Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Für mich stand schon zu Beginn meines Studiums fest, dass ich in jedem Fall die Chance eines Auslandssemesters wahrnehmen möchte. Ein Jahr vor dem geplanten Auslandssemester ließ ich mich als erstes von Frau Kettmann beraten und erhielt viele nützliche Informationen für die weitere Planung. Besonders die skandinavischen Länder reizten mich und kurz darauf begann ich mit meiner Bewerbung für Schweden. Während der Bewerbung konnte ich mich bei Problemen immer an das International Office in Potsdam wenden und meine Fragen wurden schnell und gut beantwortet. Des Weiteren kann ich sagen, dass der ganze Bewerbungsprozess sehr problemlos ablief und auch keine großen Hürden mit sich brachte. Lediglich das Motivationsschreiben benötigt etwas mehr Zeit. Nach einigen Monaten nach der Bewerbungsfrist erhielt ich dann die Bestätigung, dass ich eine Zusage vom International Office in Potsdam für meinen Erstwunsch Umeå erhalten habe. Der Bewerbungsprozess an der Universität in Umeå verlief daraufhin genauso einfach und organisiert und hat mich sehr positiv überrascht. Auch der Emailkontakt mit der Partneruniversität lief sehr gut, da man meist noch am selben Tag eine Antwort erhielt. Man muss sich allerdings bewusst sein, dass man sich für die Kurse schon sehr weit im Voraus bewerben muss und es sich als sehr schwer gestaltet/kaum möglich ist, noch einmal vor Ort den Kurs zu wechseln, das heißt frühzeitige Planung ist sehr wichtig.


Studienfach: Soziologie

Aufenthaltsdauer: 08/20 - 01/21

Gastuniversität: Umeå University

Gastland:Schweden

Studium an der Gastuniversität

Das Studiensystem in Schweden ist sehr unterschiedlich zu dem, welches wir in Deutschland gewohnt sind. In Umeå ist es so, dass man pro Monat jeweils einen Kurs belegt und am Ende des gleichen Monats abschließt. Fast keine Kurse laufen gleichzeitig. Das hat für mich einerseits den Vorteil gehabt, dass man sich nur auf ein Fach konzentrieren kann. Ich hatte auch das Gefühl, dadurch mehr Freizeit zu haben, wobei es dabei wohl einen deutlichen Unterschied zwischen den Bachelor- und Masterkursen gibt, die wohl deutlich aufwendiger sind. Des Weiteren ist mir aufgefallen, dass die Kurse sehr leseintensiv sind, im Vergleich zu den Kursen die ich zuvor in Potsdam belegt hatte. Ich war in Umeå während der Coronapandemie, das heißt, es gab deutliche Unterschiede zu „normalen“ Zeiten. Alle meine Kurse waren online, wodurch ich vorher sehr große Bedenken hatte, ob mir das
Auslandsemester so überhaupt gefallen wird, da ja eigentlich das Besuchen der Universität im Ausland ein sehr großer Bestandteil im Auslandssemester sein sollte. Doch ich kann Entwarnung geben. Ich war sehr positiv überrascht, wie gut die Kurse trotz der „Onlinewelt“ funktioniert haben und Spaß gemacht haben. Lediglich die Diskussionen im Rahmen der Kurse waren nicht so umfangreich wie es wahrscheinlich in Präsenzlehre gewesen wäre. Man muss aber auch dazu sagen, dass die Universität in Umeå sowieso sehr viel Wert auf Selbststudium legt und man auch bei Präsenzlehre nicht so viel Veranstaltungen in der Woche hat. Das Leistungsniveau würde ich ähnlich wie in Potsdam bewerten. Zwischen den Lehrenden und Studenten herrschte ein sehr gutes und persönliches Klima, was bestimmt auch daran liegt, dass sich jeder in Schweden duzt. Die Bibliotheken, die man während meines Aufenthalts auf Grund der Pandemie zwar nur teilweise nutzen konnte, sind sehr gut ausgestattet, groß und bieten ein gutes Lernklima. Vor allem die breite Verfügung über Bücher und Onlinelizenzen hat mich positiv überrascht.

Kontakt zu einheimischen und internationalen Studierenden

Der Kontakt zu ausländischen Studierenden war sehr schnell gegeben, und das, obwohl ich keine Präsenzuni hatte. Gleich am ersten Tag hatte ich schnell Kontakt zu Austauschstudierenden, die im selben Wohnheim wohnten. Auch die schwedische Uni versuchte die Hürde, Kontakte zu schließen, zu minimieren. So gab es z.B. ein sehr gutes Buddyprogramm, in dem man schnell neue Kontakte zu anderen Austauschstudierenden, aber auch zu schwedischen Studierenden, knüpfen konnte und wöchentliche Unternehmungen, wie Lagerfeuer am See, Wanderungen oder gemütliche Barabende machte. Zu schwedischen Menschen hatte ich dagegen leider bis auf die Buddies wenig Kontakt. Mag allerdings auch daran gelegen haben, dass ich auf Grund der Pandemie kein einziges Mal an der Universität Veranstaltungen hatte. Jedoch hatte ich auch auf meinem Korridor im Wohnheim das Gefühl, dass die Schweden eher für sich leben.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Ich würde sagen, mein zuvor gutes Englisch hat sich etwas verbessert, vor allem auch aufgrund der leseintensiven Module. Da jedoch sehr viele Deutsche in Umea waren, habe ich trotzdem viel Deutsch in meiner Zeit in Schweden gesprochen. Ich glaube, man muss sich sehr bemühen, nur mit internationalen Austauschstudierenden befreundet zu sein, um so noch mehr Englisch im Alltag zu sprechen. Jedoch denke ich, dass sich auch mein Alltagsenglisch verbessert hat, da ich trotzdem sehr viel mehr Englisch gesprochen habe als in Deutschland. Ich habe in Umeå auch einen A1 Schwedisch-Sprachkurs belegt, den ich auf jeden Fall empfehlen würde. Man lernt viele Grundlagen und kann ein bisschen in die Sprache eintauchen. Jeder neue Satz, den man im Supermarkt oder Restaurant sagen konnten, war immer wieder ein kleines Erfolgserlebnis.

