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Erasmus+ Erfahrungsbericht - Universidad de Jaén


Studienfach: B.Ed. Spanisch

Aufenthaltsdauer: 09/2017 - 01/2018

Gastuniversität: Universidad de Jaén

Gastland: Spanien

Vorbereitung des Auslandsaufenthalts

Meine Bewerbung für das Auslandssemester in Spanien habe ich fast ein Jahr vor Beginn des Aufenthalts am 1.November.2016 per E-Mail abgeschickt. Kurz darauf kam eine Bestätigungsmail zurück, dass ich mich rechtzeitig beworben habe. Nach Ablauf der Bewerbungsfrist, also nach Ende Januar, wurde ich dann in ein Moodle-Portal eingetragen, wo alle weiteren wichtigen Schritte zur Organisation des Erasmus-Semesters standen. Der nächste erforderliche Schritt (im Februar 2017) war dann den Auslandsbafög-Antrag zu stellen. Es ist sehr empfehlenswert den Antrag ein halbes Jahr vor Beginn des Auslandssemesters zu stellen, weil man einige Dokumente mehr als beim Inlandsbafögantrag einreichen muss und das teilweise auch von dem Kontakt mit der Gasthochschule abhängt. Im Juni fing ich an, Kurse auf der Internetseite der spanischen Universität zu suchen. Im Juli begann ich nach einer Unterkunft zu suchen, wo ich nach wenigen Tagen auch gleich etwas fand. Vorab kamen viele Info-Mails mit Links seitens der Gastuniversität, die ich als sehr hilfreich empfand. Als die Uni Potsdam mir dann die Kontaktinformationen meiner Ansprechpartnerin der Universität Jaén übermittelt hatte, kontaktierte ich diese im Mai, um mein Learning Agreement unterzeichnen zu lassen. Dies kam nach einigen Wochen dann per Mail unterschrieben zurück. Außerdem wurde von der Universidad de Jaén eine Auflistung meiner bereits absolvierten Kurse auf Englisch verlangt. Des Weiteren war der Nachweis einer Auslandshaftpflichtversicherung erforderlich. Da ich sowieso noch eine Auslandskrankenversicherung brauchte, bot sich die DAAD-Gruppenversicherung, bestehend aus Kranken-, Unfall-und Haftpflichtversicherung für 64€/Monat an.

Studium an der Gastuniversität

Die Organisation der Webseite ist super, was ich in Spanien nie erwartet hätte! Alle Kurse bzw. Zeiten, die ich dort gefunden habe, existierten auch tatsächlich im entsprechenden Semester. Einen Tag nach Ankunft habe ich am obligatorischem Einstufungstest teilgenommen (für diejenigen, die Spanisch-Sprachkurse belegen wollen) und danach hatte ich schon meinen Stundenplan zusammengebastelt. Einen Tag später ließ ich das von meinem Koordinator absegnen, der mir von den Relaciones Internacionales zugeteilt wurde. Das Studienklima habe ich als ziemlich verschult (Frontalunterricht) empfunden, da der Dozent die meiste Zeit redete, Abwesenheit/ Arbeit mithilfe von Onlinematerialien scheinbar als absolutes NoGo empfunden wurde und eine Art Klassensprecher gewählt wurde. Die beiden Sprachkurse (español escrito & oral) am Sprachinstitut der Uni haben mir sehr gut gefallen und stellten während des Semesters einen gewissen Halt dar, da sie mir zeigten, dass ich was kann. Im Gegensatz dazu fühlte ich mich in den Literaturvorlesungen hauptsächlich verloren in dem Chaos aus tausend zu lesenden Werken und deren Interpretationen. Meiner Meinung nach wurde viel zu viel verlangt, selbst die spanisches Studenten, schienen Probleme zu haben das alles zu lesen. Nachdem ich mich im Laufe des Semesters durch jeweils etwa die Hälfte der Bücher durchgekämpft habe und den Sinn/Bedeutung nicht verstanden habe, versuchte ich mich vor den Prüfungen durch Online-Interpretationen und Sekundärliteratur zu retten. Was mich wöchentlich immer wieder enttäuscht hat war, dass ein Dozent nur für die ersten Reihen seinen Kurs gehalten hat und obwohl in dem Semesterplan stand, dass die kurse hälfte „teoría“ und hälfte „prácticas“ sein sollen, hat eigentlich fast die ganze Zeit nur der Professor geredet. Partizipation war so gut wie nie gefragt. Außerdem wurden auch nur einige Studenten gefragt, ob sie Zeit haben wenn es um die Nachholung von ausgefallenen Kursen wegen Feiertagen ging. Ich fand auch generell seltsam, dass wegen Feiertagen ein Kurs nachgeholt wird. In Bezug auf Partizipation kann ich den Kurs „literatura hispanoamericana“ erwähnen wo es drei Seminare gab wo über jeweils ein literarisches Werk diskutiert wurde. Zu Beginn konnte ich eine Zusammenfassung des Werkes als Ersatzleistung abgeben, weil ich mich nicht gleich getraut hatte vor so vielen spanischen Studenten zu sprechen. Beim letzten „seminario“ hatte ich dann auch das Gefühl miteinbezogen zu werden, was mir Mut zu sprechen gab. Hilfe von dortigen Studierenden hab ich so gut wie gar nicht erfahren, ich hatte das Gefühl, dass dort jeder für sich selbst kämpft und wenn ich Mal nach Notizen gefragt habe, wurde mir immer ins Gesicht gelogen, denn es hat mir nie jemand etwas geschickt. Der einzige Glücksgriff allerdings war ein junger Mann im Kurs „Literatura de los Siglos de Oro“, der mit uns Erasmus-Studenten Mitleid hatte und uns seine Mitschrift des wichtigsten Unterthemas gegeben hat. Die Bibliothek habe ich meistens genutzt um in den Freistunden zwischen den Kursen die Bücher für die Literaturvorlesungen zu lesen bzw. für zu Hause auszuleihen. Sie hat von Montag - Freitag von 8:30 bis 21:30 geöffnet und man kann sich dort Laptops zum Arbeiten ausleihen und auch deutsch-spanische Wörterbücher für die Prüfungen sind vorhanden.

