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Hochschulpartnerschaft Erfahrungsbericht - Russische Universität der Völkerfreundschaft

In diesem Bericht möchte ich  mit Euch meine Erfahrungen aus meinem Auslandsemester an der Russischen Universität der Völkerfreundschaft (RUDN) in Moskau teilen. Erstmal vorweg, es war ein sehr schöner Auslandsaufenthalt mit keinerlei ernsthaften Schwierigkeiten und ich möchte alle Interessenten ermutigen, nach Russland oder zumindest nach Moskau zu fahren. An der Universität Potsdam studiere ich Volkswirtschaftslehre. Als kleines Kind bin ich zusammen mit meinen Eltern aus Russland nach Deutschland eingewandert, deshalb spreche ich Russisch, aber bei weitem nicht so gut wie Deutsch. Nach Russland zu fahren und dort als Erwachsene mit dem Alltag klarzukommen war eine neue Erfahrung für mich, aber es gab wirklich nichts wovor man Angst haben sollte.


Studienfach: B.A. Volkswirtschaftslehre

Aufenthaltsdauer: 09/2016 - 02/2017

Gastuniversität: Russische Universität der Völkerfreundschaft

Gastland: Russland

Vorbereitung des Auslandsaufenthalts

Der Bewerbungsprozess war sehr einfach, ich habe mich über das Bewerbungsportal des International Office der Universität Potsdam für ein Auslandsstudium an der RUDN beworben. Die RUDN ist eine Partneruniversität der Uni Potsdam. Vor dem Auslandsaufenthalt in Russland musste man eine Auslandskrankenversicherung abschließen. Ich habe eine Versicherung bei der HanseMerkur abgeschlossen, diese hatte im Vergleich zu anderen Versicherungen das beste Preis-Leistungsverhältnis. Man kann in Moskau sein Geld vom deutschen Girokonto ganz normal abheben. Meine dt. Bank hat pro Abhebung eine Gebühr von 5 € erhoben.
Da ich durch meine Eltern einen russischen Pass habe, musste ich mich um ein Visum nicht kümmern. Deshalb kann ich dazu keine Tipps geben.
Es ist empfehlenswert mit dem Taxi vom Flughafen zum Campus oder zum Wohnort zu fahren. Beim aktuellen Wechselkurs (1 € = 60 Rubel) kostet die Fahrt 15 €.
Von offizieller Seite heißt es, man müsse sich als Ausländer oder dauernd im Ausland lebender Russen nach der Einreise bei der Ausländerbehörde registrieren lassen. Aus Bequemlichkeit habe ich das einfach nicht gemacht und auch meine deutschen Freunde, die mich besucht haben, haben das nicht gemacht. Es haben sich bei uns keine Probleme daraus ergeben.

Die Wohnsituation

Die RUDN stellt den Auslandstudenten aus der Universität Potsdam zwar einen Wohnheimsplatz, ich würde es Euch jedoch empfehlen vor Eurer Ankunft in Russland für  die ersten Tage selbst eine Unterkunft zu buchen, zum Beispiel über AirBnB oder, wenn ihr es leisten könnt, in einem Hotel. Das spart Euch Nerven, ihr könnt Euch dann nämlich in Ruhe um die organisatorische Sachen an der Uni kümmern. Als erstes müsst ihr das Interuniversity Office aufsuchen, dort wird Euch gesagt, wo ihr wohnt und ihr bekommt den Studentenausweis usw. Ich habe das Office erst am nächsten Tag nach meiner Ankunft gefunden. Als ich dann zum Wohnheim ging, in das ich zugewiesen wurde, musste man dort erstmal einen halben Tag in einer Schlange warten, um einquartiert zu werden.
Als ich mein Zimmer jedoch sah, war mir sofort klar, dass ich dort auf keinen Fall wohnen werde. Die meisten Wohnheim sind mit unseren überhaupt nicht vergleichbar. Viele Wohnheime sind sehr alt und sehen dementsprechend aus, teilwiese stinkt es dort auch ganz schön, weil alles marode ist. Im Zimmer wohnt man zu zweit oder zu dritt und teilt sich das Bad mit noch zwei oder drei weiteren Leuten. Im besten Fall teilen sich die beiden Zimmer auch eine Küche, im schlechteren Fall ist die Küche auf dem Flur. Ich war schon auf und dran mir ein Zimmer zur Untermiete in einem Privathaushalt zu suchen, das geht über Internetportale und die Preise sind so ähnlich wie in Deutschland. Jedoch habe ich mich parallel an Herrn Kinyakin gewendet, der für die IRS-Studenten aus Potsdam zuständig ist. Er konnte für mich einen Platz in einem neuen Wohnheim verschaffen. Das ist etwas was in Russland ganz wichtig ist, man muss ganz viel reden und um Hilfe bitten, notfalls mehrmals und nicht locker lassen und lächeln. Die organisatorischen Strukturen sind nicht so stark, deswegen läuft mehr über persönliches Engagement.
Das Wohnheim, in dem ich wohnte, war wirklich in Ordnung, sauber und neu. Für 140€ wohnt man zusammen mit einem Kommilitonen auf 18m² und teilt sich ein Bad. Die Küche befindet sich auf dem Flur und ist auch sehr sauber. Dieses Wohnheim ist das Haus 3 und ist zu empfehlen. Eine Kommilitonin wohnte in Haus 12, welches ein anderes Format hat, aber auch sehr zu empfehlen ist. Die Wohnheime befinden sich gegenüber der Universität.
Das Zusammenleben zu zweit gestaltete sich unverhofft angenehm. Wir konnten offen reden und auch sagen, wenn uns etwas gestört hat.

