Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Den Entschluss, ein Auslandsemester zu absolvieren, habe ich tatsächlich schon zu Beginn meines Studiums gefasst. Die mentale und vor allem organisatorische Vorbereitung fing bei mir daher schon sehr früh und vermutlich über-rechtzeitig an. Ich hatte das Glück, dass eine gute Freundin aus der Uni exakt die gleichen Pläne hatte, weshalb wir uns sowohl im ganzen Anmeldungsprozess, als auch durch das gesamte Semester, gegenseitig sehr unterstützt haben. Da ich Englisch studiere, war für mich klar, dass ich in ein englischsprachiges Land gehen möchte und informierte mich zunächst über alle Partnerschaften des Departments. Durch ein Beratungsgespräch im International Office erfuhren wir jedoch von einem ganz neu entstandenen Vertrag mit der University of Liverpool, der über das Musik- & Musikpädagogik Department, also passend zu unserem zweiten Fach Musik, lief. Da dieser Vertrag wirklich erst kurz vor unserer Bewerbung fertiggestellt wurde, wirkte es, als wären viele Angelegenheiten noch gar nicht klar oder zumindest nicht routiniert. Leider konnte uns vorab niemand garantieren, dass wir Kurse in beiden Fächern belegen können – und das wäre ja die optimale Situation. Nach einigen Stunden Internetrecherche haben wir dann nicht nur  die vorläufige und positive Antwort gefunden, sondern auch erfahren, dass wirklich interessante Module angeboten werden. Da wir in Liverpool eher die Fächer selbst und nicht in Verbindung mit pädagogischen Aspekten studiert haben, waren auch die Themen der Module breit gefächert. Nachdem dann alles soweit geklärt war und wir alle notwendigen Agreements und co. eingereicht hatten, bekamen wir auch Kontaktdaten und erste Informationen via E-Mail. Das International Office oder besser, Study Abroad Team dort, hat wahnsinnig schnell auf alle Mails geantwortet, obwohl die offiziellen Informationen über die Uni auch ziemlich verständlich waren. Auch das Kursangebot war rechtzeitig online einsehbar. Hier mal ein Link zum Verzeichnis: https://www.liverpool.ac.uk/study/undergraduate/courses/.  Natürlich muss man sich an neue Systeme erst mal gewöhnen, dann lief bei uns aber alles wirklich gut. Von anderen Erasmusstudierenden haben wir später erfahren, dass ein paar der Module, die online auswählbar waren, dann doch nicht angeboten wurden und so noch viel hin und her getauscht werden musste. Auch da gab es aber gute Anweisungen.


Studienfach:  Lehramt für die Sekundarstufen I und II (allgemeinbildende Fächer) Musik und Englisch

Aufenthaltsdauer: 09/2019 - 01/2020

Gastuniversität:University of Liverpool

Gastland: Großbritannien

Studium an der Gastuniversität

Studieren dort war schon anders als ich das aus Potsdam gewohnt bin, Gemeinsamkeiten in der Organisation gibt es aber trotzdem. Über die Plattform VITAL, die mit Moodle vergleichbar ist, konnte das Kursmaterial eingesehen werden, diente aber auch der Ankündigung wichtiger Informationen und zur Abgabe zu erbringender Leistungen. Ansonsten wird ziemlich viel über spezielle Apps geregelt (wie Bibliothek, Stundenplan und Anwesenheit). Die Überprüfung der Anwesenheit wurde scheinbar kurz vor unserer Anreise verstärkt und ein neues System eingeführt. In jedem Kurs musste man sich also in einer App anmelden und bestätigen im Vorlesungssaal zu sitzen oder eben absagen. Ich habe insgesamt drei Module gewählt. Zwei davon bestanden jeweils aus Vorlesung und Seminar, wodurch ich dann auf fünf Veranstaltungen in der Woche kam. Im Vergleich zu meinem Stundenplan in Potsdam war das schon sehr entspannt, oder besser, anders anstrengend. Zuerst sind nämlich die Vorlesungen eher als Einführungen in Themen gedacht, zu denen man dann zu Hause und im Selbststudium noch mehr erarbeiten soll. Des Weiteren schreibt man dort während des Semesters die Hausarbeiten. Neben der normalen Univorbereitung wurde das schon irgendwann stressig. Hilfreich ist natürlich nicht, dass man eigentlich so viele andere Dinge erleben könnte, sodass Uni mehr oder weniger zur Nebensache wird.  Zur Leistungsüberprüfung gehören neben Abschlussklausuren am Ende, eben sehr oft auch Essays. Aus beiden Leistungen setzt sich dann die Endnote zusammen.
Bei Problemen hatten die Dozenten eigentlich immer ein offenes Ohr und Zeit auf Emails zu antworten (witziger Weise läuft da ja wirklich alles über den Vornamen).
Das Unigelände war auch ganz schön. Alles war auf einem großen Campus und auch ein Gebäudewechsel zwischen zwei Kursen war kein Problem. Es gibt mehrere Bibliotheken, die lange geöffnet sind und viele Arbeitsplätze bieten. Auch die Mensa war gut. Was mir besonders positiv auffiel, war die Unterstützung in der Prüfungszeit. Auf dem Instagram Account der Uni (liverpooguild) und der Bibliothek (livunilibrary) wurden ständig Motivationssprüche gepostet, daran erinnert sich Pausen zu gönnen (das campuseigene Fitnessstudio waren während dieser Wochen für alle Studierende kostenlos zugänglich) und gezeigt, wo man sich Gummibärchen, Bleistifte und co einfach abholen konnte.

