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Erasmus+ Erfahrungsbericht - Universidad de Valladolid


Studienfach: M.Ed. Latein und Spanisch

Aufenthaltsdauer: 02/2017 - 06/2017

Gastuniversität: Universidad de Valladolid

Gastland: Spanien

Vorbereitung des Auslandsaufenthalts

Für mich hat sich der Erasmus-Aufenthalt in Valladolid eher unkonventionell und spontan ergeben. Da ich während meines Bachelorstudiums schon einmal an diesem Programm teilnehmen durfte und auch nach Spanien gefahren bin, war mir das Prozedere schon bekannt und ich wusste, dass es vor der Abreise recht unkompliziert verlaufen würde. Ich entschied mich allerdings sehr spät, erst im Oktober 2016, als die Bewerbungsfrist schon längst abgelaufen war, dafür, einen weiteren Erasmus-Aufenthalt zu beantragen. Ich hatte den Wunsch meine Spanischkenntnisse wieder aufzufrischen und zu vertiefen und dachte eigentlich daran, das Praxissemester im spanischsprachigen Ausland zu absolvieren. Leider war das aufgrund meiner Fächerkombination nicht möglich, so dass ich mich nach Alternativen umsah und auf die Idee kam, einen zweiten Erasmus durchzuführen, falls dies noch möglich war. So schrieb ich Frau Wagner an und hatte tatsächlich das große Glück, dass im Sommersemester 2017 noch zwei Plätze in Spanien zu vergeben waren, Valladolid und Oviedo. Da ich meinen letzten Erasmus-Aufenthalt schon im Norden von Spanien verbrachte und eine andere Region kennenlernen wollte, wählte ich kurzerhand Valladolid. Dann ging eigentlich alles sehr schnell. Frau Wagner nominierte mich netterweise direkt und schrieb die Gastuniversität an, des Weiteren verwies sie mich auf die Dokumente im Dowloadcenter der Unversität Potsdam und bat mich, die Annahmeerklärung auszufüllen und damit zu ihr in die nächste Sprechstunde zu kommen. Schon war der Prozess eingeleitet und es folgten nur noch wenige bürokratische Schritte, wie das Erstellen eines Learning Agreements, das Unterschreiben des Grant Agreements und die Teilnahme an einem Onlinesprachtest, der für diesen Vertrag vonnöten war. Kurz vor der Anreise schrieb ich dann meine Koordinatorin an der Gasthochschule, Margarita Lliteras Poncel an und machte mit ihr einen Termin für die Besprechung des Learning Agreements aus. Alles funktionierte einwandfrei.

Studium an der Gastuniversität

In Spanien ist es üblich, dass die einzelnen Lehrveranstaltungen generell sechs Leistungspunkte wert sind. So ergibt es sich, dass man, um die 30 LP zu erreichen, fünf Veranstaltungen belegen muss. Die vor der Abreise herausgesuchten Masterkurse, konnte ich leider nicht wahrnehmen, da der Lehramtsmaster in Spanien anders aufgebaut ist als in Deutschland und laut der Auskunft meiner Koordinatorin die Studenten eher administrativ auf das Schulsystem der entsprechenden Provinz in Spanien vorbereitet werden und es zwar vertiefende Kurse im Bereich der Literatur-, Kultur-, und Sprachwissenschaft gäbe, sie allerdings Blockweise angeboten würden und man nicht mit Sicherheit sagen könnte, wann welche Veranstaltung stattfände, da es darauf ankäme, wie die Dozenten mit den Themen durchkämen. So empfahl sie mir stattdessen, für mich relevante Kurse aus allen Jahrgängen des Bachelors zu belegen, so dass sich mir ein Spektrum an Kursen aus jedem Jahrgang eröffnete. Diese Kurse sah ich mir die ersten Wochen an und legte mich dann fest. Die Tatsache, dass sich der Beginn des Sommersemesters in Spanien mit der Klausurenphase in Deutschland überschnitt und ich erst eine Woche später in Spanien eintraf, stellte überhaupt kein Problem dar. Alle Dozenten waren äußerst hilfsbereit und beantworteten mir alle Fragen. Zudem hatte ich das Glück, dass ich zwei Klausuren in Deutschland schon zu einem früheren Zeitpunkt als meine Kommilitonen schreiben durfte. Durch das international Office wurde ich über die organisatorischen Schritte aufgeklärt. Es bestand auch die Möglichkeit einen Buddypartner zugeteilt zu bekommen, die ich wahrnahm,  jedoch war er von einer anderen Fakultät und konnte mir eigentlich keine Frage beantworten. Allerdings war es schön, schon jemanden vor Ort zu kennen und einen Kaffee trinken zu gehen.

