uni-potsdam.de

Sie verwenden einen veralteten Browser mit Sicherheitsschwachstellen und können die Funktionen dieser Webseite nicht nutzen.

Hier erfahren Sie, wie einfach Sie Ihren Browser aktualisieren können.

Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Im Vorfeld des Auslandsaufenthaltes gab es einige Informationsveranstaltungen des International Office der Universität Potsdam zum Thema Erasmus. Leider konnte ich nicht an allen Veranstaltungen teilnehmen, aber die entsprechenden Hinweise wurden allen Studierenden auch per Mail (Power Point Präsentation) zur Verfügung gestellt. Da ich im Rahmen einer Kooperation meines Masterstudienganges mit der Universität Turin am Erasmus- Programm teilnahm, wusste ich genau, wer in Turin mein Absprechpartner sein würde. Die Bewerbung war unkompliziert und schrittweise erklärt vom International Office der Universität Potsdam (https://www.uni-potsdam.de/de/international/outgoing/studium/erasmus/downloads.html) und der Universität Turin (https://en.unito.it/international-relations/students-mobility/exchange-students-and- erasmus-mobility).


Studienfach: Angewandte Kulturwissenschaft und Kultursemiotik (M.A.)

Aufenthaltsdauer: 02/2019 - 07/2019

Gastuniversität: Università degli Studi di Torino (Unito)

Gastland: Italien

Studium an der Gastuniversität

Das Studiensystem in Italien ist konservativer als in Deutschland. Es gibt vor allem Frontalunterricht (lezioni frontali), überwiegend ohne jegliche Möglichkeit der studentischen Beteiligung. Die Prüfungen sind hingegen öffentliche, mündliche Prüfungen, für die mehrere Bücher und Unterrichtsmaterialien vorbereitet werden und manchmal auch Hausarbeiten geschrieben werden müssen. Und das bedeutet, dass das gesamte Buch durchgearbeitet werden muss, nicht nur ausgewählte Kapitel o.ä. Es stehen im Laufe des Semesters mehrere Prüfungstermine zur Verfügung. Man wird direkt nach der Prüfung benotet und muss mit einer Unterschrift bestätigen, dass man mit der Note einverstanden ist. Falls nicht, kann man die Prüfung an einem der übrigen Termine wiederholen. Fast alle Kurse in meinem Master wurden in Italien als 6 ECTS- Kurse angeboten. Es gibt aber auch vereinzelt 9 ECTS-, oder 12 ECTS- Kurse mit einem höherem Arbeitsaufwand. Die Dozent*innen waren immer per Mail erreichbar und bieten auch persönliche Sprechstunden an. Die Kommunikation erfolgte problemlos. Mails wurden sehr schnell beantwortet. Das Studienklima bzw. das Verhältnis zwischen Dozenten und Studierenden ist sehr hierarchisch organisiert, da es durch den Frontalunterricht kaum zum Gespräch oder inhaltlichem Austausch zwischen Studierenden und Dozent*innen kommt. Dies kann natürlich in anderen Studiengängen oder in anderen Lehrveranstaltungen anders sein…Ich kann nur aus eigener Erfahrung und aus den Gesprächen mit Italiener*innen sprechen und finde dies sehr schade.
Die Unito hat ein Buddy- Programm und mein Buddy hat mich schon vor meiner Ankunft in Turin per Mail kontaktiert und half mir in einigen Fragen weiter. Zudem wurde zu Beginn des Semesters eine Erasmus- Infoveranstaltung angeboten. In der zentralen Via Po befindet sich zudem der Info Point, in dem wirklich alle relevanten Fragen beantwortet werden (https://en.unito.it/about-unito/infopoint). Es wurden keine speziellen Erasmuskurse angeboten, sondern alle ausländischen Studierenden nahmen an den regulären Kursen in italienischer Sprache teil. Alle Kurse – bis auf einen einzigen – wurden auf Italienisch angeboten (sogar wenn der Titel des Kurses auf Englisch war), daher sollte man unbedingt Italienischgrundkenntnisse haben. Auch Literatur, die wir für Prüfungen durcharbeiten sollten, gab es teilweise nur auf Italienisch von italienischen Autoren, die bislang nicht übersetzt worden sind. Die mündlichen Prüfungen selbst und die Hausarbeiten konnte ich glücklicherweise auf Englisch absolvieren. Es gibt verschiedene Gebäude, die zur Unito gehören, darunter das Palazzo Nuovo, ein unattraktiver 60er- Jahre- Bau, der nicht sehr gut ausgestattet war (Unterrichtsräume, Toiletten, etc.) und seine besten Tage hinter sich hat. Sehr viel moderner ist hingegen der Campus Luigi Einaudi mit der großen Bibliothek Norberto Bobbio, in der ich viel Zeit verbracht habe (https://www.bibliotecabobbio.unito.it/it). Leider ist die Bibliothek Mo.- Fr. nur bis 19:30 Uhr geöffnet und am Wochenende sogar komplett geschlossen. Außerdem gibt es noch einige Study Zones, in denen gearbeitet werden kann. Um etwas zu drucken, muss entweder eine Kopierkarte für einen Copyshop oder für das in der Universität    genutzte    Ricoh-    MyPrint-    System (http://unito.ricohmyprint.it/RicohmyPrint/Login.aspx) gekauft werden. In der Mensa kann man jedoch genauso wie in Potsdam mit dem Studentenausweis (der Smart Card) bezahlen.
Der Arbeitsaufwand für die Prüfungen war insgesamt sehr hoch, was ich im Vorfeld nicht erwartet habe. Es war wirklich viel Arbeit.

