten, Klausuren sind eher seltener der Fall. Jede*r Studierende in Southampton bekommt im ersten Semester einen Personal Academic Tutor (PAT) an die Seite gestellt, an den man sich jederzeit wenden kann, falls man akademische Probleme hat. Die PATs bieten in regelmäßigen Abständen Konsultationen an, bei denen man Probleme besprechen kann und haben auch generell immer ein offenes Ohr. Besonders Erasmus-Studierenden kann ein PAT weiterhelfen, sich an das zunächst fremde Hochschulsystem zu gewöhnen, daher ist ein enger Kontakt mit dem PAT sehr hilfreich. Die University of Southampton verfügt über zwei Campus. Auf dem Hauptcampus Highfield Campus befindet der Großteil der Fakultäten, sowie die große Bibliothek Hartley Library und diverse Restaurants und Cafés, der Pub The Stags, ein kleiner Laden und auch ein Friseur. Dort ist demzufolge auch immer was los und man kann sich auch in lockerer Atmosphäre mit Freunden treffen. Der zweite Campus Avenue Campus ist den Humanities vorbehalten, was bei uns der philosophischen Fakultät entspricht. Als Studierende*r der Modern Languages befinden sich die meisten Veranstaltungen hier. Dennoch kann es auch dazu kommen, dass einige Vorlesungen und Seminare am Highfield Campus stattfinden, sodass man den Campus wechseln muss, was man gerade so in der Pause zwischen den Veranstaltungen schafft. Beide Campus sind gut ausgestattet mit Gruppenarbeitsräumen sowie Arbeits- und Computerplätzen, nur zur Klausurenphase kann selbst die riesige Hartley Library voll werden. Vor allem der Highfield Campus ist gut an das Busnetz angebunden. Dort befindet sich der Highfield Interchange, sozusagen der Busbahnhof Southamptons, an dem die meisten der Buslinien verkehren. Den Weg zum Avenue Campus kann man vom Highfield Campus wahlweise mit dem Bus oder auch bequem zu Fuß zurücklegen.

Kontakte zu einheimischen und internationalen Studierenden

Die Kontaktaufnahme zu anderen Erasmus-Studierenden oder ausländischen Studierenden generell fällt in der Regel nicht schwer. Die ESN-Society organisiert zahlreiche Veranstaltungen vom Picknick bis hin zu Pub Crawls, die sich ausgezeichnet dafür eignen, neue Kontakte zu knüpfen. Da andere Erasmus-Studierende in der Regel ebenfalls das Bedürfnis haben, neue Leute kennenzulernen, ist mit ein paar Smalltalk-Fragen das Eis relativ schnell gebrochen und im Optimalfall stellt man fest, dass man dasselbe Seminar belegt oder im selben Wohnheim wohnt. Zu anderen Deutschen fällt der Kontakt natürlich besonders leicht, jedoch gerät man leicht in Versuchung, Kontakte zu Studierenden aus anderen Ländern zu vernachlässigen. Relativ schnell entstehen dadurch Grüppchen von Deutschen, Franzosen oder Spaniern, die eher unter sich blieben. Es ist daher empfehlenswert, sich auch mal gezielt aus seiner gewohnten Gruppe herauszubewegen und das Eis zu anderen Nationalitäten zu brechen. Der Kontakt zu einheimischen Studierenden fiel hingegen schon etwas schwerer. Mit viel Glück ist der ein oder andere Mitbewohner Brite oder Britin und man kann über ihn oder sie Kontakte knüpfen. In Seminaren habe ich die Erfahrung gemacht, dass Brit*innen zwar nett sind und gut mit einem zusammenarbeiten, aber oftmals nicht an einer tiefergehenden Freundschaft interessiert sind. Eine Ausnahme bilden Studierende, die Fremdsprachen und möglicherweise auch Deutsch studieren und dankbar über jeden sind, mit dem sie die Fremdsprache üben können. Daher ist es auch eine gute Idee, sich das schwarze Brett mit den Sprachtandems in der Bibliothek anzusehen und ein Sprachtandem mit einem Briten oder einer Britin zu bilden. So kann man leicht Kontakte knüpfen und Freundschaften aufbauen. 

