Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Skandinavien hat mich schon immer angezogen. Als mir dann bei einem Beratungsgespräch bei der Erasmus-Koordinatorin ein Restplatz in Schweden angeboten wurde, habe ich die Chance wahrgenommen. Seitens der Uni Potsdam gab es mehrere Informationsveranstaltungen, bei denen schon einmal die meisten Fragen geklärt werden können. Die Universität Umeå informiert einen auch sehr gut über das Bewerbungsverfahren. Man muss seine Dokumente auf einem zentralen Bewerbungsportal von Schweden hochladen und kann dort auch die Kurse einsehen und auf eine Art Wunschliste setzen. Über dieses Portal wird man auch über die Zulassung zu den gewünschten Kursen informiert, wobei es teilweise Zulassungsvoraussetzungen gibt, wie bereits eine bestimmte Anzahl an ECTS in einem bestimmten Fachgebiet zu haben. Vor Studienbeginn muss man sich dann noch final für die Kurse registrieren. Die dazu notwendigen Informationen zur Erstellung seiner zentralen Studierenden-ID erhält man in der Regel am Anreisetag.


Studienfach: B. Sc. Wirtschaftsinformatik

Aufenthaltsdauer: 01/2020-03/2020

Gastuniversität: Universität Umeå

Gastland:Schweden

Studium an der Gastuniversität

Das Studiensystem unterscheidet sich sehr von dem in Deutschland. In den meisten Fällen belegt man Vollzeitkurse hintereinander im Semester, sodass man einen Kurs inklusive Prüfung abgeschlossen hat, bevor man den nächsten beginnt. Es gibt auch Kurse in geringerem Umfang (z.B. nur 25% oder 50% statt 100%). In solchen Fällen muss dann etwas flexibler sein, aber es ist kein Problem, Kurse miteinander zu kombinieren, selbst wenn man kurzzeitig über 100% kommt. Die Stundenpläne kann man allerdings erst etwa einen Monat vor Beginn eines Kurses einsehen.

Die Anzahl der Studierenden je Veranstaltung ist wesentlich geringer als in Deutschland. Riesige, volle Hörsäle erlebt man in Umeå nicht. Das Verhältnis zu dem Dozenten ist etwas persönlicher als in Deutschland. Insgesamt hatte ich in fast jedem Fach Abgaben, meisten in Form von Reports oder ähnlichen Ausarbeitungen, ergänzend zum Kurs und es gab sehr viele Gruppenarbeiten.

Etwas seltsam fand ich, dass die Kurse oft in unterschiedlichen Räumen stattgefunden haben, so hat man nicht für einen Kurs einen festen Raum, sondern muss diesen vor jeder Veranstaltung nachschauen. Allerdings sieht man so mehr von den verschiedenen Gebäuden auf dem Campus.

Es gibt eine umfangreiche Bibliothek mitten auf dem Campus, wenn man allerdings dort lernen möchte, muss man rechtzeitig da sein, um einen Platz zu bekommen. Alternativ kann man sich freie Räume auf dem Campus mit seiner Studierenden-ID reservieren. 

Ein anfangs etwas amüsanter Anblick ist es, wenn sich in der Mittagspause Schlangen vor den Mikrowellen bilden, die es in jedem Gebäude gibt. Da es keine Mensa wie in Deutschland gibt und andere Essensangebote in der Uni nicht unbedingt günstig sind, ist es allerdings die praktischste Methode, sich sein Essen mitzubringen.

Kontakt zu einheimischen und internationalen Studierenden

Wer dem Kontakt zu schwedischen Studenten sucht, kann sein Glück auf jeden Fall im Wohnheim in Nydalahöjd versuchen, allerdings sind die meistens einheimischen Studierenden etwas zurückhaltend. Ich hatte Glück und sehr kommunikative Schweden in meinem Wohnheimkorridor, von denen einer ein paar internationalen Studierenden sogar Skifahren beigebracht hat. Dadurch, dass es oft Gruppenarbeiten in den Unikursen gibt, lernt man auch dort manchmal einheimische Studierende kennen. Oft bleiben die Einheimischen aber eher in ihren bestehenden Gruppen.

Sehr zu empfehlen sei an dieser Stelle auch das Buddy-Programm. Dort wird man mit einer Gruppe internationaler Studierender und einigen einheimischen Buddys zusammengebracht. Es gibt Veranstaltungen, wie einen Ausflug zur Elchfarm oder ins finnische Vaasa für alle Gruppen, aber die Buddys sind auch angehalten selbst Veranstaltungen für ihre Gruppe zu organisieren. Meine Buddygroup war dahingehend motiviert, es gab oft fast jede Woche eine Veranstaltung, zu der man gehen konnte, wenn man wollte, angefangen bei kleineren Dingen wie Burger Essen über Lagerfeuer am See bis hin zu Partys oder Ausflügen. 

Die berühmt berüchtigte Erasmus Bubble gibt es, aber da muss jeder selbst entscheiden, was im Auslandssemester am wichtigsten ist.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Zwar habe ich vor meinem Auslangsaufenthalt schon recht flüssig Englisch gesprochen, aber dadurch, dass alle Kurse auf Englisch unterrichtet werden und man im Alltag zwangsläufig sehr viel Englisch spricht, wird es normaler sich auf Englisch zu verständigen und ich habe das Gefühl mich leichter und flüssiger auch über komplexere Themen unterhalten zu können. 

Vor allem in der Stadt Umeå muss man nicht Schwedisch sprechen können, der Großteil der Schweden versteht sehr gut Englisch. 