Kontakt zu einheimischen und internationalen Studierenden

Der Kontakt zu den einheimischen Studierenden war leider nicht sehr intensiv, obwohl wir gemeinsamen Unterricht hatten. Viele Studierende wohnen aus finanziellen Gründen noch bei ihren Eltern, oftmals auch nicht direkt in Turin, sondern im Umland, was gemeinsame Treffen und Aktivitäten erschwerte. Durch die angebotenen Sprachkurse und die diversen Erasmus- Aktivitäten lernt man viele ausländische Studierende kennen, jedoch kaum Einheimische. Die beste Möglichkeit dafür ist das Leben in einer WG mit Italiener*innen oder außeruniversitäre Aktivitäten (z.B. Sportkurse o.ä.). Der Kontakt zu den Kommiliton*innen blieb immer nur auf Small- Talk- Niveau vor und nach den Lehrveranstaltungen, was auch daran liegt, dass man durch den Fontalunterricht sehr passiv bleibt und seine Kommiliton*innen und deren Haltung/ Denkweise etc. nicht näher kennenlernen kann. Es bestand zwar ein grundsätzliches Interesse an uns Erasmus- Studierenden, der Kontakt intensivierte sich aber nicht wirklich. Die Semesterstruktur trägt auch nicht dazu bei, da z.B. die gemeinsame Vorlesungs-/ Unterrichtszeit in manchen Kursen nur ca. zwei Monate beträgt und danach über Monate verteilt einzelne Prüfungstermine anstehen. Andere ausländische Studierende lernt man schnell durch die gemeinsame WhatsApp- Gruppe kennen (wird von den Buddys organsiert) sowie durch Aktivitäten des ESN Torino (Erasmus Student Network www.esntorino.it/incoming), der auch Exkursionen in andere italienische Städte und weitere Aktivitäten anbietet.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Mein Italienisch war ungefähr auf Niveau A2, dennoch wurde ich sowohl beim Erasmus- Einstufungstest als auch beim Einstufungstest in der Universität Turin mit einem Intermediate, also B- Level, eingestuft. Dies liegt daran, dass ich durch mein Spanischstudium vieles aus dem Italienischen ableiten kann und daher gut verstehen und gut lesen kann. Dies war genau richtig für den Frontalunterricht, da man dort nur zuhört statt selbst zu sprechen.
Leider hilft es aber nicht um seine Ausdrucksfähigkeit zu verbessern, was ich besonders in den mündlichen Prüfungen gemerkt habe. Zum Glück konnte ich immer ins Englische wechseln. Der von der Universität angebotene Sprachkurs war meiner Meinung nach mit 40h zu kurz und endete schon nach knapp zwei Monaten. Zudem musste ich für meinen Sprachkurs Unterrichtsmaterialien für 10 € kaufen, während in den Parallelkursen dieses Material kostenlos zur Verfügung gestellt wurde. Meine Sprachkompetenz hat sich natürlich generell verbessert, aber meine mündliche Sprachkompetenz ist immer noch nicht sehr gut. In den Sprachtests wurde diese Kompetenz jedoch nie geprüft. Insgesamt liege ich nach dem Erasmus- Aufenthalt auf einem B2- Sprachniveau.

