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Erfahrungsbericht Erasmus+ an der Universitetet i Bergen (Herbstsemester 2018)

„BERGEN?“ – diese Frage wurde ich nicht nur von mir selbst, sondern auch von der Stadt als solche gefragt. Wenn du vorhast, in die zweitgrößte Stadt Norwegens mit dem Flugzeug zu gelangen, ist dieser Schriftzug das Erste, was dich erwartet. Direkt vor dem modernen Flughafen sind die Großbuchstaben, ergänzt durch ein Fragezeichen, gelbstrahlend an einer Felswand befestigt. In unmittelbarer Nähe befindet sich die Tramhaltestelle -Bergen luvthavn Flesland-, von welcher du ungefähr 25 Minuten bis Fantoft brauchst. Fantoft? Das wird höchstwahrscheinlich deine Heimat für die nächsten Monate sein, oder sollte ich sagen: dein Ausgangspunkt? Nun aber von vorn. Im folgenden Erfahrungsbericht möchte ich dir von meinen Erfahrungen, Eindrücken und Erlebnissen aus dem Auslandssemester in Bergen erzählen und insbesondere hilfreiche Tipps für den Start geben. 


Studienfach: Master of education, Geographie - Lehramt für die Sekundarstufen I und II

Aufenthaltsdauer: 08/2018 - 12/2018

Gastuniversität: Universitetet i Bergen

Gastland: Norwegen

Vorbereitung und Planung

Nachdem der Erasmus+ Koordinator meine Unterlagen an der Universitet i Bergen (UiB) eingereicht hatte, habe ich wenige Wochen später eine E-Mail der UiB erhalten, welche im Wesentlichen drei wichtige Informationen enthielt: 

  • Eine Zusage für das Studium an der UiB im folgenden Herbstsemester. Aufheben! Sehr nützlich für das BAföGs-Amt, wenn du vom International Office (IO) noch keine Erasmus+ Bescheinigung erhalten hast. Auch in Bergen ist dieses Dokument in den ersten Tagen hilfreich (Studierendenausweis, Wohnungsschlüssel, Registrierung bei der Polizei, etc.).
  • Ein persönlicher Zugangscode zum dortigen Studentweb (vergleichbar mit PULS). Bloß nicht vergessen, am besten aufschreiben. Am Wichtisgten ist die 11-stellige Nummer. Den Code brauchst du, um dich bei Studentweb anzumelden, über welches du dich später für Kurse einschreiben und für Prüfungen anmelden kannst. Die UiB stellt dir den Kurskatalog übrigens schon ziemlich früh online zur Verfügung. So früh, dass ich schon bei meiner Bewerbung am Geo- Institut im Januar meine Kurse eintragen konnte. Die Kursbeschreibungen sind auf Norwegisch und Englisch verfügbar. Einen Überblick zu den Kursen für Studierende aus dem Ausland findest du hier.
  • Ein Code, welcher bei der Bewerbung im Wohnheim einen Platz garantiert. Das ist echt was typisch Norwegisches. Du bekommst vom dortigen Studierendenwerk „Sammen“ einen garantierten Platz im Wohnheim als Erasmus+ Studierender. Dabei musst du dir über die Webseite von Sammen einen Account erstellen, über welchen du dich für einen Wohnheimsplatz bewerben kannst. Dort wird dir dann die Möglichkeit gegeben, dich für bis zu drei Wohnheime zu bewerben. Prinzipiell kannst du dir die aufwendige Recherche über die einzelnen Wohnheime sparen, da ca. 99% aller Erasmus+ Studierenden in Fantoft (dazu später mehr) einquartiert werden.

Nach der Zusage durch die UiB konnte ich dann richtig loslegen. Ich kümmerte mich u.a. um die Beantragung des Auslands- BAföGs und etwaige Unterlagen für das IO. Für die folgende, die Rahmenbedingungen regelnde, Vorbereitung empfehle ich übrigens sehr die vom IO erstellte Checkliste.

Sei dir bewusst, dass Bergen die regenreichste Stadt Europas ist und das kein Vorurteil oder Beiname, sondern die Wahrheit ist. Als es nach zweiwöchigem Dauerregen mal nur noch alle zwei Tage geregnet hat, sprachen die Einheimischen ernsthaft schon von einer Dürre in diesem Jahr. Zur benötigten Kleidung ist allgemein zu sagen, dass ein Regencape für den Rucksack und ein solider Regenschirm die Grundvoraussetzung bilden sollten. Ansonsten wird es in Bergen selbst nicht wirklich kalt. Generell herrscht ein eher mildes Klima, was jetzt aber nicht bedeuten soll, dass es warm ist.

