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Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Mein Entschluss ein Erasmus-Semester zu beginnen, kam recht spontan und kurz vor Ende der Bewerbungsfrist. Ich war zuvor etwas abgeschreckt vom organisatorischen Aufwand, kann aber rückblickend versichern und eventuell beruhigen: es ist doch alles halb so wild und vor allem mehr als wert. Das International Office der Uni Potsdam macht es einem dabei dankbarer Weise sehr einfach und stellt alles was man wissen muss für die Bewerbung und drumherum bereit. Ich habe mich immer recht konsequent entlang des Leitfadens „Erasmus Schritt für Schritt“ gehangelt und das funktionierte wunderbar. Ich werde deshalb nicht groß weiter darauf eingehen.
Wenn alles klappt und man erfolgreich angenommen wurde an der Umeå Universitet, kümmert sich das IO dort dann recht gut um einen. Alle Infos bzgl. einzureichender Dokumente, Modulwahl, Housing und Ankunftszeit kommen per E-Mail und können ganz unkompliziert online erledigt werden.
Was beispielsweise die Modulauswahl angeht, sollte eventuell gesagt sein, dass die Semester in Schweden in vier einmonatige Blöcke geteilt sind. In jedem Block belegt man dabei nur ein 100% Modul, das man aus dem Angebot für Exchange Students online wählen kann. Die eigentliche Bewerbung und Zulassung erfolgt jedoch über eine zentrale nationale Website (universityadmissions.se). Aber auch hier kann man allen bereitgestellten Anleitungen größtenteils störungsfrei folgen und es besteht eigentlich kein weiterer Grund zur Sorge. Sollten dennoch mal Fragen offen bleiben, genügt auch hier meistens eine nette Email an das IO in Umeå. So hatte ich beispielsweise mein LA völlig unkompliziert binnen weniger Tage unterschrieben zurück.   
Was das Wohnen angeht, ist man als Erasmus Studierender in Umeå recht privilegiert. Die Uni brüstet sich zurecht damit, die einzige schwedische Uni zu sein, bei der man von Viertel über Block, Korridor und Zimmer, alles selbst wählen kann. Ungefähr 2 Monate vor Anreise erhält man dazu ebenfalls eine Email und folgt den Instruktionen. Generell lässt sich sagen, dass Ålidhem und Nydalahöjden wohl die beiden gängigsten Wohngegenden für Internationals sind. Und beide liegen etwa gleich nah an der Uni, sowie am Fitnessstudio und den Einkaufsmöglichkeiten. Während Nydalahjöden mit etwas moderneren Zimmern und See-Nähe aufwartet, sollte man sich aber auch nicht von den Google-Bildern Ålidhems abschrecken lassen. Zwar sind die roten Backsteinhäußer nicht besonders ansehnlich, aber durchaus funktional und sozial wunderbar, denn gefühlt jeder zweite International wohnt dort – einsam wird man also hier nicht. Ich war allerdings sehr dankbar um den Tipp aus einem anderen Erfahrungsbericht hier, denn in Ålidhem gibt es immer noch renovierte und unrenovierte Blocks. Fysikgränd oder Stipendigränd sind dabei sichere Ziele und mit etwas Geschick, Google-Maps und den Wohnungsgrundrissen, lässt sich sogar ein Südseiten Zimmer ergattern (das bedeutet vor allem im Winter mehr Sonne=Licht). Letztendlich bleibt es dann aber doch Glückssache, mit wem man sich den Korridor, also effektiv Küche und Aufenthaltsraum teilt.
Stehen Modulauswahl und Zimmer, kann man sich eigentlich um die Anreise kümmern. Die meisten Internationals kommen mit dem Flugzeug via Stockholm. Das hilft natürlich beim ersten Kontakteknüpfen, ist aber nicht die einzige Möglichkeit. Auch empfehlenswert und ggf. günstiger ist die Anreise mit dem (Nacht-)Zug von Stockholm (auf sj.se buchbar und braucht ca. 6-9 Stunden).   
Nach der erfolgreichen Ankunft empfiehlt es sich auf jeden Fall an den zahlreichen Events der Einführungswoche teilzunehmen. So ulkig diese eventuell auch manchmal sein mögen, „Campus-Race“, „City-Challenge“ und „Buddy-Programm“ erfüllen ihren Zweck doch ganz gut und helfen sich sozial einzufinden.