Kontakte zu einheimischen und ausländischen Studierenden

Während meines ersten Erasmus-Aufenthalt in Santiago de Compostela machte ich die Erfahrung, dass man in der Regel durch Organisationen für die internationalen Studierenden, wie ESN, sehr viele Studenten aus den unterschiedlichsten Ländern kennenlernt und es sehr leicht ist, Kontakte zu finden, da alle in der gleichen Situation sind und Freunde suchen. So waren wir meistens eine große Gruppe aus Deutschen, Italienern, Franzosen, etc. Ich habe diese Zeit sehr genossen und bis heute pflege ich die Freundschaft zu einigen von ihnen. Doch dieses Mal entschied ich mich schon vor der Abreise, mich von jeglichen Erasmustreffen fernzuhalten, damit sich mir eher die Möglichkeit eröffnete, in Kontakt mit Einheimischen und spanischsprachigen Menschen zu kommen. Mir war bewusst, dass dies erst mal zu einer Isolation führen konnte, aber mein Hauptziel war es, mein Sprachniveau zu verbessern und dies schien mir der beste Weg zu sein. In der Tat war es anfangs schwierig in Kontakt mit jemanden zu kommen, da man in den Kursen zwar täglich mit Kommilitonen zusammenkam, diese aber erstens meistens deutlich jünger als ich waren, und zwar Interesse aufbrachten und im Kurs auch stets offen und kommunikativ waren, aber nicht genügend Basis da war, um sich auch außerhalb des Unikontextes zu treffen. So verbrachte ich die ersten beiden Wochen mit meiner schon etwas älteren Mitbewohnerin (64), die aber sehr nett und jung geblieben war. Ich versuchte über Sprachtandemwebsite Kontakte zu finden, und traf mich auch ein paar Mal mit jemanden, aber dies schlief relativ schnell wieder ein. Doch direkt in meiner Nachbarschaft war ein Fitnessstudio, in dem ich durch kleine Kurse und die integrative Art der Trainer dort, schnell in Kontakt mit anderen kam und ab März begann ich zudem in dem Universitätschor mitzusingen und Lindyhop zu tanzen. All diesen Freizeitaktivitäten wollte ich eigentlich auch in Deutschland nachgehen, doch fielen sie häufig Zeitmangel zum Opfer, den ich Spanien natürlich nicht besaß und so nutzte ich dies voll aus und es dauerte nicht lange bis ich tatsächlich sehr viel Anschluss fand, wie zum Beispiel über den Lindyhop einen Freundeskreis von hauptsächlich südamerikanischen Doktoranden, die auch eher meinem Alter entsprachen und mich ganz herzlich in ihrer Gruppe aufnahmen oder den Chor, der sich eher als Generationschor beschreiben lässt, da diesen sowohl Studierende als auch Alumni besuchen. Nach den Proben am Freitag spaltete sich dann die jüngere Fraktion von der älteren und wir gingen immer noch mindestens eine caña trinken. Mit der Zeit baute sich daher mein soziales Netzwerk immer mehr aus und als ich nun vor rund einer Woche wieder nach hause fliegen musste, wollte ich Valladolid eigentlich gar nicht loslassen. Aber man soll ja immer gehen, wenn es am schönsten ist. Mein Fazit ist, dass man, auch wenn es vielleicht anfangs etwas Überwindung kostet, wirklich die Chance nutzen sollte, neue Aktivitäten auszuprobieren, da man erstens so viel Zeit hat wie nie, man leichter in den Kontakt mit Einheimischen kommt und es in jedem Fall eine Bereicherung darstellt!