Du solltest zudem besonders deine ersten, organisatorischen Schritte in Bergen planen. Damit du nicht mit deinem Gepäck vom Flughafen bis in die Stadt (etwa 45 Minuten) und wieder zurück fahren musst, empfehle ich, die Bybanen (deutsch: Stadtbahn) einmal kurz in Fantoft zu verlassen und dein Gepäck entweder im Klubb Fantoft abzugeben (die Leute dort passen gut drauf auf) oder sie in deiner WG abzustellen. Ohne dir jetzt Angst zu machen, man findet immer einen Weg in seine WG auch ohne eigenen Schlüssel – das liegt daran, dass man ggf. mit bis zu 15 anderen Leuten zusammenwohnt. Mit deinen WG- Mitbewohnern kannst du über eine Facebook Gruppe (auf diese wird übrigens auch in dieser super kompakten E-Mail der UiB hingewiesen) auch schon vor deinem Aufenthalt Kontakt aufnehmen. Nach der Gepäckabgabe solltest du dann mit der Bybanen bis zur Endstation Byparken (Stadtpark) fahren und zum Studentcenter gehen. Dort bekommst du dann deine Wohnungsschlüssel am Infostand von Sammen. Eine andere Möglichkeit deine Schlüssel zu erhalten, falls du eventuell erst am späten Abend anreist, ist zudem, jemanden zu beauftragen, deine Schlüssel abzuholen. Da reicht eine einfache Nachricht im Facebook Messenger an die jeweilige Person. Im Studentcenter kannst du dir weiterhin deinen UiB- Studierendenausweis erstellen lassen (Achtung: Von dir wird noch im selben Moment ein Bild gemacht). Außerdem bietet es sich natürlich an, noch offene Fragen zu stellen.

Schon vor deinem Aufenthalt kannst du dir das Ticket für den ÖPNV kaufen. Das ist über eine App, welche Skyss billett heißt und im Play-/ Appstore erhältlich ist oder auch vor Ort am Automaten möglich. Durch den Hyperlink findest du die Preise für die sog. Season- Tickets: https://www.skyss.no/en/tickets-and-prices/tickets-and-prices2/ . Generell lohnt es sich erst ein 180 Tages-Ticket zu kaufen, wenn du länger als fünf Monate in Bergen bleiben willst. Ansonsten kommst du günstiger, wenn du dir jeden Monat einen Fahrschein für 30 Tage besorgt. Wichtig ist, dass du den Fahrschein einmalig nach Kauf in der Bahn oder im Bus aktivieren musst, ansonsten wird es ziemlich teuer (ca. 90€).

Und damit wäre ich beim Thema Geld. Als nicht EU- Mitglied gibt es den Euro in Norwegen nicht. Die dortige Landeswährung nennt sich Krone und ist deutlich mehr wert als unser Geld. Das Verhältnis liegt zwischen 1:9 bzw. 1:10. Ich persönlich habe immer mit 1:10 gerechnet, sodass 1 Krone gleich 10 Cent sind. Nimm dir kein Bargeld mit. Das wollen sie da oben nicht sehen, weder ihr eigenes Bargeld und vor allem nicht unseren Euro. In Norwegen kann man alles mit der Kreditkarte bezahlen, wirklich alles; egal wo und wann. Allgemein ist es ratsam, sich eine Kreditkarte zuzulegen, da man schon vor dem Aufenthalt die Kaution für die angebotene Wohnung (übrigens 5000 Kronen) innerhalb von 5 Tagen bezahlen muss. Die Zahlung funktioniert nicht über eine handelsübliche EC- Karte. Weiterhin ist der Umrechnungskurs der Kreditkarte ein fester Kurs und schwankt nicht täglich wie der der EC- Karte.

Studium an der UiB

Mir persönlich ist die UiB immer als sehr strukturierte und organisierte Universität aufgefallen und entgegengetreten. Dies begann mit der Übersichtlichkeit der Webseite, auf welcher ich immer schnell die Informationen finden konnte, die ich brauchte, über die Organisation der Welcome Week for International Students bis über die Seminare und Prüfungen selbst. Die UiB macht viel für Studierende aus dem Ausland und erleichtert ihnen den Einstieg ins Studium im Ausland. So konnte ich an einer gut geplanten mentor week teilnehmen, in welcher man zusammen mit einheimischen Studierenden an Aktivitäten wie Lasertag, Bowling und einer Stadtrallye teilnehmen konnte. Weiterhin wurde man in dieser ersten Woche in nahezu jeden Nachtclub der Stadt geführt.

Die Gebäude der Uni erstrecken sich über das Stadtzentrum von Bergen, sind aber größtenteils durch die Bybanen und einen je nach Standort zusätzlichen 10-15minütigen Weg per Fuß gut erreichbar. Dabei sind die meisten Gebäude im historischen Stil sehr gut erhalten und optisch ansprechend. Die Seminar- und Vorlesungsräume verfügen über die auch aus Potsdam gewohnte Ausstattung, waren jedoch in meinem Fall kleiner (besonders Vorlesungssäle) und etwas unmoderner als an der Uni Potsdam. Dafür verfügt die Uni aber über ein signalstarkes WLAN für ihre Studierenden und kann zudem mit einer Kaffee-Flat für 350 Kronen im Semester dienen. Dabei handelt es sich um einen Kaffeebecher, welchen man entweder bei Sammen direkt oder bei deren Kantinen erwerben kann. Danach ist es möglich, so viel Kaffee zu trinken wie du möchtest. Im Puncto Bibliotheken verfügen die einzelnen Fakultäten über eigene Bibliotheken, welche aber für jeden UiB- Studierenden verfügbar sind. Wie in Potsdam sind die Bibliotheken von früh bis abends zugänglich. Was die Ausleihe und Verfügbarkeit von Büchern angeht, gibt es die Möglichkeit, dieses von zuhause zu beantragen und zu überprüfen. Jedoch muss ich gestehen, dass ich bis heute nicht wirklich verstanden habe wie das online funktioniert, da es eine der wenigen sehr unübersichtlichen und verwirrenden Sachen an der UiB ist. Weiterhin sind die Bibliotheken deutlich kleiner und verfügen über weniger Computerpools an die Uni Potsdam. Dahingegen verfügen die Bibliotheken jedoch über ein großes Onlinesortiment und auch über eine Menge deutscher Literatur. Das Drucksystem ist in der Ausführung etwas anders, so muss der Studierendenausweis zur Anmeldung am Drucker schnell durch einen „Karten-Scanner“ gezogen werden. Ich möchte hier noch anmerken, dass ich so gut wie nie etwas drucken musste, was nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit Erasmus+ Unterlagen stand.

