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Erasmus+ Erfahrungsbericht - Universitat Rovira i Virgili


Studienfach: Betriebswirtschaftslehre

Aufenthaltsdauer: 08/2016 - 02/2017

Gastuniversität: Universitat Rovira i Virgili

Gastland: Spanien

Vorbereitung des Auslandsaufenthalts

Als ich mit meinem Master begann, war für mich klar, dass ich ein Auslandssemester in Spanien machen möchte. Es gab nicht so viele Auswahlmöglichkeiten bzgl. der Universitäten wie vergleichsweise für Bachelorstudenten. Dies liegt daran, dass der Master in Spanien wesentlich teurer ist und nur ein Jahr dauert. Ich entschied mich relativ schnell für Tarragona, da es so schien als gäbe es viele kompatible Kurse. Nachdem ich die positive Zusage erhalten hatte, fanden einige sehr hilfreiche Informationsveranstaltungen statt. Ab April konnte ich mich im Onlineportal meiner Gasthochschule leicht und unkompliziert anmelden und registrieren. Zuvor beschäftigte ich mich bereits mit dem Learning Agreement und suchte mir die passenden Kurse aus dem Onlineportal heraus. Dies gestaltete sich etwas kompliziert, da die Kursbeschreibungen nur auf catalan oder spanisch waren. Leider waren die aufgelisteten Kurse auch nicht aktuell, was sich aber erst nach meiner Ankunft herausstellte.

Studium an der Gastuniversität

Die Universität Rovira i Virgili genießt einen sehr guten Ruf, jedoch muss ich sagen, dass die Organisation ausbaufähig ist. Ich studierte im 3. Mastersemester an dieser Universität und der Master dort geht nur ein Jahr und nicht wie an der Universität Potsdam zwei Jahre. Zudem finden die Kurse nicht über das gesamte Semester verteilt statt, sondern im 4-, 8- oder 12- Wochen Rhythmus, daher gibt es einige Überschneidungen, falls man Kurse aus verschiedenen Masterstudiengängen belegen möchte. Schlussendlich habe ich mich dafür entschieden nur Kurse an dem Master Business Management bzw. Dirección de las Empresas zu wählen.
Die Organisation der Lehrveranstaltungen gestaltete sich kompliziert, da ich bis zu meiner Ankunft keine Möglichkeit hatte meinen Koordinator zu sprechen, weil nicht bekannt war, wer Masterstudenten an der Fakultät für Wirtschaft betreut. Die Universität führte zum Jahr 2016 neue Masterstudiengänge ein und die bestehenden Kurse, die man Online einsehen konnte, wurden abgeschafft. Leider wurde mir dies erst vor Ort mitgeteilt, so dass ich alle Kurse, die ich vorher in meinem Learning Agreement hatte, neu wählen musste. Ebenfalls wurden auch die Leistungspunkte für die gleichen Kurse und Anforderungen zum Jahr 2016 herabgesetzt, so dass ich nun zwei Kurse belegen musste, um mir einen an der Universität Potsdam anrechnen zu lassen.
Zudem versuchte ich seit März 2016 zu erfahren, wann mein Semester anfängt. Leider war es nicht möglich dies in Erfahrung zu bringen, da der akademische Kalender für 2016/2017 noch nicht existierte. Im Juni erhielt ich eine Email, dass alle Kurse in der ersten September Woche anfingen. Leider musste ich dann vor Ort erfahren, dass die Masterkurse erst im Oktober anfingen. Somit reiste ich einen Monat zu früh an. Auch stellte es sich vor Ort als sehr schwierig heraus in Erfahrung zu bringen, wer mein Koordinator ist. Doch nach vielen Telefonaten, Emails und Besuchen von verschiedenen Büros, habe ich es schließlich doch noch herausgefunden und von da ab lief es wesentlich besser. Mein Koordinator war sehr hilfsbereit und mit seiner Hilfe konnte ich meine Kurse wählen und mich somit in Ruhe vorbereiten. Man muss dazu sagen, dass es stets von Vorteil war mit den Personen spanisch zu sprechen, jedoch sprach mein Koordinator und auch im International Office sprach man englisch.
