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Hochschulpartnerschaft Erfahrungsbericht - Staatliche Baikal Universität Irkutsk


Studienfach: B.A. Politik und Verwaltung

Aufenthaltsdauer: 09/2016 - 12/2016

Gastuniversität: Staatliche Baikal Universität Irkutsk

Gastland: Russland

Vorbereitung des Auslandsaufenthalts

Die Vorbereitung auf das Auslandssemester begann ein knappes Jahr vor dessen Beginn. Für mich war klar, dass ich ein Auslandssemester in der Russischen Föderation absolvieren würde, jedoch noch nicht an welcher der fünf Partneruniversitäten der Universität Potsdam. Ich ließ mich daher von mehreren Dozenten beraten, welche der Partneruniversitäten am besten zu meinen Studienzielen passt. Ein Studium an der Baikal State University in Irkutsk reizte mich unter anderem aufgrund der geographischen Lage sehr. Um sicherzugehen, dass ein Studium dort für mich tatsächlich sinnvoll ist, nahm ich bereits im November 2015 Kontakt mit der Leiterin des Internationalen Büros der Universität auf und erhielt detaillierte Informationen zu dem Lehrangebot der Universität. Nach reiflicher Überlegung entschied ich mich schließlich, mich für die Baikal State University als Erstwahl zu bewerben. Nach Einreichung meiner Unterlagen wurde ich zu einem Bewerbungsgespräch gemeinsam mit einer weiteren Bewerberin eingeladen. Zu meiner großen Freude erhielt ich kurz darauf die Zusage. Die Baikal State University forderte nun weitere Unterlagen auf Russisch ein, daher übersetzte ich unter anderem mein Abiturzeugnis und meine Potsdamer Leistungsübersicht auf Russisch. Als der Beginn des Auslandssemesters näher rückte, reichte ich meinen Visumsantrag bei dem russischen Visazentrum in Berlin ein. Das Visum wurde innerhalb von kurzer Zeit erteilt und der Vorfreude auf das Auslandssemester stand nun nichts mehr im Wege.

Studium an der Gastuniversität

Das Studium an der Baikal State University gestaltete sich für uns Austauschstudierende als relativ frei, da wir, unabhängig von unserem Studienjahr und der Fakultät an der wir eingeschrieben waren, Kurse belegen konnten. So war ich im dritten Studienjahr an der „weltwirtschaftlichen“ Fakultät eingeschrieben und besuchte jedoch auch Kurse für Studierende aus dem ersten und zweiten Studienjahr und einen Kurs für Masterstudierende. Diese Kurse wurden teilweise an der russisch-chinesischen und der journalistischen Fakultät angeboten. Zunächst wurde uns von dem Internationalen Büro ein Stundenplan mit verschiedenen Möglichkeiten angeboten. Auf individuelle Wünsche wurde dabei eingegangen. In diesem Zusammenhang ist es sinnvoll sich zusätzlich bei den verschiedenen Fakultäten nach weiteren Kursen zu erkundigen, da deutlich mehr interessante Veranstaltungen angeboten werden, als sich auf dem exemplarischen Stundenplan des Internationalen Büros finden. Dies empfehle ich insbesondere bei der russisch-chinesischen Fakultät, die eine Vielzahl von guten Sprachkursen mit unterschiedlichsten Schwerpunkten anbietet. Hierfür empfiehlt es sich einen Termin mit der Dekanin der Fakultät zu vereinbaren. Auf diese Art und Weise entstand ein für russische Studierende unüblich individueller Stundenplan, der es mir ermöglichte Veranstaltungen zu belegen, die mit den Studieninhalten in Potsdam korrespondierten und somit eine Anrechnung, der im Ausland erbrachten Leistungen, erleichterte. Aus der Möglichkeit einen vielseitigen Stundenplan zu erstellen resultierte, dass ich mir zunächst viele verschiedene Veranstaltungen ansah, um die für mich passenden zu finden. Diesbezüglich ist es empfehlenswert direkt mit den Dozenten zu besprechen, welche Prüfungsleistungen erforderlich sind. Bei den Sprachkursen wird oftmals eine mündliche und schriftliche Prüfung gefordert, bei Vorlesungen und Seminaren sind Hausarbeiten, Klausuren (z. B. Multiple Choice) oder Vorträge übliche Prüfungsformen.
Die Unterrichtsform an der Universität unterscheidet sich unter anderem insofern, dass weitestgehend auf Powerpointfolien verzichtet und somit in Vorlesungen verstärkt mitgeschrieben wird. Die Qualität der Sprachkurse hat mich positiv überrascht. Die Dozentinnen haben die Inhalte durch unterschiedliche Methoden mit uns geübt und uns ausreichend Zeit gegeben, die Inhalte zu verinnerlichen. Eine Themeneinheit wurde meist mit einem kleinen Test beendet.
An der Baikal State University wurden wir in vielen Fragen von dem Internationalen Büro betreut. Dort erfuhr ich zu Beginn des Semesters auch, dass zwar wie erwartet keine Studiengebühren, jedoch aber eine Bearbeitungsgebühr in Höhe von 10.000 Rubel (zurzeit ca. 160 Euro) an die Universität zu entrichten sei, was mir im Vorfeld nicht mitgeteilt worden war. Im Laufe des Semesters zeigte sich, dass das Dekanat der Fakultät, an der man eingeschrieben ist, oftmals der richtige Ansprechpartner für viele Anliegen vor allem hinsichtlich der Prüfungsleistungen ist. Es ist sehr wichtig sich gegen Ende des Semesters beim Sekretariat des Dekanats der eigenen Fakultät ein Studienbuch und die dazugehörigen Unterlagen geben zu lassen. In dieses Studienbuch werden von den Dozenten die Noten eingetragen. Ohne die im Studienbuch eingetragenen Leistungen bescheinigt das Dekanat die erbrachten Leistungen für die Anerkennung an der deutschen Universität nicht. Ich empfehle dringend sich bei den Verantwortlichen der Universität Potsdam (Akademisches Auslandsamt und Studienfachsberatung) ausführlich zu informieren, welche Leistungsnachweise und zusätzliche Dokumente für eine reibungslose Anerkennung erforderlich sind. In meinem Fall benötigte ich eine Leistungsübersicht in russischer und englischer Sprache der „weltwirtschaftlichen Fakultät“ sowie Beschreibungen der jeweiligen Kursinhalte auf Russisch und Englisch.