Anders als bei uns hat man nur wenige Kurse im Semester, welche darüber hinaus noch massig Leistungspunkte bringen. Ich selbst hatte 3 Kurse, welche aber 32,5 ECTS gebracht haben. Ein Seminar davon hatte nur sieben Präsenzzeiten, wodurch ich in „Hochzeiten“ viermal in der Woche zur Uni musste. Da das norwegische Uni- System mit weniger Kursen und mehr LP arbeitet, verlangt es auch ein hohes Maß an Eigenverantwortung. Jeder ist für sein eigenes Studium selbst verantwortlich. Literaturlisten sind in der Regel sehr lang, waren für meine Prüfungen aber nicht im vollen Umfang notwendig. Zu den Seminaren und Vorlesungen möchte ich sagen, dass diese sehr gut organisiert sind. Oft wurde mit Gastvorlesungen gearbeitet, wodurch ich die eigentlichen Dozenten der Seminare nur selten gesehen habe. Jedoch waren die Dozenten immer gut über E-Mails erreichbar und konnten mir bei Fragen gut helfen. Qualitativ habe ich ein sehr gutes und informatives Seminar erlebt, aber auch ein grauenvolles, bei dem ich mich selbst sehr motivieren musste, die an sich interessanten Inhalte selbst aufzuarbeiten.

Sehr zu empfehlen ist der Norwegisch-Anfängerkurs, in welchem man mit wöchentlich zwei Seminaren zehn Wochen lang einen Sprach-Crash-Kurs erhält. Dieser bietet sich besonders an, um sich im alltäglichen Leben (z.B. im Supermarkt) besser zurechtzufinden. Auch wenn die norwegische Sprache der deutschen sehr ähnelt, hilft es besonders im Kontakt mit den Einheimischen auch bruchteilhaft die Landessprache sprechen zu können. Weiterhin habe ich den Kurs als sehr lebhaft und erfrischend empfunden. Die jeweiligen Dozenten der Norwegisch-Kurse sind äußerst engagiert und haben Spaß am Job. Zudem sind die 7,5 ECTS leicht verdient, da die abschließende mündliche Prüfung auf einem äußerst niedrigen Niveau gehalten wird. Ein weiterer Pluspunkt des Kurses ist das leichte Kennenlernen anderer Studierender aller Welt.

Anders als im Sprachkurs ist der Erwerb der ECTS in den anderen Kursen schwieriger. So gibt es allerlei Prüfungsformen. Für mich neu war die Form des Take-Home-Examens, bei welchem ich eine Aufgabenstellung erhielt und dann eine Woche Zeit hatte, eine Hausarbeit darüber zu schreiben. Ich habe mich da unglaublich verrückt gemacht und unnötigen Stress aufgebaut. Eine Woche klingt wenig, ist aber durchaus machbar. Andere Studierende erhielten auch Take-Home-Examen für 4 Tage. Schriftliche Prüfungen an der Uni erstrecken sich teilweise über 5 Zeitstunden. Manche Kurse setzen auch ein Midterm-Examen als Prüfungsvoraussetzung fest. Auch wenn das erst einmal taff klingt, haben alle Leute, die ich in Norwegen kennengelernt habe, ihre Prüfungen bestanden. Durch die geringe Anzahl an Präsenzen an der Uni selbst, sind die Anforderungen aber in Ordnung, da man wirklich viel Zeit hat, sich umfänglich auf alles vorzubereiten. Die Bewertung erfolgt im Buchstaben-System von A bis F. Dabei empfand ich, dass die Bewertung zudem sehr fair und auf Nachfrage auch sehr transparent war. Die entsprechende Umrechnung der norwegischen Noten ist auf der Webseite des IO einzusehen.

Ein Studium an der UiB bringt aber auch einige unerwartete Eigenschaften mit sich. Diese möchte ich dir im Folgenden kurz auflisten:

  • Pause nach 45 Minuten. Richtig gelesen! In Norwegen dauern Seminare die üblichen 90 Minuten, jedoch gibt es nach den ersten 45 Minuten eine reguläre Pause von 15 Minuten, auf die die meisten Dozenten bestehen.
  • Kein Klopfen nach der Veranstaltung. Wenn du nicht von den Dozierenden und anderen Internationals schief angeguckt werden möchtest, solltest du auf unser typisches Klopfen auf den Tisch/die Bank nach der Veranstaltung verzichten. Mir ist auch erst in Norwegen aufgefallen, dass das wohl ein typisch deutsches Ding ist.
  • Bücher kaufen. In den meisten Kursen bildet ein Buch oder mehrere die Grundlage. Diese sind absolut zu empfehlen und prüfungsrelevant, kosten leider in der Regel aber zwischen 50 und 100€. In der Bibliothek gibt es oft nur sehr wenige Ausgaben. Im Regelfall kannst du die Bücher im Unishop im Studentcenter kaufen.
  • Mitt UiB. Dabei handelt es sich um eine Lernplattform, die vergleichbar mit Moodle ist. Hier siehst du deinen Stundenplan, deine Kurse und erhältst Zugriff auf deren Materialien. Weiterhin kannst du dort deine E-Mails verwalten und bekommst Informationen deiner Institute und Fakultät. Mitt UiB gibt es außerdem auch als funktionierende App fürs Smartphone.
  • Inspera für Prüfungen. Inspera ist eine Plattform, auf der du deine Prüfungsleistungen abgeben kannst. In der Regel brauchst du es nur bei Take-Home-Examen.
  • Studierendenausweis und Drucken. Das ausgeklügelte Drucksystem der Uni kannst du selbst durchschauen. Jedoch musst du davor Geld auf deinen Studierendenausweis überwiesen haben. Das wiederum ist nur online und über eine Kreditkarte möglich.

Das Leben als international student in Bergen

Hier möchte ich zum interessantesten Teil des Berichts kommen. Ich möchte dir einen umfänglichen Einblick einerseits in das reguläre Leben in Norwegen und in die Erfahrungen und Erlebnisse, welche ich durch Erasmus+ machen konnte, geben.

Wohnsituation

Wie bereits erwähnt, wohnt der Großteil der international students auf dem Wohnheimgelände in Fantoft, welches ein Stadtteil Bergens ist. Das Gelände verfügt über verschiedene Wohnvariationen. Darunter zählen Einzelappartements, welche sich in einem dem Plattenbaucharme angeregten Gebäude befinden. Weiterhin gibt es einen Block, in welchem man sein eigenes Bad und Zimmer hat, sich aber die Küche mit 7 weiteren Studierenden teilt. Die geläufigste Wohnform befindet sich in den modernsten Blöcken: R und S Blokk. Ich wohnte in einer 16er WG des R-Blokks, in welcher ich mir zudem ein Zimmer und ein Bad mit einer weiteren Person teilte. Diese Person sollte im Regelfall dein bester Freund/deine beste Freundin für den folgenden Aufenthalt werden. Alles sehr schwer vorstellbar, aber man gewöhnt sich ziemlich schnell dran. Die WG muss man sich wie folgt vorstellen: 

Es gibt eine große Gemeinschaftsküche mit Induktionsherd, zwei Backöfen und mehreren Kühlschränken. Zudem gibt es mehrere Gefrierschränke, ein persönliches Fach für Lebensmittel, Tische und genügend Stühle. Die Küche ist zudem Gemeinschaftsraum und bietet große Sofas und einen Balkon. In den einzelnen Räumen (8) gibt es je zwei Schränke, Stühle, Tische und Betten. Alles ist äußerst gepflegt. Auch das Bad ist in einem guten Zustand. Wie bereits angemerkt, sind die Gebäude äußerst modern, so ist der Schlüssel auch kein klassischer Schlüssel, sondern ein Chip. Über diesen lassen sich WG- und Zimmertür automatisch öffnen. Obacht ist jedoch bei den empfindlichen Feuermeldern zu leisten, da diese schon bei wenig Rauch einen Feueralarm verursachen können. Der R-Blokk ist behindertengerecht und verfügt über einen Fahrstuhl. Weiterhin beinhaltet er einen Raum mit Waschmaschinen und Trocknern. Jeder erhält dabei eine Waschkarte, die wiederum auch nur online und mithilfe einer Kreditkarte aufzuladen ist. Zudem gibt es einen Gemeinschaftsraum und eine Dachterrasse, auf der du bei gutem Wetter grillen kannst.

Die Miete für meine Wohnsituation lag bei insgesamt 3300 Kronen im Monat. Diese musste ich dabei monatlich per Kreditkarte eigenständig an das Studierendenwerk Sammen überweisen. Über einen sehr komplizierten Weg, welcher weitere Kosten von 150 Kronen hat, kann die Miete aber auch postalisch bezahlt werden.

Das Wohnheim liegt direkt an der Bybanen, mit welcher du das Stadtzentrum innerhalb 20 Minuten erreichen kannst. Weiterhin gibt es ein Gym, welches dir 1100 Kronen im Semester kosten würde, auf dem Gelände zentral gelegen ist der Klubb Fantoft, in welchem regelmäßig Veranstaltungen, durch die Tenants Union Fantoft organisiert, stattfinden. Weiterhin ist der Supermarkt Meny in unmittelbarer Nähe. Das Wohnheim liegt nah an der Fantoft Stave Church, eine der Hauptattraktionen des Stadtteils. Zudem ist der Schlosspark Gamlehaugen samt Fjord leicht über einen etwa 20 minütigen Fußweg erreichbar. Relativ zentral gibt es ein kleines Gebäude, in welchem die Briefkästen stehen. Wenn du dir wie ich ein Zimmer teilst, trifft das auch auf euren Briefkasten zu. Hierbei handelt es sich im wahrsten Sinne des Wortes um einen Briefkasten, da er keine Kapazitäten für ein „Wessipäckel“ aus der Heimat stellt. Ein größeres Paket muss dann normalerweise in Sletten (zwei Haltestellen von Fantoft) bei der Post abgeholt werden. Wenn du verrückt bist und mit dem Auto anreisen möchtest, verfügt Fantoft auch über einen riesigen und gebührenfreien Parkplatz.