Kontakte zu einheimischen und internationalen Studierenden

Was ich sehr spannend fand, war die Möglichkeit in Societies einzutreten. Diese wurden zu Beginn des Semesters vorgestellt und reichten von Societies einzelner Studienfächer über Kirchen, Chöre,  Bastelclubs, Sportvereine und Gruppen mit gemeinnützigem Ziel. Bei diesen Treffen kam man so nicht nur mit anderen Erasmusleuten, sondern auch mal mit einheimischen Studierenden in Kontakt. Das war sonst nämlich nicht so einfach. Mit den Erasmusstudierenden hatte man ständig und überall zu tun- allein schon durch die Veranstaltungen die vom Study Abroad Team angeboten wurden. Auch einheimische Studentinnen und Studenten waren nett, nur eben nicht unbedingt auf der Suche nach neuen Kontakten, so wie wir. Die Societies waren so eine gute Möglichkeit mal mit anderen ins Gespräch zu kommen.
Freunde unter den Erasmusstudierenden zu finden, war, wie gesagt, überhaupt kein Problem. Gleich am ersten Tag gab es eine Schnitzeljagd durch die Stadt an der man teilnehmen konnte. Mit den Leuten aus meiner Gruppe waren wir bis zum Schluss gut befreundet. Auch werden sehr oft kleinere Ausflüge und Aktivitäten angeboten, bei denen man entweder bekannte Gesichter wiedertrifft oder neue Leute kennenlernt. Gerade wenn man sich mal einsam fühlt, ist das super.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Laut OLS-Test hat sich mein Sprachniveau verbessert, ich kann aber nicht behaupten, dass das super signifikant ist. Verstehen fällt mir einfacher, gerade weil der Akzent in Liverpool ganz seltsam ist und man wirklich genau hinhören muss. Was ich ansonsten sehr schätze ist, dass ich spontaner antworten kann und ich im Sprachgebrauch selbstbewusster und sicherer geworden bin.

Wohn- und Lebenssituation

Über Wohnheime in England hatte ich vorher nicht so viel Gutes gehört und auch vor gefälschten Anzeigen im Internet wurden wir gewarnt. Nachdem uns das International Office versichert hatte, dass es eine gute Möglichkeit ist, einfach hinzufahren und sich dort was zu suchen, taten wir genau das. Die ersten zwei Wochen haben wir uns also ein Hostelzimmer gebucht und über Facebook und www.spareroom.co.uk. Besichtigungen vereinbart. Obwohl wir, zwei Wochen vor Semesterbeginn, vergleichsweise spät dran waren, gab es noch sehr viele freie Zimmer, weshalb wir zwischen mindestens zehn Wohnungen entscheiden konnten. Die Organisation der Termine und die Unsicherheit waren schon nicht einfach, der Stress lohnte sich aber. Die Miete ist mit durchschnittlich £90 pro Woche nicht günstig, in den Wohnheimen zahlt man aber deutlich mehr. Mir ist dennoch sehr positiv aufgefallen, dass viele große Freundesgruppen in den einzelnen Wohnungen der Wohnheime entstanden sind. Aber nicht immer hat man Glück mit den Mitbewohner*innen, also sollte man sich überlegen, was man gerne möchte. Neben den Wohnheimen direkt auf dem Campusgelände gibt es noch zwei weitere „Viertel“, in denen die Studierenden hauptsächlich wohnen. Von Kennsington ist die Uni fußläuflig erreichbar, entlang der Smithdown Road muss man dann zwar den Bus nehmen, hat aber mehrere kleine Lädchen und Imbisse direkt vor der Nase. Ich habe mich dann für ein Zimmer am Ende der Smithdown Road entschieden und war da ziemlich glücklich. Obwohl meine Mitbewohner*innen gewöhnungsbedürftige Ess- und Putzgewohnheiten hatten und ich manchmal alles regeln musste, war es die günstige Miete und mein schön helles und großes Zimmer wirklich wert. Mein Landlord war extrem nett und immer sofort erreichbar wenn ich irgendein Problem hatte. Zur Uni musste ich mit dem Bus fahren. Es gibt in Liverpool zwei Busunternehmen. Ein Ticket für drei Monate hat mich £130 gekostet, lohnt sich aber wenn man weiter weg wohnt. Leider wirkt das Verkehrssystem mit den vielen Baustellen nicht so ausgeklügelt  und so braucht man, gerade zu Arbeitsbeginn und im Feierabendverkehr, sehr lange. Sonst ist die Stadt wirklich super schön. Die Wasserfront ist toll, ein Strand ist nicht soo weit weg und es gibt viele kostenlose Museen und interessante Gebäude, Secondhand-Läden und Pubs. Als Stadt der Beatles sind sie, neben eigener Statue und Museum, natürlich auch sonst oft Thema. Die Feierkultur ist auch sehr ausgeprägt und die Outfits äußerst interessant :D Woran ich mich ein bisschen gewöhnen musste, war, dass viele der Läden schon um 17 Uhr schließen. Einkaufen kann man aber trotzdem noch, auch an Sonntagen. Neben Aldi und Lidl gab es Coop, Tesco und Asda, in denen man natürlich alles findet.
Das Wetter war gar nicht so schlecht, wie erwartet. Ab und an kam die Sonne tatsächlich raus, aber einen Regenschirm sollte man trotzdem immer dabei haben.

Studienfach:  Lehramt für die Sekundarstufen I und II (allgemeinbildende Fächer) Musik und Englisch

Aufenthaltsdauer: 09/2019 - 01/2020

Gastuniversität:University of Liverpool

Gastland: Großbritannien


Rückblick

Ich bin sehr froh dieses Auslandssemester gemacht zu haben und kann das jedem nur ans Herz legen. Nicht nur die Organisation hat in Liverpool dann sehr gut geklappt, auch die Menschen dort sind super nett und hilfsbereit. Ein spontanes Gespräch im Bus kam zum Beispiel gar nicht so selten zustande :)

 

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