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Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Bevor ich mein Auslandssemester an der Staatlichen Baikal Universität (BGU) in Irkutsk im Wintersemester 2018/19 antrat, gab es einige organisatorische Angelegenheiten, um die ich mich zu kümmern hatte. An der Universität Potsdam haben wir die Möglichkeit, bei der Bewerbung um das Auslandssemester an der BGU uns gleichzeitig um eine Finanzierung des Auslandssemesters zu bewerben. Für die Bewerbung um die Finanzierung ist es notwendig, ein Motivationsschreiben und ein Gutachten eines Hochschullehrers vorzulegen. Darüber hinaus folgt noch ein Auswahlgespräch mit der universitären Auswahlkommission. Ich hatte das Glück, eine monatliche Finanzierung durch die Universität Potsdam zu erhalten, welches mir das Studieren an der BGU in Irkutsk ermöglicht hat. Da die Universität Potsdam schon seit längerem eine Hochschulpartnerschaft mit der BGU pflegt, ist es einem möglich, ohne organisatorische Schwierigkeiten an der BGU zu studieren. Nach der Bewerbung um den Studienplatz und einem Stipendium bei der Universität Potsdam standen bei meiner Vorbereitung auf das Auslandssemester einerseits das Erstellen und Absprechen eines Learning Agreements mit unserer Institutsleiterin und andererseits das Beantragen eines Visums im Vordergrund.  


Studienfach: M.A. Osteuropäische Kulturstudien

Aufenthaltsdauer: 09/2018 - 12/2018

Gastuniversität:Staatliche Baikal Universität Irkutsk

Gastland: Russland

 

Um das Learning Agreement zu erstellen, haben wir Kontakt mit dem Internationalen Büro der BGU aufgenommen, um zu erfahren, welche Kurse, Seminare und Vorlesungen wir besuchen können. Diese Kurslisten hat das internationale Büro der BGU individuell unseren Studieninhalten und Anforderungen entsprechend und in Absprache mit uns erstellt. Jedoch wäre es auch möglich gewesen, wie wir später erfahren haben, passende Kurse auf eigene Faust auszusuchen. Mittels der Website der BGU bgu.ru unter der Rubrik „расписание занятий очного обучения“ kann man einsehen, welche Fakultät welche Kurse anbietet. Jeder Jahrgang einer Studienrichtung besteht aus verschiedenen Gruppen. Diese Gruppen haben über das Semester hinweg einen festgelegten Stundenplan. Diese Stundenpläne kann man auf der Website einsehen. Das Privileg der ausländischen Studierenden besteht darin, dass man Kurse beliebig auswählen und somit mit verschieden Gruppen (vergleichbar mit Klassen im deutschen Schulsystem) studieren kann. Diese Gruppen haben jeweils eine Namen nach dem Muster ЮП-15-1 (Юриспруденсия – 2015 – 1). Wenn Ihr also mit etwas älteren, fortgeschrittenen Studenten studieren wollt, lohnt es sich, auf den Jahrgang der Gruppe zu achten. Die Russisch-Sprachkurse werden von der russisch-chinesischen Fakultät angeboten. Dort erhält man die Möglichkeit, gemeinsam mit ausländischen Studierenden aus China, der Mongolei und Korea seine russischen Sprachkenntnisse zu vertiefen. Sobald ihr wisst, welche Kurse ihr belegen wollt, solltet ihr eure Auswahl mit eurem Studien- oder InstitutsleiterIn besprechen, damit die belegten Kurse nach der Rückkehr von der Gastinstitution auch an der Heimathochschule anerkannt werden können. Hierbei solltet ihr ebenfalls darauf achten, dass die Kurse in die Module eures Studiums passen. Euer Visum könnt ihr beantragen, sobald ihr die Einladung der Gastinstitution erhalten habt. Die Einladung haben wir circa zwei Monate vor unserer Anreise erhalten. Hierbei lohnt es sich jedoch, ab und zu bei dem Internationalen Büro der BGU nachzuhaken. Bei mir kam es zu einer verspäteten Ausstellung der Einladung, da man meine Einladung vergessen hatte. Für das Visum benötigt ihr diverse Unterlagen. Ich habe mein Studierendenvisum, wie immer, mithilfe der Visa Handling Service beantragen lassen und habe auch dieses Mal mit der VHS gute Erfahrung gemacht. Das Visum ist erstmal ein einfaches Visum (das heißt ihr dürft mit diesem Visum nicht aus Russland aus- und wieder einreisen) und wird zu einem späteren Zeitpunkt von eurer Gasthochschule problemlos verlängert. Besondere Sprachvorbereitungen habe ich vor meiner Abreise nach Irkutsk nicht getroffen. Die BGU verfügt über reichliche Erfahrung mit ausländischen Studierenden und hilft einem, dem individuellen Sprachniveau entsprechend, passende Kurse zu finden. Da es im sibirischen Irkutsk im Winter sehr kalt wird, lohnt es sich, die dickste Jacke und die wärmsten Schuhe mitzunehmen. Jedoch gibt es auf den vielen Märkten und in den Einkaufszentren in Irkutsk genügend Möglichkeiten, sich mit der notwendigen Ausrüstung für den Winter auszustatten. Besonders empfehlenswert sind hierbei die natürlichen, preiswerten und lokal produzierten Waren aus Wolle, Fell und Leder. Vor eurer Abreise nach Irkutsk könnt ihr bei dem Internationalen Büro der BGU darum bitten, vom Irkutsker Flughafen abgeholt zu werden. Dies haben die MitarbeiterInnen gerne bei mir gemacht. Es fährt jedoch auch ein Bus von dem Flughafen zum Wohnheim und durch die Taxi App „Maxim“ (am besten in Bar bezahlen) lässt sich zudem schnell ein Taxi rufen.