Wohn- und Lebenssituation

Sehr positiv ist, dass jeder Austauschstudierende bei Wunsch auf einen Wohnheimplatz diesen auch sicher erhält. Man kann zwischen mehreren Wohnheimen wählen. Die meisten Austauschstudierenden wohnen jedoch in Ålidhem oder in Nydalahöjd. Ålidhem ist mit Abstand das größte Wohnheimviertel, welches durch seine sehr gute Lage zur Universität und Einkaufsmöglichkeiten gekennzeichnet ist und wo die meisten Studentenpartys stattfinden. Nydalahöjd ist eher ruhig gelegen und hat etwas neuere Zimmer. Es ist ein bisschen weiter von der Universität und Supermärkten entfernt, dafür aber direkt am See und an schöner Natur. Ich selber habe in Nydalahöjd gewohnt und würde auch immer wieder dieses Wohnheim wählen, da es mir vor allem aufgrund der Lage zum See sehr gut gefallen hat und man mit dem Fahrrad trotzdem sehr schnell überall hingelangen konnte. Mein Wohnheim bestand aus 3 Etagen und auf jedem Korridor lebten insgesamt sieben Studenten, mit denen man sich die Gemeinschaftsküche teilte, was für mich aber sehr gut klappte, da sie groß genug war. Die Zimmer hatten ein eignes Badezimmer und eine Standardmöbilierung mit Schreibtisch, Bett, Regal und Kleiderschrank. Um seine Wäsche zu waschen, musste man in ein Nachbarhaus laufen, was aber auch sehr gut funktionierte, da man sich die Waschtermine im Voraus buchen konnte. Über die Höhe der Miete war ich sehr positiv überrascht, die in keinem Wohnheim über 400€ lag, sondern eher deutlich drunter. In Umeå ist man eigentlich nur mit dem Fahrrad unterwegs und es gibt viele Möglichkeiten, gleich in den ersten Tagen des Semesters ein gebrauchtes Fahrrad zu kaufen oder zu leihen. Ich habe mein Fahrrad für 4 Monate ausgeliehen. Aber als kleinen Tipp: Das Fahrrad unbedingt genau kontrollieren und Fotos machen von Schäden vor der Ausleihe. Ich hatte dies leider nicht gemacht und erhielt am Ende nicht die vollständige Summe zurück. Es gibt sehr viele Möglichkeiten, wie man in Umeå seine Freizeit verbringt. Gerade am Anfang des Semesters, wo die Temperaturen noch sehr warm waren, haben wir viel Zeit am See mit Schwimmen oder Lagerfeuern verbracht. Als die etwas dunklere Jahreszeit angefangen hat, wurde das Sportzentrum IKSU der Anlaufpunkt. IKSU bietet unglaublich viele Kurse und Sportarten an, so dass eigentlich fast jeder den ich kannte dort angemeldet war. Es ist zwar nicht gerade günstig, aber hat sich für mich trotzdem deutlich gelohnt. Sehr positiv ist, dass der Eintritt in Museen kostenlos ist. Vor allem das Bildmuseum würde ich jedem ans Herz legen. An den Wochenenden kann man sehr gut Ausflüge in die Natur machen, ob zu Fuß mit dem Fahrrad, Auto oder dem Bus. Leider braucht man für einige ausgewählte Ziele eher ein Auto, da der öffentliche Nahverkehr nicht gut ausgebaut ist. So habe ich mir mit Freunden auch ein paar Mal ein Auto ausgeliehen, was ziemlich problemlos klappte und auch nicht sehr teuer war. Kann ich also auch empfehlen, falls man mal eine längere Tour in die Berge oder weiter nördlich geplant hat. Da ich im Wintersemester da war, wurden wir schnell mit den kalten Temperaturen und kurzen Tagen konfrontiert. So war es im Dezember nur noch für ungefähr 3-4 Stunden hell. Das war auf jeden Fall sehr gewöhnungsbedürftig, aber auch eine einmalige Erfahrung. Ich könnte mir diese Dunkelheit nicht immer vorstellen, aber da ich nur ein paar Monate da war, war es auszuhalten. Man sollte sich dem aber bewusst sein.

Studienfach: Soziologie

Aufenthaltsdauer: 08/20 - 01/21

Gastuniversität: Umeå University

Gastland:Schweden


Rückblick

Rückblickend kann ich sagen, dass mein Auslandsaufenthalt eine sehr schöne Zeit war, die ich in keinem Fall missen möchte. Umeå ist eine schöne, kleine Stadt, in der man sich schnell auskennt und wohlfühlt. Besonders die Nähe der Stadt zur Natur hat mir gefallen. So brauchte man nur einen Fuß rauszusetzen und stand in idyllischer Landschaft. Ich habe Polarlichter gesehen, tolle Menschen kennengelernt und weiß jetzt, wie man bei komplett vereisten Straßen trotzdem noch laufen kann. Ich würde jedem empfehlen, die Chance eines Auslandssemesters wahrzunehmen und vor allem auch in Schweden, wenn man die Natur und die skandinavische Mentalität liebt!

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