Anders als in den Wohnanlagen des Studierendenwerk Potsdams, in welchen man sich das Internet semesterweise noch über einen Vertrag mit der ZIM kaufen muss, ist das WLAN im Mietpreis von Sammen schon mitinbegriffen bzw. kostenlos. 

Lebenshaltungskosten

Allen Vorurteilen, die sagen, dass Norwegen das teuerste Land der Welt ist, kannst du getrost trauen. Die ungefähre Umrechnung, die ich bereits erwähnte, kann man als Ausgangspunkt nehmen. Dass ich genau ein Produkt unter einen Euro im Supermarkt gekauft habe, führt das Ganze noch weiter. Wenn du nach Norwegen möchtest, nur zwischen Uni und Wohnheim pendeln willst, eventuell noch die Mitgliedschaft im Gym und die Kaffeeflat mitnehmen möchtest, dann reicht das Geld des Stipendiums und ggf. Auslands- BAföG sicherlich aus. Hast du aber vor, das Land ausgiebig in einer Reihe spannender Ausflüge zu bereisen, reicht das Geld hinten und vorne nicht. Plane für einen Auslandsaufenthalt in Norwegen also geraume Unkosten ein.

Lebensmittel, besonders Tierprodukte (Milch und Sahne ca. 1,90€, 300g Hackfleisch ca. 3,15€), aber auch Obst und Gemüse sind nahezu überall sehr teuer. Auch süße Erfrischungsgetränke (1,5l Cola ca. 3,50€) und Süßigkeiten sind deutlich teurer als in Deutschland. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man als Nicht-Norweger nicht einen großen Einkauf in einem Supermarkt, sondern mehrere kleine Einkäufe in verschiedenen Discountern tätigt. Die billigsten Läden sind Rema1000, Bunnpris (besonders für Fleisch) und Kiwi (letzteren kann ich wenig bis gar nicht empfehlen). Was ich dir hingegen besonders empfehlen kann, sind die folgenden zwei Apps:

  • Mattilbud (deutsch: Lebensmittelangebote): In dieser App werden wöchentlich die besten Lebensmittelangebote verschiedener Geschäfte zusammengefasst, was bei der Einkaufsplanung hilft.
  • TooGood-ToGo: Die Erfolgsapp aus der Fernsehshow „Die Höhle der Löwen“ findet auch in Norwegen großen Gebrauch. Über die Bestellung und Bezahlung über die App, kannst du dir teilweise ganze Gerichte, die sonst weggeschmissen worden wären, zum halben Preis sichern.

Dinge wie im Restaurant essen gehen, sind preislich gesehen auch sehr hoch angesiedelt. Manchmal lohnen sich aber Tagesaktionen, so gibt es im Egon in Bryggen beispielsweise ein Pizza All-You-Can-Eat für etwa 12€ - absolutes Schnäppchen in Norwegen. Allgemein macht es geldtechnisch mehr Sinn, die Gegebenheit, mit vielen Leuten zusammen zu wohnen, zu nutzen, und gemeinsam zu kochen, wodurch man nebenbei noch landestypische Gerichte anderer Kulturen kennen lernen kann.

Um dich aber nicht komplett abzuschrecken, muss ich dir auch sagen, dass es in Bergen auch oft zu Verschenkungsaktionen kommt. So kann es durchaus vorkommen, dass du einen Stand von Sammen auf der Straße siehst, an dem es z.B. kostenlose Bananen gibt, zufällige Stände vor der Uni stehen, an welchen man ganze Tüten voll Geschenken bekommt oder einfach ein Kellner eines Restaurants kostenlosen Kaffee ausschenkt. Eine weitere Besonderheit an Norwegen ist, dass du überall kostenloses und gekühltes Wasser bekommst, ob im Restaurant oder im Club, wo es meistens sogar frei verfügbar an der Bar steht.

Thema Alkohol: Mach nicht den Fehler wie ich und denke, dass der ausgeschriebene Bierpreis für das ganze Sixpack ist; er bezieht sich auf eine Dose (ca. 2,80€). Allgemein ist Alkohol als ein absolutes Luxusgut zu sehen; und so wird er auch behandelt. Im Supermarkt gibt es nur Bier zu kaufen. Alle Spirituosen über 5% werden in einem separaten Geschäft, dem Vinmonopolet, verkauft. Gehe einfach davon aus, dass das meiste zwischen drei- und viermal so teuer wie bei uns ist. Das Vinmonopolet hat zudem eingeschränkte Öffnungszeiten (einfach mal googlen). Am Sonntag ist es sogar verboten, Alkohol zu verkaufen. Ich empfehle dir wirklich, die norwegischen Zollbestimmungen zur Einfuhr von Alkohol voll auszuschöpfen. Ansonsten kann man auf Ausflüge, die einen Besuch beim Duty Free Shop erlauben, hoffen. In Bergen gibt es sogar einen Laden, der die Ausrüstung zum Brauen eigenen Alkohols verkauft (ich will nicht zu viel sagen, aber er ist in der Nähe des Bybanenstopps „Wergeland“).