Die Leistungserbringung bestand in fast allen Kursen, aus mindestens einer Präsentation, einer Hausarbeit und einer Klausur. Doch in einigen Kursen mussten wir zwei oder drei Präsentationen halten oder mehrere schriftliche Arbeiten verfassen. Ich muss sagen, dass die Anforderungen sehr hoch waren und es sehr viel Aufwand war, sich auf alle Kurse gleichermaßen vorzubereiten, sie zu verstehen und sich vor allem auf die Klausuren vorzubereiten, da fast alle Klausuren in einer Woche stattfanden und die Woche zuvor alle Präsentationen und Hausarbeiten fertig sein mussten. Doch zu meiner Erleichterung war der gesamte Master auf spanisch und nicht auf catalan, daher kam die Hälfte meiner Kommilitonen aus Süd- oder Mittelamerika. Die meisten Professoren machten keinen Unterschied zwischen einheimischen Studenten und Erasmusstudenten, daher wurde gleichermaßen bewertet und dieselben Klausuren geschrieben. Bewertet wurde innerhalb einer 10-Punkteskala, wobei man ab 4 Punkten durchgefallen ist und eine 10 einer 1,0 entspricht.
Das Studienklima war sehr angenehm und kooperativ, da ich sehr nette und freundliche Kommilitonen hatte. Es war von großem Vorteil, dass ich spanisch sprach, da ich im Master fast die einzige Erasmusstudentin war und meine Kommilitonen alle spanisch sprachen. Durch die vielen Gruppenarbeiten, fand man sich schnell in Teams zusammen und ich hatte Glück mit meiner Gruppe, da wir stets harmonisch und mit den gleichen Ambitionen zusammengearbeitet haben. Zum Ende meines Semesters waren wir nicht nur Kommilitonen, sondern sind Freunde geworden. Obwohl ich kein Muttersprachler war, wurde ich stets miteingebunden und war ein fester Teil der Gruppe.
Das Verhältnis zu Professoren ist ähnlich wie an der Universität Potsdam. Es ist ein förmliches Verhältnis. Es gab freundliche und hilfsbereite aber auch weniger nette und kooperative Professoren. Einige waren sehr ambitioniert und gestalteten die Kurse sehr interessant, andere hingehen lehrten eher routiniert und weniger anschaulich. Abschließend ist zu sagen, dass das Klima angenehm war, ich positive Erfahrungen durch und mit meinen Kommilitonen machen konnte. Die Betreuung vor Ort fand fast ausschließlich durch meinen Koordinator statt, der stets erreichbar und hilfsbereit war. Die meisten Professoren waren auch offen für Gespräche außerhalb der Vorlesungen.
Des Weiteren ist zu erwähnen, dass ich in Reus studiert habe. Dies ist eine andere Stadt und mit dem Bus von Tarragona aus in ca. 15 Minuten zu erreichen. Der Campus liegt etwas außerhalb der Stadt Reus und Tarragona gefiel mir besser, deshalb entschied ich mich in Tarragona zu wohnen und würde dies auch jedem anderen empfehlen. Der Campus verfügt über eine sehr gut ausgestattete Bibliothek, eine kleine Mensa, schöne Außenbereiche und diverse Hörsäle.

