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Erasmus+ Erfahrungsbericht - Universidad Compultense de Madrid


Studienfach: B.Sc. Psychologie

Aufenthaltsdauer: 09/2016 - 02/2017

Gastuniversität: Universidad Compultense de Madrid

Gastland: Spanien

Vorbereitung des Auslandsaufenthalts

Ich habe mich erst relativ spät für ein Erasmussemester entschieden, hatte aber Glück, dass es noch viele Restplätze gab und ich dadurch noch meinen Erstwunsch, ein Semester Psychologie an der Universidad Complutense de Madrid (UCM), bekommen habe. Die Vorbereitung war nicht zu aufwendig, man muss nur etwas Geduld haben und viel Papierkram ausfüllen bis die Zusage von der Gastuni kommt. Die Infoveranstaltungen von Frau Kettmann zu besuchen ist informativ und hilfreich. Falls man allerdings Fragen für die Gastuni hat, antwortet das „Oficina Erasmus“ der Psychologiefakultät dort sehr schnell und nach etwas Übung sieht man auch im Vorlesungsverzeichnis durch um sein Learning Agreement auszufüllen. Man kann auch schon vorher mit den Professoren in Deutschland absprechen, ob man sich einen Kurs anrechnen lassen kann, indem man Ihnen z.B. den von Google übersetzen Inhalt zuschickt, muss sich aber bewusst sein, dass sich vor Ort der ganze Stundenplan nochmal ändern kann. Zimmer im Studentenwohnheim werden von der Complutense nicht angeboten, darum muss man sich selber kümmern. Hilfreich ist es, sich einen „Tutoren“ von ESN zuteilen zu lassen, der einem bei Fragen unterstützen kann sowie sich für den kostenlosen zweiwöchigen Sprachkurs anzumelden.

