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Erasmus+ Erfahrungsbericht - Adam-Mickiewicz-Universität Posen

Ich hatte versucht, schon im Bacherlorstudium ein Auslandssemester zu absolvieren, aber die Kursplanung meiner Universität (v.a. Bereich Polnisch Lehramt) lies dies leider nicht zu. So war das Erasmus-Semester im 11. Hochschulsemester und 3. Fachsemester (Master) wohl die letzte Chance. Der ganze Auslandsaufenthalt muss ja sehr weit im Voraus geplant, beantragt und genehmigt werden. Zu früh für meine Gastuniversität in Polen. Vor dem Erasmus-Semester sollte ich Kurse auswählen und auf dem „Learning Agreement“ festhalten. Das Kursangebot für das Semester wird an der Uni in Posen aber erst kurz vor Semesterbeginn veröffentlicht. Vielleicht ist das ein Kulturunterschied: In Deutschland wird alles sehr weit im Voraus und sehr genau mit allen Details geplant, in Polen läuft das alles kurzfristig und die Menschen sind flexibler/ spontaner. Ich bin „halb deutsch und halb polnisch“, deshalb komme ich mit beiden Planungsarten zurecht. Bei der Organisation, Bürokratie usw. hat mir die Erasmus-Koordinatoren aus dem Bereich Polnisch geholfen. Zum Glück sind wir in dem Bereich nicht so viele Studenten, weshalb es keine Probleme mit Terminen oder der schriftlichen Kommunikation gab.


Studienfach: Lehramt für Sekundarstufe I und Primarstufe mit Schwerpunktbildung Primarstufe – Polnisch, Deutsch, Sachunterricht

Aufenthaltsdauer: 10/2014 - 02/2015

Gastuniversität: Uniwersytet im. Adama Mickiewicza w Poznaniu (Adam-Mickiewicz-Universität Posen)

Gastland: Polen

 

Studium an der Gastuniversität

Insgesamt ist das System an der UAM (Uniwersytet im. Adama Mickiewicza) ähnlich wie bei uns: es gibt Vorlesungen, bei denen nur der Dozent spricht und bei denen es meistens Klausuren zur Leistungserfassung gibt. In Seminaren sind die Gruppengrößen meist geringer, es gibt mehr Austausch zwischen den Studenten, manchmal Vorträge u.Ä., der Leistungsnachweis ist unterschiedlich. Ich habe mich schnell in das System eingefügt und hatte keine weiteren Probleme. Jedoch hatten wir Erasmus-Studenten keinen Zugang zu den Online-Angeboten der Kurse, weil wir dafür einen Account bräuchten, der mit dem Leistungssystem gekoppelt ist. Bei Anfrage haben die meisten Dozenten aber einen Weg zu ihren Folien (bzw. zu einem Teil davon) angeboten (Webseite, Link zum Herunterladen, Schicken per E-Mail). Insgesamt hatte ich das Gefühl, dass Online-Plattformen weniger intensiv genutzt werden, als ich es aus meiner Heimatuniversität kenne.
Bei der Planung meiner Kurse hat mir eine sehr nette und kompetente Koordinatorin geholfen. Sie hat verstanden, was für Kurse ich brauche und ich konnte mich stets an sie wenden. Am Anfang musste ich viel mit ihr absprechen, weil die Veranstaltungsräume nicht stimmten oder Kurse überraschend nicht stattfanden. Ich war nicht in all den Systemen wie die „normalen“ Studenten und habe deshalb auch nicht immer alle Informationen erhalten (z.B. Ausfall von Terminen, Änderung des Ortes/ Plans usw.). Die Bibliotheken waren gut ausgestattet und hatten auch einige Computer mit Internetzugang. Es wäre aber wünschenswert, wenn es mehr solche Standorte gebe, denn viele Erasmus-Studenten haben vor allem am Anfang Probleme mit der Internetverbindung im Wohnheim/ in der WG usw. Dabei muss man gerade am Anfang sehr viel online erledigen und organisieren.
Insgesamt habe ich 10 Kurse besucht und 33 ECTS-Punkte erreicht. Ich habe an vielen „regulären“ Kursen für die einheimischen Studenten teilgenommen. Das waren sehr wertvolle Kurse für mich, aber leider haben mich die Studenten nicht ganz angenommen (wenig Kontakt) und die Dozenten wussten nicht wirklich, wie sie mich bewerten (Leistungsnachweise, Fehlstunden usw.) und einbeziehen sollten. Die meisten Dozenten sahen mich als reguläre Studenten und bewerteten mich genauso wie alle anderen. Das gefiel mir, weil das Niveau dadurch für mich hoch war, ich eine Herausforderung hatte und die Bewertung gerecht war. Trotzdem sehe ich hier auf jeden Fall Verbesserungspotenzial. Die englischen Kurse speziell für ausländische Studenten waren sehr informativ und interessant (z.B. Polnisches Theater – Praxis und Theorie), aber das Niveau war meiner Meinung nach viel zu niedrig. Einige Studenten kamen selten zu den Kursen und erreichten wenig Punkte in den Tests, trotzdem haben sie gute Bewertungen bekommen. Das ist für einige sicher praktisch, aber meinen Ansprüchen genügt das nicht.
Ein kleiner Minuspunkt für mich war auch, dass es auf meinem Campus („Collegium Maius“) keine Mensa gab. Ich konnte zwar in der Cafeteria Kaffee, Snacks, Getränke usw. kaufen, aber zum Mittag gab es dort keine große Auswahl.