Wohn- und Lebenssituation

Vor meiner Anreise habe ich ein Einzelzimmer im Studentenwohnheim im Stadtzentrum (Via Verdi, 10 Minuten vom Palazzo Nuovo entfernt) reserviert (https://en.unito.it/living- turin/when-you-arrive/housing). Leider kann man dort nur 20 Tage bleiben. Ich weiß nicht warum, aber eine Verlängerung war bei keiner der Erasmusstudierenden möglich. Es gibt einige Facebook- Seiten, um ein Zimmer zu finden. Ich selbst habe bei einer deutschen Frau zur Untermiete gewohnt. Die Preise für ein Zimmer liegen ungefähr bei 300 € monatlich, allerdings werden oftmals auch nur Betten vermietet, sodass man sich ein Zimmer mit einer weiteren, fremden Person teilen muss. Einige Zimmer bekommt man auch nur, wenn man einer Mindestmietzeit (z.B. von einem Jahr) zustimmt. In den Wintermonaten steigt die Miete etwas, da die Heizung extra gezahlt werden muss. Die bei Studierenden vor allem beliebten Stadtviertel sind z.B. San Salvario und Vanchiglia; günstig ist es auch in Aurora und Barriera di Milano.
Ich    habe    eine    Auslandskrankenversicherung    +    Auslands-    Reise-/    Unfall-/ Haftpflichtversicherung bei der Hanse Merkur für ca. 35 €/ Monat abgeschlossen. Für sämtliche Bankgeschäfte habe ich meine DKB- Kreditkarte genutzt. In Italien kann man fast überall problemlos mit Kreditkarte zahlen. Die Lebenshaltungskosten sind in etwa wie in Deutschland. Man kann allerdings überall sehr günstig wirklich guten Kaffee trinken (Cappuccino 1,50€ fast überall), aber Lebensmittel und vor allem Hygieneprodukte sind hingegen teurer als in Deutschland. Für die öffentlichen Verkehrsmittel gibt es einen Studenten- Monatstarif. Da die meisten Rabattangebote (ebenso ein Museums- Abo) nur für Studierende bis 25 Jahre verfügbar sind und ich bereits 30 Jahre alt bin, kann ich dazu aber nichts sagen. Ich bin anfangs fast immer zu Fuß gegangen, da ich sehr zentral gewohnt habe und danach hatte ich ein Fahrrad zur Verfügung. Wenn ich doch einmal den Bus, die Straßenbahn oder die eine existierende Metrolinie nutzen wollte, habe ich einen Einzelfahrschein für knapp 2 € gekauft. Für Ausflüge ins Umland von Turin bzw. in andere Städte empfiehlt sich der Zug, da man in Italien viel günstiger mit der Bahn reisen kann als in Deutschland. Zudem gibt es auch in Italien Flixbus. Turin ist eine sehr saubere und schöne Stadt mit vielen Freizeitmöglichkeiten. Am bekanntesten sind das Kino- Museum im architektonischen Wahrzeichen der Stadt, der Mole Antonelliana, (http://www.museocinema.it/it) sowie das Ägyptische Museum (https://www.museoegizio.it/). Es gibt den schönen Park Parco del Valentino am Fluß Po und man ist auch schnell in den Bergen, um wandern zu gehen. Durch die zwei großen Universitäten Unito und Politecnico gibt es sehr viele Studierende in der Stadt und dementsprechend viele Bars, Cafés und Restaurants etc.

Studienfach: Angewandte Kulturwissenschaft und Kultursemiotik (M.A.)