Studienfach: Politik und Wirtschaft

Aufenthaltsdauer: 08/2918-01/2019

Gastuniversität: Umeå University

Gastland: Schweden

Studium an der Gastuniversität

Was das Studieren in Umeå angeht, sind meine Erfahrungen natürlich sehr auf das politikwissenschaftliche Department beschränkt. Allgemein würde ich sagen, sind die Ausrichtungen der Module, also die Inhalte und wissenschaftlichen Aspekte, sehr ähnlich. Die größten Unterschiede wird man jedoch in der Organisation und Pädagogik der Lehrveranstaltungen bemerken. Generell wird ein starker Fokus auf selbstgeleitetes Lernen und Gruppenarbeiten gelegt. So hatte ich teilweise lediglich drei zweistündige Veranstaltungen die Woche, war aber dennoch recht beschäftigt, da das Lesen der Literatur eben nicht nur vorgeschlagen, sondern Pflicht ist, und zusätzlich oft verschiedenste einzeln oder gemeinsam erarbeitete Zwischenabgaben anfallen. Auch existiert wegen der Vierteilung des Semesters nicht eine große Klausurenphase. Stattdessen ist man immer zum Monatsende dann entsprechend beschäftigt, wobei Abgaben in Form von Papern klassische Klausuren in meinem Fall überwiegt haben.
Allgemein habe ich das Studienklima als sehr angenehm empfunden. Vor allem auch deswegen, weil all meine gewählten Kurse in recht kleinen Gruppen von ca. 30 Leuten gehalten wurden und in zusätzlichen, obligatorischen Seminaren auch aktive Mitarbeit in Diskussionen erwartet wurde. Außerdem ist der Kontakt zu den Dozenten recht persönlich und natürlich dem schwedischen „Du“ unterstellt. Generell würde ich das Schwedische Lehrsystem in der Politikwissenschaft deshalb als inklusiver, diskursiver und selbstverantwortlicher beschreiben als das Deutsche und ganz egal ob dies einem liegt oder nicht, so empfand ich es doch auf jeden Fall als eine empfehlenswerte Erfahrung.