Die Universität

Von dem Erscheinungsbild der RUDN war ich angenehm überrascht. Die Klassenräume sind vielleicht nicht so modern, wie in Golm oder am Griebnitzsee, aber die Universität ist renoviert, die Toiletten waren auch neu. Das Essen in der Mensa war lecker und ich vermisse es. An der Universität gibt es auch private Cafés mit Essensangeboten, dies soll die Mensa entlasten.
In das Universitätsgebäude und in die Wohnheim kommt man nur mit der Studentenkarte rein. Offiziell heißt es, dass man auf keinen Fall ohne die Karte durch kann, aber die Wächter lassen immer mit sich reden, wenn man sehr nett und hilflos fragt, um z.B. dem Besuch aus Deutschland die Uni zu zeigen.
An russischen Universitäten lernt man in Klassenverbänden, die jedes Jahr neu erstellt werden, was für einen Austauschstudenten großartig ist, denn so kann man sich in einer Gruppe integrieren. Am Anfang meiner ersten Vorlesung habe ich mich vor die Gruppe gestellt und mich vorgestellt Alle waren sehr freundlich zu mir und interessiert. Es haben sich gleich zwei, drei Mädchen gefunden die mich eingeladen haben mit mir etwas zu unternehmen. Austauschstudenten aus dem Westen sind eine willkommene Rarität. Man muss natürlich auch selbst offen sein. Die Kommilitonen waren sehr kontaktfreudig.
An der Russischen Universität der Völkerfreundschaft lernen sehr viele ausländische Studenten, vor allem aus den ehemaligen Sowjetstaaten. Es gibt dort viele Studenten aus solchen exotischen Ländern wie Aserbaidschan, Armenien, Tadschikistan, Usbekistan, aber auch viele afrikanische Studenten oder Studenten aus Südamerika. Die RUDN hat das Leitmotiv, dass die Studenten durch das gemeinsame Studium verbunden sind, dass aber jede Nationalität ihre Eigenheiten wahren und schätzen soll. So finden im Foyer des Hauptgebäudes wöchentlich kleine Feste statt in denen Studenten die Kultur ihres Landes vorstellen mit Gesang, Tanz und Speisen. Es ist mir in Erinnerung geblieben, dass die armenischen Studenten ein ganz besonders schönes Programm vorgeführt haben.
Der Unialltag läuft wie in der Schule ab, also wenn man meint, das Studium in Deutschland sei verschult, dann sollte man das Studium in Russland erstmal sehen! Man bekommt einen Stundenplan und es gibt eine Anwesenheitspflicht. An der RUDN wurde seit diesem Semester eingeführt, dass die Prüfungsleistung semesterbegleitend erbracht wird, also durch kleine Test, mündliche Kontrollen, Vorträge und Hausaufgaben. Der inhaltliche Anspruch der Fächer war nicht so hoch, umso höher war jedoch der Anspruch mit der unorganisierten Form und der Masse an Fächern zurechtzukommen. Man darf nicht aufgeben, und man muss den Mangel an Struktur immer durch persönliches Engagement kompensieren. Es gab zum Teil sehr interessante und vielfältige Fächer wie ,,Wirtschaftsgeschichte" und ,,Marketing" oder ,,Geschichte des ökonomischen Denkens". Wir haben auch alternative Theorien und Autoren kennengelernt, die man in Deutschland auf Grund der Starrheit der hiesigen VWL nicht durchnehmen würde. Die meisten Vorlesungen, die ich gehört habe waren sehr spannend und anspruchsvoll, aber die Übungen und die Leistungserbringung waren oft ein Chaos.

Moskau

Zu Moskau möchte ich sagen, dass es eine faszinierende Stadt ist, die einen in ihren Bann zieht. Besonders beeindruckt hat mich Moskau im Winter bei Schnee, in der Stadt wird nicht an Weihnachtsbeleuchtung und Dekoration gespart. Es gibt mehrere riesige und toporganisierte Schlittschuhlaufflächen. In Moskau habe ich auch großartige Theateraufführungen gesehen, die es so in Deutschland nicht zu sehen gibt.
Ich habe mich stets sicher gefühlt in Moskau. Außerdem konnte ich, entgegen der hiesigen Berichterstattung, nirgends ein unfreies politisches Klima beobachten, noch habe ich irgendwo davon gehört. Die Berichterstattung im Fernsehen schien mir differenziert und faktenorientiert zu sein.

Heimweh

Obwohl es schön in Moskau war, hatte ich in den ersten anderthalb Monaten Heimweh. Es ist nicht immer alles gleich toll und schön, wenn man in eine neue Lebenssituation kommt. Es gibt auch viele organisatorische Herausforderungen und man braucht Kraft, um herauszufinden wie die Uni funktioniert, wo sich die Bibliothek befindet, wie das Lernportal funktioniert usw. Diese Eingewöhnungsphase ist, wie ich glaub, an jeder neuen Uni etwas anstrengend. Es braucht auch etwas Zeit bis man Menschen kennenlernt, Sympathien entstehen nicht von heute auf Morgen. Im ersten Monat hatte ich oft den Gedanken den Auslandsaufenthalt abzubrechen.  Und als ich nach vier Monaten abgereist bin, hatte ich den Eindruck mich erst gerade so richtig eingelebt zu haben. Deswegen ist es vielleicht empfehlenswert für zwei Semester ins Ausland zu gehen, weil man sich im ersten Semester erst einleben muss.

Studienfach: B.A. Volkswirtschaftslehre

Aufenthaltsdauer: 09/2016 - 02/2017

Gastuniversität: Russische Universität der Völkerfreundschaft

Gastland: Russland


Rückblick

Einen Auslandsaufenthalt in Moskau kann ich wirklich sehr weiterempfehlen und kann jeden Interessenten nur ermutigen nach Russland zu fahren und dieses spannende Land kennenzulernen.

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