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Mein Auslandssemester in Sevilla 2016/17

Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Ich wollte eigentlich schon nach dem Abitur nach Spanien gehen und hatte immer zwischen Sevilla und Granada geschwankt, weil beide Städte im lebensfrohen Andalusien liegen und zwei wunderschöne, kulturreiche Städte sind. Leider ging es aus familiären Gründen damals nicht, umso mehr hatte ich mich gefreut als mir mitgeteilt wurde, dass ich mit Erasmus + nach Sevilla dürfte. Im Mai 2016 erhielt ich eine E-Mail von der Universidad de Sevilla, dass sie einen Sprachnachweis bräuchten und ich konnte mich im Secretaría Virtual für die Kurse eintragen. Das war etwas kompliziert, da man auf der unübersichtlichen Homepage nach den Kursen suchen musste und zusätzlich immer beachten musste, ob der Kurs im ersten oder zweiten Semester angeboten wurde. Nachdem die vorläufigen Kurse gewählt waren, schickte ich das Learning Agreement before mobility an die Gastuni, ließ es danach von Frau Wagner unterschreiben und hinterlegte das Dokument bei Frau Kettmann.
Außerdem beantragte ich Auslands-Bafög. Das sollte man jedoch rechtzeitig beantragen, da die Bearbeitungszeit 6 Monate dauert. Ich hatte mich etwas spät darum gekümmert und bekam dann erst im Februar meine Auszahlung. Jedoch kam ich vorher gut zurecht mit der Auszahlung von Erasmus +.


Studienfach: Kulturwissenschaft/Spanische Philologie
Aufenthaltsdauer: 09 /2016 – 06 /2017
Gastuniversität: Universidad de Sevilla
Gastland: Spanien

Wohnungssuche

Ich begann rechtzeitig mit der Wohnungssuche: Ab Mai hatte ich jeden Tag auf pisocompartido.com, idealista.com oder milanuncios.com vorbeigeschaut. Allerdings gestaltete sich die Wohnungssuche von Deutschland aus nicht so einfach, denn viele Spanier_innen haben Vorurteile gegen Erasmus-Studierende und wollten keine Partymitbewohner in ihrer Wohnung haben. Ich musste dann erstmal erklären, dass ich gerne mit Spaniern zusammenwohnen wollte, weil ich meine Sprache verbessern und die Kultur kennenlernen wollte. Vereinbarte Skype-Termine wurden kurzfristig abgesagt, weil jemand sich vorher die Wohnung angeschaut hatte. Im Juli hatte ich jedoch eine Zusage von zwei Spanierinnen bekommen, die zufällig zwei weitere Mitbewohnerinnen suchten. Die andere Studentin aus meinem Studiengang, die ebenfalls nach Sevilla ging und ich hatten Kontakt aufgenommen und ich hatte sie gefragt, ob sie mit mir in die spanische WG einziehen wollte.
So flogen wir am 1. September nach Sevilla und wurden von unserer zukünftigen Mitbewohnerin empfangen. Die Wohnung (Miete: 200€) befand sich im barrio Los Remedios (auf der anderen Seite des Flusses). Es ist ein ruhiges Viertel, in dem viel Familie wohnen und die Feria de Abril findet hier im April statt. Empfehlenswert ist ebenfalls das Nachbarviertel Triana. In der ersten Woche hatte ich mir vorgestellt durch die kleinen Gassen von Sevilla zu laufen und mir alles anzuschauen. Allerdings war es zu heiß: 50 Grad und kein Spanier befand sich tagsüber auf der Straße. Erst nachts kamen alle aus ihren Häusern und gingen in die Bars. In den ersten Wochen hatte ich Schwierigkeiten mit der Sprache, denn die Andalusier sprechen sehr schnell und verschlucken das s. Doch mit der Zeit gewöhnte ich mich daran.

Studium an der Gastuniversität

Am 19. September begann der erste Unitag. Es gab einen Willkommens-Akt in der Sporthalle für alle Neuankömmlinge einschließlich Trinken und Essen. Danach hatte ich meinen ersten Kurs (Curso Monográfico de Ensayo, sehr interessant). Ich sah eine Gruppe von Deutschen, die sich zusammengetan hatten und sich in die letzte Reihe setzten. Das verstand ich nicht, denn man hat die Professorin wegen dem andalusischen Akzent nicht verstanden. Aus diesem Grund setzte ich mich in die erste Reihe neben die Spanier und fand an dem Tag gleich eine spanische Freundin, die bis zum Schluss meine beste Freundin in Sevilla geblieben ist. In den nächsten Wochen ging ich zum Oficina Internacional oder zum Secretaría de Filología, um Unterschriften einzuholen oder Fächer zu ändern.
Auch wenn die Uni Potsdam möchte, dass 30 LP erfüllt werden, empfehle ich nicht mehr als 4 Kurse zu wählen, denn jeder Kurs findet 3 Mal die Woche statt und 5 Kurse können dementsprechend anstrengend werden. Ich hatte Curso Monográfico de Teatro Hispanoamericano, den ich nur sehr empfehlen kann, weil man sich aussuchen konnte, ob man am Ende eine Prüfung schreibt oder in einer Gruppe ein Theaterstück probt und aufführt. Ich hatte mich für die Theateraufführung entschieden. Das war das Beste was mir passieren konnte, denn ich lernte dadurch viele Spanier_innen kennen. Am Instituto de Idiomas können sich ausländische Studenten für einen Sprachkurs nach den jeweiligen Niveaustufen einschreiben. Im ersten Semester absolvierte ich den B2-Kurs und im zweiten Semester konnte ich den C1-Kurs machen.