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Als Englischstudent würde ich meine Sprachkompetenz in Englisch schon vor dem Auslandsaufenthalt als sehr gut, wenn auch sicherlich nicht als perfekt beschreiben. Der Auslandsaufenthalt ermöglichte es mir jedoch meine Sprachkompetenz in authentischer Atmosphäre zu erproben. Da ich mich zuvor nie länger im englischsprachigen Ausland aufgehalten habe, hat es mir durchaus geholfen, die Fremdsprache dort zu praktizieren. Auch wenn ich am Anfang noch schüchtern war, Englisch zu sprechen, so fiel es mir nach einiger Zeit leichter und ich kann mich nun viel selbstbewusster auf Englisch ausdrücken. Zudem lernt man auch einige typisch englische Begriffe, Slang und die Aussprache viel besser. Die Universität bot für ausländische Studierende zudem einen Sprachkurs an, der gezielt das Vokabular und das sprachliche Verständnis der Studierenden fördern soll. Der Kurs ähnelt den Sprachmodulen des Englischstudiums in Potsdam und ist wirklich empfehlenswert.

Wohn- und Lebenssituation

Studierendenwohnheim

Während des Auslandssemesters wohnte ich in den Student Halls Wessex Lane. Das Studierendenwohnheim liegt etwas außerhalb. Mit dem Bus braucht man ungefähr 20 bis 30 Minuten ins Stadtzentrum und fünf bis zehn bis zum Hauptcampus der University of Southampton. Zum Avenue Campus, wo die meisten meiner Kurse stattfanden, ist die Anbindung nicht so optimal. Man muss entweder laufen oder noch einmal umsteigen. Auch wenn mein Studierendenwohnheim das günstigste in Southampton war, war es doch im Vergleich zu den Studierendenwohnheimen in Potsdam relativ teuer und die Wohnqualität ist geringer. Ich hatte sechs Mitbewohner*innen, wir teilten uns insgesamt also zu siebent eine Küche und zwei Toiletten, eine davon mit Dusche. Bei den Sanitäranlagen hat es erstaunlicherweise relativ gut geklappt, in der Küche kam es bei sieben Personen jedoch öfter mal vor, dass Herd und Ofen belegt waren. Da erwies es sich als nützlich, dass sich in der ca. 10 Minuten zu Fuß entfernten High Road und der etwas weiter entfernten Burgess Road, zahlreiche Restaurants, Supermärkte und Imbissläden befanden. Das Zusammenleben mit den Mitbewohner*innen klappte gut, wir waren eine sehr internationale WG mit Bewohner*innen aus Ghana, Australien, China, Großbritannien und mir als Deutschen. Gelegentlich unternahmen wir auch etwas oder saßen abends noch in der Küche zusammen. In England ist übrigens selten, dass Studierende länger als ein Jahr im Wohnheim leben, daher wohnen im Wohnheim meist Erstis, die auch durchaus für ihre Partys bekannt sind.

Öffentlicher Nahverkehr

Ein Vorteil der Student Halls war, dass man als Bewohner*in zusätzlich auch ein Ticket für den Busverkehr erhält, was sich aufgrund der etwas abgelegenen Lage des Wohnheims durchaus bezahlt gemacht hat. Zu Spitzenzeiten fuhr vor dem Studierendenwohnheim alle acht Minuten ein Bus Richtung Campus und Innenstadt, auch abends fuhr der Bus immer noch regelmäßig. Nachtbusse gibt es jedoch nur an Freitagen und Samstagen. Wenn man unter der Woche nachts einmal von der Innenstadt nach Hause will, muss man also auf ein Uber ausweichen. Wenn man das Uber mit anderen teilt, kommt man dennoch recht günstig weg. In Southampton gibt es übrigens mehrere konkurrierende Busunternehmen. Das Ticket, das man vom Studierendenwohnheim erhält, umfasst die Busunternehmen Bluestar und Unilink, die mit ihren Linien die Stadt gut abdecken. Man erreicht die Campus, die Innenstadt und auch die anderen Studierendenwohnheime bequem. Trotz des gut ausgebauten Bussystems ist der Verkehr in Southampton eine Herausforderung, um es vorsichtig auszudrücken. Insbesondere vor dem Studierendenwohnheim kam es während der Hauptverkehrszeiten zu Stau, sodass es vor allem morgens schneller ging, die ca. 25 Minuten zur Uni zu laufen, anstatt den Bus zu nehmen. Auch auf der Hauptstraße in Southampton, die Avenue Road, wo während meines Aufenthalts gebaut wurde, kam es häufiger zu Stau wodurch man oftmals zusätzlich bis zu einer halben Stunde länger einplanen musste. Aufgrund des häufigen Staus, vor allem in der Innenstadt und in der Nähe des Studierendenwohnheims, ließen die Busse öfter einmal auf sich warten oder kamen einfach gar nicht. Irgendwann gewöhnt man sich aber daran und legt kürzere Strecken dann doch lieber zu Fuß zurück oder weicht auf einen anderen Bus aus.

