Vorbereitung des Auslandsaufenthalts

Bereits vor meinem Studienstart an der Universität Potsdam bestand mein Wunsch, am Erasmus+ Programm teilzunehmen. Ich habe mich daher schon rechtzeitig über die Möglichkeiten und Partneruniversitäten der Psychologiefakultät informiert. Durch Kontakt zu älteren Studierenden war mir das Konzept des Erasmus+ Programms ebenfalls vor meinem Studium mehr oder weniger („mais ou menos“ wie die Portugiesen es zu sagen pflegen) im Detail bekannt gewesen. In der Regel wird empfohlen, ein Auslandssemester im 5. Semester zu absolvieren, mir offenbarte sich jedoch erst im 8. Semester die Chance auf ein Erasmus+ Semester: Zum Abschluss meines Bachelorstudiums und als Zeitüberbrückung bis zum Master konnte ich dadurch mein letztes Semester an der Universidade de Lisboa in Portugal studieren. Dies hat meinem Grundstudium einen schönen, gelungen und etwas entspannteren Abschluss mit vielen einprägsamen Eindrücken geschenkt. Es ist folglich – zumindest an der Psychologiefakultät der Universität Potsdam – möglich, am Erasmus+ Programm teilzunehmen, wenn schon absehbar ist, dass man zum Antritt seines Auslandssemesters eigentlich mit allen Lehrveranstaltungen an seiner Heimatuniversität schon fertig sein wird.


Inspiriert von meinem Lieblingsroman war für mich schnell klar, dass ich mein Auslandssemester in Portugal, Lissabon, absolvieren wollen würde. Ich wollte mehr über das mir fremde Land und seine unbekannte Kultur kennenlernen und schreckte daher auch nicht vor meinen (mehr oder weniger) nicht vorhandenen Sprachkenntnissen ab, um dieses Abenteuer auf den Spuren Portugals anzutreten. Als ich am 12.02.2018 am Bahnhof Lisboa Santa Apolónia aus dem Zug stieg, war es das erste Mal, dass ich portugiesischen Boden unter meinen Füßen spürte – ich hatte also durch und durch keine Erfahrung, was mich in Portugal erwarten würde. Umso positiver wurde ich die Tage, Wochen und Monate nach meiner Ankunft in Lissabon überrascht und fühlte mich schon in Kürze sehr heimisch in den verwinkelten und auf und ab steigenden Straßen Lissabons.


Interessierten an einem Erasmussemester würde ich die Teilnahme an den Informationsveranstaltungen von der Universität wärmstens empfehlen. Es bietet die Möglichkeit, eigene Fragen zu stellen und von den Anliegen der anderen zu.

Alles Organisatorische rund um den Auslandsaufenthalt (Kontaktaufnahme mit der Gasthochschule, Bewerbung bei der Gasthochschule, Learning Agreement, Informationen zum Wohnen und Leben in Lissabon) verlief überraschenderweise unkomplizierter als erwartet. Nachdem meine Nominierung von Seiten der Universität Potsdam feststand (Anfang Februar 2017), erhielt ich vom Erasmuskoordinator an der Universidade de Lisboa rechtzeitig im Voraus alle erforderlichen Unterlagen, welche ich ebenfalls schnell nach dem Einsenden mit allen Unterschriften zurückerhalten habe.

Ich hatte mehrere Monate Zeit (bis Ende Juni 2017), um mir aus dem Kursprogramm der Gastuniversität meine Kurse für das Sommersemester 2018 zusammenzustellen. Für mich erschien das zwar alles sehr früh, aber ich habe mich am Vorlesungsverzeichnis aus dem Sommersemester 2017 orientiert, um meine Kurse für das Learning Agreement auszuwählen. Prinzipiell dient das „Learning agreement before the mobility“ eher als Orientierung für einen und die Gastuniversität selber. In den ersten zwei Wochen an der Universidade de Lisboa hatte ich die Möglichkeit, mich in alle Kurse hineinzusetzen und Änderungen an meinem Learning Agreement noch vorzunehmen. Die Faculdade Psicologia der Universidade de Lisboa stellt im Internet zu jeder Lehrveranstaltung genaue Informationen über Inhalt und Leistungserfassung auf Portugiesisch zur Verfügung. Nur in manchen Fällen wurde zusätzlich auch eine englische Übersetzung dieser Informationen bereitgestellt. Es ist daher schon hilfreich, einige Grundkenntnisse im Portugiesischen zu haben.

