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Erasmus+ Erfahrungsbericht - Universidad de Granada


Studienfach: B.Sc. Politik und Wirtschaft

Aufenthaltsdauer: 09/2017 - 01/2018

Gastuniversität: Universidad de Granada

Gastland: Spanien

Vorbereitung des Auslandsaufenthalts

Das Vorhaben, ein Semester im Ausland zu studieren, hatte ich schon zu meinem Studienbeginn fest geplant. Dem Standard der meisten Studierenden folgend, plante ich dann nach Abschluss des vierten Semesters ins Erasmus-Semester zu gehen, da bis dahin das Basisstudium in der Regel abgeschlossen ist. Zudem empfiehlt es sich im Wintersemester in Granada zu studieren, da das Sommersemesters in Spanien beginnt, wenn hierzulande noch das Wintersemester läuft. Das spanische Wintersemester überschneidet sich hingegen mit keinem Vorlesungszeitraum in Deutschland. Da es jedoch bereits im September beginnt, kann es sein, dass man noch Hausarbeiten schreiben muss. Nach Möglichkeit sollten diese am besten vor dem Beginn des Auslandaufenthaltes abgeschlossen werden, da gerade die Anfangszeit sehr intensiv ist. Während des Bewerbungsprozederes war das Dokument der Universität Potsdam „Ihr Erasmus+ Schritt für Schritt“ eine große Hilfe, denn es fasst das Verfahren eines Erasmus Auslandsaufenthaltes sehr gut zusammen. Auch die beiden Infoveranstaltungen sind zu empfehlen. Generell lässt sich sagen, dass das Bewerbungsverfahren in meiner Erfahrung unkompliziert verläuft und die Universität Granada zuverlässig die Fristen einhält und auch auf die Studierenden zugeht. Zudem werden Fragen des dortigen Erasmus Koordinators zügig und hilfreich beantwortet. Mein Eindruck war, dass das dortige International Office (der Wirtschaftsfakultät) ziemlich gut organisiert ist, was vielleicht auch an der riesigen Menge an Erasmusstudierenden liegt, die jedes Semester zum Studieren nach Granada gehen. Insgesamt finde ich, dass für das, was einem mit dem Erasmus Programm geboten wird, es kein zu großer bürokratischer Aufwand ist. Der einzige Punkt, der etwas mehr Arbeit erforderte, war die Erstellung des Learning Agreements, was mit der Frage verbunden ist, was man im Ausland studieren möchte. Weil ich mir möglichst die besuchten Kurse an der Universität Potsdam anrechnen lassen wollte, musste ich die Syllabi der spanischen Kurse, die ich belegen wollte, übersetzen, um dann die Unterschrift der Professoren einzuholen, deren Kurse ich durch Kurse im Ausland plante zu ersetzen.