Leben in Umea

Zunächst zur großen, oft gestellten Frage: Bleibt man in seiner „Erasmus Blase“? Ich würde sagen, tendenziell ja. Aber das ist nicht ganz so exklusiv, wie man sich es eventuell befürchtet. Zum Einen durch teilweise gemischte Kurse, in denen dann Schwedische und Internationale Studierende zusammen lernen, was oft sehr spannend ist, und zum anderen auch über das „Buddy-Programm“ und die Mitbewohner auf den Korridoren. Also irgendwie ist es ein „nichts muss, alles kann“, eben je nachdem wie intensiv man sich selbst einbringt. Ein kleiner Spoiler zur ganzen nationalen Sache aber noch: Es sind noch andere Deutsche da, ihr werdet sehen.
Zur Stadt: In Umeå steppt jetzt nicht gerade der Bär, wenn man das so sagen kann – mit der großen Anmerkung, dass ich nur über den Winter berichten kann, der Sommer mag da durchaus anders sein. Es ist eine nette kleine Stadt, und ja es gibt das Studentenleben, aber eben etwas getrennt von der Stadt. Was ich damit meine: 1) Die Innenstadt liegt ca. 10 Fahrradminuten unterhalb des Uni Campus und der Wohnheimanlagen 2) Ein Bier in normalen Bars ist recht teuer, zwei unbezahlbar. Diese Faktoren führen im Wesentlichen dazu, dass Studentenbars, die in der Regel von den entsprechenden Unions betrieben werden, sich eben auf dem Campus und nicht in der Stadt befinden. Dabei sei kurz angemerkt: besorgt euch eine Union Card. Keine Angst, Studentunions sind in Schweden mehr etwas zwischen Gewerkschaft und Fachschaftsrat für alle Studierenden eines Departments und ermöglichen euch erst den Eintritt in besagte Studentbars und darüber hinaus noch mehr oder weniger nützliche Rabatte. Auch zwingen Einkaufsmöglichkeiten nicht zwingend in die Stadt. Lidl, ICA und Coop sind beispielsweise das Herz von Ålidhem. Natürlich sind das nun nicht alle Erwägungen, aber es sei eben gesagt, dass Stadt und Campus/Studentenleben unglücklicher Weise etwas getrennt voneinander existieren (wohlgemerkt, zumindest im Winter).    
Klasse aber ist auf jeden Fall das Umfeld Umeås. Die nähere Umgebung bietet verschiedene Wanderwege und Nationalparks durch klassische schwedische Wälder und vorbei an wunderschönen Seen. Auch lohnt sich eine größere Tour in Richtung Norwegen. Hier wird die Landschaft noch deutlich aufregender und faszinierender. Aber auch der Nydalajön nebenan ist wunderbar für Lagerfeuer und ein bisschen Aurora-Hunting.
Für alle Wege in und um die Stadt empfiehlt sich der Kauf eines Fahrrads sehr! Wirklich alles bewegt sich damit und auch recht unabhängig von Wind, Wetter und Schneehöhe. Tipp: Seid früh dran mit der Suche, am besten ist es das erste was ihr tut. Seid dennoch gewarnt, die Nachfrage ist groß und das Angebot eben irgendwo begrenzt, die Preise dementsprechend. Aber für ca. 700-800 SEK sollte etwas zu haben sein. Schaut dazu am besten in der Facebook-Gruppe „International Ebay“, hier gibt es auch viel was die erste Wohn-Ausrüstung angeht. Nicht alle Korridore teilen sich beispielsweise Geschirr und Töpfe. Eine günstigere und nachhaltigere Alternative zu Ikea sind auch die großen Secondhand-Hallen, zum Beispiel „Returbutiken“ und „Pfyingstkyrkan Secondhand“.
Zum Thema einkaufen kann man außerdem noch etwas entwarnen. Das Preisniveau ist bei vielem und zumindest bei den meisten Lebensmitteln doch sehr ähnlich zu dem in Deutschland und auf jeden Fall nicht auf dem norwegischen oder dänischen Level. Wenn man sich auf Lidl und ICA beschränkt, kommt man recht günstig weg. Bier in der Systembolaget ist auch sehr bezahlbar, aber natürlich den Erwartungen entsprechend teurer als in Deutschland. Außerdem sollte man sich auf jeden Fall eine Kreditkarte zulegen, die einen möglichst kostenfrei im Ausland bezahlen lässt, denn die Schweden zahlen wirklich überall damit. Mit Bargeld kommt man meistens auch durch, aber tatsächlich nicht immer und überall.
Die letzte Ergänzung an dieser Stelle: werdet Mitglied im IKSU Sportzentrum. Zwar sind die Beitragszahlungen horrend, aber zumindest im Winter lohnt sich das sehr weite Angebot auf jeden Fall und ihr werdet sehen, dass ein Großteil der Internationals auch hier trainieren wird. Ein wunderbarer Ausgleich zur Dunkelheit und Kälte.

Sprachkompetenz

Um zum Schluss noch kurz auf das Thema Sprache zu kommen. Natürlich ist Englisch Unterrichtssprache in allen internationalen Kursen und auch Unterhaltungssprache zwischen den Internationals. Ich würde sagen, dass das die eigene Sprachkompetenz durchaus verbessert, auch insbesondere im akademischen Arbeiten auf Englisch. Auch im Alltag kommt man mit Englisch überall durch, die Schweden sind da wirklich weiter als andere Nationen. Ein „tack så mycket“ hier und da macht aber sicherlich einen guten Eindruck. Es lohnt sich auch den Schwedischkurs für Internationals zu belegen. Der lässt sich in aller Regel auf jeden Fall mit den anderen Modulen vereinbaren, und auch wenn man nicht erwarten sollte danach fließend Schwedisch sprechen zu können, so bekommt man doch viel mit, dass man hier und da dann anwenden kann.

Studienfach: Politik und Wirtschaft

Aufenthaltsdauer: 08/2918-01/2019

Gastuniversität: Umeå University

Gastland: Schweden


Rückblick

Insgesamt lohnt sich ein Auslandssemester auf jeden Fall und Umeå ist toll, wenn man die Schwedische Norrlands-Mentalität kennen lernen möchte. Der bürokratische Aufwand sollte einen ganz sicherlich nicht davon abhalten.

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