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Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Nachdem mir mein Platz an der Partneruniversität La Laguna auf Teneriffa zugesichert wurde, nahm ich an einigen Informationsveranstaltungen an der Universität Potsdam teil, die vor allem über alle bürokratischen Abläufe aufklärte und in denen nötige Papiere verteilt wurden (Grant Agreement, Learning Agreement, Beurlaubungsantrag etc.). Die Uni im Gastland meldet sich normalerweise bei den Studenten und informiert über den Bewerbungsvorgang. Bei mir landeten leider alle diese Emails im Spamordner, wodurch ich selbstverschuldet ein wenig in Verzug kam. Ich konnte mich jedoch noch rechtzeitig bewerben (das passiert über ein Online Formular) und bekam den Platz recht schnell auch von der Partneruni zugesichert.


Studienfach: Soziologie

Aufenthaltsdauer: 02/2019-07/2019

Gastuniversität: Universidad de la Laguna

Gastland: Spanien

Studium an der Gastuniversität

Das Studium begann recht turbulent, da ich eine Weile brauchte, mich in dem sehr anderen System zurechtzufinden. Zunächst musste ich mein Learning Agreement anpassen, da sich einige der von mir ausgewählten Kurse überschnitten und so für mich nicht besuchbar waren. Das lag vor allem daran, dass die Kurse hier nach Studienjahren gestaffelt sind und es quasi für jedes „Jahr“, in dem man sich in seiner Studienlaufbahn befindet, einen vorgefertigten, angepassten Stundenplan gibt. Dieser gilt jedoch nicht für die Erasmus Studenten, die sich ihre Kurse, die sie zu Hause noch nicht gemacht haben oder die sie interessieren, aus allen „Jahren“ zusammensuchen. Ich ging dann erstmal zu den Kursen, die für mich möglich waren und sprach nach der ersten Veranstaltung die Dozenten direkt an, stellte mich vor und fragte, wie es mit dem Online System der Universität (Campus Virtual) funktioniert, in dem viel Lehrmaterial hochgeladen wird. Oft mussten mich die Dozenten noch einmal extra einladen, damit ich mich online in den Kurs einschreiben konnte. Die ersten Wochen waren organisatorisch also etwas kompliziert, auch weil ich zu Beginn oft nicht verstanden habe, was genau die Anforderungen für den Kurs sind. Das wurde meist im Smalltalk mit den Studenten geklärt, die ich besonders am Anfang nicht immer verstanden habe. Es gibt meistens die Möglichkeit zwischen der Evaluación Continúa, bei der alle Leistungen während des Semesters zu der Endnote hinzuzählen, und der Evaluación Final, bei der man nur zum Abschluss ein Examen schreiben muss, zu wählen. Ich empfehle, auch wenn es mehr Aufwand ist, die Evaluación Continúa zu wählen, da man so im Lehrstoff drin bleibt und mitarbeitet, geschweige denn von organisatorischen Dingen erfährt, die nicht online verkündet werden. Die Art und Weise der Lehrveranstaltungen ist sehr schulisch organisiert, was in starkem Kontrast zu der Autonomie und Selbstorganisation der Studenten an deutschen Universitäten steht. So wird zum Beispiel immer die Anwesenheit kontrolliert und man wird während des recht frontalen Unterrichts auch oft unaufgefordert aufgerufen. Zudem war ich in meinen Kursen oft die einzige Nicht-Muttersprachlerin, sodass einige Profs mehrfach vergaßen, warum ich nicht alles direkt verstehe und auf dem gleichen Niveau argumentieren kann wie meine Kommilitonen. Inhaltlich waren die Lehrveranstaltungen nicht besonders komplex, bei vielen Dingen wurde nicht in die Tiefe gegangen und nicht hinterfragt. Jedoch war das für mich okay, da ich vor allem am Anfang genug Schwierigkeiten mit der Sprache hatte. Die Haupthürde bestand darin, ständig kleine Hausaufgaben einreichen zu müssen, die mehr Fleißarbeit waren, als inhaltlich sinnvoll. Man bekam auch nie Feedback zu diesen Aufgaben. Nach einer Phase der Eingewöhnung regelt sich aber meistens alles, besonders wenn man mit den Personen direkt spricht.