Kontakte zu einheimischen Studierenden

Da ich sowohl reguläre Kurse für einheimische Studenten als auch englischsprachige Kurse für ausländische Studenten besuchte, hatte ich Kontakt zu vielen verschiedenen Menschengruppen. Ich wäre gerne mit vielen polnischen Studenten in Kontakt gekommen, aber leider haben sie mich nicht angenommen: wenig Kontaktaufnahme in- oder außerhalb der Kurse. Die meiste Zeit habe ich mit den anderen Erasmus-Studenten verbraucht. Der Austausch zwischen so vielen so verschiedenen Kulturen und Sprachen war überaus bereichernd. Leider waren die meisten der Erasmus-Studenten viel jünger als ich (min. 5 Jahre jünger) und interessierten sich oftmals für andere Dinge als das Studieren. Am Anfang habe ich an einigen Feiern und Partys teilgenommen, aber das ist nicht meine Welt. Weitaus mehr habe ich die Ausflüge und Veranstaltungen genossen, die von den ESN-Studenten organisiert wurden. Die Organisatoren engagierten sich wirklich sehr stark für uns und hatten viele gute Ideen. Sie waren auch nicht so sehr viel jünger als ich und ich konnte mich gut mit ihnen unterhalten. Besonders starke Freundschaften habe ich in dem Semester nicht geschlossen. Das lag vielleicht auch daran, dass ich nicht „hilflos“ war und mich deshalb mit anderen Leuten zusammenschloss. Ich kannte ja die Sprache, das System usw. und konnte alles selbstständig erledigen.

