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Erasmus+ Erfahrungsbericht - Universiteit Utrecht


Studienfach: B.A. Europäische Medienwissenschaften

Aufenthaltsdauer: 09/2016 - 01/2017

Gastuniversität: Universiteit Utrecht

Gastland: Niederlande

Vorbereitung des Auslandsaufenthalts

Ich wollte schon immer ein Auslandssemester machen. Als in der Schule das Abitur auf 12 Jahre verkürzt wurde, entschied ich mich gegen ein Halbjahr im Ausland, da ich sonst die Schulzeit in Deutschland hätte wiederholen müssen. Also war ein Auslandssemester während meiner Studienzeit die perfekte Gelegenheit, um meinen Traum in die Wirklichkeit umzusetzen. Nach einer Ablehnung meiner Bewerbung für eine australische Partneruniversität entschied ich mich im Rahmen des Erasmus+ Programms nach Partnerschulen zu suchen. Erasmus bietet viele Vorteile so z.B. das Wegfallen der Studiengebühren, gute Betreuung vor Ort und die finanzielle monatliche Unterstützung. Mein Studiengang Europäische Medienwissenschaft bietet Kooperationen mit Universitäten in Polen, Spanien, Italien, Dänemark, der Niederlande und Türkei. Für mich war wichtig, dass die Unterrichtssprache auf Englisch ist, weil ich diese Sprache verbessern und auf ein akademisches Level bringen wollte. Ich entschied mich für Utrecht, eine niederländischen Stadt 30 Minuten von Amsterdam entfernt, von der ich vorher noch nie etwas gehört hatte. Durch die Kooperation mit unserem Erasmuskoordinator, dem International Office sowie dem Besuchen der Informationsveranstaltungen fühlte ich mich gut vorbereitet und konnte alle Unterlagen ohne Probleme zusammenstellen und einreichen.

Studium an der Gastuniversität

Das Semester vor Ort begann mit einem Einführungstag für alle ausländischen Studenten, an dem man erste Bekanntschaften machte. Interessante Angebote und Workshops zum Niederländischen Studiensystem, Sport- und Kulturangebot und Kennlernspiele gestalteten diesen Tag sehr vielseitig und kleine niederländische Spezialitäten rundeten den Tag ab. Nach einer weiteren Einführungsveranstaltung der Fakultät begannen unsere Kurse. Das Semester ist in zwei Blöcke geteilt, in denen man jeweils zwei Kurse besucht, die mit 7,5 ECTS notiert sind (sodass man am Ende auch auf 30 ECTS im Semester kommt). Zwischen den zwei Blöcken gibt es eine sogenannte Reflection Week, die für Feedback gedacht aber in den meisten Fällen frei ist. Die einzelnen Kurse in meinem Bereich Media and Culture Studies  bestanden aus einer Vorlesung à 1 Stunde und 45 Minuten und einem Seminar à 3 Stunden und 45 Minuten wöchentlich. So ist man also aktiv 12 Stunden in der Woche in der Universität. Das bedeutet aber nicht, dass der Rest der Woche frei ist. Texte lesen, Auf- und Abgaben sind jede Woche fällig und beanspruchen einen großen Teil der Zeit. Ich fand den Arbeitsaufwand um ein Vielfaches höher als in meinem Studiengang in Potsdam. Dafür muss ich aber sagen, dass das niederländische System mir sogar besser gefallen hat und ich durch das intensive Lernen fiel mehr behalten habe. Bewertungen hingegen sind sehr streng. Die Noten reichen von 0 bis 10 Punkten, wobei 10 die beste Note ist. Schon am ersten Tag wurde uns gesagt, dass 10 Punkte für Gott seien und somit nicht zu erreichen. 9 Punkte seien für den Lehrer und auch sehr schwer zu erlangen. Man sollte 8 Punkte anstreben, was nach deutschem System eine 1,7 ist. Diese Aussage lässt also erahnen, wie hoch die Anforderungen bei den Arbeiten sind. Alle Dozenten waren jedoch sehr freundlich, hilfsbereit und kompetent und versuchten den Unterricht so interessant und interaktiv wie möglich zu gestalten. Die Seminarzeit mit fast vier Stunden, der ich erst sehr skeptisch gegenüber stand, wurde für das Vorstellen von Fallbeispielen mit Hilfe von interaktiven Websiten wie socrative.com genutzt und verging sehr schnell.
Die Kooperation mit dem dortigen International Office verlief reibungslos und alles konnte unglaublich schnell geklärt werden. Ich empfand das als sehr positiv! Formulare wurden vor Ort innerhalb weniger Minuten, E-Mails innerhalb des Tages bearbeitet, sodass man nie lange auf die Antwort warten musste. Dafür stellte sich das Drucken in der Universität als sehr kompliziert heraus. Aber mit der Hilfe der Angestellten und anderen Studenten konnte auch dieses kleine Problem behoben werden. Das Bibliotheksangebot vor Ort habe ich nicht genutzt, dennoch auf den großen Katalog der digitalen Bücher zugegriffen. Ich war positiv überrascht wie gut Bücher thematisch passend zu finden waren und wie übersichtlich über die verschiedenen Suchfunktionen informiert wurde.