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Durch die Evaluation des Sprachniveaus vor Beginn und nach Abreise durch den Onlinesprachtest stellte sich heraus, dass sich in der Zeit mein Sprachniveau bezüglich des Vokabulars um eine Stufe verbessert hat (c2), meine Grammatikkenntnisse aber um ein Niveau verschlechtert hatten (c1). Ob das repräsentativ ist, wage ich zu bezweifeln, auch daher, dass ich das Gefühl habe immer viel besser eingestuft zu werden, als dies tatsächlich der Fall ist. Allerdings entschied ich mich dagegen einen Sprachkurs zu besuchen, unter anderem, weil er 200 Euro gekostet hätte und ich schon zuvor relativ viele Sprachkurse besucht hatte. Ich habe den Eindruck, dass ich dadurch schon sehr Regel fest war und mir eher die Sprachpraxis fehlte. Diese konnte ich in Spanien sehr gut trainieren, auch wenn die Qualität meines Sprachgebrauchs immer von meiner Tagesform abhängt. Aber ich weiß auch, dass es eine lebenslange Aufgabe ist, diese Kompetenz beizubehalten und immer weiter auszubauen.

Wohn-  und Lebenssituation

Meine Unterkunft habe ich schon vor meiner Anreise gesucht und festgemacht, da das Semester in Spanien bei meiner Ankunft schon begonnen hatte und ich mir diesen Stress ersparen wollte. Ich hatte auch etwas Glück, weil mich der Sohn von Bekannten von Freunden anschrieb, dass seine Mutter ein Zimmer untervermieten wollte. Ich telefonierte mit beiden und es schien mir alles sehr stimmig zu sein, so dass ich dieses Angebot annahm. Ich zahlte monatlich 230 Euro, was ein gängiger Mietpreis ist, ich kannte sowohl Leute die mehr als auch die ein bisschen weniger zahlten. Leider wohnte ich etwas außerhalb, was aber kein Problem darstellte, da ich mir direkt nach Ankunft ein gebrauchtes Fahrrad kaufte und damit sehr mobil war und nicht auf die Busse angewiesen war, die unter der Woche in der Regel leider nur bis 23 Uhr fahren. Der Vorteil an meiner Unterkunft war zudem, dass ich einen Garten und sogar ein Schwimmbad nutzen konnte, das der Nachbarschaft angehörte, was gerade im Sommersemester einen äußerst großen Luxus darstellte. Ein spanisches Bankkonto zu eröffnen kam für mich nicht in Frage, da ich schon seit ein paar Jahren ein Konto bei der ING DiBa besitze und man dort wie bei der DKB zusätzlich zu der Girokontokarte über eine kostenlose Kreditkarte verfügt, mit der man kostenlos im europäischen Ausland Geld abheben kann. Trotz Anraten schloss ich keine zusätzliche Krankenversicherung ab, da ich bisher immer gute Erfahrung mit der medizinischen Versorgung im europäischen Ausland gemacht habe und man bei der jeweiligen Krankenkasse immer nach Kooperationsärzten nachfragen kann, allerdings war bei mir auch keine ernstere Behandlung nötig. Auch wenn ich Bafög und das Erasmusstipendium erhielt, spürte ich merkbar das Fehlen meiner Nebenjobs. Es ist auf jeden Fall ratsam sich vorher ein kleines finanzielles Polster anzusparen, da man durch Reisen und Freizeitaktivitäten sehr viel Geld ausgeben kann, sie aber auch nicht missen möchte und zumindest in Spanien die Nebenjobs relativ rar sind. Ich habe etwas Deutschnachhilfe gegeben, aber dadurch konnte ich mir auch keine goldene Nase verdienen und musste ganz schön haushalten.

Sonstige  Hinweise

Im Rahmen der Fakultätszeitschrift wurde ein Artikel über das Erasmus in Valladolid geschrieben, in dem vier Geschichten von Erasmusstunden aus verschiedenen Ländern vorgestellt wurden.

Studienfach: M.Ed. Latein und Spanisch

Aufenthaltsdauer: 02/2017 - 06/2017

Gastuniversität: Universidad de Valladolid

Gastland: Spanien


Rückblick

Rückblickend möchte ich jedem, der es in Erwägung zieht, empfehlen, die Möglichkeit durch das Erasmusprogramm ins Ausland zu gehen, zu nutzen. Es stellt fast keinen bürokratischen Aufwand dar und ist insgesamt gut organisiert, auch wenn es mit der Anrechnung der Leistungspunkte teilweise problematisch ist und man in Deutschland weniger Leistungspunkte erhält, als man eigentlich erbracht hat, zumindest meiner eigenen Erfahrung nach. Aber die Möglichkeit eine neue Kultur und Menschen kennen zu lernen, ist immer eine Bereicherung. Ich überlege schon, wie ich mir einen weiteren Auslandsaufenthalt realisieren kann.

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