uni-potsdam.de

Sie verwenden einen veralteten Browser mit Sicherheitsschwachstellen und können die Funktionen dieser Webseite nicht nutzen.

Hier erfahren Sie, wie einfach Sie Ihren Browser aktualisieren können.

Erasmus+ Erfahrungsbericht - Uniwersytet Wrocławski

Als ich Freunden und Familie erzählt habe, dass ich ein Auslandssemester in Breslau (Wrocław) machen werde, habe ich von den meisten zunächst einige schräge Blicke bekommen und musste mich rechtfertigen. Im Nachhinein kann ich aber trotz vieler kritischer Stimmen sagen, dass das Semester in Breslau keine falsche Entscheidung war und ich hier einige sehr schöne und bereichernde Erfahrungen machen konnte.


Studienfach: Rechtswissenschaften

Aufenthaltsdauer: 09/2018 - 02/2019

Gastuniversität: Uniwersytet Wrosławski

Gastland: Polen

Als ich mich beim International Day an unserer Uni zum ersten Mal über mögliche Partnerunis im Ausland informiert habe, war für mich schnell klar, dass meine Sprachkenntnisse nur für ein Land ausreichen, in dem an der Uni auf Englisch gelehrt wird. Schließlich fiel meine Wahl daher nach Möglichkeiten wie Tartu, Zagreb und Bergen auf Breslau.

Nach einer absolut problemlosen Bewerbungsphase mit sehr nettem Kontakt zu der Koordinatorin der Gasthochschule und der Annahme durch die Unis, ging das Semester für mich bereits Anfang September los. Die Uni in Breslau bot nämlich für die internationalen Studierenden einen 2-Wochen-Vorbereitungskurs für blutige Anfänger als auch für Fortgeschrittene in Polnisch an. Der perfekte Einstieg, um direkt ein paar Leute kennen zu lernen! Tatsächlich wurden die ersten Bekanntschaften aus dem Kurs auch die Gruppe, welche mich über das gesamte Semester begleitete und mit denen ich so manchen Trip unternommen habe. Einige andere Studenten kamen erst nach dem Kurs zu Beginn der Orientierungstage, was ich persönlich nicht empfehlen kann, weil diese 2 Wochen zum Kennenlernen der Stadt und Lernen von einigen Basics der polnischen Sprache sehr hilfreich waren. Für den Kurs gab es auch, ohne eine Prüfung schreiben zu müssen, gleich die ersten 3 ECTS.

Zu Beginn der Uni war ich wirklich guter Dinge! Das Gebäude der Fakultät für Jura und Wirtschaftswissenschaft ist modern, gut ausgestattet und ist von überall aus der Stadt super zu erreichen. Die Bibliothek liegt in der 4. Etage desselben Gebäudes und hat sogar eine Auswahl an deutscher juristischer Literatur, auf die sie sehr stolz ist, auch wenn diese auf dem Stand von etwa 2005 ist und somit eigentlich größtenteils unbrauchbar.

Auch die „Mensa“, die direkt im Gebäude liegt, bietet ein wahnsinnig reich- und knoblauchhaltiges Buffet, welches allerdings verhältnismäßig gesehen nicht besonders günstig ist. Hier bietet es sich an, die an der Fakultät nahe liegenden Milchbars („Bar Mleczny“) aufzusuchen. Diese bieten nicht nur einen deutlich günstigeren Preis an, sondern kochen die angebotene Hausmannskost meist auch noch selbst und sind wahnsinnig lecker. Hierbei war fast jeder Besuch ein Abenteuer, da gerade Verkäufer/innen in Geschäften meist nur polnisch sprechen. So kam es, dass ich in meiner „Stammbar“ fast die gesamte Karte einmal durchprobierte ohne vorher wirklich zu wissen, was auf den Teller kommt.

Ansonsten liegt die Fakultät nur knapp 5 Fußminuten entfernt vom Marktplatz „Rynek“, wo sich das Leben in Breslau hauptsächlich abspielt. Shoppen, essen gehen, in ein Cafe setzen und Kaffee trinken oder nachts die vielen Clubs und Bars aufsuchen, ist dort wirklich ein Erlebnis und ein absolutes Muss beim Besuch oder Erasmussemester in der Stadt, welche im Jahr 2016 übrigens (völlig zurecht) europäische Kulturhauptstadt war. Auch das ist ein Grund dafür, dass in die Stadt viel investiert wurde und wird. So kenne ich zum Beispiel keine weitere Stadt, in der man so schnell mit öffentlichen Transportmitteln von A nach B kommt wie in Breslau. Es gibt unzählige Straßenbahnlinien, die die wirklich vielen Haltestellen in sehr kurzen und regelmäßigen Abständen bedienen. Diese sind teilweise noch aus der Zeit vor dem Fall des Eisernen Vorhangs, was der Stadt aus meiner Sicht weiterhin einen ungemeinen Charme verleiht.

Die Tickets kosten pro Fahrt etwa 3,50 Zloty (umgerechnet etwa 80 Cent). Die meisten Studenten haben aber über ihre Studentenchipkarte einen Fahrausweis, den man monatsweise erwerben kann. So kostet die 4-Monatskarte für Studenten 150 Zloty (etwa 35 Euro). Die Bezahlung erfolgt (wie eigentlich überall in der Stadt) bargeldlos mit der Kreditkarte.