Aufenthaltsdauer: 02/2019 - 07/2019

Gastuniversität: Università degli Studi di Torino (Unito)

Gastland: Italien


Rückblick

Rückblickend bin ich sehr froh, diese Erfahrung gemacht und einige Monate in Italien gelebt zu haben. Besonders gut hat mir das Bewusstsein der Italiener*innen dafür gefallen, gute Lebensmittel wirklich wertzuschätzen. Im Piemont wurde die Slow- Food- Bewegung gegründet, von dort kommt z.B. das Nougat (Gianduia; außerdem die Firma Ferrero). In Turin wurde der Aperitivo erfunden (in Kombination mit kleinen Häppchen, ähnlich der spanischen Tapas, auch als Apericena bezeichnet und perfekt geeignet, um den Abend einzuläuten.) All das trägt zu einer sehr hohen Lebensqualität bei. Turin hat eine angenehme Größe und ist eine übersichtliche und sehr ordentliche Stadt, in der man sich schnell heimisch fühlt. Ich habe niemanden kennengelernt, der sich in Turin nicht sehr wohl gefühlt hat und nicht traurig war, diese Stadt wieder verlassen zu müssen. Ich war ganz froh, den Moloch Berlin für ein paar Monate gegen eine kleine italienische Stadt einzutauschen. Wer aber eher das Großstadtleben bevorzugt, wird sich in Turin bestimmt etwas langweilen und sollte lieber nach Mailand oder Rom gehen. Das Studiensystem und die Prüfungsvorbereitungen waren sehr zeitintensiv und aufwendig. Dies sollte man nicht unterschätzen. Fachlich hat mich der Auslandsaufenthalt weitergebracht, da ich neue Impulse für mein Studium bekommen habe. Künftigen Erasmusstudierenden kann ich nur raten, dass sie die Zeit genießen und die Stadt Stück für Stück erkunden. Nehmt euch Zeit, setzt euch in ein Café und macht es wie die Italiener*innen. Auf keinen Fall sollte man hektisch mit „To-go- Bechern“ durch die Gegend laufen… Von richtig negativen Erfahrungen kann ich tatsächlich nichts berichten.

Sonstige Hinweise

Wer ernsthaft studieren will und muss (im Master ist der Auslandsaufenthalt nicht so locker wie im Bachelor…), sollte unbedingt schon im Vorfeld einen Italienischkurs machen. Durch das Frontalunterricht-System kommt man ohne Italienisch nicht weiter. Je schlechter die Sprachkenntnisse sind, um so schwerer macht man es sich…Ich spreche dabei stets für meinen Studiengang Laurea Magistrale in Comunicazione e Culture dei Media. Ansonsten fällt mir noch ein, dass es für ausländische Studierende nicht leicht ist, einen Sportkurs an der Unito zu belegen, da man für sämtliche Kurse ein ärztliches Attest benötigt (anscheinend ein Gesetz in Italien oder eine Regel der Universität). Ich wollte kein Geld für ein solches Attest ausgeben… Wer schwimmen gehen möchte: Es gibt mehrere Schwimmhallen in Turin (http://www.comune.torino.it/torinogiovani/luoghi/piscine-a-torino), allerdings herrscht eine strenge Badekappenpflicht. Als ich, ohne davon zu wissen, ohne Badekappe ins Wasser ging, wurde ich nicht nur von diversen Leuten kritisch beäugt, sondern auch nach ca. 3 Minuten vom Bademeister aus dem Becken gebeten… Denkt unbedingt daran, frühzeitig Auslands- BAföG zu beantragen. Wenn ihr noch nicht genau wisst, wie lange ihr tatsächlich an der Universität sein werdet (die Prüfungstermine haben sich z.B. bei einigen meiner Kurse von April bis September erstreckt), gebt lieber einen längeren Zeitraum als einen zu kurzen an. Die Dauer des Bezugs des Auslands- BAföGs ist nicht an die Dauer der Auszahlung des Erasmus- Stipendiums gekoppelt. Wer Auslands- BAföG erhalten hat, kann den Bezug seines Inlands- BAföG um diese Monate verlängern- auch über die Förderungshöchstdauer hinaus. Um Kontakte zu Einheimischen zu knüpfen und mein Italienisch zu verbessern, habe ich mir übrigens eine Tandempartnerin (die Deutsch studiert) gesucht.

Italien

zurück zur Länderseite

Studium im Ausland

Hier finden Sie alle Informationen zum Studium im Ausland.

Finanzierung & Stipendien

Hier finden Sie alle Informationen zur Finanzierung Ihres Auslandsaufenthaltes und zu den Stipendien.