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Vorbereitung auf das Studium in Trient

Trotz meines Bachelors in der Computerlinguistik habe ich mich in die Cognitive Science Faculty einschreiben lassen und es nicht bereut. Die Cognitive Science Faculty liegt nicht in Trient selbst, sondern in einer Kleinstadt namens Rovereto, ca. 20km entfernt. Außerdem habe ich mich entschieden Master Kurse zu belegen, da nur diese in Englisch angeboten wurden und meine Italienischkenntnisse sowohl vor als auch nach meinem Auslandssemester bei Weitem nicht für italienische Bachelor Kurse ausgereicht hätten. Master Kurse zu belegen war auch kein Problem, da die meisten angebotenen Kurse eher als eine Einführung in das Studium dienten und somit meist keine speziellen Vorkenntnisse nötig waren. Selbst einen Neurobiologie Kurs habe ich bestanden, wobei dabei sehr viel Lernaufwand involviert war. Als ich mich vor meiner Anreise über die Kurse informiert habe, klangen die Titel der Kurse alle unglaublich cool. Als ich jedoch ankam und die Beschreibungen gelesen habe oder in den ersten Kursen saß, wurde mir sehr schnell klar, dass ich viele der angebotenen Kurse schon in Potsdam mit etwas uncooleren Kurstiteln belegt habe. Letztendlich habe ich trotzdem super interessante und herausfordernde Kurse für mich entdeckt.


Studienfach: Computerlinguistik

Aufenthaltsdauer: 09/18-02/19

Gastuniversität: Università degli Studi di Trento

Gastland: Italien

Studium an der Gastuniversität

Das Studiensystem und die Leistungsbewertung in Italien funktionieren etwas anders, als in Deutschland. Zum einen werden Leistungen auf einer Skala von 0-30 bewertet.  Ab einem Wert von 18 hat man bestanden. Es gibt keine allgemein gültige Notenumrechnung, aber die Uni Potsdam hat eine Tabelle zur Orientierung.


Für mich war die unangenehmste Umstellung, dass Klausuren meist mündlich anstatt schriftlich abgelegt werden. Vor meinen mündlichen Prüfungen hatte ich sehr viel Angst, da mir so etwas nicht so gut liegt, aber die Dozenten bewerteten mündliche Prüfungen grundsätzlich sehr großzügig und bei den einheimischen Studierenden sind mündliche Prüfungen sehr beliebt. Die Studienart in Italien erscheint mir etwas „selbstständiger“, als in Deutschland. Es ist üblich, dass man als Student neben jedem Kurs ein dickes Lehrbuch eigenständig durcharbeitet. Die Lehrfolien enthalten meist nur Abbildungen und kaum Text, damit Studenten dazu gezwungen sind die Inhalte selber in den jeweiligen Büchern nachzulesen. Hausaufgaben o.ä. sind auch eher eine Seltenheit.
Das Klima in meinem Studiengang dort war ziemlich gut. Es werden von den Studenten selbst wöchentlich Abende organisiert in denen man sich trifft, „Aperitivo“ trinkt und über neurowissenschaftliche Themen bzw. Studien diskutiert.

Als Unterstützung bei der Ankunft in Trento gibt es ein Buddy-Programm. Bei manchen hat es sehr gut funktioniert, bei anderen - mir zum Beispiel - nicht ganz so sehr. Ich hatte mit meinem Tutor ein Treffen, aber die Chemie hat nicht gestimmt und letztendlich habe ich mir dann lieber von meinen italienischen Mitbewohnerinnen bei Fragen helfen lassen. Jedoch hatte ich auch Freunde in Trient die tolle Tutoren hatten mit denen wir regelmäßig etwas unternommen hatten, also würde ich empfehlen es einfach auszuprobieren.

Die Universität verfügt über mehrere Bibliotheken, sowohl in Rovereto als auch in Trient, die ich alle ganz gerne besucht habe. Die Anzahl an Sitzplätzen ist etwas knapp, deswegen habe ich dann irgendwann während der Klausurenphase zu Hause oder bei Freunden gelernt. Zu den Mensen der Uni wird einem jeder das Selbe sagen: verschwende nicht dein Geld an den Mensen in Trient, aber probier UNBEDINGT die Mensa in Rovereto aus! Das Mensa-Essen kostet in allen Mensen an die 5€, was recht teuer erscheint. In Rovereto ist das Essen jedoch unglaublich gut und man bekommt drei verschiedene Gänge, z.B. eine riesige Pizza, einen großen frischen Salat und dazu noch ein Stück Sacher Torte und bei Bedarf noch Brot. Wir haben meist von Zuhause eine Box mitgebracht und hatten für weniger als 5€ dann ein leckeres Mittag- und Abendessen.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Da ich den meisten Kontakt zu ausländischen Studierenden hatte, habe ich auch die meiste Zeit Englisch gesprochen. Auch die italienischen Studenten, die ich kannte, hatten sich lieber in Englisch unterhalten, da wir in Englisch einfach tiefgründigere Gespräche zustande bringen konnten.
An der Uni in Trento kann man kostenlos Intensivkurse am Anfang des Semesters oder „Extensivkurse“ während der Vorlesungszeit belegen. Ich habe beide belegt und sie waren auch sehr hilfreich, aber im Nachhinein hätte ich mein Italienisch einfach mehr im Alltag üben müssen.