Auch die geographische Lage von Breslau ist für Erasmusstudierende, die gerne reisen, ideal. So besuchte ich während meiner Zeit hier Warschau, Krakau, Posen, und mein persönlicher Favorit: Kiew mit einem Trip zum havarierten Reaktor in Tschernobyl. Viele meiner Kommilitonen fuhren auch nach Prag, Berlin und Budapest. Der etwas außerhalb der Stadt gelegene Flughafen hat viele Flugziele und wird vor allem von der Billigairline Ryanair häufig angeflogen. Das in Kombination mit der Erasmus-Student-Network (ESN) Karte, die ich jedem Erasmusstudierenden für diverse Vergünstigungen sehr ans Herz legen kann, ist eine ideale Grundlage für einige Trips zu z.B. genannten Zielen.

Als die Vorlesungszeit begann, wurden meine anfänglich fast nur positiven Eindrücke über die Uni leider etwas getrübt. Von den von mir ausgewählten 6 Kursen, die ich mir zunächst anschauen wollte, kamen 5 (!!) aus verschiedenen Gründen nicht zustande. Ich war also gezwungen einige andere Kurse zu wählen, was letztendlich dazu führte, dass ich mir nicht ein einziges Fach für mein Studium in Deutschland anrechnen lassen konnte. Das akademische Niveau an der Uni war aus meiner Sicht größtenteils sehr gering. Dozenten mit Power-Point-Präsentationen, welche 1 zu 1 aus Wikipedia übernommen wurden und aus denen nicht mal die Hyperlinks gelöscht wurden, kamen mehr als einmal vor. Das sprachliche Niveau in den sehr kleinen Gruppen von 10 bis 20 Studenten war aber hingegen sehr gut! Das lag mitunter auch daran, dass diese Kurse einzig für Erasmusstudierende waren. Leider war es uns nicht möglich, uns in die Kurse der Vollzeitstudierenden einzuschreiben. Somit war der Kontakt mit polnischen Studierenden in der Uni eher gering.

Teilweise musste ich in meinen Kursen einige Abgaben in Form von Essays leisten, um zur Prüfung am Ende des Semesters zugelassen zu werden. Auch gab es in einem Fach unangekündigte Tests, was sich ein wenig wie in der Schule angefühlte. Die finalen Examen waren letztendlich sehr studentenfreundlich und ohne große Anstrengungen mit Bestnoten zu bewältigen. So war es ein leichtes, die geforderten 30 ECTS zu erreichen.

Die Wohnsituation war für mich anfangs sehr gewöhnungsbedürftig. Die Uni bietet den Erasmusstudierenden an, in Wohnheimen unterzukommen. Die meisten der Wohnheime für die Uniwersytet Wrocławski (nur eine von insgesamt 7 Unis in der Stadt) liegen im Osten der Stadt. Meine Unterkunft mit dem Namen „Ołówek“ (übersetzt „Bleistift“, wegen der Form des Gebäudes) war sehr sporadisch ausgestattet. So waren z.B. in der Küche ein Kühlschrank, eine Kochplatte, ein Tisch und 4 Hocker. Wirklich nur das Nötigste! Man kann aber problemlos in den gegenüberliegenden und nahe liegenden Geschäften alles für den täglichen Bedarf kaufen.

Im Wohnheim kann man zwischen Einzelzimmern (für umgerechnet etwa 190€) und Doppelzimmern (für umgerechnet etwa 135€) wählen. Bei meiner Ankunft teilte man mir jedoch mit, dass die Einzelzimmer derzeit nicht verfügbar seien und ich einen Platz im Doppelzimmer zugewiesen bekommen hätte. Das war für mich zunächst ein ganz schöner Schock, da ich mir vorher noch nie ein Zimmer teilen musste, geschweige denn mit einem Fremden. Wie ich aber feststellte, gewöhnt man sich an alles. Meinen Mitbewohner, einen 20- jährigen Spanier, lernte ich zwangsläufig auf 15 m² schnell kennen. Wir teilten uns die Küche und das Badezimmer mit zwei Türken, die im Raum neben uns wohnten. Alles in allem eine dufte Truppe ohne Totalausfall. Wer allerdings lieber seine eigene Wohnung haben möchte, kann sich problemlos über z.B. die örtlichen Facebookgruppen eine suchen. Das haben auch die meisten der Deutschen, die ich hier kennen lernte, gemacht. Allerdings ist es hierbei von Vorteil, wenn man jemanden kennt, der polnisch spricht, da die Preise für Ausländer schnell mal um 200 Zloty steigen können. 

Studienfach: Rechtswissenschaften

Aufenthaltsdauer: 09/2018 - 02/2019

Gastuniversität: Uniwersytet Wrosławski

Gastland: Polen


Rückblick

Zusammenfassend kann ich sagen, dass die Zeit in Breslau eine wirklich schöne war. Wer ein unbeschwertes Semester in einer wundervollen Stadt genießen möchte und nicht allzu viel Geld zur Verfügung hat, dem kann ich einen Aufenthalt hier absolut empfehlen!!

Polen

zurück zur Länderseite

Studium im Ausland

Hier finden Sie alle Informationen zum Studium im Ausland.

Finanzierung & Stipendien

Hier finden Sie alle Informationen zur Finanzierung Ihres Auslandsaufenthaltes und zu den Stipendien.