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Hochschulpartnerschaft Erfahrungsbericht - Tel Aviv University


Studienfach: B.Sc. Politik und Wirtschaft

Aufenthaltsdauer: 10/2017 - 02/2018

Gastuniversität: Tel Aviv University

Gastland: Israel

Vorbereitung des Auslandsaufenthalts

Für das Wintersemester 2017/18 hatte unsere Uni insgesamt 6 Plätze für ein Auslandssemester in Israel, 4 davon in Tel Aviv, die anderen beiden in Jerusalem. Nach dem Auswahlverfahren der Universität Potsdam, für welches man Lebenslauf, Motivationsschreiben, Notenübersicht und ein Gutachten eines Dozenten oder Professors einreichte und an einem Gruppengespräch vor der Auswahlkommission teilnahm, bekam ich nach einem Monat die Zusage des International Office. Nun war der Weg frei sich direkt bei der Tel Aviv University zu bewerben, selbstverständlich unter Koordination von Frau Subašić. Hierfür sollte neben den bereits genannten Dokumenten ein Motivationsschreiben in Englisch, ein Nachweis zu englischen Sprachkenntnissen, sowie ein Nachweis der Auslandskrankenversicherung und ein Passfoto eingereicht werden. Dies konnte alles problemlos über ein Online-Portal hochgeladen werden. Von hier an stand ich dann vermehrt in Kontakt mit dem International Office der TAU und bekam auf alle meine Fragen bezüglich Kurswahl und Wohnungssuche schnelle Antworten.
Ansonsten sollte man sich in der Vorbereitungsphase natürlich um das Studentenvisum und eine Auslandskrankenversicherung kümmern. Das Visum kann mit einigen Wochen Vorlauf an der israelischen Botschaft in Berlin beantragt und dann zugeschickt werden und eine Auslandskrankenversicherung kostet für 4 Monate je nach Anbieter zwischen 100 und 200 Euro. Wer vor hat ganze 6 Monate in Israel zu verbringen kann entweder ein Urlaubssemester beantragen oder zumindest die Kosten für das VBB Semesterticket zurück erstattet bekommen.

Studium an der Gastuniversität

Der Studieneinstieg an der TAU ist etwas hektischer und unorganisierter als in Deutschland, mit den nötigen Nerven und der Hilfe von International Office und Kommilitonen waren bei uns jedoch alle nach 1-2 Wochen in den richtigen Kursen eingetragen und man hatte sich in die Lernplattformen und das Email-Programm eingefuchst. Am ersten Orientierungstag erhält man seine Studentcard, welche zum Betreten des Campus, in der Bibliothek und als allgemeiner Nachweis des Studierens im Alltag benötigt. Während der Einführungswoche vor Semesterbeginn kamen auch die öffentlichen Verkehrsbetriebe an den Campus und man konnte eine Raf-Card mit Studi-Rabatt erhalten, die als Semesterticket für Tel Aviv fungierte aber auch für Bus- und Bahnreisen in ganz Israel benutzt werden konnte und Vergünstigungen brachte.
Die Kursauswahl war sehr groß und bestand aus dem kompletten englischen Katalog der International School, sowie ausgewählten englischen Kursen aus z.B. Liberal Arts, Economics und Engineering. Die Anforderungen der Lernveranstaltungen sind oft sehr unterschiedlich, es lohnt sich auf jeden Fall in der ersten Woche viele Kurse zu besuchen und dann die Spannendsten zu behalten. Ich war mit meiner Kurswahl vollkommen zufrieden und erlebte einen sehr intensiven Unterricht zum Israel-Palästina Konflikt, dem Nahen und Mittleren Osten und der israelischen Wirtschaft. Rückblickend kann ich denjenigen, die es sich leisten können empfehlen, lieber 3 Kurse zu belegen, da wöchentliche Readings, Präsentationen, Mid-Term papers, reading summaries und wöchentlich 4 Stunden Unterricht pro Kurs einen komplett anderen Lehrstil als an vielen deutschen Universitäten bilden und somit die Kurse an der TAU in meinen Augen intensiver und lehrreicher, aber eben auch fordernder sind. Alle Vorlesungen kommen einem vor wie Seminare, da in kleinen Räumen unterrichtet wird und (abhängig von Kurs und Dozent) meist ein sehr interaktiver Unterricht mit oft fest eingebauten Blöcken für Diskussionen geführt wird. Bei umstrittenen und emotionalen Themen wie dem Israel-Palästina Konflikt und der Behandlung der 7-8 israelischen Kriege wurde immer ausgewogen unterrichtet und persönliche Tendenzen wurden von den Dozenten im Vorhinein offen gelegt, was ich sehr erfrischend und ehrlich fand. Die Leistungsbewertung erfolgt meist durch eine Zwischenprüfung (mid-term) und eine Endprüfung, welche in dem Verhältnis 30/70 oder 40/60 in die Endnote eingehen und oft in Form von Essays oder take-home exams stattfinden.
Der Campus der TAU ist wunderschön und sehr weitflächig, nach amerikanischem Vorbild mit Schwimmbädern, einem Stadion, unzähligen Imbissen und Restaurants, einer Synagoge, mehreren Museen, Bibliotheken und größeren Wiesen ausgestattet. Das Studienklima habe ich als entspannt aber gleichzeitig professionell wahrgenommen.