Studium an der Gastuniversität

Zum Studiensystem lässt sich sagen, dass es sich grundlegend von dem unterscheidet, was ich aus der Universität Potsdam kenne. Das betrifft den Aufbau der Veranstaltungen und die Leistungsbewertung. In Spanien lässt sich der Tag generell in zwei Hälften teilen, nämlich vor und nach der Siesta. Das betrifft auch den Unialltag. Die meisten Lehrveranstaltungen finden in Gruppen von 30 bis 50 Personen statt, die dann entweder am Vormittag oder am Nachmittag stattfinden, wobei die Nachmittagskurse auch bis 21 Uhr gehen können. Die deutsche Aufteilung von Veranstaltungen in Vorlesungen und Übungen gibt es so nicht. Es gibt für jede Veranstaltung nur eine Lehrperson, sozusagen Professor und Übungsleiter in einem, weswegen der Übergang zwischen Theorie und Praxis auch fließend ist. Seminare habe ich nicht besucht, weswegen ich nicht sagen kann, wie diese strukturiert sind. Es kann sein, dass dies bei anderen Fakultäten anders strukturiert ist. In der Wirtschaftsfakultät trifft diese Beschreibung aber auf jeden Fall zu. Auch die Leistungsbewertung ist grundlegend verschieden. Die evaluación continua prüft das Wissen der Studierenden, wie der Name schon sagt, kontinuierlich, während des Semesters. Sobald ein Themenblock abgeschlossen ist, wird darüber eine Klausur geschrieben. So schrieb ich durchschnittlich vier Klausuren pro Veranstaltung. Hinzukommen können noch Referate, Hausarbeiten (auch während des Semesters) und (Überraschungs-)tests. Dadurch ist der Aufwand während des Semesters etwas höher als in Deutschland. Dafür fällt die harte Klausurenphase weg. Meiner Meinung nach ist es dadurch leichter, bessere Noten zu schreiben, da immer nur ein Themenblock auf einmal abgefragt wird. Ob dadurch auch mehr bei den Studierenden im Kopf hängenbleibt, ist eine andere Sache. Zumal die Klausuren alle auf Multiple Choice beruhen und es sich fast nur um Wissensabfragen handelt. Das hat dann zur Folge, dass diejenigen, die am fleißigsten auswendig lernen, auch die besten Noten schreiben. Nicht nur die Struktur des Studiensystems ist anders, sondern auch das Studienklima. Das fällt am deutlichsten am Verhältnis zwischen Dozenten und Studierenden auf. Dies ist sehr locker, da Titel nie genannt werden und sich geduzt wird. Ich hatte sehr viel Glück mit meinen Professoren, da sie sehr zuvorkommend waren und einen teilweise in Gespräche verwickelten, um etwas über einen zu erfahren. Dieses lockere Verhältnis existiert natürlich auch zwischen den Studierenden. Nach den Veranstaltungen wird stets ein Kaffee zusammen getrunken!

Kontakte zu einheimischen und ausländischen Studierenden

Die Uni und besonders die Cafeteria sind ausgezeichnete Orte, um Kontakt zu spanischen Studierenden aufzunehmen. Wie oben geschrieben, ist es nicht unüblich, dass ein gesamtes Kurs in Grüppchen nach der Veranstaltung in die Cafeteria geht. Kennt man sich schon vom sehen oder vom kurzen Smalltalk führen aus den Kursen, ist es eine gute Gelegenheit zusammen in die Cafeteria zu gehen. Die meisten meiner spanischen Freunde habe ich so kennengelernt. Dadurch, dass sich stets Freunde von Freunden dazusetzen, lernt man viele neue Leute kennen. Teilweise kommen Studierende auch einfach zur Uni, um mit Freunden einen Kaffee zu trinken. Es ist für mich schwer vorstellbar, dass man keine Einheimischen in der Uni kennenlernt, denn die SpanierInnen sind sehr offen und unterhalten sich gerne mit einen. Natürlich gibt es auch die Erasmusstudierenden, die nur unter sich bleiben. Ein bisschen locker und offen muss man schon sein. Daneben gibt es noch die Möglichkeit, über Freizeitangebote der Uni andere Studierende kennenzulernen. Die Universität von Granada verfügt über ein breites Sport- und Kulturprogramm. Ich habe beispielsweise an einem Tanzkurs teilgenommen und habe auch dort spanische und internationale Kontakte knüpfen können. Mein Mitbewohner hat einen Theaterkurs über die Uni besucht. Es gibt also viele spannende Angebote. Was es natürlich auch in Granada gibt, sind die Erasmus Organisationen wie ESN oder Best Life. Besonders im ersten Monat organisieren sie viele Events und dann auch eine Art von Pauschalreisen z.B. nach Sevilla, Cordoba und Marokko. Man kann es sich mal anschauen, ob das einem gefällt. Auf diesen Veranstaltungen sind dann aber ausschließlich internationals unterwegs.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Ich bin bilingual aufgewachsen, weswegen ich zu diesem Punkt nicht viel sagen kann. Allerdings habe ich beobachtet, dass diejenigen, die viele spanische Freunde haben und sich auch trauen zu reden und Fehler zu machen, ihr Sprachniveau am stärksten verbesserten. Außerdem ist es keine Garantie sich im Spanischen zu verbessern, nur weil man mit Spaniern wohnt. Ich habe Leute kennengelernt, die ihr Spanisch kaum verbesserten, obwohl sie mit Spaniern zusammenlebten. Man muss auch einfach über den Smalltalk hinauskommen und sich trauen richtige Konversationen in der fremden Sprache zu führen.