Kontakt zu einheimischen und internationalen Studierenden

Zu Beginn des Semesters gab es eine Einführungsveranstaltung, an der alle Erasmus Studierenden teilnehmen konnten. Insgesamt waren wir nur 80 Personen, die im Sommersemester in verschiedenen Studiengängen begonnen haben. In dem Wintersemester zuvor sollen rund 300 Studenten angefangen haben. Mir wurde berichtet, dass viele Studenten ein gesamtes Jahr, also zwei Semester, bleiben. Es gab dann auch einige Welcome Veranstaltungen, wie Wanderungen, Restaurantbesuche etc., bei denen man viele Erasmus Studenten kennenlernen konnte. Der Kontakt zu den einheimischen Studenten war am Anfang nicht so einfach, ich musste gezielt auf die Personen zugehen, um sie etwas kennenzulernen. Auch Gruppenarbeiten helfen. Sie waren oft jedoch auch so dermaßen in Uni und Nebenjob eingespannt, dass sie tatsächlich wenig Zeit hatten, Dinge zu unternehmen. Die spanischen Studenten stehen nämlich deutlich mehr unter Druck, ihr Studium in der vorgesehenen Zeit abzuschließen, da sie für die recht hohen Studiengebühren aufkommen müssen und die staatliche Hilfe nicht allzu groß ist. Ich finde man sollte sich nicht zu großen Druck machen, möglichst viele Leute kennenzulernen und immer überall dabei sein zu müssen. Letztendlich habe ich die meisten meiner Freunde zufällig und über andere Personen kennengelernt. Ich finde es aber wichtig, immer offen zu sein und auch auf die Canarios zuzugehen, da man so erstens viel mehr Spanisch spricht und zweitens einen viel besseren Einblick ins Land und seine Kultur bekommt und Orte kennenlernt, die man sicher nicht im Reiseführer findet.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Vor dem Auslandsaufenthalt hatte ich ein Sprachniveau von B2. Mit den italienischen, deutschen, französischen etc. Erasmus Studierenden war das Verstehen und Sprechen schon zu Beginn sehr gut, da man doch noch tendenziell weniger komplizierte Formulierungen benutzt. In der Uni jedoch und auch als ich mit meinen kanarischen Mitbewohnerinnen zusammengezogen bin, habe ich gemerkt, dass das kanarische Spanisch, das untereinander gesprochen wird, doch nochmal eine andere Nummer ist. Abgesehen von den vielen Vokabeln, die sich vom festlands- und auch vom lateinamerikanischen Spanisch unterscheiden, reden sie sehr schnell und lassen gerne mal die eine oder andere Endung ganz weg. Es ist aber faszinierend, wie schnell man sich schließlich doch daran gewöhnt und nach und nach immer mehr versteht. Zum Schluss konnte ich fast jeder Konversation folgen und auch das eigene Sprechen ging sehr viel spontaner und freier.

