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Erasmus+ Erfahrungsbericht - Universidad de Almería


Studienfach: B.Sc. Politik und Wirtschaft

Aufenthaltsdauer: 09/2016 - 02/17

Gastuniversität:  Universidad de Almería

Gastland: Spanien

Vorbereitung des Auslandsaufenthalts

Schon früh in meinem Studium war mir klar, dass ich ein Auslandssemester absolvieren möchte und aufgrund der guten Organisation und der Finanzierung entschied ich mich dann eines über Erasmus+ zu absolvieren. Im Verlauf des dritten Semesters fiel die Wahl dann auf Spanien, da ich erst kürzlich angefangen habe die Sprache zu lernen und mich die Herausforderung gereizt hat. Zudem gibt es nur wenige Kooperationen der Uni Potsdam mit Universitäten aus Ländern mit der Amtssprache Englisch und ich wollte gerne in einem Land studieren, wo ich in der jeweiligen Amtssprache lerne bzw. mit der Bevölkerung kommuniziere. Nachdem ich mich für drei Universitäten in Spanien beworben habe (1. Wahl Granada, 2. Wahl Almeria, 3. Wahl Valladolid), wurde mir ein Studienplatz an der Universidad de Almeria angeboten. Nach kurzer Überlegung habe ich mich schließlich entschieden, den Platz anzunehmen. Von Berlin aus bin ich mit Brussel Airlines über Brüssel nach Madrid geflogen, wo ich fünf Tage verbracht habe. Anschließend bin ich mit einem Linienbus für 30 € nach Almeria gefahren, die Fahrt dauerte 7 Stunden. Im Nachhinein empfehle ich jedem, sich stattdessen bei BlaBlaCar zu registrieren, was sowohl die günstigere als auch schnellere Alternative darstellt.

Studium an der Gastuniversität

Trotz der stark an meiner Heimuniversität orientierten Kurswahl, fielen mir einige Unterschiede zwischen dem Studium an der Universität Potsdam und der Universität in Almeria auf. Erstmal ist zu erwähnen, dass das Studium in Spanien im Allgemeinen verschulter ist, als in Deutschland. Dies haben mir auch Freunde, die in anderen Städten Spaniens ihr Erasmus absolviert haben bestätigt. Es wird viel mehr Wert auf Anwesenheit und mündliche Mitarbeit gelegt, auch hatte ich in zwei Fächern Zwischenprüfungen im Verlauf des Semesters. In Spanien gibt es auch kein “akademisches Viertel“, sodass man im Idealfall die Kurse so legt, dass man zwischendurch eine Periode frei hat. Es kann dann schon mal passieren, dass ein Professor derart die Vorlesung überzieht, dass man es gerade so schafft, pünktlich in der nächsten Vorlesung zu erscheinen und oft war die Cafeteria derart voll, dass es nicht möglich war nur “kurz“ einen Kaffee zu holen. Alle meine Kurse hatten 6 Leistungspunkte, wie bei meinem Studium in der Uni Potsdam, jedoch sind die Noten anders strukturiert. Es gibt Punkte von eins bis zehn, wobei eine 10 in unserem Notensystem eine 1,0 wäre.Von den fünf Kursen, die ich absolviert habe, fand ich bis auf einen (Mathematica I, belegte den Kurs nochmal, was eine gute Wiederholung darstellte), keinen sonderlich gut strukturiert oder lehrreich. Dabei lag es nicht nur an der fehlenden Sprachkompetenz meinerseits, sondern auch am Aufbau der Vorlesungen. Einmal wurde in einer Vorlesung von der Professorin ein 16-seitiger Unicef Bericht aus dem Internet vorgelesen. Obwohl die mündliche Teilnahme ebenfalls einen Teil der Endnote ausmacht, fiel es vielen Professoren schwer, die Studenten in ihre Vorlesung miteinzubeziehen. Was die Klausuren zum Ende des Semesters anging, konnte ich nur zwei der fünf Kurse erfolgreich abschließen, da entweder die Klausuren sich stark vom Vorlesungs- und Übungsmaterial unterschieden (Econometria I), oder aufgrund von nur schlecht oder nicht bestandener Zwischenprüfungen mitten im Semester (Microeconomia II, Matematica I). Die Fächer Economia Mundial und Economia Sector Publico sind vom Stoffumfang geringer, jedoch waren die Vorlesungen relativ unstrukturiert und nur mäßig interessant. Während des Semesters erhielt ich während zwei der fünf Vorlesungen Unterstützung seitens der Professoren, in Form von Hilfe bei der Übersetzung oder schlicht durch Berücksichtigung meiner sprachlichen Defizite bei der Bearbeitung von Hausaufgaben. Ansonsten erhielt ich in der Regel auch Hilfe von muttersprachlichen Kommilitonen bei Hausaufgaben oder bei der Klausurvorbereitung. Die Bibliothek ist in Wochentags bis 22 Uhr geöffnet, am Wochenende bis 17 Uhr und während der Klausurvorbereitung gibt es auch einen Saal der 24 Stunden zugänglich ist. Da der letzte Bus um ca. 21:45 Uhr von der Bushaltestelle abfährt, sollte man die Bibliothek zeitig verlassen, falls man kein Taxi zahlen möchte.