Kontakte zu einheimischen und ausländischen Studierenden

Die Sprachkurse fanden gemeinsam mit chinesischen Studierenden statt. Dies hat dazu geführt, dass im Unterricht regelmäßig russische, chinesische und deutsche Gemeinsamkeiten und Unterschiede thematisiert wurden, was sehr interessant war und zu einem besseren Verständnis für einander beigetragen hat. In den anderen Vorlesungen und Seminaren saß ich gemeinsam mit russischen Studierenden. Diese waren oftmals sehr interessiert und halfen bei Verständnisproblemen. Der engste Kontakt mit russischen Studierenden kam jedoch im Wohnheim zustande. Wir wohnten in einem Wohnheim mit russischen Masterstudierenden und in der Gemeinschaftsküche wurden die ersten Kontakte geknüpft. In Russland fangen viele Jugendliche schon mit 17 Jahren an zu studieren, daher waren die Masterstudierenden eher in unserem Alter. Drei unserer Wohnheimsnachbarn waren die Leiter einer Universitätsgruppe („Pochodi BGU“), die an den Wochenenden Wanderungen unternahm. An der ersten Wanderung nahm ich ohne die anderen deutschen Austauschstudierenden teil und war somit mit meinen Russischkenntnissen auf mich selbst gestellt. Dies war eine sehr wichtige Erfahrung und führte zu meinem ersten sprachlichen Durchbruch. Zudem lernte ich viele nette Kommilitonen kennen mit denen ich anschließend in Kontakt stand. Viele der Studierenden waren sehr hilfsbereit, gastfreundlich, aufgeschlossen und interessiert. Darüber hinaus entwickelten sich in den folgenden Wochen mit vielen Wohnheimsnachbarn Freundschaften.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Meine Russischkenntnisse verbesserten sich durch den Auslandaufenthalt in Irkutsk deutlich. Dazu trugen sowohl der intensive Kontakt mit russischen Studierenden als auch die Teilnahme an den Lehrveranstaltungen, insbesondere der Sprachkurse, zu großen Teilen bei. Durch die Vorlesungen hat sich vor allem mein Hörverstehen gut entwickelt. Mein Sprechvermögen verbesserte sich vor allem durch die Interaktionen mit Studierenden und die Teilnahme an den Sprachkursen. Die beiden von mir belegten Sprachkurse fanden jeweils dreimal wöchentlich statt, was viel Raum schaffte, um Sprechen und Schreiben sowie insbesondere die Anwendung der erlernten Grammatik zu üben. Schließlich schrieb ich zwei Hausarbeiten auf Russisch, wodurch ich die erlernten Inhalte anwandte und meinen Wortschatz erweiterte.

