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Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Ich war im Bachelorstudium über die Hochschulpartnerschaften der Uni Potsdam im Ausland und wollte im Masterstudium unbedingt nochmal diese Möglichkeit nutzen. Im Master sollte man sich bereits zu Anfang des Studiums um die Erasmus-Möglichkeiten und Bewerbung kümmern, da die Frist für Entsendungen für das gesamte akademische Jahr schon am 31. Januar endet. Alternativ kann man noch auf einen Restplatz hoffen.  Über die Internetseite des International Office und die WiWi-Fakultätsseite habe ich mich zu den Erasmus-Möglichkeiten für den BWL-Master erkundigt, welche leider nicht sehr zahlreich sind. Da mein Zielland Spanien sein sollte, standen nur drei Universitäten zur Verfügung, von denen nur zwei in Frage kamen. Ich habe die spanischen Universitäten kontaktiert, um mögliche Kurse abzuschätzen, die ich mir im Nachhinein anrechnen lassen wollte. Tarragona schien für mich die perfekte Wahl zu sein, da die Stadt ähnlich groß wie Potsdam ist, sie nur 1h von Barcelona entfernt ist und Strand und Meer vor der Haustür sind. Die Kurse an der Gastuni fand ich ebenfalls sehr ansprechend und es hat mir gefallen, dass ich alle nötigen Informationen der Gastuni und Kurse relativ schnell finden und durchschauen konnte, auch auf Englisch. Die Bewerbung verlief sehr unkompliziert. Nach Gesprächen mit Frau Dr. Schmidt und Fr. Garz (Fr. Frenz) und dem Einreichen aller erforderlichen Unterlagen bekam ich relativ schnell die Zusage für das Sommersemester 2019 an der Universitat Rovira i Virgili in Tarragona. Ich war allerdings überrascht, dass niemand sonst von der Uni Potsdam angenommen und entsendet wurde. Anscheinend ist das Wintersemester beliebter als das Sommersemester. Nach der Annahme an der Uni Potsdam musste ich einige Unterlagen wie z.B. Krankenkassen-Infos und Learning Agreement für die Gastuni einreichen, was aber durch gute Kommunikation und den einfachen Prozess relativ schnell ging. Bei der Wahl der Kurse an der Gastuni sollte man darauf achten, dass die Kurse auch von der WiSo-Fakultät bzw. den angebotenen Mastern kommen, da es ebenfalls viele BWL-bezogene Kurse an anderen Fakultäten gibt. Bevor die Uni anfängt, werden mehrere Welcome Days vom International Office organisiert, bei denen man nochmal alle wichtigen Informationen für den bevorstehenden Aufenthalt vermittelt bekommt. Im Vorhinein bekommt man auch verschiedene Broschüren über das Leben und Studieren an der URV bereitgestellt.


Studienfach: Betriebwirtschaftslehre

Aufenthaltsdauer: 02/2019 - 07/2019

Gastuniversität: Universitat Rovira i Virgili in Tarragona

Gastland: Spanien

Studium an der Gastuniversität

Die URV ist die einzige größere Universität im Bundesland Tarragona. Daher gibt es verschiedene Campi in den umliegenden Städten. Je nachdem an welcher Fakultät man studiert, kann man in Tarragona, Reus oder Villa Seca landen. Alle sind mehr oder weniger gut durch öffentliche Transportmittel erreichbar. Die WiSo-Fakultät befindet sich in Reus, das eine 15-minütige Fahrt mit dem Expressbus ab der zentralen Busstation in Tarragona zu erreichen ist. Die Kosten für eine Fahrt belaufen sich auf unter 1€, wenn man sich eine Art Monatskarte mit 10 oder 50 Fahrten kauft.

Die Masterklassen finden ausschließlich nachmittags ab 15h statt. Je nachdem welche Kurse man wählt hat man bis 19h oder 21h Unterricht. Die Kursauswahl beschränkt sich auf die WiWi-Fakultät, welche drei Master anbietet. Zwei davon auf Spanisch und einen auf Englisch. Im englischen Masterstudiengang herrscht Multikulturalität von USA und Venezuela bis Iran und den Niederlanden, was einen schnellen Austausch und Anschluss möglich macht. Wenn das Spanisch-Niveau ausreichend ist, kann man auch gut einem BWL-Kurs auf Spanisch folgen. Ansonsten kann man die englischsprachigen Kurse des eher VWL angelehnten englischen Masterstudienganges belegen, welche ich überwiegend gewählt habe. Die Klassen sind meist sehr klein gehalten mit ca. 10-15 Studenten, was die Produktivität, Lernkurve und auch das Studienklima sehr fördert. Thematisch sind die meisten Kurse miteinander verknüpft bzw. findet man bestimmte Autoren oder Themen aus einem Kurs in einem anderen wieder, unter einem anderen Aspekt.