Wohn- und Lebenssituation

Meine Unterkunft habe ich schon vor meiner Abreise gefunden, indem ich mich bei Opera Universitaria für eine Unterkunft beworben habe. Opera Universitaria ist zuständig für die Studentenwohnheime, Mensen, etc. in Trient. Eine Unterkunft über Opera zu finden ist die einfachste Möglichkeit, jedoch ist es auch etwas riskant, da keine Plätze garantiert sind und man erst relativ kurz vor Beginn des Semesters Bescheid bekommt, ob und wo man einen Platz in deren Unterkünften erhalten hat. Ich hatte unglaubliches Glück und erhielt einen der wenigen Plätze in einer WG in der Nähe des Bahnhofs und nur 10-15 Minuten vom Stadtzentrum entfernt. Die meisten Studenten werden jedoch im Süden Trients in einem riesigen Studentenwohnheimkomplex untergebracht, ca. 40 Minuten vom Stadtzentrum entfernt. Die meisten, die dort untergebracht werden, leihen sich kostenlos ein Fahrrad von Opera um Nachts, wenn keine Busse mehr fahren, nachhause zu kommen. Opera ist außerdem recht streng und die Zimmer werden einmal im Monat nach Sauberkeit überprüft.
Ich war mit meinem Zimmer sehr zufrieden. Unsere Wohnung war typisch italienisch mit vielen Fliesen und Gasherd. Es gab die ein oder andere Macke z.B. gab es jedesmal einen Stromausfall in unserer Wohnung, wenn man den Backofen verwendete, während die Waschmaschine angestellt war. Das alles hatte aber seinen eigenen Charme. Die Wohnung teilte ich mir mit vier anderen Mädchen. Unsere WG war super international und wir verstanden uns alle sehr gut und haben regelmäßig füreinander gekocht. Wir setzten uns aus 2 Italienerinnen, 1 Phillipinnin, 1 Chinesin und mir zusammen.
Außerdem gibt es auch die Option in Rovereto zu wohnen, was ich auch in Erwägung gezogen hatte. Ich hatte zwei Freunde, die in Rovereto lebten und es etwas bereuten. Rovereto ist eine schöne Stadt mit schönen Bars, usw., jedoch werden (fast) alle abendlichen Aktivitäten in Trento stattfinden. Der letzte Zug von Trient nach Rovereto fährt um 21:30 und wenn man den verpasst, muss man sich erstmal einen Schlafplatz suchen. Ich würde eine Unterkunft in Rovereto also weniger empfehlen.
Meine italienischen Mitbewohnerinnen haben mir immer bei allen verwirrenden offiziellen Dingen geholfen, z.B. beim Beantragen des Trentino Studenten Tickets.
Als Student an der Universität in Trient bekommt man für die Region Trentino für 50€ ein Ticket für die öffentlichen Verkehrsmittel, welches 1 Jahr gültig ist. Das kann ich nur jedem ans Herz legen. In der Stadt selbst bin ich immer zu Fuß gelaufen, aber um z.B. zu den Studentenwohnheimen zu kommen, bietet sich der Bus an und vor allem wenn man regelmäßig nach Rovereto fahren muss, sollte man dieses Ticket haben. Das wird aber auch alles nochmal nach der Ankunft erklärt.

Die Lebenshaltungskosten in Trient sind ungefähr so hoch wie in Deutschland. Trentino ist der reichste bzw. teuerste Teil Italiens. Große Einkäufe habe ich meist bei Aldi oder Lidl getätigt. Auffällig war, wie unglaublich besser die Qualität der ganzen Lebensmittel in Italien war. Fast alle Lebensmittel, also Gemüse, Obst, Käse, usw. stammen aus Italien. Wenn etwas aus Italien kommen kann, dann kommt es auch aus Italien. In Deutschland dagegen hat man oft die Auswahl zwischen Äpfeln aus Südafrika und Neuseeland, aber das wird einem in Italien nicht passieren.
Essen gehen ist in Trient im Vergleich zu Berlin oder Potsdam ziemlich teuer. Das ist aber auch okay, so kann man seine italienischen Kochkünste super üben. Anstatt Essen zu gehen, ist es üblich für Studenten sich abends für einen oder mehrere „Aperitivi“ zu treffen. Beim Aperitivo trinken, erhält man zu seinem Getränk kostenlos Essen. Dieses Konzept ist mir und meinen Freunden sehr ans Herz gewachsen und wenn man die richtigen Bars kennt, reichen die kostenlosen Snacks auch als Abendessen.

In Trient gibt es regelmäßig kulturelle Events, die einen immer wieder wundern lassen, z.B. eine chinesische Neujahrsfeier oder eine Modenschau direkt neben dem Dom. Sehr cool war ein großes kostenloses Indie-Festival.
Für sportliche Menschen wird Trient ein Traum sein. Selbst ich, als nicht sehr athletischer Mensch, habe das Wandern für mich entdeckt und an einem legendären Ski-Wochenende teilgenommen. Es gibt wirklich wunderschöne Wanderwege, der schönste, aber auch anstrengendste Weg war meiner Meinung nach die
„Strada delle 52 Gallerie“, eine alte Militärstraße. Die Uni organisiert außerdem ein paar Trips zu nahgelegenen Seen und Burgen für internationale Studenten.
Ein weiteres empfehlenswertes Ausflugsziel ist der „Lago di Braies“. Ich war dort während sehr viel Schnee lag und der See halb zugefroren war, aber ich denke, er ist zu jeder Jahreszeit beeindruckend schön. Auch noch wissenswert wäre, dass jeden ersten Sonntag im Monat die Museen in Trient und Rovereto kostenlos sind

Studienfach: Computerlinguistik

Aufenthaltsdauer: 09/18-02/19

Gastuniversität: Università degli Studi di Trento

Gastland: Italien


Meine Top Tipps

  • So viel Käse und Speck wie möglich essen, während man dort ist (Trentino ist für den Trentino Speck bekannt)
  • Wenn man ein Auto hat, sein Auto mitnehmen
  • Wenn man kein Auto hat, sich dort Freunde suchen, die ein Auto haben


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