Öffentliche Verkehrsmittel

Durch die gute Lage des Wohnheims in Fantoft kannst du alles schnell mit der Bybanen erreichen. Die Besonderheit der Bybanen ist, dass vor jeder Station eine andere Melodie gespielt wird (Mein Favorit ist übrigens die vom „Nesttun Senter“). Zu Weihnachten (norwegisch: Jul) gibt es sogar eine weihnachtlich dekorierte Bybanen. Einige Meter von Fantoft entfernt gibt es auch eine Bushaltstelle, welche aber eher für Fahrten mitten in der Nacht geeignet ist. Ziele außerhalb Bergens erreicht man oft nur mit dem Bus. Alle Busse fahren vom Busbahnhof. Innerhalb des Stadtzentrums gibt es nur wenige Bushaltestellen, von die Busse dann ins Umland fahren. Der bereits angesprochene Fahrausweis ist ausschließlich in Zone A (Bergen und Umland) in Hordaland (vergleichbar mit dem Status eines Bundeslandes in Deutschland) gültig. Möchtest du in andere Gebiete Hordalands reisen bzw. fahren, musst du dir ein extra Ticket kaufen. Für den Fall, dass du nicht älter als 20 Jahre alt bist, hast du Glück gehabt, da du dann keinen extra Fahrausweis benötigst und durch ganz Hordaland mit deinem Zone A Fahrausweis fahren kannst. Allgemein kannst du, je nach Reiseziel, mit langen Busfahrten rechnen. Wann ein entsprechender Bus bzw. eine Bybanen kommt, kannst du über die App „Skyss Reise“ checken.

IKEA bietet einen Gratisbus, der immer zur vollen Stunde vom Busbahnhof zum IKEA und zurückfährt, an. Dieser ist besonders hilfreich, wenn du nach deiner Ankunft noch Gegenstände für deine Wohnung kaufen willst (z.B. Bettdecke und Kopfkissen). Darüber hinaus bietet es sich natürlich auch an, um billige Hotdogs (nur 70 Kronen) im IKEA zu  genießen und das Gefühl eines Restaurantbesuchs aufkommen zu lassen.

Bergen verfügt über einen Flughafen, von dem du nahezu alle anderen binnenländischen aber auch eine Reihe europäischer Flughäfen erreichen kannst. Für Menschen unter 25 Jahren bietet die Billigfluggesellschaft Norwegian zudem exklusive Rabatte für binnenländische Flüge unter dem Rabattcode „UNDER25“ (auf den genauen Code will ich mich jetzt aber nicht festnageln) an. Dadurch kann man dann z.B. für nur 35€ von Bergen nach Oslo fliegen.

Auch mit dem Zug kann man von Bergen aus verreisen. Es gibt sowohl Kurzstreckenlinien nach Flåm aber auch einen 6 Stunden Zug in die Landeshauptstadt Oslo; bei gutem Wetter ist das übrigens eine der schönsten Zugstrecken der Welt, da man durchs ganze Land fährt, die Zugstrecke an Seen, Fjorden entlangführt aber sich auch durchs Gebirge zieht. Der Hauptbahnhof befindet sich direkt beim Bybanenstopp „Nonneseter“.

Eine weitere Möglichkeit, sich von Bergen aus zu bewegen, ist mit dem Schiff. So fährt z.B. die Fjordline eine Fixe Route nach Dänemark, über welche du auch Stavanger erreichen kannst. Weiterhin fährt sie die Strecke des Halloween- bzw. CarnicalCruises (dazu später mehr). Möchtest du gen Norden reisen (z.B. Trondheim), empfehle ich dir die Hurtigruten. Dabei handelt es sich um verschiedene „historische“ Schiffe, die früher als Postschiffe bekannt waren. Für weitere Strecken mit der Hurtigruten z.B. in die Barentssee, von welcher man „ewiges Eis“ oder auch die Nordlichter sehen kann, gibt es auch besondere, dazu buchbare Ausflüge in der Zeit, in der das Postschiff an einem Hafen anlegt.

"Sammen" und Versicherungen

„Sammen can help. Always.“ Diesen Satz haben die Vertreter der Organisation als erstes auf der Einführungsveranstaltung der Uni gesagt. Was soll ich sagen? Es stimmt. Sammen ist eine Organisation, die sich nahezu um alle möglichen Sorgen kümmert. Bei Problemen innerhalb der Wohnung kann man sich über einen Damage Report an Sammen wenden. Nach spätestens zwei Tagen kommt dann jemand zur Reparatur. Aber auch bei gesundheitlichen Problemen kannst du auf die Leute von Sammen zugehen, die dich dann an eine Reihe von Doktoren weiterleiten können (keine zusätzliche Auslandskrankenversicherung notwendig). Das Studierendenwerk bietet sogar eine Vielzahl kostenloser Tests zur Überprüfung diverser Krankheiten und auch Kondome an. Hier kannst du dich über die umfangreichen Angebote von Sammen informieren.

Vor allem in den ersten Wochen ist Sammen auf den Straßen Bergens sehr präsent, verteilt gratis Süßigkeiten, Getränke und Obst. Eine weitere sinnvolle Investition ist die Mitgliedschaft im Fitnessstudio, welche es dir erlaubt, in alle der sieben in Bergen verteilten Gyms zu gehen und an allen angebotenen Kursen teilzunehmen. Weiterhin erhältst du den Zugang zur Schwimmhalle im Studentcenter.