Kontakte zu  einheimischen und ausländischen Studierenden

Der Kontakt zu anderen Erasmus-Studierenden stellte sich in Almería als sehr einfach heraus, da die Stadt relativ klein ist und die meisten Studenten im “Studentenviertel“ Zapillo, welches direkt am Strand ist, oder im Zentrum wohnen. Der erste Kontakt stellte sich hauptsächlich durch das Erasmus Student Network (ESN) her, welches viele Veranstaltungen organisiert oder über Facebook zu spontanen Treffen einlädt. Mit anderen Erasmus-Studierenden habe ich hauptsächlich auf Englisch kommuniziert, wobei auch einige Studierende aus Italien oder Mexiko dabei waren, wo ich auf Spanisch zurückgreifen musste. Von den Erasmus-Studierenden kennt man am Ende so gut wie alle, entweder über gemeinsame Kurse oder da man quasi benachbart ist. In der Almería verliert man sich nur schwer aus den Augen, sodass ich mit Leuten die ich am Anfang besser kennengelernt habe auch bis zum Ende meines Aufenthalts regelmäßig Kontakt hatte. Was den Kontakt zu einheimischen Studierenden angeht, gestaltete sich dieser, wie zu erwarten, aufgrund der Sprachbarriere etwas schwieriger. Bevor ich in Almería ankam, absolvierte ich zwei Semester davor an der Universität Potsdam einen Sprachkurs (Unicert I-I und Unicert II-I) und hatte somit Grundkenntnisse der spanischen Sprache bereits erlangt.  Dennoch war es nicht immer leicht den Gegenüber zu verstehen, aufgrund des starken andalusischen Akzents und Unsicherheiten meinerseits bezüglich der spanischen Grammatik. Nichts desto trotz konnte ich meine Spanischkenntnisse im Laufe der Zeit verbessern, was v.a. an der Kontaktfreudigkeit vieler in Almería liegt. Dennoch gestaltete es sich als schwer, wirklich Freundschaften zu Spanier/innen zu knüpfen bzw. falls wurde meistens auf Englisch kommuniziert.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Wie bereits erwähnt habe ich vor meinem Auslandsaufenthalt einen Sprachkurs in der Universität Potsdam absolviert, einmal Unicert I-I und Unicert I-II, was am Ende ungefähr einem A2 Abschluss ähnelt. Während meiner Zeit in Spanien habe ich mein Vokabular im Spanischen hauptsächlich im Bereich der Fachtermini im Bereich der Wirtschaftswissenschaften verbessert, jedoch natürlich auch im Bereich der zwischenmenschlichen Kommunikation. In der Grammatik wurde ich sicherer trotz hin und wieder noch auftretenden Unsicherheiten. Mein Vokabular hat sich ebenfalls erweitert, auch wenn ich vor der Anreise, einen größeren Ausbau meiner Spanischkenntnisse erhofft habe. Dies lag sicherlich auch an der Schwierigkeit daran, mit Einheimischen länger in Kontakt zu stehen. Alles in allem bin ich doch zufrieden mit der Sprachkompetenz nach dem Auslandsaufenthalt, die ich sicherlich auch danach versuchen werde weiter auszubauen.