Studium an der Gastuniversität

Die ersten zwei Wochen habe ich den Sprachkurs besucht, was ganz gut war um sich in der Stadt einzuleben und die ersten Leute kennenzulernen, bevor der Unialltag losging. Die Qualität hängt leider sehr stark vom „Lehrer“ ab, das sind nämlich alles spanische Lehramtsstudenten in ihrem letzten Jahr. Ich hatte Glück und die 4 h am Tag waren keine Verschwendung, sondern ich konnte meine Grammatik auffrischen. Man kann die Freizeit nutzen um sich z.B. eine Wohnung zu suchen, schon einmal in einer Santanderbank auf dem Campus (ich weiß das klingt komisch) seinen Studentenausweis, den man später für die Bibliothek etc. braucht, machen zu lassen, eine ESN-Karte (für Rabatte und Veranstaltungen) zu machen oder das Erasmus-Büro aufzusuchen und sich dort zu informieren, den Stundenplan zu erstellen. Die ersten zwei Wochen der Vorlesungszeit hatten wir die Möglichkeit uns alle Vorlesungen anzuschauen und die auszuwählen, in die wir gerne gehen würden. Das Learning Agreement dient natürlich als Orientierung, aber man hatte die Möglichkeit alle Kurse noch einmal zu ändern. Das war wirklich hilfreich, weil man sich über Inhalte, Professoren, Niveau, Leistungsbewertung und Zeiten informieren konnte. Das einzige Problem war, dass man noch keinen Zugang zum „Campus Virtual“ (wie Moodle) hatte, wo viele Dozenten wichtige Informationen, Hausaufgaben, Folien etc. hochladen und man immer seine spanischen Mitstudenten fragen musste, ob sie einem alles zuschicken. Die Complutense hat zwei Standorte: Moncloa y Somosaguas. Moncloa ist sehr gut angebunden und riesig, wer allerdings Politik, Wirtschaft, Psychologie, Sozialarbeit etc. studiert hat das Pech nach Somosaguas zu müssen. Das ist ungefähr von der Entfernung und Modernität mit Golm zu vergleichen. Dort direkt in den drei Gebäuden der Psychologie-Fakultät befindet sich allerdings auch alles was man braucht: das Erasmus-Büro, alle Vorlesungsräume, eine Cafeteria, ein Copy-Shop und die Bibliothek. Generell sind die Kurse viel kleiner und verschulter als in Deutschland. Die Spanier machen 4 Jahre ihren Bachelor und haben Kurse immer mit denselben Personen, als Erasmusstudent springt man jedoch meist hin und her und hat jede Klasse mit anderen Menschen. Die Spanier haben nur nachmittags oder vormittags Uni, wenn man aber Pech hat und die Kurse, die man wählen will ungünstig liegen, kann es sein, dass man den ganzen Tag in der Uni verbringt. Da man aber sowieso sehr viel mehr zu tun hat als in Deutschland, kann man die Zwischenräume auch sehr gut in der Bibliothek mit Lernen und Hausaufgaben machen füllen. Ich hatte 5 Kurse (jeweils 6LP), wo man 2 h die Woche Theorie und 2 Stunden die Woche Praxis macht. Normalerweise schreibt man im Theorieteil eine oder zwei Klausuren (in der Mitte und am Ende oder nur am Ende) und im Praxisteil gibt es meist Gruppenarbeiten (entweder mehrere kleine, oder eine oder zwei große). Ich konnte zwei Kurse aus einer anderen Fakultät belegen und fand das sehr interessant und würde es jedem empfehlen, auch weil man dadurch mal seinen Interessen nachgehen, die Unterschiede zwischen den Fakultäten sehen und einen anderen Campus und neue Menschen kennenlernen kann. Ich habe zwei an der „Facultad de Educación“ gewählt, wo ich den Unterricht als viel interaktiver und spannender wahrgenommen habe. Ich habe mir zwei Kurse mit der gleichen, kleinen Klasse ausgesucht und dadurch konnte ich auch jeden Montag und Mittwoch komplett mit den gleichen Menschen verbringen und diese dadurch besser kennenlernen und mich besser integrieren. Die Noten die man bekommt sind sehr abhängig von den Dozenten, dem Kurs und dem eigenen Spanischlevel. Die meisten Klausuren sind Multiple Choice, wobei falsche Antworten als Minuspunkte gewertet werden und man als Erasmusstudent leider keinerlei Vorteile hat. Da es nur wenige Aufgaben gibt, ist es generell schwierig eine gute Note zu bekommen. Im praktischen Teil wird man als Erasmusstudent jedoch, abhängig vom Dozenten, teilweise milder bewertet und viele beachten das Spanisch-Niveau. Auch habe ich von anderen gehört, dass sie ihre Klausurnoten durch zusätzliche Arbeiten in Englisch ausbessern konnten. Die Umrechnung in die deutschen Noten der Uni Potsdam ist eher ungünstig, vor allem verstehe ich nicht, warum jede Uni in Deutschland das anders handhabt und es nicht einheitlich ist. In Spanien gibt es Noten von 1-10 (sehr schlecht-sehr gut) und man braucht eine 5 um zu bestehen. 9 und 10 sind „sobresaliente“ (überdurchschnittlich) und meist sehr schwer bis unmöglich zu bekommen. Eine 9 entspricht bei uns einer 1,3, an anderen deutschen Unis einer 1,0, was meiner Meinung nach viel angemessener ist.
Ich habe viel extrem viel Zeit und Arbeit in die Uni investiert, hatte bereits vorher ein ganz gutes Spanischniveau und habe teilweise eine 8 oder 8,5 als Endnote bekommen.