Kontakte zu einheimischen und ausländischen Studierenden

Ich hatte großes Glück mit drei Spaniern aus Katalonien zusammen zu wohnen. So konnte ich direkt in die katalonische Kultur und auch in die Sprache eintauchen. Allerdings redeten meine Mitbewohner mit mir und wenn wir alle zusammen saßen castellano, aber untereinander catalan. Meine Mitbewohner zeigten mir Tarragona und wir machten zu Anfang ein paar Ausflüge in die Umgebung. Durch meinen Sprachkurs (catalan) lernte ich einige ausländische Studenten kennen und schnell bildeten wir eine eigene Gruppe innerhalb der großen Erasmus Gruppe. Wir verbrachten die ersten Wochen fast jeden Tag zusammen. Die anderen Erasmusstudenten lernte ich durch diverse Erasmus Veranstaltungen und Ausflüge kennen.
Abends traf man sich dann meisten am Placa de la Font in der BarataBar, in der jedes Semester die Erasmusstudenten zu finden sind. Ansonsten machte ich einen Tanzkurs und lernte dort viele Einheimische kennen. Die Altersstruktur war stark gemischt, doch das war nicht wichtig, da jeder sehr nett und aufgeschlossen mir gegenüber war.
Zudem nahm ich beim SMiLE Programm teil. Dies ermöglicht es Studenten an einer Schule auf Englisch, Deutsch oder Französisch die Lehrer zu unterstützen. Dafür bekommt man 6 Credits und ein Zertifikat. Ich kann nun sagen, dass es die beste Entscheidung war an diesem Programm teilzunehmen. Es war eine wirklich tolle Schule mit sehr engagierten und unglaublichen freundlichen Lehrern. So bekam ich die Möglichkeit in das catalonsiche Schulsystem einzutauchen, sowie die Kultur und die Traditionen kennen zu lernen. Ich wurde von den Lehrern sofort aufgenommen, ich war nie alleine und auch dieser Lehrerzusammenhalt überraschte mich sehr positiv. Ich hatte 5 verschiedene Klassen über 8 Wochen und bereitet für jede Stunde kleine Präsentationen vor, um im Anschluss mit den Schülern auf Englisch über das Thema zu sprechen. Meine Schüler waren zwischen 14 und 17 Jahre alt.
Zum Ende des Semesters verbrachte ich die Tage fast ausschließlich auf meinem Campus, um vormittags mit meinen Gruppen unsere Aufgaben zu erledigen und abends fanden die Kurse statt, daher war ich sehr glücklich, dass ich solch nette Kommilitonen hatte mit denen ich viel Spaß hatte. Zum Abschluss der Klausuren gingen wir alle gemeinsam essen und später tanzen. Es war ähnlich wie in der Schule und daher hatten wir einen sehr schönen Zusammenhalt. Mit einigen traf ich mich auch außerhalb der Uni. Allerdings gab es auch viele Erasmusstudenten, die hauptsächlich mit Lernen beschäftigt waren, da die Ansprüche wirklich sehr hoch sind und für manche die Kurse bzw. Noten sehr wichtig waren. Wiederum gab es auch das Gegenteil, dass viele Erasmusstudenten nur in der Erasmusgruppe unterwegs waren und weniger Kontakt zu Einheimischen hatten. Ich denke, das muss jeder für dich selbst wissen. Ich kann nur sagen, es ist natürlich sehr schön mit den Leuten zusammen zu sein, die gerade die gleichen Dinge erleben, in der gleichen Lebensphase sind und die vielen verschiedenen Kulturen kennen zu lernen. Andererseits sind die Katalonier sehr nette, freundliche unglaublich hilfsbereite Menschen. Gezeichnet von der spanischen Geschichte, haben sie ihre eigene Kultur, Sprache und ihre eigene Geschichte. Es ist einfach nur faszinierend all das kennenzulernen, Katalonien durch ihre Augen zu sehen und zu genießen. Ich kann es nur jedem ans Herz legen – auch wenn sie nicht ganz so offen sind, wie man es vielleicht von „Spaniern“ erwartet – Kontakt zu Einheimischen zu suchen, ihre Sichtweisen zu verstehen, nicht nur in die Erasmusbars, Diskotheken und Lokale zu gehen, sondern das „echte“ Tarragona kennen zu lernen.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Bevor man Tarragona oder eine andere Stadt in Katalonien besucht, muss man sich darüber im Klaren sein, dass die Menschen dort catalan sprechen. Doch entgegen meiner Befürchtungen freute sich stets jeder Einheimische, wenn man wenigstens spanisch sprach und es nicht mit Englisch versuchte. Die Katalonier sind bilingual und sprechen castellano sowie catalan fließend. Durch meinen Catalankurs lernte ich einiges zu verstehen, ein paar Redewendungen und Wörter für den alltäglichen Gebrauch. Dies ist für einen Erasmusaufenthalt auch ausreichend meiner Meinung nach, doch man kann natürlich die Sprache auch intensiver lernen und sprechen. Ich habe mich jedoch darauf konzentriert mein Spanisch zu verbessern und habe daher hauptsächlich castellano geredet. Aufgrund dessen, dass ich fast nur mit Einheimischen oder spanischen Muttersprachlern zusammen war, sprach ich kaum Englisch oder Deutsch, da wir auch in meiner Gruppe aus internationalen Studenten spanisch sprachen. Dies war mir aber auch sehr wichtig, da die meisten anderen Erasmusstudenten Englisch und die deutschen Studenten dann meist deutsch sprachen. Nach meiner letzten Präsentation, die ich mittlerweile auf Spanisch frei halten konnte, lobten mich meine Kommilitonen, dass sich mein Spanisch enorm verbessert hätte. Auch ich merkte, dass ich wesentlich mehr verstand und sich natürlich mein Vokabular sehr verbessert hat.