Ob man an Kursen aus anderen Fakultäten teilnehmen darf oder nicht, hängt in der Universidade de Lisboa von Fakultät zu Fakultät ab. Bei Interesse an studienfernen Lehrveranstaltungen der Gastuniversität empfehle ich die jeweiligen Dozenten auf eine mögliche Teilnahme und Vorgehen zum Anerkennen anzusprechen.


Studienfach: B. Sc. Psychologie

Aufenthaltsdauer: 02/2018 - 07/2018

Gastuniversität: Universidade Nova de Lisboa

Gastland: Portugal

Studium an der Gastuniversität 

An der Universidade de Lisboa ist das Psychologiestudium ebenfalls auf fünf Studienjahre ausgerichtet.. Die Universidade de Lisboa bietet 4 verschiedene klinische, eine wirtschaftliche und eine pädagogische Psychologie-Masterspezialiserung an. Internationale Studierende dürfen sich aus dem gesamten Kursprogramm der Psychologiefakultät (d.h. sowohl Bachelor- als auch Masterveranstaltungen) ihre Kurse wählen, unabhängig davon, in welcher Studienphase sie sich in ihrer Landesuniversität befinden. Somit konnte ich - trotz eigentlich noch im Bachelorstudium an der Universität Potsdam eingeschrieben - bereits Masterkurse absolvieren. Alle Kurse sind i.d.R. auf 6 ECTS ausgerichtet und umfassen 4 Zeitstunden hintereinander. Manchmal (aber eher selten) werden die 4 Zeitstunden auf zwei verschiedene Tage je 2 Zeitstunden aufgeteilt. Je nach Dozent wird ab der Hälfte eine Pause gemacht oder später begonnen/ früher aufgehört. Studierende sowie auch Dozent in Portugal gehen alles in der Universität etwas entspannter an: selten haben wir daher pünktlich zur ausgeschrieben Anfangszeit die Lehrveranstaltungen begonnen. Es war auch kein Problem, wenn man später kam oder früher gehen musste. In manchen Lehrveranstaltungen wird die Anwesenheit auf einer Liste notiert, die während der Kurszeit durch die Reihen geht. Anwesenheit fließt in manchen Kursen zu 5% in die Abschlussnote ein – ebenso Pünktlichkeit, wobei sich wohl „Pünktlichkeit“ an der verspäteten Ankunftszeit des Dozierenden zu orientieren scheint.

Alle meine Kurse fanden eigentlich auf Portugiesisch statt. Die portugiesischen Dozenten sind uns internationalen Studierenden jedoch dadurch entgegengekommen, dass wir alle Aufgaben (Essays, Hausarbeiten, Reflexionen, Präsentationen, Prüfungen) auf Englisch anfertigen bzw. halten durften. Manche Dozenten haben sogar Französisch oder Spanisch akzeptiert. Das Benotungssystem reicht von 0-20 Punkte in Portugal (20 ist dabei die beste Note; ab 10 Punkten hat man bestanden). Die Benotung war in allen Kursen mehr als fair.


Meine Kurse hatten eher Seminarcharakter: wir waren in der Regel ungefähr 40 Studierende pro Kurs. Der Studienaufwand war akzeptabel und überschaubar: es wurden in allen Kursen Gruppenarbeiten in Form von Präsentationen, Hausarbeiten und Projektarbeiten vorgenommen. In der Regel bestanden die Dozenten auf gemischte Gruppen d.h. Portugiesen mit 1-2 Erasmusstudierenden zusammen. Das war zwar aufgrund der Sprachbarriere etwas schwieriger, hat aber die Integration und den Kontakt zu seinen Mitstudierenden gefördert.


Zusätzlich habe ich an der Faculdade de Letras im Instituto de Cultura e Lingua Portuguesa einen Portugiesischsprachkurs besucht. Dieser umfasste ebenfalls 4 Zeitstunden in der Woche. Für die Kursteilnahme im Semester zahlt man einmalig ca. 70 Euro. Über einen Onlinesprachtest wird man einer Klasse seinem Sprachniveau entsprechend zugeordnet. Der Sprachunterricht wurde leider weniger interaktiv, sondern mehr frontal geführt, was die (Vor-)Freude auf und im Unterricht sehr gehemmt hat. Nichtsdestotrotz hat mir der Sprachkurs zumindest zum Verstehen der portugiesischen Sprach- und Grammatikstrukturen sehr geholfen.