Die Kurse dauern jeweils 2 Monate (quasi Trimester) und sind als Seminare ausgelegt, bei denen Mitarbeit erwünscht ist und welche sehr praxisorientiert sind. Der Aufwand pro Kurs für lediglich 3ECTS ist hoch im Vergleich zur Uni Potsdam. Pro Kurs werden ein Seminar und eine praktische Übung angeboten. Diese praktischen Bezüge von Konzepten aus den Seminaren fehlen teilweise an der Uni Potsdam und haben mir an der URV sehr gefallen wie z.B. die Arbeit mit Excel und Aufbereitung von statistischen Daten z.B. aus OECD oder Worldbank Datenbanken für eine Analyse, Vergleich und Interpretation von wirtschaftlichen Kennzahlen zwischen verschiedenen Schwellenländern Südamerikas. Manchmal gibt es Wochenaufgaben, die bis zur nächsten Sitzung eingereicht werden müssen. Je nach Kurs gibt es eine Zwischenklausur, ansonsten eine Klausur zum Ende des Kurses, welche meist ein Mix aus Multiple-Choice Test und offenen Fragen ist. Mindestens eine Präsentation und ein Essay um die 5 Seiten sind ebenfalls Bestandteil der Benotung. Die meisten Leistungsnachweise werden im Team oder Gruppen bearbeitet und vorgestellt. Zwar herrscht keine Anwesenheitspflicht, aber dadurch, dass die Kurse nur 8 Wochen dauern und ein bzw. mit Übung zwei Mal die Woche angeboten werden, empfiehlt es sich anwesend zu sein, um nicht zu viel zu verpassen. Besonders durch die Hausaufgaben oder diverse Leistungsnachweise ist Anwesenheit und kontinuierliches Arbeiten wichtig.

Es sind Computertools vorhanden, jedoch arbeiten die PCs dort viel zu langsam. Besser ist es in der Bibliothek einen PC zu nutzen oder seinen eigenen mitzubringen und sich in einen der Arbeitsräume zurückzuziehen. Gedruckt und gescannt werden kann in der Bibliothek, was allerdings etwas umständlich ist, da die Drucker am anderen Ende der Fakultät stehen und man eine Druckerkarte braucht. Alternativ kann man im Copy Center günstig drucken und scannen lassen. Die Öffnungszeiten des Copyshops sind meist bis 19h, mittags ist Siesta Zeit. Die Bibliotheken sind während der Vorlesungszeit bis 21h geöffnet.

Es gibt eine Cafeteria, die aber leider schlechter abschneidet als diejenigen an der Uni Potsdam. Lediglich zwischen 13h und 15h gibt es warmes Essen, was ab 5€ aufwärts kostet und keine große Auswahl oder Abwechslung bietet. Es gibt jedoch einige Mikrowellen, in denen man Vorgekochtes von zu Hause aufwärmen kann. Die Cafeteria ist bis 19h geöffnet.
Der Koordinator auf spanischer Seite steht immer und schnell für alle Fragen, Hilfe oder Änderungen zur Verfügung.

Kontakt zu einheimischen und internationalen Studierenden

Der Kontakt zu ausländischen Studenten ist sehr einfach, da im englischen Masterstudiengang alle Studenten aus verschiedenen Kontinenten und Ländern zusammenkommen. In den spanischen Masterstudiengängen gibt es außerdem erstaunlich viele Südamerikaner, mit denen man ebenso schnell warm wird. Die englischen Bachelor-Kurse werden vorwiegend von Erasmus-Studenten aus ganz Europa besucht. Daher gestaltet sich der Kontakt zu einheimischen Studenten eher schwierig. Besonders schwierig ist es, einheimische Katalanen kennenzulernen, welche mir als eher zurückgezogen vorkamen, da manche wenig Englisch sprachen und andere nicht so gerne Spanisch. Deswegen war es wichtig für mich, außeruniversitäre Hobbies zu finden wie z.B. Fitnessstudio und Tanzschule, um Kontakt zu nicht-englischen und Nicht-Erasmus-Studenten zu haben.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Die vorherrschende Sprache im Erasmus-Aufenthalt war Englisch. Die belegten Kurse und der Kontakt zu den Erasmus-Studenten machten dies unausweichlich. Daher sollte man versuchen, auch fachliche Kurse auf Spanisch zu belegen, einen Sprachkurs an der Uni zu machen und auch sonst alle Möglichkeiten zu nutzen Spanisch zu lesen, hören oder zu sprechen wie z.B. im Fernsehen oder im Kino.