Wohn- und Lebenssituation

Ich hatte schon vor der Abreise in Deutschland online nach Wohnungen bzw. WG-Zimmern in La Laguna gesucht, jedoch nicht allzu erfolgreich. Meine ersten Wochen verbrachte ich teils im Hostel, teils bei einem Freund auf dem Sofa. Die Wohnungssuche wurde auch vor Ort nicht unbedingt einfacher. Ich habe über die Website milanuncios und noch ein paar andere gesucht und war dann auch bei einigen Besichtigungen. Der Großteil der Wohnungen hatte jedoch mindestens einen entscheidenden Nachteil. Zum Beispiel haben in den meisten Wohnungen die Vermieter oder die Kinder der Vermieter gewohnt, wovon ich nur abraten kann. Diese wollten meistens, dass jeglicher Besuch extra zahlt. Schließlich habe ich durch Zufall über den Kontakt einer kanarischen Kommilitonin ein Zimmer im Barrio Nuevo für 203 Euro bekommen, mit dem ich dann auch abgesehen vom Schimmel ganz zufrieden war. Der Schimmel und die Feuchtigkeit sind übrigens ziemlich häufige Probleme, da es in La Laguna oftmals sehr feucht wird und regnet und die Wohnungen keine Isolierung haben. Außerdem ist unbedingt warme Kleidung zu empfehlen und vielleicht sogar ein guter Schlafsack. Als ich im Januar/Februar angekommen bin, war es in den Wohnungen so kalt, dass sich fast alle Erasmus Studenten erkältet haben. Leider gibt es so gut wie keine Heizungen in den Wohnungen, ein Phänomen, das ich immer noch nicht verstehen kann, da es mindestens 3 Monate auf Teneriffa und besonders in La Laguna (aufgrund der Höhe) wirklich kalt wird. Zu der Wohnlage kann ich aber trotzdem von ganzem Herzen nur dazu raten, nach La Laguna zu ziehen! Einige haben auch in der Hauptstadt Santa Cruz gewohnt, in der es zwar etwas wärmer ist, die aber nicht im Geringsten mit dem Charme von La Laguna mithalten kann. Außerdem kann man auch in den Bezirken zwischen Santa Cruz und La Laguna wohnen, was aber den Nachteil hat, dass man unter der Woche abends in La Laguna schon um 23 Uhr etwas den letzten Bus erwischen muss und damit nicht besonders flexibel ist. La Laguna ist klein und wunderschön, besonders das historische Stadtzentrum mit seinen bunten Häuserfassaden. Außerdem ist das Essens- und Kulturangebot sehr groß und vielfältig, was besonders auf den studentischen Einfluss zurückzuführen ist. Es reiht sich ein Café ans andere und eine Bar an die nächste und dann sind sie Preise auch noch unschlagbar! Im Vergleich zum Rest und besonders zum Süden der Insel ist La Laguna auch wirklich nicht touristisch, was sehr angenehm ist. Man kommt von La Laguna auch so ziemlich überall mit den Bussen hin. Die nächsten Strände sind Bajamar und Punta del Hidalgo (ca. 30 Minuten Busfahrt), zwei wunderschöne kleine Orte am Meer mit natürlichen Wasserschwimmbädern und tollen Fischrestaurants. Mit den Bussen kommt man auch sonst überall auf der Insel hin, natürlich nicht ganz so schnell wie mit dem Auto. Mit dem Abono Joven zahlt man 30 Euro im Monat und kann unbegrenzt jeden Bus nehmen.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist der discuento de residentes, den man erhält, sobald man seine NIE (número de identitad de extranjero) bekommt. Damit zahlt man für alle Reisen innerhalb Spaniens (egal ob Flugzeug oder Fähre) 75% weniger. Das macht es natürlich sehr reizvoll, besonders auch auf die umliegenden kanarischen Inseln zu reisen. Alle möglichen anderen Attraktionen sind auch meistens reduziert für residentes.

Studienfach: Soziologie

Aufenthaltsdauer: 02/2019-07/2019

Gastuniversität: Universidad de la Laguna

Gastland: Spanien


Rückblick

Im Nachhinein denke ich, hätte ich lieber ein gesamtes Jahr auf Teneriffa verbracht. Das halbe Jahr ist viel zu schnell vergangen. Gerade, als man sich gut eingelebt hat, ging es auch schon wieder dem Ende zu. Trotzdem bin ich sehr dankbar für die Erfahrung und habe sehr viel daraus mitgenommen. Sowohl gute Freunde als auch neue Essgewohnheiten und ein ausgefeilteres Spanisch mit einem kleinen kanarischen Dialekt. Auch wenn die Uni und ihre Organisation an einigen Stellen etwas problematisch ist, lässt sich die Zeit doch für eine Menge Erfahrungen nutzen, die man später nicht mehr missen möchte. Ich kann jedem, der gerne mal an einem komplett anderen Ort mit Meer ringsherum und den fantastischsten Gebirgen im Inland leben möchte, empfehlen sein Erasmussemester auf Teneriffa zu verbringen und sich nicht von anfänglichen Schwierigkeiten entmutigen zu lassen.

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