Wohn-  und Lebenssituation

Ich entschied mich dazu mir vor meiner Ankunft eine Wohnung zu suchen und nicht erst vor Ort. Ich suchte über diverse Webseiten -auch hier ist es von Vorteil auf Spanisch zu suchen- und auf der Erasmus-Facebookseite der URV. Dort wurde eine andere Gruppe gepostet (link) und dort fand ich ein wirklich sehr schönes Zimmer, denn der derzeitige Bewohner ging für ein Semester nach Rom und suchte einen Untermieter. Leider war es etwas schwierig ihn zu überzeugen, da er mich erst persönlich kennenlernen wollte bzw. seine Mitbewohner, aber nach einiger Zeit hat er mir dann doch die Zusage für das Zimmer gegeben und so wohnte ich mich drei Cataloniern, (einer Frau und zwei Männern) zusammen. Dies war für mich ein großes Glück, da meine Mitbewohner wirklich toll waren und wir viel spanisch sprachen. Mein Zimmer war wunderschön, groß, lichtdurchflutet und ich hatte einen eigenen kleinen Balkon. Aufgrund dessen, dass es keine Erasmuswohnung war, zahlte ich auch vergleichsweise sehr wenig Miete mit 200 € pro Monat für solch ein Zimmer in der Lage. Ich wohnte direkt an der großen Busstation. Zum Campus Catalunya brauchte ich zu Fuß nur 10 Minuten, zur Rambla 2 Minuten, und in 100m Entfernung war die Busstation, Banken, Supermärkte, Apotheken und Restaurants.
Man muss sagen, dass Katalonien zwar als teurere Region in Spanien gilt, aber dennoch waren die Lebenshaltungskosten in Tarragona etwas geringer als in Deutschland. Jedoch ist Barcelona die Ausnahme, dort ist alles teurer.
Tarragona ist eine Kleinstadt, alles ist zu Fuß zu erreichen, der Strand und die Altstadt sind in unmittelbarer Nähe. Es gibt viele Bars und Restaurants, einige Diskotheken, verschiedene Festivals, Sportstätte und viele Tanzschulen, auch bietet die Universität einige Sportkurse an. Das Erasmusteam hat einige Ausflüge organisiert oder diverse Abendveranstaltungen. Im September gibt es 10 Tage lang ein großes Festival, Santa Tecla. Es ist wirklich sehenswert und ich würde jedem empfehlen, dieses Erlebnis mitzunehmen.
Es gibt ein gutes Busnetz innerhalb der Stadt, das ich nicht genutzt habe, da man überall hinlaufen kann. Zu meinem Campus in Reus gibt es eine direkte Verbindung, die Busse fahren alle 15 – 30 Minuten. Auch gibt es zwei Bahnhöfe, einer liegt direkt am Hafen und man ist in ca. einer Stunde in Barcelona. Etwas außerhalb liegt der Bahnhof für den Fernverkehr bspw. nach Madrid. Vom Flughafen Barcelona gibt es einen direkten Bus nach Tarragona. Es ist wichtig zu erwähnen, dass es keine Nachtverbindung vom Flughafen Barcelona nach Tarragona gibt, der letzte Bus fährt um 23 Uhr und der erste Bus wieder um 5 Uhr.

Studienfach: Betriebswirtschaftslehre

Aufenthaltsdauer: 08/2016 - 02/2017

Gastuniversität: Universitat Rovira i Virgili

Gastland: Spanien


Rückblick

Nachfolgend muss ich sagen, dass meine Zeit in Tarragona wirklich die schönste Zeit meines Lebens war. Ich habe Freundschaften geschlossen, die über die üblichen Erasmusfreundschaften hinausgehen, ich habe unglaublich viel über die spanische Geschichte und vor allem über Katalonien, die Sonderstellung, die Menschen, ihre Ansichten und ihre Kultur gelernt. Ich fühlte mich vom ersten Moment an wohl und wie zu Hause. Das Klima ist sehr angenehm, im September kann man noch im Meer schwimmen, und auch im Dezember hat es gerne noch 15 Grad und Sonne.  Die Menschen sind unglaublich nett und hilfsbereit, vielleicht weniger offen und „spanisch“ wie man vorher denken mag. Es bleibt jedem selbst überlassen, was man über den politischen Konflikt denkt. Abgesehen davon ist es ein wunderbarer Ort, um zu leben, zu studieren und glücklich zu sein. In der ersten großen Erasmusveranstaltung sagten sie uns, dass Tarragona gefährlich sei, gefährlich, weil es so leicht ist, sich in diesen Ort zu verlieben und sie hatten recht. Ab dem ersten Tag an verliebte ich mich in diese Stadt. Man schlendert zum Strand an römischen Ruinen vorbei, am eindrucksvollen Amphitheater, vom „Balcón“ aus hat man einen atemberaubenden Ausblick und in der Altstadt kann man in römischen Ruinen sich die Tapas und den Rotwein schmecken lassen. Viva la vida, ich kann jedem nur sagen, wer nach Tarragona geht, möchte dort bleiben, man sollte wirklich jeden Tag genießen.

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