Ich habe vor meinem Aufenthalt in Spanien mehrere Sprachkurse belegt, um das geforderte B1-Niveau zu erreichen. In Spanien habe ich gemerkt, dass praktisches Spanisch doch nochmal anders ist als gelehrtes, akademisches. Da Tarragona eine Kleinstadt ist, in der nicht viel Englisch gesprochen wird, ist man hier auf Spanisch angewiesen. Dadurch ist man jedoch zum Glück gezwungen, sehr viel Spanisch in sehr kurzer Zeit zu lernen und vor allem zu sprechen, was meiner Meinung nach immer die größte Hürde einer Sprache ist. Ebenfalls empfehlenswert ist es, sich eine WG mit spanischen Mitbewohnern zu suchen, um dort die Alltagssprache zu üben. Mein Sprachniveau hat sich in nur einigen Monaten deutlich auf B2 verbessert und auch das Sprachgefühl und -verständnis sowie das Selbstvertrauen zu sprechen ist deutlich gewachsen in dieser Zeit.

Da in Katalonien sehr viel Wert auf die eigene Kultur und Sprache gelegt wird, kommt man an Katalanisch nicht vorbei - egal ob Straßennamen, Behörden oder and der Universität. An der Universität sind die meisten Ausschilderungen in Katalanisch, aber das Personal spricht auch gerne Spanisch mit offensichtlich ausländischen Studenten. Man kann einen Katalanisch-Sprachkurs umsonst belegen, für die Spanisch-Sprachkurse wird eine Gebühr von ca. 200€ erhoben, für die Erasmus+ jedoch 80% der Kosten übernimmt. Ich habe keinen vollständigen Katalanisch-Kurs belegt, da mein primäres Interesse an der Verbesserung meiner Spanischkenntnisse lag. Dennoch habe ich aus kulturellem Respekt eine Art Crashkurs in Katalanisch an der Uni gemacht, den ich jedem der in die Region Katalonien geht empfehlen würde. Die Einheimischen rechnen selbst kleinste Bemühungen, einige Worte zur Begrüßung oder Verabschiedung in Katalanisch zu sprechen, hoch an.

Wohn- und Lebenssituation

Ich habe in verschiedenen Facebook- und WhatsApp-Gruppen nach einem Zimmer gesucht, wie z.B. Erasmus Tarragona oder AEGEE Tarragona. Einige Erasmus-Studenten habe bereits vor ihrer Ankunft Verträge unterschrieben und Anzahlungen geleistet. Ich wollte mich vor Ort lieber selbst von den Angeboten überzeugen und bin 1,5-2 Wochen vor offiziellem Semesterstart angereist. Die erste Woche habe ich in einem Hostel verbracht und für die ersten Tage Besichtigungstermine vereinbart. Da erst sehr wenige Studenten vor Ort waren, war das Angebot an freien Zimmern sehr groß. Tarragona ist generell keine Stadt mit Wohnungsmangel und es wird sehr gerne befristet an Studenten vermietet. So habe ich bereits am zweiten Tag eine passende spanischsprachige WG in der wunderschönen Altstadt gefunden. Die Mieten in Tarragona sind sehr günstig. Es gibt günstige Zimmer für bereits weniger als 200€ inklusive Nebenkosten, normal sind ca. 250€ und teure bis und über 300€. Die Ausstattung der Wohnungen in Spanien ist eher spartanisch. Die Gebäude sind meist sehr alt und nicht renoviert. Dennoch ist alles vorhanden, was man benötigt. Die Altstadt ist meiner Meinung nach einer der schönsten Orte zum Leben, da dort viele kulturelle Feste und Paraden stattfinden und ausschließlich Fußgängerzone vorhanden ist. Viele Erasmusstudenten haben aber lieber in der Neustadt gewohnt, die näher an der zentralen Busstation und Zugstation gelegen ist, dafür aber auch laut und nicht allzu sauber ist. Das Hafenviertel wird meist gemieden und gilt als unbeliebt. Generell kam mir Tarragona nie gefährlich vor, auch nicht, wenn ich nachts allein zu Fuß unterwegs war.