Leben in Sevilla und Kontakte zu Einheimischen

Im ersten Semester nahm ich noch an den Erasmus-Partys und Reisen teil. Ich fuhr mit der Nonprofit-Organisation nach Córdoba, Ronda, zu den Stränden in der Gegend von Cádiz und nach Marokko. In Granada besuchte ich eine Freundin, die ebenfalls von der Uni-Potsdam dort Erasmus + machte. Nach Cádiz fuhr ich mit einem deutschen Freund, der mich in Sevilla besuchte zum Karneval und nach Madrid fuhr ich mit einer italienischen Freundin. Wir besuchten Madrider Freunde. In der Semana Santa flog ich mit einem spanischen Freund nach Lissabon. Am Anfang war es gut alle Veranstaltungen von Erasmus mitzumachen, aber dann unternahm ich mehr mit meinen spanischen Freunden. Am besten lernt man die spanischen Kommilitonen kennen, wenn man in der Bibliothek lernt oder sich oft im Innenhof der Tabakfabrik aufhält (Raucher haben es noch leichter Kontakt aufzunehmen). Man muss einfach immer freundlich und aufgeschlossen bleiben, dann kommen die Spanier auch auf einen zu. Abends nach dem Lernen gehen viele Studierende in die Bar San Fernando, die sich gegenüber der ehemaligen Tabakfabrik befindet und trinken ein kühles Bier. Das sind die Stunden, die ich am meisten vermissen werde: Nachmittage im Innenhof der Uni und Abende in unserer Stammbar.


Für die Semana Santa (Heilige Osterwoche) würden die Sevillaner sterben. Das ganze Jahr werden Prozessionen geübt. Ich war im November im Zentrum unterwegs und plötzlich wurde es im sonst so lauten Sevilla ganz still als eine Jesusstatue durch die Gegend getragen wurde. Alle Katholiken bekreuzigten sich. Ich habe mir nur die Madrugada (Nacht von Gründonnerstag auf Karfreitag) angeschaut. Die Familie eines spanischen Freundes hatte Karten für die Tribüne (die Plätze kosten 700-1000€) und hat mich dorthin mitgenommen. Um 5 Uhr morgens kam der ergreifende Moment: Die goldene Figur von Jesus vor dem Gericht wurde durch die Straße getragen. Ich hatte auch eine Träne vergossen so wie die Sevillaner.


Die Feria de Abril war das absolute Highlight in Sevilla: Es ist das traditionelle Frühlingsfest, das seit dem 19. Jahrhundert gefeiert wird. Im barrio Los Remedios (wo ich wohnte) wurden die casetas aufgestellt. Diese Zelte sind jedoch überwiegend privat und nur eine alte traditionelle sevillanische Familie kann eine caseta mieten. Aus diesem Grund sollte man vorher schon in der Uni Ausschau halten, wer ein Zelt auf der Feria besitzt, denn wenn man Glück hat, wird man eingeladen. Ich hatte dieses Glück, denn ein guter Freund besaß eine caseta. Wir haben viel rebujito (Getränk aus vino, Manzanilla und Sprite) getrunken und die ganze Woche sevillanas (Flamencotanz) getanzt.

Leider wurde einigen Erasmusstudenten und mir das Handy geklaut. Die Diebe sind so geschickt, dass man es überhaupt nicht merkt. Am besten man trägt keine Tasche mit sich herum, sondern behält Wertsachen ganz nah am Körper.
Im Juni standen dann die Prüfungen an und das war unter der Hitze schon eine Höchstleistung. Man soll lernen, aber der Körper ist um die 50 Grad ausgeliefert und der Kopf kann nicht mehr klar denken. Ich rate hier auch so schnell wie möglich aus der Stadt in das Heimatland zu reisen, weil man es dann nicht mehr aushält. Selbst die Sevillaner fliehen in den heißen Monaten aus ihrer Stadt.

Studienfach: Kulturwissenschaft/Spanische Philologie
Aufenthaltsdauer: 09 /2016 – 06 /2017
Gastuniversität: Universidad de Sevilla
Gastland: Spanien


Rückblick

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich ein tolles Jahr mit Höhen und Tiefen hatte. Ich bin manchmal über mich hinausgewachsen und habe auch neue Seiten an mir kennengelernt. Außerdem habe ich tolle Freundschaften geknüpft, die weiterhin bestehen bleiben werden. Ich kann jedem auch nur empfehlen ein ganzes Jahr zu gehen, weil sich dann erst die Sprachkenntnisse verfestigen, man die ganzen Festlichkeiten mitbekommt und gute Freunde kennen und schätzen lernt.

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