Kontakte zu einheimischen und ausländischen Studierenden

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man den Kontakt mit seinen portugiesischen Kommilitonen proaktiv suchen muss und eher selten von den Portugiesen aus integriert wird. Ist dieser Schritt erst einmal gegangen, wird man danach aber leichter als Teil der Gemeinschaft angesehen. Portugiesische Sprachvorkenntnisse sind auf alle Fälle sehr förderlich. An der Faculdade de Psicologia besteht die Möglichkeit an einem Buddy-Programm mitzumachen. Die Idee dahinter ist, einen Ansprechpartner aus der eigenen Fakultät zu haben, der/die einen zu Beginn bei Fragen zur Seite steht und die Fakultät und das gesamte Unigelände zeigt. Leider hat mein Buddy fast nie und wenn, nur sehr sporadisch, auf meine Emails reagiert. Bei anderen Erasmusstudierenden scheint dieses Buddy-Programm aber deutlich erfolgreicher abgelaufen zu sein.
Das Netzwerk zu anderen ausländischen Studierenden (sowohl uniintern als auch -extern) ist sehr groß und gut ausgebaut. Zu Beginn des Semesters gab es einen Willkommenstag für alle Erasmusstudenten an der Faculdade de Psicologia, wo man die Gelegenheit hatte, alle anderen ausländischen Studierenden kennenzulernen und Kontakte auszutauschen. Wir hatten eine eigene WhatsApp-Gruppe, sodass man schnell und spontan mit den anderen etwas unternehmen konnte. Außerhalb der Universität gab es zusätzlich noch die Erasmus-Studentenvereinigungen (z.B. ESN Lisboa), die wöchentliches Programm, Reisen und Treffen organisiert haben. Ich persönlich habe mich von den Erasmus-Studentenvereinigungen weniger angesprochen gefühlt und auch selten an den Veranstaltungen teilgenommen. Für mich stand Erasmus vor allem dafür, das Leben und die Kultur Portugals kennenzulernen. Daher habe ich versucht, möglichst viel Kontakt zu den Einheimischen aufzubauen: In Lissabon findet das Leben sehr stark auf der Straße statt: man holt sich nicht nur anonym einen Kaffee für unterwegs, sondern bleibt gleich in der Pastelaria und unterhält sich mit den anderen Stammgästen oder dem/ der Verkäufer*in.

Sprachkenntnisse vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Als ich mich für meinen Erasmus+-Studienplatz beworben habe, konnte ich noch kein Wort Portugiesisch sprechen. Zur Vorbereitung habe ich einen Sprachkurs an der Universität Potsdam absolviert, sodass ich mit Basiskenntnissen in Portugal eingereist bin. Zu Beginn fand ich es unglaublich schwierig, meine portugiesischen Mitmenschen zu verstehen. Die Portugiesen haben die Angewohnheit, alle Vokale zu verschlucken und die Konsonanten überzubetonen. Es hat bei mir ca. 1-2 Monate gedauert, bis ich das Gefühl hatte, in der Sprache so langsam anzukommen. Der Sprachkurs, den ich semesterbegleitend in Lissabon besucht habe, sowie mein Durchhaltevermögen, Portugiesisch im Alltag so viel wie möglich anzuwenden, hat dabei sehr viel geholfen. Meine Sprachkenntnisse im Portugiesischen haben sich im Laufe des Semesters deutlich verbessert.

Wohn-  und Lebenssituation

Wohnungssuche und Wohnen
Ich habe die Zeit über zwischen der Station Intendente (grüne Linie) und Santa Apolónia (blaue Linie) im Stadttteil Engraça gewohnt. Mir hat die Gegend sehr gut gefallen, da ich eher unter Portugiesen wohnte und trotzdem von den beliebten und sehr schönen Stadtvierteln Alfama und Graça fußläufig entfernt war. Ich habe etwa 3 Monate vor Abreise nach Portugal das Zimmer übers Internet über die Plattform Uniplaces gefunden. Es lief alles sehr unkompliziert bei mir ab: ich hatte den Vermieter eine Anfrage geschrieben, der musste diese dann innerhalb kürzester Zeit (ca. 24-48 Stunden) bestätigen und ich daraufhin eine erste Zahlung an Uniplaces überweisen. Es war nicht möglich, sich vorher die Wohnung anzuschauen. Daher hatte ich bis zu meiner Ankunft kleine Bedenken, die sich in meinem Fall als unbegründet herausgestellt haben. In Portugal suchen die Vermieter in der Regel ihre Mieter aus – WG-Castings sind daher eher untypisch. Meine monatliche Miete belief sich auf 350 Euro, Nebenkosten waren offiziell zwar nicht inbegriffen, aber mein Vermieter hat mich nie um eine zusätzliche Zahlung gebeten. Meine Kaution (eine Monatsmiete) habe ich mit meinem Auszug bar auf die Hand zurückerhalten. Ich habe in einer 4er WG (überwiegend Erasmusstudierende, aber auch eine Brasilianerin) gewohnt. Unser Zusammenleben lief überwiegend sehr schön ab und ich habe einiges mit meinen Mitbewohnern unternommen.