 

Wohn- und Lebenssituation

In Irkutsk könnt ihr euch entweder dafür entscheiden, in einem der Studentenwohnheime der BGU zu wohnen, oder euch eine eigene Wohnung mieten. Uns wurde mitgeteilt, dass wir pro Monat nur um die 10 Euro für ein Zimmer im Studentenwohnheim zu zahlen haben. Für eine gemietete Wohnung in Irkutsk zahlt man pro Monat umgerechnet um die 150 Euro. Das Wohnen im Studentenwohnheim erschien uns als die bequemere und billigere Variante. Zudem hatten wir die Hoffnung, dort schnell Kontakte zu russischen Studierenden knüpfen zu können. Jedoch entsprach die Realität nicht unseren Vorstellungen. Der oben genannte Preis eines Studentenwohnheimzimmers trifft nur für die russischen Studierenden, die sich normalerweise ein Zimmer mit 3 weiteren Studierenden teilen, zu. Wir, die europäischen Studenten, wurden in die sogenannte „гостиница“ des Studentenwohnheims auf der Pervaya Sovertskaya 45 einquartiert, die normalerweise nur Lehrenden vorbehalten ist. Dort teilt man sich das neuere und besser ausgestattete Zimmer mit höchstens einer Person. Aufgrund des besseren Zustandes der Zimmer, der Ausstattung und der Sanitäranlagen zahlt man jedoch anstelle der 600 Rubel um die 8.000 Rubel (um die 100 Euro) pro Monat. Da in der гостиница nur ausländische Studierende wohnen, wird somit auch das Kennenlernen mit russischen Studierenden erschwert, macht es jedoch keineswegs unmöglich. Leider gab es in unserem Studentenwohnheim keine Küche. Man kann sich jedoch für 1.000 Rubel eine kleine Herdplatte kaufen, wie es die meisten Studierenden in diesem Studentenwohnheim tun. Darüber hinaus sind die Preise für Speisen in den Mensen sowie in den Restaurants und Cafes nicht hoch (insbesondere dank der weitverbreiteten „Business Lunch“ Angebote), sodass man trotz des Mangels an einer Küche gut versorgt ist. Um im Wohnheim wohnen zu dürfen, muss man eine Flurografie bei einem Arzt machen lassen. Die MitarbeiterInnen des Internationalen Büros der BGU sind stets hilfsbereit und helfen einem bei diesen ersten organisatorischen Fragen. Die Miete für das Studentenwohnheim muss monatlich bei der universitären Kasse bezahlt werden. Falls ihr krank werden solltet, könnt ihr euch an das Internationale Büro wenden. Diese geben einem die Adresse der entsprechenden Klinik und kündigen euren Besuch dort an, sodass alles reibungslos abläuft.