Wohn- und Lebenssituation

Die Wohnungssuche in Almería gestaltete sich als relativ einfach und unkompliziert. Bereits vier Tage nach der Ankunft in Almeria, habe ich über eine Facebook-Gruppe  eine Wohnung gefunden im “Studentenviertel“ Zapillo. Als monatliche Miete zahlte ich 150 € inklusive Nebenkosten, alle drei Monate fielen Kosten für Strom und Wasser an. Für diesen geringen Mietpreis war die Wohnung von der Einrichtung her in Ordnung, obwohl ziemlich klein konnte ich mich aufgrund dessen und der guten Lage nicht beklagen. Entscheidend war für mich auch mit Spaniern zusammen zu wohnen, um auch hier meine Spanischkenntnisse zu verbessern. Mit dem Bus dauert es nur 10 min bis zur Uni und der Strand war direkt vor der Haustür. Eine Busfahrt hin und zurück kostet 2,10 €, daher habe ich mich für eine Monatskarte für 27 € entschieden, was v.a. praktisch ist, falls man längere Pausen zwischen den Veranstaltungen hat und zwischendurch nach Hause möchte. Jedoch kann man mit der Monatskarte für 27 € nur für die drei Strecken 7, 10 und 18 einlösen, also jene die direkt zur Uni fahren, ansonsten muss man für andere Linien extra bezahlen. In Almeria gibt es gefühlt an jeder Ecke ATMs und andere Geldautomaten, sodass das Abheben von Geld jederzeit problemlos möglich ist und man keine Sorge haben muss an manchen Orten nicht spontan abheben zu können. Vor der Fahrt habe ich mich für eine Auslandsreisekrankenversicherung entschlossen, die glücklicherweise nicht zur Anwendung kam. Ob diese Versicherung sinnvoll ist muss letztendlich jeder für sich selbst entscheiden, aus Erfahrungen anderer habe ich mich dafür entschieden, da viele von hohen Kosten bei rezeptpflichtigen Medikamenten oder anderweitiger Versorgung berichtet haben. Insgesamt gehört Almeria jedoch zu den günstigeren Orten in Spanien, insbesondere Obst und Gemüse waren deutlich günstiger als ich es aus Berlin kenne und auch Taxis, sowie Restaurants (Tapas-Bars) empfand ich als günstig. In Almeria, wie auch in einigen anderen andalusischen Städten gilt bei Tapasbars das System, dass man zu jedem alkoholischen Getränk eine Tapa gratis erholt und ich empfand die Größen als ausreichend, sodass ich mir einbilde auch da günstig gegessen zu haben. Durch die geringe Miete und die vom ESN zu günstigen Preisen gut organisierten Reisen, habe ich insgesamt meine Ausgaben in einem moderaten Bereich gehalten. Außerhalb von Reisen spielen sich die meisten Freizeitaktivitäten in Almeria am Strand ab, da auch bis zum Dezember gutes Wetter herrscht und der Winter in Spanien eher einem deutschen Herbst gleich. Falls es doch mal regnet, ist es durch die bereits erwähnte einfache Art der Kommunikation in Almeria (vieles spielt sich an den gleichen Orten ab, andere Studenten quasi als Nachbarn) finden sich schnell Gruppen mit denen man die Zeit alternativ gestalten kann. Ansonsten gibt es auch einige Fitnessstudios, sowie Kinos und Theater, diese jedoch nur im Zentrum.

Studienfach: B.Sc. Politik und Wirtschaft

Aufenthaltsdauer: 09/2016 - 02/17

Gastuniversität:  Universidad de Almería

Gastland: Spanien


Rückblick

Rückblickend kann ich sagen, dass ich mein Erasmus-Semester in Almeria sehr genossen habe und mit überwiegend positiven Gefühlen auf die Zeit zurückblicke. An die Größe der Stadt, insbesondere an die etwas “kleinstädtische“ Atmosphäre, musste ich mich zunächst ein wenig gewöhnen, jedoch empfand ich dies relativ schnell als Vorteil, da man dadurch leichter Leute kennengelernt hat und stets gemeinsame Aktivitäten möglich waren. Die meisten Ziele waren auch per Fuß zu erreichen, was auch zu einer gewissen Spontanität in der Planung geführt hat, hinzu kommt auch die spanische Lockerheit bezüglich Verabredungen. Zudem sprach mich die Herausforderung an im alltäglichen Leben fast ausschließlich auf Spanisch kommunizieren zu müssen. Lediglich die Organisation und Lehralltag an der Uni würde ich negativ einstufen, wobei das auch von Studienfach zu Studienfach variieren kann, weshalb ich das in keinem Falle als Ausschlusskriterium für Überlegungen hinsichtlich eines Aufenthalts in Almeria zählen würde. Wer etwas von der spanischen Kultur kennen lernen möchte, ein international breit gefächerten Kreis an Menschen kennen lernen will und zu Urlaubstemperaturen studieren mag, dem kann ich Almeria nur wärmstens empfehlen.          

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