Wohn- und Lebenssituation

Meine Situation war etwas anders als die der restlichen Erasmus-Studenten, denn ich habe Familie und Freunde in der Stadt. So wohnte ich privat bei Bekannten und hatte somit viel Komfort, was das Schlafen, Essen, Waschen usw. anging. Außerdem hatte ich mein Auto zur Verfügung. Posen liegt nur ca. 300 km von Berlin entfernt und ich kannte den Weg von früheren Besuchen. Durch das Auto war ich mobiler, fuhr einige Male während des Semesters nach Hause und konnte auch z.B. zum Jubiläum des Mauerfalls nach Berlin fahren, obwohl die Bahn zu dem Zeitpunkt streikte.
Beim Erledigen von Formalitäten hatte ich keine Probleme, weil ich die Sprache kann und als Kind oft bei Besuchen in Ämtern dabei war. Jedoch gab es trotzdem einige Hürden für mich, z.B. das Einrichten der SIM-Karte für mein Smartphone. Ich musste mehrere Male zu den Service-Points des Netzanbieters („PLAY“), bis alles richtig eingestellt war und vor allem bis ich das ganze System verstanden hatte. Ich kann mir nicht vorstellen, wie man das ohne Sprachkenntnisse schaffen kann.
Das Netz der öffentlichen Verkehrsmittel in und um Posen ist hervorragend. Ich habe eine personalisierte Chipkarte bekommen und gleich für 5 Monate bezahlt. Der Preis war im Vergleich zu den Preisen in Berlin sehr, sehr gering. Das Thema Geld ist immer schwierig. Eigentlich ist in Polen alles etwas günstiger und man braucht weniger Geld. Jedoch kamen ständig zusätzliche Ausgaben dazu, z.B. Kosten für Ausflüge, Eintrittspreise, Essen außerhalb, Kostüme für Veranstaltungen usw. Man lebt nicht wie zu Hause, sondern eher wie im Urlaub, in dem man alles sehen und ausprobieren möchte. Das heißt: egal, wie gut man plant und rechnet, man braucht meistens mehr Geld als gedacht.
Zur Gestaltung der Freizeit: Die Stadt Posen ist so groß, dass man dort alles finden kann. Wer gerne Sport treibt, findet Angebote zu verschiedenen Sportarten. Je nach Hobby und Interessen ist in Posen sehr viel möglich. Ich persönlich gehe gerne ins Kino: es gibt viele verschiedene Kinos mit unterschiedlichen Angeboten und Preisen. Gerne sehe ich mir Fußballspiele live an und so waren Besuche im neuen Lech-Station Pflicht.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Ich wollte vor allem meine Kompetenzen in meinem Hauptfach Polnisch verbessern bzw. perfektionieren. Das ist mir auf jeden Fall gelungen. Ich habe durch die polnischen Dozenten, durch die Medien und die Menschen auf der Straße viele neue Wörter, Begriffe, Redewendungen usw. gelernt. Dies wäre mit Sicherheit in Deutschland nicht möglich gewesen. Die Verbesserung meiner Sprachkenntnisse, sowohl mündliche als auch schriftliche, war mein Hauptgrund, das Auslandssemester zu machen. Ich bin zufrieden mit meiner Entwicklung, obwohl immer noch Verbesserungspotenzial vorhanden ist.
Auch meine englischen Sprachkenntnisse haben sich verbessert. Ich könnte fast „leider“ sagen, denn ich habe teilweise mehr und häufiger Englisch als Polnisch gesprochen. Ich bin
sichererer im Gebrauch der Sprache geworden und habe auch viele Begriffe dazugelernt. Es war ein überwältigendes Gefühl, dass sich so viele junge Menschen aus Europa und der ganzen Welt durch eine gemeinsame Sprache verständigen konnten.

Studienfach: Lehramt für Sekundarstufe I und Primarstufe mit Schwerpunktbildung Primarstufe – Polnisch, Deutsch, Sachunterricht

Aufenthaltsdauer: 10/2014 - 02/2015

Gastuniversität: Uniwersytet im. Adama Mickiewicza w Poznaniu (Adam-Mickiewicz-Universität Posen)

Gastland: Polen


Rückblick

Tipp: Sprachkurs vor der Reise nach Polen belegen! Die meisten Erasmus-Studenten haben am Anfang Polnischkurse belegt, aber leider haben sehr viele schnell aufgegeben. Die Sprache ist wirklich nicht einfach und vor allem am Anfang haben die meisten wenige Erfolgserlebnisse, auch weil die Aussprache so schwierig ist. Ich finde es jedoch sehr schade, wenn man ein halbes oder ein ganzes Jahr in einem Land verbringt und nicht einen Satz in der Sprache des Landes sagen kann. Ich denke, es ist sinnvoll, vor dem Aufenthalt die ersten Hürden der polnischen Sprache zu nehmen und dann im Land weiter daran zu arbeiten. Das Auslandssemester hat mir insgesamt sehr gut gefallen und ich habe alles erreicht und erlebt, was ich wollte. Ich versuchte Leute zu finden, die eher in meinem Alter waren und ähnliche Interessen hatten. Ich wollte die polnische Sprache, Kultur, Geschichte usw. näher kennenlernen, ich wollte die Stadt erkunden, andere Städte und Länder bereisen. Als Lehramtsstudentin wollte ich auch eine polnische Schule besichtigen und mit ein wenig zusätzlicher Planung habe ich eine zweitägige Hospitation in einer Gesamtschule organisiert. Allgemein hoffe ich, dass in Zukunft mehr Studenten im Masterstudium ein Auslandssemester machen werden, denn das ist aus meiner Sicht ein sehr guter Zeitpunkt.

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