Kontakte zu  einheimischen und ausländischen Studierenden

Verschiedene Organisationen vor Ort ermöglichen jedem den Austausch mit einheimischen und ausländischen Studenten. Ich habe mich für das Buddy Go Dutch Programm angemeldet, welches mit dem Buddy Programm in Potsdam gleichzusetzen ist. Es geht darum, niederländische Studenten und somit auch die niederländische Kultur ein wenig besser kennenzulernen und einen Ansprechpartner für Fragen zu haben. Nach einer Weile wurden mir drei Kontakte zu gesendet. Mit allen drei Buddys hatte ich Kontakt und wir verbrachten so manchen netten Nachmittag miteinander. Die zweite Organisation, die ich erwähnen möchte, ist ESN (Erasmus Student Network). Bei den Infoveranstaltungen zum Erasmus+ Programm in Potsdam hat sich ESN Potsdam vorgestellt und da habe ich zum ersten Mal davon gehört. In den Niederlande wurde mir aber erst die Reichweite und der Umfang bewusst, der dahinter steckt. ESN organisiert wöchentlich Veranstaltungen, die für jedermann geeignet sind: Von Kochabenden, sozialem Engagement, Spielabenden und Ausflügen zu Orten in der ganzen Niederlande und darüber hinaus bis hin zu verrückten Motto Partys war alles dabei. Bei diesen Veranstaltungen lernt man Menschen aus der ganzen Welt kennen und kann schnell Freundschaften schließen. ESN hat meinen Aufenthalt definitiv vielfältiger und bunter gemacht!

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Während meines Auslandsaufenthaltes hatte ich relativ viel Kontakt zur deutschen Sprache. Nicht dass ich nur mit deutschen Studenten Zeit verbracht hätte (das habe ich ganz bewusst versucht zu vermeiden), dennoch habe ich fast jeden Tag mit Familie oder Freunden telefoniert. Das macht es natürlich schwieriger sich voll und ganz auf eine Fremdsprache einzulassen. Dennoch würde ich sagen, dass ich meine Sprachkenntnisse verbessern konnte. Ich konnte viele neue Vokabeln lernen und vor allem einen Einblick darin bekommen, wie man eine Hausarbeit in angemessenem Englisch formuliert. Am Anfang fiel mir auch das stundenlange Konzentrieren beim Lesen von englischer Fachliteratur sehr schwer. Aber mit der Zeit merkte ich, wie einfacher und flüssiger es wurde und am Ende war das schnelle Verstehen überhaupt kein Problem mehr.