Kontakte zu einheimischen und ausländischen Studierenden

Ich hatte teilweise Kurse, in denen wir von 60 Leuten 15 Erasmusstudenten waren.
Das erklärt, warum die Spanier in der Uni meist kein Rieseninteresse zeigen, einen näher kennenzulernen, es ist nichts besonderes. Die meisten sind trotzdem nett und beantworten Fragen oder helfen einem. Spanisch zu sprechen ist trotzdem klar von Vorteil, da wenige Leute Englisch sprechen können/wollen. Man muss sich eigentlich in jedem Kurs eine Gruppe für den Praxisteil suchen und ich habe mir fast nur welche mit ausschließlich Spaniern gesucht, da mein Spanisch schon gut genug dafür war und ich versuchen wollte mich zu integrieren. Das hatte den Nachteil, dass ich obwohl ich teilweise die Noten nicht brauchte, trotzdem unglaublich viel dafür machen musste, aber den Vorteil, dass ich mein Spanisch verbessert, mehr Einblick in den spanischen Unialltag bekommen, fachlich mehr gelernt und ein paar Leute näher kennengelernt habe. Meine richtigen Freunde habe ich trotzdem nicht in der Uni gefunden, viele der Leute dort haben bereits ihren festen Freundeskreis, arbeiten viel um z.B. für den Master zu sparen und der Großteil lebt auch weiter außerhalb des Zentrums, weswegen sie nicht so viel Zeit in Madrid verbringen. Ich hatte allerdings auch keine Lust nur Erasmus-Studenten kennenzulernen, ich wollte ja vor allem Madrid und Spanien kennenlernen, und habe mich deshalb größtenteils aus den ESN-Aktivitäten rausgehalten. Ich habe mir „Hobbies“ gesucht um Spanier kennenzulernen. Ich habe einen 3-monatigen Fotokurs von der Uni gemacht, mich fast jedes Wochenende ehrenamtlich bei einem Verein engagiert, der für Kinder und Jugendliche mit Behinderung jedes Wochenende Ausflüge angeboten hat und auch an einer „Ferienfahrt“ teilgenommen. Dadurch habe ich auch die anderen ungefähr gleichaltrigen Betreuer kennengelernt und hatte sehr viel Spaß dabei. Außerdem habe ich über meinen deutschen Austauschverein, Leute kennengelernt die in Madrid leben und dadurch bin ich in einen Freundeskreis hineingekommen, der aus einer Mischung aus Latinos und Spaniern bestand. Also wenn ihr jemanden kennt, der jemanden kennt nutzt das aus! Ich habe auch am Anfang eine Deutsche kennengelernt, deren Tandems, eine Gruppe von Spaniern die deutsch lernen, ich „übernommen“ habe und mit denen ich viel unternehmen konnte.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Ich habe bereits vor meinem Erasmusaufenthalt relativ fließend Spanisch gesprochen, was mir in der Uni und auch mit der Suche von „einheimischen Freunden“ sehr geholfen hat, aber in Madrid hatte ich noch einmal die Möglichkeit einen Spanischkurs zu besuchen und meine Grammatik zu verbessern. Ich habe einen super Sprachkurs gefunden, nicht ganz billig, aber das Preis-Leistungsverhältnis hat auf jeden Fall gestimmt (und man kann immer Rabatte raushandeln).

Wohn- und Lebenssituation

Ich bin Anfang September mit 3 gebuchten Nächten im Hostel und einer Zusage von einem Couchsurfer für die Nächte danach losgeflogen und habe erst in Madrid aktiv angefangen nach einer Wohnung zu suchen. Es gibt mehrere Webseiten, die man nutzen kann (EasyPiso, Idealista, Fotocasa), wobei ich Idealista aufgrund der App und den einstellbaren Suchkriterien am besten finde. Fast alle Zimmer in Madrid sind möbliert, allerdings gibt es auch eine große Nachfrage, die Mieten sind teuer und viele wollen keinen Mitbewohner für nur 5 Monate. Ich hatte es mir vorher einfacher vorgestellt und war nach ein paar Tagen relativ frustriert zum 15. Mal bei einer Besichtigung zu sein wo man entweder keinen Besuch mitbringen durfte, wo es eine Liste mit Regeln gibt (z.B. nicht im Bad schminken und kein dreckiges Geschirr in der Küche stehen lassen etc.), wo das Zimmer 550€ pro Monat kostet, das Zimmer kein Fenster hat, in der WG nur Internationale leben oder es 40 Bewerber gibt und man sowieso keine Chance hat. Nach 7 Tagen habe ich jedoch eine Wohnung mit zwei dauerhaft in Madrid lebenden netten Peruanern und einer Spanierin gefunden, mit Fenster, nur 300€ Miete und 15min vom Zentrum entfernt. Es wäre nicht die Wohnung, in der ich für immer leben wollen würde, aber eine gute Wohnung für ein Semester. Als kurze Bemerkung zu den Stadtvierteln. Sol, La Latina, Chueca, Lavapies und Malasana sind zwar super zum Wohnen, aber auch heiß begehrt und teuer. Man kann gut auch ein bisschen außerhalb des Zentrums gucken, ich hatte eine Wohnung in „Puerta de Angel“, die viel billiger war und trotzdem habe ich nicht viel länger zu Uni gebraucht. Madrid hat ein sehr gut ausgebautes öffentliches Verkehrssystem und es gibt das sehr günstige „Abono de Transporte Joven“ für Menschen unter 25, was die gesamte Comunidad Madrid und alle Nahverkehrsmittel einschließt. Man kann damit sehr gut auch in die Umgebung von Madrid zum Wandern oder z.B. für einen Tagesausflug nach Toledo fahren. Wichtig dabei ist, sich rechtzeitig einen Termin zur Beantragung zu buchen, am besten noch aus Deutschland, damit man gleich am Anfang die Fahrkarte bekommt. Die Lebenserhaltungskosten sind in Madrid ähnlich teuer wie in Deutschland. Es gibt viele verschiedene Supermärkte, die auf einem ähnlichen Preisniveau sind. Ich fand allerdings schade, dass Bioprodukte sehr viel teurer und weniger verbreitet sind. Bei Lidl, Carrefour, Aldi gibt es allerdings eine Auswahl und in der Stadt gibt es viele kleine Bioläden. Auch als Vegetarierin mit der spanischen Küche klarzukommen ist nicht ganz einfach, aber man kann überall „Tortilla de Patatas“ bestellen und es gibt auch ein paar richtig gute Restaurants in den alternativeren Teilen der Stadt (Oveja Negra, Vega, B13, Perro Gamberro, Sanissimo). Freizeitprogramm gibt es Madrid reichlich und man hat eine Riesenauswahl. Es gibt viele Angebote von der Uni, z.B. Sportkurse, ich habe mich allerdings für einen 3-monatigen Fotokurs entschieden, der relativ billig war, super viel Spaß gemacht hat und wo ich viele Menschen kennengelernt habe. Außerdem gibt es super viele Aushänge, wodurch ich z.B. auf den Verein „Rafiki“ gekommen bin, mit dem ich dann letztendlich fast jedes Wochenende was gemacht habe.
Wir haben Ausflüge mit Kindern und Jugendlichen mit Behinderung unternommen und dadurch habe ich super coole Kinder und anderen spanische „Betreuer“ meines Alters kennengelernt, wir haben viel in Madrid gesehen und gleichzeitig habe ich etwas sinnvolles gemacht. Also hier Tipp: Ehrenamt ist super um Leute und „authentische Kultur“ kennenzulernen und gleichzeitig etwas positives zur Gesellschaft beizutragen. Auch sehr zu empfehlen sind Wanderungen in der Nähe on Madrid. Man kann kostenlos mit dem Abono in ca. einer Stunde in den Bergen sein und dort wirklich sehr schön zu allen Jahreszeiten wandern gehen.  Navacerrada, Valle de los Caidos, El Escorial, Las Manzanares sind z.B. gute Orte.