Kontakte zu  einheimischen und ausländischen Studierenden

Da ich mit zwei Asiaten, die kaum Spanisch konnten, zusammenwohnte, sprach ich zu Beginn auch ziemlich viel Englisch. Allerdings einigten wir uns dann darauf, nur Spanisch zuhause zu sprechen und nur auf Englisch zurückzugreifen wenn es wirklich sehr schwer ist auf Spanisch auszudrücken. Als ich das Zimmer reservierte wurde mir jedoch gesagt, dass gerade noch eine Spanierin in der WG wohnt, die ist dann aber leider kurz vor Semesterbeginn wegen Arbeit weggezogen. Letztendlich haben wir in der WG doch fast ausschließlich nur auf Englisch kommuniziert, was ich aber gar nicht so verteufeln möchte, denn so konnte ich auch mein Englisch wieder praktizieren, wodurch ich auch merkte, dass mir meist zuerst das spanische Wort eingefallen ist, was ich wiederum als gutes Zeichen bezüglich meiner Spanischkenntnisse wahrnahm. Die restliche Zeit redete ich nämlich ausschließlich auf Spanisch- in der Uni, mit internationalen Freunden und generell im Alltag, denn die Menschen in Jaén können sich so gut wie gar nicht  auf Englisch verständigen. Der Kontakt zu einheimischen Studenten gestaltete sich unerwarteter Weise ziemlich schwer, denn die spanischen Studenten in den Literaturkursen wirkten abweisend auf mich und ich habe mich kaum willkommen gefühlt. Es kam niemand auf mich zu, obwohl ich damit rechnete, weil die Spanier insgesamt als sehr offen gelten wie sich auch an meinen spanischen Freundinnen zeigt, die ich im Erasmus in Frankreich kennengelernt habe. Aber anscheinend trifft folgende These tatsächlich zu: „Erst im Ausland sozialisieren sich die Nationen gegenüber Menschen aus anderen Ländern.“ Das würde auch erklären, wieso ich in Spanien französische Freunde gefunden habe. Davon abgesehen, habe ich trotzdem viel spanisch gesprochen, da ich von Beginn Mitglied einer internationalen Clique, bestehend aus Italienerinnen, einer Griechin, einem Mexikaner, einer Rumänin etc. wurde. Außerdem habe ich fast nie deutsch gesprochen, da ich mich mit Absicht gleich von anderen Deutschen fernhielt bzw. nicht durchklingen lassen hab, dass ich Deutsche bin.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Als ich am Anfang den Einstufungstest gemacht habe, kam bereits heraus, dass ich ein B2/2 Niveau schriftlich und ein C1 Niveau mündlich habe. Ich war total positiv überrascht über dieses Ergebnis, weil solche PC-Tests eigentlich immer schlecht bei mir ausfallen. (bspw. der OLS-Test für Französisch). Die mündliche Prüfung war sehr toll und meiner Meinung nach aussagekräftiger als jeder Online-Test oder jede MP3-Aufnahme, da man einfach kurz spontan Smalltalk mit dem Dozenten gehalten hat. Auch im Alltag merkte ich, dass ich mit meinem Spanisch alles ganz gut meistern konnte: Gasflaschenbestellung am Telefon und WiFi-Vertrag ohne feste Laufzeit abschließen. Ende Januar habe ich dann den zweiten OLS-Test absolviert und es kam C1 insgesamt raus, was ich für realistisch befunden habe. Ich habe mich am Ende meines Auslandssemesters in der Lage gefühlt komplexere sprachliche Strukturen wie beispielsweise den „subjuntivo“ automatisch in den erforderlichen Situationen benutzen zu können. Durch das Lesen vieler spanischer Literatur, größtenteils in einem Spanisch, was nicht dem modernen entspricht, was ich gelernt habe, erlangte ich nach und nach ein breiter gefächertes Vokabular. Auch die in Spanien verwendete „vosotros-Form“ lernte ich anzuwenden, denn ich hatte bisher nur die lateinamerikanische „usted/es.-Form“ gehört und die Konjugation der 2. Person Plural kaum beherrscht.