Bei eurer Ankunft könnt ihr mit dem Büro für Internationale Angelegenheiten nochmals euren Studienplan überarbeiten und besprechen. Über sie erfahrt ihr, wann und wo die Kurse stattfinden. Die Anforderungen der Kurse sind abhängig von den Dozenten. Am Ende des Semesters finden mündliche und schriftliche Prüfungen statt. Es gibt wöchentlich zu erledigende Hausaufgaben und teilweise auch Prüfungen während des Semesters. Die BibliothekarInnen der BGU sind ebenfalls sehr hilfsbereit und stehen einem bei Recherchen zur Verfügung. Darüber hinaus könnt ihr auch Bücher der BGU ausleihen. Was Sport betrifft, lohnt es sich, sich außerhalb der Universität umzusehen. Es gibt viele, preiswerte Fitnessstudios in der Nähe des Wohnheimes und der Universität. Im Winter könnt ihr Ski fahren gehen und Schlittschuh laufen. Ich habe Kontakt zu der Boxsport Föderation der Stadt Irkutsk aufgenommen, die mich an einen wunderbaren Trainer weitervermittelt haben, bei dem man täglich trainieren konnte. Auch an Theater, Museen, Kinos, Bars und sonstigen kulturellen Veranstalter mangelt es in Irkutsk nicht. Darüber hinaus gibt es in der Region viel zu entdecken. Listwjanka ist der nächstgelegenste Ort am Baikalsee, den man innerhalb einer Stunde Fahrt erreichen kann. Die Hauptstadt der Republik Burjatiens, Ulan-Ude, ist mit dem Zug nur sieben Stunden entfernt. Vor allem lohnt es sich, die Halbinsel Ol'chon zu besuchen, die einen mit ihrer wilden und unbevölkerten Landschaft beeindruckt. Man kann viele Wochenenden mit der Entdeckung der Natur und der Städtchen in der Region verbringen.

Studium an der Gastuniversität

Das Studium an der BGU unterscheidet sich von einem Studium an einer deutschen Hochschule auf grundlegende Weise. Man studiert während seines gesamten Studiums in sogenannten „Gruppen“, also Klassen, und kann sich seinen Stundenplan nicht selber zusammenstellen. Du, als ausländischer Studierender, hast jedoch die Möglichkeit, die für dich interessanten Kurse auszuwählen. Ähnlich wie in der Schule gibt es wöchentliche Hausaufgaben, die zu erledigen sind. Hierbei ist Recherchearbeit und das Vermögen, Texte wiederzugeben, gefragt. Wissenschaftliche Fragestellungen und deren Bearbeitung stehen nicht im Vordergrund. Die Prüfungsformen bestehen aus multiple choice Tests, Kolloquien und Klausuren. Wir haben uns am Anfang des Semesters verschiedene Seminare angeschaut. In einigen bestand der Unterricht in Diktaten. Diese Inhalte sollten dann bei der nächsten Sitzung wiedergegeben werden. Jedoch wurden nicht alle Lehrveranstaltungen auf diese Weise geführt. Ich habe ein Seminar über die Geschichte der russischen Literatur und eins über Ethnopsychologie und interkulturelle Kompetenz besucht. Das letztere war sehr interessant, da unsere Dozentin aus Burjatien stammte und wir uns mithilfe der theoretischen, ethnopsychologischen Texte über die Unterschiede zwischen Russen, Deutschen und den sibirischen Urvölkern wie den Burjaten ausgetauscht haben. Das Seminar zur Literaturgeschichte Russlands war zwar sehr schulisch, aber hat mir dennoch einen guten Überblick über die russische Literatur verschafft. Des Weiteren haben mir die Sprachkurse an der russisch-chinesischen Fakultät besonders gut gefallen. Es gab leider keine präzise Einteilung in Sprachniveaus, da es nicht viele Studenten mit einem höheren Sprachniveau gab, aber dennoch habe ich durch die Kurse meine Russischkenntnisse verbessern können.

Studienfach: M.A. Osteuropäische Kulturstudien

Aufenthaltsdauer: 09/2018 - 12/2018

Gastuniversität:Staatliche Baikal Universität Irkutsk

Gastland: Russland


Rückblick

Mir hat das Auslandssemester in Irkutsk unheimlich gut gefallen. Der sibirische Winter, die Offenheit, Hilfsbereitschaft und Gastfreundlichkeit der Menschen und die landschaftlich sowie historisch interessante Region machen Irkutsk zu einem spannenden Ort. Die Kombination von besuchten Sprachkursen und regulären Seminaren hat dazu geführt, dass sich meine Kenntnisse der Grammatik verstärkt, mein Wortschatz erweitert und meine Fähigkeit, mündlich und schriftlich Sätze zu verfassen, stark verbessert hat. Neben der Verbesserung in der Sprache habe ich mein Wissen über die Geschichte der russischen Literatur, sowie der Kulturanthropologie und Ethnopsychologie vertiefen können. Darüber hinaus habe ich mehr über das Hochschulsystem und die Lehrmethoden an russischen Hochschulen erfahren. Dank meiner Freizeitaktivitäten habe ich russische Freunde gefunden, durch die ich das Stadtleben und die Region besser kennengelernt habe.  Insgesamt habe ich durch mein Auslandssemster an der Staatlichen Baikal Universität Kontakte zu russischen sowie internationalen Studierenden aus China, Korea und Afrika knüpfen können. Mein Aufenthalt in Irkutsk hat mich auf akademischer, sprachlicher sowie persönlicher Ebene bereichert und bildet die Grundlage für mein Interesse an zukünftigen Forschungsarbeiten über diese Region und ihre Geschichte. 

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