Nachtleben und Unternehmungen

In Southampton gibt es zahlreiche Pubs, Bars und auch Nachtclubs, man kann sich also durchprobieren. Besonders beliebt unter Studierenden sind das direkt auf dem Highfield Campus gelegene The Stags (vor allem an Donnerstagen für Karaoke Night), der etwas urigere Pub The Hobbit, der vor allem für seine Cocktails bekannt ist und London Road Brew House. Zum Feiern empfehlen sich das Oceania (strenge Einlasskontrollen!), Heartbreakers, Orange Rooms, das Clowns & Jesters, und mein persönlicher Favorit der queere Club The Edge (besonders mittwochs aufgrund der günstigen Getränke zu empfehlen). In der Innenstadt findet man noch zahlreiche weitere Pubs, Cafés und Restaurants. Southamptons Lage an der Südküste ermöglicht es, Kurztrips in nähergelegene Städte zu unternehmen, beispielsweise nach London, Bristol, Bath, oder Oxford. In der näheren Umgebung befinden sich außerdem die Städte Bournemouth, Portsmouth und Winchester, in die man auch Tagesausflüge unternehmen kann. Der New Forest Nationalpark, Stonehenge und die Isle of Wight, die von Southampton aus gut mit dem Schiff erreicht werden kann, bieten weitere Gelegenheiten für interessante Unternehmungen. Außerdem ist das in Southampton ansässige Titanic Museum auf jeden Fall einen Besuch wert.

Studienfach: Englisch auf Lehramt

Aufenthaltsdauer: 09/2019 - 01/2020

Gastuniversität: University of Southampton

Gastland: Großbritannien


Rückblick

Grundsätzlich würde ich jedem Studierendem ein Erasmus-Semester empfehlen, vor allem Studierenden von Fremdsprachen. Ein Erasmus-Semester bietet die perfekte Gelegenheit, die im Studium erworbenen Sprachkenntnisse in einer authentischen Umgebung anzuwenden und somit auch eine andere Kultur kennenzulernen. Ein Erasmus-Semester erweitert den Horizont, man erlebt einen anderen Lebensalltag, ein anderes Hochschulsystem und ein anderes Land aus einer neuen Perspektive und bekommt die Gelegenheit, sich mit anderen Europäer*innen oder auch mit Menschen außerhalb Europas auszutauschen und neue Kontakte zu knüpfen. Insgesamt kann ich auch den Süden Englands für einen Auslandsaufenthalt empfehlen, aufgrund der schönen Landschaft, der Nähe zu großen Städten und damit verbunden auch verschiedenen Möglichkeiten, etwas zu unternehmen und zu sehen. Des Weiteren spricht man im Süden Englands klareres Englisch als in anderen Ecken des Vereinigten Königreiches. Southampton überzeugt insgesamt besonders durch die ausgezeichnete Universität und die zahlreichen Unternehmungsmöglichkeiten. Kurz gesagt: Wer auf der Suche nach einer typischen Studierendenstadt mit vielen jungen Leuten und einer hervorragenden Universität ist, der ist in Southampton gut aufgehoben. Die Stadt mit ihrem Industriecharme mag zwar keinen Schönheitspreis gewinnen, aber dennoch bietet sie ideale Bedingungen, um ein unvergessliches Erasmus-Semester zu erleben.

Großbritannien

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