Öffentliche Verkehrsmittel
In Lissabon kann man sich eine Monatskarte „Viva Lisboa“ für die öffentlichen Transportmittel (Metro und Cassis – so nennen sich die Straßenbahnen und Busse in Lissabon) kaufen. Anlaufstellen sind unter anderem die Metrostation Marquês de Pombal und Campo Grande. Dort füllt man ein Formular aus (unbedingt „urgente“ ankreuzen, sonst kann die Ausstellung und Druck bis zu einen Monat dauern. Mit „urgente“ kann man sich seine Monatskarte jedoch schon am kommenden Tag abholen kommen). Die Kosten der Monatskarte belaufen sich i.d. R. auf 36-37 Euro. Wenn man unter 23 Jahre alt ist, bekommt man sogar noch eine Reduzierung auf diesen Preis. Nach einem Monat kann man seine Karte an den Automaten wieder aufladen. Der Vorteil an dieser Viva Lisboa ist, dass man sich zusätzlich Zapping aufladen kann und damit sogar mit den TST Bussen (andere Busse als die Stadtbusse) auf die andere Seite von Lissabon zum Strand von Costa de Caparica fahren kann. Dies ist deutlich günstiger, als sich die Bustickets direkt im Bus zu kaufen.

Bankgeschäfte und Krankenkasse
Mit meiner Girocard von der comdirect konnte ich kostenlos in Portugal abheben und bezahlen. Ich brauchte auch keinen zusätzlichen Krankenversicherungsschutz, da ich in Deutschland gesetzlich versichert bin und daher auch über die europäische Krankenkassenkarte verfüge. Während meiner Zeit in Lissabon bin ich leider dreimal erkrankt. Die Portugiesen gehen häufig direkt zur Notaufnahme in die Krankenhäuser. Meine Krankenkassenkarte wurde ohne Probleme angenommen. Ich musste nur beim ersten Besuch eine Bearbeitungsgebühr von 20 Euro zahlen.

Freizeitangebot
Lissabon bietet eine große Bandbreite an verschiedenen Freizeitaktivitäten. Wenn man nur sucht, kann man für sich etwas Passendes finden. Die Universidade de Lisboa verfügt über ein Hochschulsportprogramm und einige Vereinigungen, die zusammen z.B. musizieren.  Es gibt in Lissabon sehr viele Bars mit kostenloser Live Musik am Abend. Ich hatte einen Bibliotheksausweis, für den ich ebenfalls nichts zahlen musste. Das Meer ist nur 45 Minuten mit dem Bus oder alternativ 30 Minuten mit dem Zug entfernt. Dort kann man dann Surfen oder am Strand sich sonnen. Um Lissabon gibt es auch einige interessante Ausflugsziele (z.B. Sintra mit seinen vielen Parks und Schlössern), die sich für einen Besuch sehr lohnen. Generell ist das Land sehr überschaubar und in nur 3-4 Stunden kann man von Lissabon bereits im Norden oder im Süden Portugals sein. Ich hatte mein Fahrrad mit nach Lissabon genommenund habe es sehr genossen, einige Fahrradtagestouren durch die Nationalparks (Sintra, Sesimbra) zu machen. Besonders empfehlenswert für Wanderlustige ist der Fisherman’s trail in Südportugal an der Küste entlang.

Studienfach: B. Sc. Psychologie

Aufenthaltsdauer: 02/2018 - 07/2018

Gastuniversität: Universidade Nova de Lisboa

Gastland: Portugal


Rückblick

Mir haben die Monate in Lissabon viel mitgegeben. Ich habe nicht nur ein neues Land und eine fremde Kultur und Sprache kennengelernt, sondern zugleich viel über mich und im Austausch mit anderen internationalen Studierenden über Kulturen vielfältiger Nationen gelernt, neue Freundschaften geschlossen. Ich möchte die Zeit in Portugal nicht missen. Ich habe sie sehr genossen. Ich war sehr glücklich.

Portugal

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