Wohn- und Lebenssituation

Ich habe Anfang Juli über die Facebookseite „Alquiler Pisos Jaén“ eine 3-er-WG gefunden. (das war schon ziemlich früh, deshalb bloß nicht noch früher gucken bzw. damit rechnen etwas zu finden, das liegt für die Spanier noch viel zu weit im Voraus). Die Miete betrug 200€, dazu kommt noch WiFi (ca. 10-15€ pro Person in einer 3-er-WG), Licht, Elektrizität, Wasser und Gasversorgung zum Kochen und Wassererhitzen (1 Flasche für 15€), was  nach einer Weile durch einen Boiler ersetzt wurde. Die Nebenkosten (bis auf Internet) wurden alle 2-3 Monate von allen WG-Mitgliedern zusammen gezahlt. Durch das Gespräch mit anderen Erasmus-Studenten bemerkte ich, dass ich für andalusische Verhältnisse ziemlich viel für mein WG-Zimmer bezahlt habe, einige zahlten nur 150-170€ warm.

Öffentliche Verkehrsmittel

Obwohl Jaén ähnlich wie Potsdam groß ist, gibt es nicht so viele Öffis. Es gibt allerdings 20 Buslinien und einen Bahnhof, wo in die umliegende Städte Züge fahren. Außerdem gibt es auch preisgünstige Fernbusse, die Flixbus ähneln (ALSA, Samar etc.).

Bankgeschäfte

Eigentlich hatte ich nicht vor mir ein spanisches Bankkonto zu eröffnen, weil ich von der DKB eine Kreditkarte habe, mit der ich bei so gut wie allen Bankautomaten im Ausland (kann man mit einer App suchen), kostenlos Bargeld abheben kann. Allerdings benötigte ich ein spanisches Bankkonto für den WiFi-Vertrag. Also hat mich mein Vermieter zur Santander Bank geschickt und dort konnte ich gratis ein Konto eröffnen (bis 30Jahre ist das kostenlos!). Also sehr empfehlenswert. Dies konnte ich dann am Ende auch problemlos wieder auflösen.

Krankenversicherung

Da ich an der Uni sowieso eine Haftpflichtversicherung brauchte, habe ich gleich die Gruppenversicherung des DAAD für 64€/Monat abgeschlossen. Diese umfasst Kranken-,Unfall- und Haftpflichtversicherung.

Lebenshaltungskosten

Alles ist in Andalusien so unglaublich billig! Ein café con leche z.B. kostet nur 1€/1,10€ und Ausgehen zum Tapas Essen kostet meist auch nur 5-10€, da man in vielen Bars zum Softgetränk oder Bier/Tinto de Verano eine Tapas kostenfrei dazu bekommt. Im Gegensatz dazu, fand ich das Mensa-Menü mit 5,50€ ziemlich teuer. Es bestand aus einer Vorspeise wie Suppe oder Salat und einem Hauptgericht, dazu ein Getränk, ein Stück Weißbrot und ein Dessert/Obst. Es gab auch noch ein kleines Menü für 3,75€, was aber oft nur aus einem Stück Fleisch und Pommes bestand oder einem Teller mit gemischtem Gemüse, was für mich nie ein komplettes Gericht war und mich nicht satt machte. Der Campus verfügt aber auch noch über eine Cafeteria mit einem fantastischen Blick auf die tolle Landschaft Jaéns und einem guten Tapas- und Boccadillo-Angebot für weniger Geld als in der Mensa.

Freizeitangebote

Auch die Freizeit lässt sich in Jaén deutlich günstiger als in Deutschland gestalten, denn Kino, Schwimmhalle/Sauna/Fitnessstudio und Diskothek kosten nur sehr wenig im Vergleich(5€ Kinoeintritt, 6€ Aquagym/Sauna/baño turco) bzw. sind kostenlos. Des Weiteren bieten ESN und die Reiseorganisation „best life experience“ sehr viele tolle Reisen an wie zum Beispiel Salobreña Beach, Lissabon, Sevilla, Córdoba, Sierra Nevada und Marokko + Sahara. Auch privat lässt es sich sehr günstig durch Andalusien reisen. Dadurch war ich so gut wie fast jedes Wochenende unterwegs.

Sonstige  Hinweise

Bucht lieber erst eine Jugendherberge oder ein Airbnb und sucht vor Ort nach einer geeigneten Wohnung! Steckt nicht gleich den Kopf in den Sand wenn ihr die Literaturlisten sehr und versucht euch durch andere Hilfsmittel wie Online-Interpretationen oder Sekundärliteratur zu helfen.

Studienfach: B.Ed. Spanisch

Aufenthaltsdauer: 09/2017 - 01/2018

Gastuniversität: Universidad de Jaén

Gastland: Spanien


Rückblick

Ich hatte kaum sprachliche Probleme wegen des andalusischen Dialekts, jede Möglichkeit zum Reisen genutzt, ,mich durch schwierige spanische Literatur gekämpft und viele tolle neue Freundschaften geschlossen. Geht nach Jaén und genießt das Auslandssemester dort in vollen Zügen.

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