Nachtleben

Die Auslebung des Nachtlebens ist natürlich ganz dir überlassen. Ich kann aus meiner Erfahrung sagen, dass feiern gehen in Norwegen generell sehr kostspielig ist. Auch die etwa 20 minütige Fahrt ins Stadtzentrum und der Fakt, dass die meisten Clubs um 3 Uhr schließen, hat bei mir zu vielen Homepartys in Fantoft geführt. Nichtsdestotrotz kann ich dir besonders das Ricks, wo es oft freien Eintritt gibt, und die Silent Disco ans Herz legen. Weiterhin ist es gut zu wissen, dass der Konsum von Alkohol in der Öffentlichkeit strengstens verboten ist und sehr hoch sanktioniert werden kann. Trinkst du also gern und möchtest ausgehen, solltest du besonderen Wert ins Vorglühen stecken. Im Folgenden möchte ich ein paar Erfahrungen sowohl von den unzähligen Homepartys in Fantoft als auch vom Nachtleben der Stadt mit dir teilen.

Homepartys finden überwiegend in den Blöcken R, S und C statt, was dem Grund der großen Gemeinschaftsräume geschuldet ist. Im Wohnheim gelten strenge Regulierungen zum Thema Nachtruhe. So beginnt die Nachtruhe von Sonntag bis Donnerstag um 23 Uhr, Freitag und Samstag um Mitternacht. Aus persönlichen Erfahrungen kann ich sagen, dass Partys nach diesen Zeiten regelmäßig durch die zuständige Sicherheitsfirma beendet/untersagt wurden. Dennoch bieten Partys in Fantoft eine super Gelegenheit, um viele neue Leute kennen zu lernen. Zudem werden von der Tenants Union zweimal im Monat Partys organisiert, welche im Klubb Fantoft stattfinden und länger gehen dürfen.

Nahezu alle Clubs der Stadt werden durch dieselbe Sicherheitsfirma bewacht. Ist man zu betrunken, wird man nicht rein gelassen. Verhält man sich im Club daneben, wird man zuerst verwarnt und bei einer weiteren Auffälligkeit rausgeschmissen. Im Club trifft man viele Norweger, welche sich im betrunkenen Zustand in der Mehrheit schlimmer als eine Kindergartengruppe verhalten und zudem schnell aggressiv werden. Dennoch war das Nachtleben der Stadt immer eine Erfahrung wert.

Besonders zu Beginn des Semesters gibt es viele Welcome-Specials wie z.B. freien Eintritt in viele Clubs. Weiterhin finden viele Begrüßungspartys statt, bei denen es auch längere Öffnungszeiten gibt. Ein Problem außerhalb der ersten Woche ist die Heimkehr, da man nach etwa 2:30 Uhr aufs Taxi angewiesen ist.

Freizeit und Ausflüge

Ein Auslandssemester ist durch die wenigen Präsenzseiten an der Uni durch viel Freizeit geprägt. Ohnehin finde ich, dass man als Erasmus+ Studierender, die einmalige Chance, in einem anderen Land für eine längere Zeit sein zu können, nutzen sollte, um die Kultur des Landes kennen zu lernen und sich Zeit für ggf. einmalige Gelegenheiten nehmen sollte.

Bei der Freizeitgestaltung helfen vor allem die Tenants Union durch unzählige Veranstaltungen in Fantoft, aber auch das ESN (Erasmus Student Network) durch die Organisation verschiedener Ausflüge aus. Beispielsweise wurden verschiedene Wanderausflüge durch das Umland Bergens organisiert. Zudem konnte man an mehreren Ausflügen innerhalb Bergens (z.B. Katzen streicheln, Brauereibesichtigung, etc.) teilnehmen. Das größte organisierte Event ist der Halloween-Cruise im Herbstsemester bzw. der Carnival-Cruise im Frühlingssemester, bei welchem man mit der Fjordline übers Wochenende von Bergen nach Dänemark und zurückfährt. Das Schiff ist dem Motto angepasst dekoriert. Weiterhin findet auf dem Schiff eine Reihe von Veranstaltungen statt. In der Regel ist die Hälfte der Studierenden norwegisch und die andere besteht aus Internationals. Das Schiff verfügt zudem über einen Duty Free Shop.

Bergens Umland lädt zum Wandern ein. So ist die Stadt von sieben Bergen umgeben, welche man während seines Aufenthaltes unbedingt besteigen sollte. Generell gehen viele Norweger wandern, wenn es in Bergen mal nicht regnet. Diese Chance ergreifen auch viele Internationals. Das Umland ist geprägt von Fjorden und Bergen. Von den meisten Bergen kann man auch auf den Atlantik blicken. Allgemein lohnen sich Ausflüge aller Art ins Umland Bergens, da Norwegen (im Gesamten) über eine atemberaubende Natur verfügt.

Weitere empfehlenswerte Ausflugsziele für ein Auslandssemester in Norwegen sind: 

  • Die Landeshauptstadt Oslo (viel besseres Wetter!)
  • Stavanger und Preikestolen
  • Trolltunga (insgesamt eine fast 40 km lange Wanderung)
  • Wandern in Flåm
  • Tromsø bzw. die Lofoten (weit nördlich, gut um die Nordlichter zu sehen)
  • Trondheim
  • Roadtrip durch das Landesinnere
  • Stockholm bzw. Schweden im Allgemeinen

Die Stadt Bergen verfügt über die auch in Deutschland bekannten Freizeitangebote. Generell ist Bergen sehr kulturbelastet und hat Erzählungen zu Folge in dieser Hinsicht viel zu bieten. Ich kann dazu nur sagen, dass es regelmäßige Volksfeste bzw. kostenfreie Konzerte auf dem zentralen Festplatz gibt. Zu erwähnen wäre noch, dass es in Slettebakken eine Eishalle gibt, in welcher du umsonst Schlittschuhfahren kannst. Im Puncto Weihnachtsmarkt fällt dieser in Bergen eher kleiner und deutlich kostspieliger aus. Der Fußballverein Brann Bergen ist einer der erfolgreicheren der norwegischen Liga. Auch diesem kann man einem Besuch abstatten.