Sonstige  Hinweise

Ansonsten ist mir aufgefallen, dass man sich vorher überlegen sollte, was für ein Erasmussemester man verbringen will. Es gibt viele Möglichkeiten, man kann neue Leute aus dem eigenen Land kennenlernen, man kann Ausflüge und Partys mit anderen Erasmusstudenten oder Spaniern machen, man kann sein Spanisch üben oder sein Englisch verbessern, sich auf die Uni konzentrieren oder die Zeit lieber anders verbringen, Spanier oder andere Internationale kennenlernen, man kann reisen, man kann neue Sachen ausprobieren oder alte Hobbies weiterführen, man kann Madrid erkunden. Man hat unglaublich viele Möglichkeiten und keine ist „schlecht“, aber man kann nicht alles gleichzeitig haben, sonst hat man alles ein bisschen und nichts so richtig. Wenn man jedes Wochenende reist, ist es schwer Kontakte in Madrid aufzubauen; wenn man sich auf die Uni konzentriert, ist es schwer unter der Woche feiern zu gehen; wenn man nur mit Internationalen wohnt und kein vorher Spanisch spricht, ist es vielleicht schwer sein Spanisch signifikant zu verbessern. Letzter Tipp: Wenn ihr zur Weihnachtszeit Glühwein und Lebkuchen sucht, dann ist Lidl eine gute Adresse.

Studienfach: B.Sc. Psychologie

Aufenthaltsdauer: 09/2016 - 02/2017

Gastuniversität: Universidad Compultense de Madrid

Gastland: Spanien


Rückblick

Aus meiner Erfahrung in diesem Semester muss man einfach Schwerpunkte setzten und etwas dafür tun. Ich war schon mehrmals im Ausland und hatte das Feier/Reise/Internationalen-Erlebnis und diesmal wollte ich hauptsächlich mein Spanisch verbessern und Spanien kennenlernen und habe mir deswegen eine WG mit hispano-hablantes gesucht, einen Spanischkurs gemacht, viel für die Uni getan und ich habe mir Hobbies gesucht, wo ich Spanier und Madrid kennengelernt habe. Ich bin trotzdem etwas gereist, man lernt sowieso immer neue tolle deutsche und andere europäische Menschen kennen, war gut feiern etc., aber am Ende kann ich sagen, dass ich erreicht habe was ich wollte und das fühlt sich irgendwie gut an.

 

Spanien

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