Wohn- und Lebenssituation

Ich habe mich zunächst für fünf Nächte in einem Hostel eingemietet. Diese Zeit sollte reichen, um eine Wohnung in Granada zu finden. Dadurch, dass die Stadt zu einem sehr hohen Grad eine Studentenstadt ist, findet zwischen den Semestern immer viel Bewegung statt. Die Wohnungssuche erfolgt am besten über Facebookgruppen und der Website idealista.es. Preislich ist zwischen 200€ und 400€ für ein Zimmer alles drin, wobei sich die Wohnungen im unteren Preissegment nicht im Zentrum befinden. Weitere Stadtteile, die bei Studenten beliebt sind, sind Realejo, Albaicín und die Gegend rum um Pedro Antonio. Für mich ist der Albaicín der schönste Stadtteil, allerdings nicht zum Wohnen. Es handelt sich um den alten Stadtkern mit sehr alten Gebäuden, die nicht isoliert sind. Zudem gibt es dort wenig Einkaufsmöglichkeiten, für die Dinge des täglichen Bedarfs und kaum Buslinien, da die Gassen zu eng sind. Generell bewegt man sich in Granada aber meist zu Fuß fort, da die Stadt schon klein ist. Die Busse sind aber auch ziemlich gut und kosten mit dem Studentenausweis 80 Cent pro Fahrt. Ich hatte das Glück eine moderne Wohnung im Zentrum zu finden. Man sollte sich nicht wundern, wenn die Vermieter fordern, dass man den Mietvertrag für ein ganzes Jahr unterschreiben soll, obwohl man nur für ein Semester bleibt. Sie wollen sich halt möglichst viel Arbeit sparen und nur einmal im Jahr Mieter suchen. Es liegt dann in der eigenen Verantwortung aus dem Vertrag rauszukommen. Dafür muss man sich einfach einen Nachmieter suchen. Weder bei mir, noch bei Freunden war es ein Problem jemanden zu finden, der das Zimmer übernimmt. Obwohl es sich um eine relativ kleine Stadt handelt, gibt es doch ein ziemlich breites Freizeitangebot. Ich habe beispielsweise einen Tanzkurs besucht und war klettern. Die Lage der Stadt bietet auch die Möglichkeit innerhalb von einer Stunde am Strand oder im Gebirge zu sein, woraus sich wiederrum viele Möglichkeiten ableiten. Am besten man erkundet alle Möglichkeiten selbst!

Studienfach: B.Sc. Politik und Wirtschaft

Aufenthaltsdauer: 09/2017 - 01/2018

Gastuniversität: Universidad de Granada

Gastland: Spanien


Rückblick

Zusammengefasst kann ich es jedem nur empfehlen, eine solche Erfahrung im Ausland zu machen. Für mich war es eine intensive Erfahrung, in der auch nicht alles reibungslos verlief, man jedoch auch daraus lernte. Die Einblicke in ein anderes Studiensystem und die verschiedenen Schwerpunkte des Studiums bringen fachliche Kompetenzen. Doch besonders entwickeln sich die Soft Skills während einer solchen Erfahrung, in der man es ständig mit neuen Leuten zu tun hat.  Ich muss auch zugeben, dass ich ein Riesenglück mit meinen Mitbewohnern hatte, die mir sehr ans Herz gewachsen sind und ohne die es wahrscheinlich nicht die schöne Zeit geworden wäre, die es war. Das Erasmus Semester bietet einem die Chance, neue Freunde kennenzulernen, die man auch über den Auslandsaufenthalt hinaus beibehält.

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