Kontakt zu anderen Internationals und Norwegern

Hierbei handelt es sich in Sachen Schwierigkeit um zwei komplett verschiedene Dinge. Warum möchte ich dir jetzt kurz darstellen:

Kontakt zu anderen Internationals

Das war wirklich das allerleichteste im gesamten Auslandssemester überhaupt. Allein durch die beschriebenen Wohnformen hat man vom ersten Tag an Kontakt zu anderen Internationals. Überraschender Weise sind etwa 25% der Internationals auch Deutsche, was dich aber nicht daran hindern sollte, auch andere Nationalitäten kennen zu lernen. Besonders zu Beginn des Aufenthalts gibt es viele Kennlern-Veranstaltungen seitens der Universität selbst, aber auch seitens der Tenants Union Fantoft. Bei mir war es so, dass ich innerhalb der ersten zwei Monate fast täglich neue Leute kennengelernt habe. Selbst wenn du dich eher als schüchternen Menschen einschätzt, gibt es bei Erasmus+ genügend Studierende, die auch auf dich zukommen werden. Ich persönlich konnte noch nie so schnell echtes Vertrauen und Freundschaft zu mir zuvor Unbekannten aufbauen wie im Auslandssemester.

Kontakt zu Norwegern

Dieser Punkt wiederum stellte sich als das Schwierigste in meinem gesamten Aufenthalt dar. Auch wenn ich kein Freund einfacher Pauschalisierungen bin, kann man Norwegern schon die Attribute schüchtern und unnahbar zuordnen. Zwar sind Norweger herzensliebe Menschen und sie helfen dir auch gern bei allen möglichen Fragen weiter, jedoch ist es ziemlich schwer, Freundschaften mit ihnen zu gründen. Da es im Wohnheim fast ausschließlich von Internationals wimmelt und die meisten, belegbaren Uni-Kurse extra für Internationals eingerichtet wurden, kannst du dir nur andere Wege suchen, Norweger kennen zu lernen. Eine Option wäre beispielsweise über die zahlreichen Sportkurse der Sammen-Gyms. Zudem hat man die Möglichkeit, vielen Studierendenorganisationen als International beizutreten; dafür gibt es einen extra Tag zu Beginn des Semesters im Studentcenter, an dem sich alle Organisationen vorstellen. Die leichteste Möglichkeit, Norweger kennen zu  lernen, bleibt aber das Feiern gehen, da Norweger komplett andere Menschen sind, wenn sie etwas Alkohol im Blut haben. In der Regel gehen sie dann sogar auf dich zu und fragen, wo du herkommst, wenn sie gehört haben, dass du eine andere Sprache bzw. Englisch sprichst.

Studienfach: Master of education, Geographie - Lehramt für die Sekundarstufen I und II

Aufenthaltsdauer: 08/2018 - 12/2018

Gastuniversität: Universitetet i Bergen

Gastland: Norwegen


Rückblick

Mit einem Monat Abstand auf mein Auslandssemester in Bergen kann ich nur sagen, dass es die bisher beste Entscheidung meines Lebens war, an Erasmus+ teilzunehmen. Ich konnte eine neue, wunderbare und herzliche Kultur kennen lernen, ein fremdes Land intensiv und langfristig bereisen, wovon ich früher nur träumen konnte. Weiterhin habe ich es geschafft, mich weit aus meiner Komfortzone herauszubewegen und ein großes Abenteuer anzugehen. Durch Erasmus+ habe ich in einem fremden Land Menschen aus aller Welt getroffen, mich mit deren Kulturen und Lebensweisen auseinandergesetzt. Ich müsste lügen, wenn ich nicht sagen würde, dass ich mich durch mein Auslandssemester nicht mehr für Politik interessieren würde. Nur durch meinen Auslandsaufenthalt habe ich eine vollkommen neue Sichtweise auf die Welt bekommen. Rückblickend würde ich mich immer wieder dazu entscheiden, ein Auslandssemester in Bergen durchzuführen. Ich bin über mich hinausgewachsen und kann sagen, dass mich diese Erfahrung im Gesamten persönlich enorm weiterentwickelt hat. Auch wenn es nach diesem Bericht schwer vorstellbar klingt, habe ich auch für mein Studium in diesem Semester nachhaltig mehr als in den drei Jahren in Deutschland zuvor gelernt.

Durch all die verschiedenen, schönen, traurigen und bewegenden Erfahrungen in meiner Zeit in Norwegen bezeichne ich dieses Semester als die bisher beste Zeit meines Lebens.

Egal ob du dich nach diesem Bericht für oder gegen Bergen entscheidest, wichtig finde ich nur, dass du am Gedanken festhältst, ein Auslandssemester zu machen.

In diesem Sinne

Ha det bra!

Norwegen

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