Wohn- und Lebenssituation

Die Unterkunft wurde von der Baikal State University organisiert. Wir deutschen Austauschstudierenden wurden in sogenannten VIP Zimmern untergebracht. Die Kosten für ein solches Zimmer betragen pro Semester 11.000 Rubel (zurzeit ca. 175 Euro). Der Unterschied zu den üblichen Zimmern besteht darin, dass in den VIP Zimmern nur zwei statt vier Bewohner untergebracht sind und man sich nur zu viert ein Bad teilt, anstatt mit der gesamten Etage. Die Zimmer sind mit einem Hochbett, zwei Schreibtischen, einem Kleiderschrank, zwei Regalen und Nachtschränken ausgestattet. Die Bettwäsche wird gestellt und kann alle zwei Wochen gewechselt werden. Im Eingangsbereich des Wohnheims wird diesbezüglich ein Schild aufgehängt, das darüber informiert, wann die Bettwäsche eingetauscht werden kann. Pro Etage steht eine Gemeinschaftsküche zur Verfügung. Kochutensilien und Geschirr werden nicht gestellt und müssen somit mitgebracht oder gekauft werden. Von 23 bis 6 Uhr ist das Verlassen bzw. Betreten des Wohnheims nicht gestattet. Zudem ist es nicht selbstverständlich, dass Besucher das Wohnheim betreten dürfen. Es ist daher sinnvoll entsprechende Pläne zuvor mit den Wohnheimswächtern oder der Wohnheimsleitung abzusprechen.
Die Anbindung des Wohnheims ist sehr gut. Viele Busse und „Marschrutkas“ (Kleinbusse) fahren in Richtung der Universität bzw. Innenstadt. Des Weiteren gibt es auch eine Tram. Die Kosten für eine Fahrt belaufen sich auf 15 Rubel (zurzeit ca. 25 Cent). Bei guter Verkehrslage erreicht man die Universität mit dem Bus in 15 Minuten. Das Angebot an Banken und Bankautomaten ist in Irkutsk sehr groß. So finden sich beispielsweise alleine in der nahe dem Wohnheim gelegenen Apotheke Bankautomaten drei verschiedener Kreditinstitute, an denen problemlos Geld abgehoben werden kann.
Das Freizeitangebot in Irkutsk ist sehr vielseitig. So bietet die Universität eine Vielzahl von verschiedenen Aktivitäten an, wie zum Beispiel die bereits erwähnte Wandergruppe („Pochodi BGU“) sowie ein Volksliederensemble. Es bietet sich an direkt zu Beginn im Internationalen Büro nachzufragen, welche Angebote es gibt bzw. für welche Interessen man sich an welchen Ansprechpartner wenden sollte. Das Freizeitangebot leitet sich auch aus der schönen Natur rundherum um Irkutsk ab. Es gibt viele schöne Orte, die man im Rahmen eines Wochenendausflugs besuchen kann. Besonders empfehle ich zu Beginn des Auslandssemesters eine Wanderung entlang des Baikals von Lystwianka nach Bolschye Koty und im Laufe des Auslandssemesters einen mehrtägigen Besuch der Baikalinsel Olkhon. Wen eine Fahrt mit der Panorama-Eisenbahn entlang des Baikals interessiert, dem rate ich dazu diese zu Beginn des Auslandssemesters zu machen, da der Betrieb im Winter eingestellt wird.

Studienfach: B.A. Politik und Verwaltung

Aufenthaltsdauer: 09/2016 - 12/2016

Gastuniversität: Staatliche Baikal Universität Irkutsk

Gastland: Russland


Rückblick

Das Auslandssemester an der Baikal State University ist eine Erfahrung, die für mich sowohl hinsichtlich meines Studiums als auch menschlich sehr wertvoll ist. Ich bin froh schnell Anschluss gefunden zu haben, sodass sich gute Freundschaften entwickeln konnten. Durch das Auslandssemester habe ich zudem unterwartet ein neues Hobby, das Wandern, gefunden. Ich bin sehr dankbar, dass mir diese besondere Studienzeit durch die Universität Potsdam und das Stipendium des DAAD ermöglicht wurde und möchte mich daher an dieser Stelle herzlich bedanken.

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