Aufgrund des hohen Anteils an deutschen Studierenden unter den internationalen Studenten muss man nur aufpassen, dass man sich nicht verleiten lässt, zu viel Deutsch zu sprechen.

Ich habe in Umeå einen Schwedisch-Sprachkurs für A1 belegt, der für alle internationalen Studiereden an der Universität offen ist. Speziell für deutschsprachige Studierende wird auch ein Tandemprogramm angeboten, bei dem man einem schwedisch-sprachigen Partner zugeordnet wird und mit diesem seine sprachlichen Fähigkeiten üben kann.

Wohn- und Lebenssituation

Es wird allen Erasmusstudierenden ein Wohnheimplatz angeboten, den man auch unbedingt nutzen sollte. Insgesamt stehen 5 Wohngebiete in der Stadt zur Auswahl, von dem Alidhem und Nydalahöjd die beiden beliebtesten sind. Ich habe in Nydalahöjd gewohnt, was zwar etwas weiter am Rand der Stadt liegt aber dicht am Nydalasee. Man konnte trotzdem noch bequem zur Uni laufen und hat die Natur in der Nähe. Die Zimmer dort sind im Vergleich zu Alidhem etwas größer und die Gemeinschaftsräume meist sauberer, auch wenn das natürlich ebenfalls an den Mitbewohnern liegt. Zwar hat Alidhem den Ruf, dass dort die meisten internationalen Studierenden wohnen, aber in jedem Korridor in Nydalahöjd gibt es auch mindestens 2 Austauschstudierende. Tatsächlich kann man über Google Maps ganz gut erraten wo sein Zimmer liegen wird.

Wenn man am von der Universität empfohlenen Anreisetag ankommt, organisiert die Universität ein Shuttle zum Wohnheim, das man kostenlos nutzen kann und ich auf jedem Fall empfehlen würde. 

Viele laufen oder fahren mit dem Fahrrad zur Uni. Man muss sich nicht zwangsläufig eines kaufen, es gibt auch die Möglichkeit Fahrräder in Uni-Nähe Semesterweise zu mieten. Ansonsten kommt man mit dem Bus überall hin und kann dort per App bezahlen, um ein bisschen was beim Fahrpreis zu sparen. 

Bargeld wird in Schweden fast gar nicht mehr verwendet. Daher sollte man sich, wenn nicht schon vorhanden, eine Bank- oder Kreditkarte ohne Gebühr auf Fremdwährungen besorgen. Meiner Erfahrung nach ist man mit Visa-Karten in Schweden besser beraten. 

Da normale Auslandskrankenversicherungen nur für kurze Urlaube greifen, habe ich eine speziell für das Auslandssemester abgeschlossen. 

Lebensmittel sind tendenziell etwas teurer als in Deutschland. Aber je nach dem wo man einkaufen geht und wie viel man selbst kocht, kann man auch sparsam leben. Bei der schwedischen Supermarktkette ICA sind die Sachen etwas teurer, also habe ich dort meistens nur Dinge gekauft, die ich im Lidl nicht bekommen habe. 

In seiner Freizeit sollte man in Umeå in den Wintermonaten auf jeden Fall die Möglichkeiten zum Wintersport, zum Nordlichter schauen und anderen tollen Aktivitäten wie Hundeschlittentouren nutzen. Im Norden Schwedens kann man im Gegensatz zu Deutschland auch noch richtigen Winter mit frostigen Minusgraden und zentimeterweise Schnee erleben. Dicke Kleidung sollte also nicht fehlen. 

In der Stadt selbst gibt es auch viele Angebote über Bars, kleine Klubs, Konzerte, Kinos und Museen. Im Mai gibt es jedes Jahr ein Festival in der Stadt, das recht beliebt ist. Wenn man sportlich aktiv werden möchte, kann über eine Mitgliedschaft im IKSU nachdenken. Die Mitgliedschaft ist zwar teuer, aber dafür ist die Fläche und das Angebot an verschiedenen Sportarten riesig. IKSU organisiert auch Ausflüge, für die man keine Mitgliedschaft benötigt. Was immer kostenlos ist und man auf jeden Fall nutzen sollte, ist die Natur in Schweden. Es gibt viele tolle Nationalparks in der Nähe und wie schon erwähnt den Nydalasee in Umeå, wo man sich gut für ein Lagerfeuer oder zum Nordlichter schauen treffen kann.

Studienfach: B. Sc. Wirtschaftsinformatik

Aufenthaltsdauer: 01/2020-03/2020

Gastuniversität: Universität Umeå

Gastland:Schweden


Rückblick

Ich würde jedem, der die Möglichkeit hat, wirklich sehr empfehlen die Chance zu nutzen, ein Auslandssemester zu machen. Man kann ein neues Land und viele tolle Leute kennenlernen. Die Zeit dort vergeht wie im Flug. 

Wenn man Ausflüge unternehmen will, finden sich auch eigentlich immer andere Studenten, die Lust haben etwas zu unternehmen, so kann man sich auch gut mal ein Auto mieten oder eine Unterkunft teilen.

Dinge, die ihr in Umeå unbedingt machen solltet:

  • am Buddyprogramm teilnehmen

  • die kostenlose Sauna im Wohnhein in Nydala nutzen

  • die Natur genießen

  • eine Hundeschlittentour

  • die Zeit neben den Unikursen ausnutzen

  • Nordlichter anschauen (nicht aufgeben, wenn es beim ersten Mal nicht klappt, es heißt nicht umsonst „Aurora Hunting“ aber es lohnt sich)

  • wenn man schon einmal in Schweden ist, sich möglichst viel von Land ansehen und ach mal mit der Fähre nach Finnland rüberfahren

Schweden

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