Die Lebenshaltungskosten sind ebenfalls sehr günstig. Sowohl ausgehen als auch Verpflegung zu Hause ist verhältnismäßig günstiger in Tarragona als in Potsdam. Dafür sind die Gehälter nicht sehr hoch. Ein großes Bier in der Studentenbar kostet nur 1,50€, Snacks und Menüs in Restaurants sind ebenfalls günstig mit um die 10€. In den Supermärkten wird vieles für einen Superpreis von 1€ oder 2€ angeboten.

Öffentliche Verkehrsmittel braucht man in Tarragona nicht. Alles ist zu Fuß innerhalb von 20 Minuten zu erreichen. Lediglich zum Campus nach Reus oder in die umliegenden Städte muss man den Bus oder Zug nutzen, was aber unkompliziert und günstig ist.

Das International Office bietet Hilfe an, wenn man ein spanisches Konto eröffnen möchte. Dies kann sich als schwierig oder teuer gestalten, wenn man keine NIE hat, eine Art ID Nummer für Ausländer, die man vor Ort beantragen kann. Ich habe hier die Erfahrung gemacht, dass ich mit meiner deutschen Visa-Karte (DKB) ausschließlich bei der Deutschen Bank kostenlos Bargeld abheben kann. Andere Banken akzeptieren meine Karte nicht oder verlangen ein Entgelt. Am Besten vorher bei der heimischen Bank erkundigen, ob Probleme im Ausland auftreten könnten.

Tarragona ist keine große Tourismusstadt und ist glücklicherweise nicht so überlaufen wie Barcelona. Dennoch sind altrömische und mittelalterliche Bauten überall in der Stadt verteilt, die sehr beeindruckend sind und Tarragona viel Charme verleihen. Es gibt viele traditionelle Feste und Feiertage in Katalonien, die ausgiebig gefeiert werden. Teil davon sind auch verschiedene örtliche Musikgruppen und z.B. Castels, die Menschentürme, die sogar Teil des UNESCO sind. Besonders viele Aktivitäten werden im Sommer angeboten, im Winter ist Tarragona sehr ruhig. Spanien ist außerdem Siesta-Land. Zwischen ca. 14h und 16.30h sind täglich viele Geschäfte und öffentliche Gebäude geschlossen und die Straßen sind leergefegt. Dies ist die beste Zeit, um z.B. einkaufen oder zum Strand zu gehen. Es wird auch ab und zu für die Unabhängigkeit von Spanien gestreikt, was z.B. Einfluss auf die Öffnungszeiten der Universitätsinstitutionen hat.

Studienfach: Betriebwirtschaftslehre

Aufenthaltsdauer: 02/2019 - 07/2019

Gastuniversität: Universitat Rovira i Virgili in Tarragona

Gastland: Spanien


Rückblick

Ich habe in Tarragona und Katalonien eigentlich nur gute Erfahrungen gemacht. Zu Anfang hatte ich Bedenken, dass es schwierig werden könnte, mein Spanisch zu verbessern bzw. sich hier zu verständigen, da man sich bewusst sein muss, dass Katalonien nicht wie das restliche Spanien ist, sondern sehr viel Wert auf die eigene Kultur und Sprache legt. Dennoch hatte ich nie Probleme Spanisch zu sprechen bzw. kamen mir die Katalanen immer entgegen. Respekt und Verständnis für die Katalanen und ihr Unabhängigkeitsbestreben sollten man auf jeden haben, auch wenn man es nicht teilt. Viele tragen als Zeichen der Unabhängigkeit eine gelbe Schleife, die auch oft an Balkonen oder auf dem Straßenboden zu finden ist, nebst der katalanischen Flagge. Man sollte aktiv auf die Spanier und Katalanen zugehen und sich aus der Erasmus-Komfortzone trauen, um wirklich ein authentisches Bild der Menschen und des Lebens hier zu bekommen und auch die eigenen Sprachkenntnisse zu verbessern.

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