Wohn-  und Lebenssituation

Die Wohnsituation in Utrecht ist wirklich schwierig. Es gibt viel zu viele Menschen, die eine Wohnung suchen, aber viel zu wenig Wohnungen. Als ich in die Niederlande kam, habe ich viele Studenten getroffen, die gekommen sind ohne zu wissen, wo sie die Monate verbringen werden. Viele verbrachten ihre ersten Wochen in Hostels oder Airbnb-Wohnungen. Von der Universität wird auf short stay housing verwiesen, die eine begrenzte Anzahl an Studentenwohnheimsplätzen anbieten. Mit minimal 450€ im Monat für ein Einzelzimmer fand ich dies aber ganz schön teuer. Ich begann schon viele Monate vorher im Internet mit der Suche. Es gibt viele Facebook-Gruppen, die über freie Wohnungen oder WG-Plätze informieren. Man muss aber wirklich aufpassen, weil es viele Betrüger gibt, die einem schöne Wohnungen für einen kleinen Preis versprechen. Spätestens wenn man Geld in ein fremdes Land schicken soll um den Schlüssel zu erhalten, sollte man skeptisch werden. Ich bekam kaum Antworten auf meine Anfragen und entschied mich für das Anmelden auf der niederländischen WG-Seite . Man muss zwar 30€ pro Monat für das Benutzen der Seite zahlen, trotzdem war es mir das wert, weil die Zeit langsam knapp wurde. Die meisten Anzeigen sind auf niederländisch, aber mit Hilfe der deutschen Sprache und einem Übersetzer relativ einfach zu entschlüsseln. Auf meine vielen E-Mails meldete sich schließlich ein Mädchen zurück. Mit ihr telefonierte ich den darauffolgenden Tag und sie sagte mir wirklich das Zimmer zu! Es war ein sehr gut gelegenes 13m2 Zimmer, Bad und Küche wurden mit drei weiteren Mitbewohnerinnen geteilt. Es gab zwar kein Wohnzimmer, was das WG-Leben ein wenig einschränkte, aber ich war sehr froh letztendlich doch so schnell etwas gefunden zu haben! Wie sich später herausstellte, hatte ich wirklich unglaublich viel Glück gehabt. Es gab sogar Supermärkte direkt vor der Haustür.
Das Einkaufsangebot in den Niederlande ist genauso vielfältig wie in Deutschland, die Preise vielleicht ein wenig teurer (kommt darauf an, wo man einkauft). Öffentliche Verkehrsmittel beschränken sich auf Busse und für längere Strecken den Zug, aber eigentlich fährt jeder immer mit dem Fahrrad. Egal ob es regnet oder schneit die Niederländer lieben ihre Fahrräder. Es ist also empfehlenswert, sich so schnell wie möglich ein Fahrrad zu zulegen. Sollte das Wetter aber wirklich einmal nicht mitspielen, macht es Sinn über eine OV-Chipcard nachzudenken. Dies ist eine Bahnkarte, die man für einmalig 7,50€ kauft und dann mit Geld aufladen muss. Beim Einstieg in den Bus oder in jedem Bahnhof gibt es Automaten die durch Berührung die Fahrt registrieren und das Geld abziehen. Man darf nur nicht vergessen mit der Chipcard an der Endhaltestelle wieder auszuchecken!
Meine Bank und Krankenversicherung musste ich während meiner Zeit nicht wechseln. Die ING-Diba erlaubt die kostenfreie Geldabholung in bestimmten Ländern und ich hatte schon eine Auslandskrankenversicherung, die auch den Studienaufenthalt abdeckte.
Auch wenn Utrecht mit 300.000 Einwohnern um ein Vielfaches kleiner als Berlin ist, gibt es eine große Auswahl an Freizeitangeboten. Ich habe mich für das studentische Fitnessstudio Olympos angemeldet, bei dem man nur 14,50€ im Monat zahlt und Zugriff auf eine Großzahl an Sportangeboten hat. In regelmäßigen Abständen finden zudem Pubquizzes (ein Quizspiel in einer Bar oder einem Café), Comedynights oder sogar Musikfestivals statt. Es gibt Schwimmhallen, Eisbahnen, Theater, Kinos, Kartbahnen, Lasertag und viel mehr. In Hinblick auf Freizeitangebote verweise ich noch einmal auf ESN, die eine große Bandbreite zu einem guten Preis organisieren!

Sonstige  Hinweise

Der Fahrradkauf empfiehlt sich über Facebook Gruppen wie Utrecht Free Ads oder Utrecht International Students. Auf diesen Seiten gibt es immer gute Angebote von Menschen, die ihr Fahrrad verkaufen möchten. Es ist wichtig darauf zu achten, dass man zwei Schlösser hat (ein Radschloss, dass durch die Speichen geht und ein normales Kettenschloss). Wenn man das Fahrrad abstellt, sollte es am besten an etwas festgemacht werden (wie einem Fahrradständer oder einem Straßenschild), denn Fahrraddiebe sind wirklich ein großes Problem. Auch sollte man darauf achten, dass das Parken von Fahrrädern an manchen Orten nicht erlaubt ist. Meist ist dies aber auf dem Asphalt gekennzeichnet.

Studienfach: B.A. Europäische Medienwissenschaften

Aufenthaltsdauer: 09/2016 - 01/2017

Gastuniversität: Universiteit Utrecht

Gastland: Niederlande


Rückblick

Die Niederlande scheinen auf den ersten Blick vielleicht nicht sehr attraktiv als Studienziel. Ich selbst hatte eher ein neutrales Gefühl vor meinem Auslandssemester und dachte zudem, die Kultur sei uninteressant und die Sprache eigenartig. Nach meiner Zeit dort hat sich meine Meinung komplett revidiert. Ich habe in der kleinen malerischen Stadt mit seinen Backsteinhäusern und Grachten ein neues Zuhause gefunden. Utrecht ist wunderschön und alles ist gut erreichbar. Es gibt unzählig viele gute Angebote für Studenten und es wird nie langweilig. Für mich war es der perfekte Mix zwischen Uni, Sport und nette Menschen treffen. Durch den straffen Semesterplan habe ich viel lernen können und trotzdem blieb Zeit um andere Städte wie Amsterdam, Rotterdam, Den Haag oder Leiden zu erkunden. Selbst die Sprache habe ich über die Zeit sehr lieb gewonnen. Oft klingt es wie ein starker Dialekt des Deutschen, weil man erstaunlich viel versteht. Ich bereue ein wenig keinen Niederländisch Kurs belegt zu haben! Wer sich für Sprachen interessiert, sollte dies unbedingt machen. ESN bietet günstig Sprachkurse über das Semester an und man wird locker und spielerisch an die Sprache herangeführt. Am meisten wird mir das alltägliche Fahrradfahren fehlen! Man ist so flexibel, alles ist schnell erreichbar und nebenbei hat man noch einen positiven Nebeneffekt für die Fitness. Ich hoffe, ich werde irgendwann zurückkehren.

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