Kontakte zu  einheimischen und ausländischen Studierenden

Neben den internationalen Kommilitonen, mit denen man durch die Universität und Studentenveranstaltungen schnell in Kontakt kommt, sind auch Israelis sehr offen und interessiert an Gesprächen und Begegnungen mit Internationals. Durch die TAU wird ein Buddy-Programm angeboten, welches oft ein bisschen braucht um in die Gänge zu kommen aber dann ein guter Kontakt zu Einheimischen sein kann. Es lohnt sich außerdem zusammen mit Israelis zu wohnen, viele Israelis nehmen gerne Studierende für ein Semester in der WG auf. 

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Ich habe mich in Israel hauptsächlich in Englisch verständigt, welches durch den alltäglichen und auch universitären Gebrauch weiter gefestigt hat. Es gab an der TAU die Möglichkeit für ca. 500 Euro über das Semester hinweg Intensivkurse in Hebräisch und Arabisch zu belegen, welche dann pro Woche 8 Stunden stattfanden. Generell kann man mit sehr vielen Menschen in Israel und Palästina sowohl Hebräisch, Arabisch als auch Englisch sprechen und besonders in Tel Aviv Sprachkenntnisse aufrechterhalten und ausbauen.

Wohn-  und Lebenssituation

In den Wochen vor meiner Abreise begann ich mich auf Craigslist, diversen Facebook Seiten (empfehlenswert: Secret Tel Aviv, Short-term Sublets, Shared Flats Tel Aviv) und Roomster nach einem Zimmer umzuschauen. Für mich war von Anfang an klar, dass ich nicht in den Wohnheimen der TAU sondern möglichst im Zentrum der Stadt leben möchte. Wenn noch nichts im Vorhinein gefunden wird, keine Sorge, die meisten Studis wohnen ein paar Tage in Hostels und suchen dann eine Bleibe vor Ort.  Die Wohnanlagen befinden sich nämlich direkt neben der Uni und sind somit ganz im Norden der Stadt, was einerseits die Busfahrt zum Strand, nach Jaffa und zu den Ausgehvierteln in Tel Aviv 30-40 Minuten dauern lässt und andererseits an Shabbat die Mobilität noch problematischer macht. Außerdem sind die Preise für die Wohnheime nicht günstiger und sogar oft teurer als ein normales WG-Zimmer. Ich bin in Florentin untergekommen, das Kreuzberg Tel Avivs, welches zwar nicht ganz so schick wie der Norden der Stadt ist, aber vor Bars und Essensmöglichkeiten überquillt, nur 10 Minuten zu Fuß sowohl von Rothschild-Boulevard und den dortigen Clubs als auch vom Araberviertel Jaffa und dem Strand entfernt ist. Fast jeder Bus Tel Avivs hält in wenigen Minuten Entfernung und eine direkte Busverbindung zu Universität geht im 20 Minuten-Takt. Zwar brauchte ich daher jeden Morgen 40 Minuten zur Uni, doch die Lebensqualität und zentrale Lage war es allemal wert. Und tatsächlich waren auch 70% aller Kommilitonen ebenfalls in Florentin untergebracht, weitere empfehlenswerte Viertel ist das etwas südlichere Jaffa, welches als einziger Stadtteil noch etwas günstiger ist aber gleichzeitig noch gut angebunden.
Zugegeben, ich habe für ein sehr simples und herabgekommenes WG-Zimmer knapp 600 Euro gezahlt, womit wir auch schon bei der größten Herausforderung Israels wären: den Preisen. Israel ist sowohl was Wohnraum, Lebensmittel als auch Alkohol und Bars allgemein angeht ziemlich teuer. Durch Einkaufen auf dem Markt, der Nutzung von Happy Hour Deals bei Bars und Restaurants und gemeinschaftlichem Kochen kann man jedoch sehr viel Geld sparen. Das Reisen in Israel, der Nahverkehr, als auch das mobile Internet sind hingegen spott-billig, so zahlt man beim Telefonanbieter Golan für 10 GB und Flat Minuten+SMS nur 6 Euro pro Monat und für eine Busfahrt nach Jerusalem 2 Euro.
Bezahlen kann man in Israel quasi überall mit Kreditkarte, eine Karte mit der man kostenlos Geld abheben kann lohnt sich dennoch, da oft die Miete in bar bezahlt werden muss. Unbedingt Kreditkarte und Führerschein mitnehmen, wenn man vorhat ein Auto zu mieten. Dies kostet auch vergleichsweise sehr wenig und ist optimal um das Tote Meer oder die Golanhöhen zu erkunden.
Zur Lebenssituation gehört natürlich auch die geographische und politische Lage Israels, das Reisen in die palästinensischen Gebiete und nach Jordanien waren die Highlights meines Aufenthalts. Die Sicherheitslage ist generell sehr gut in Israel, in Tel Aviv unbedenklich, in Gegenden wo Israelis und Palästinenser aufeinander treffen, wie beispielsweise der Altstadt Jerusalems und bei Checkpoints der israelischen Armee vor großen palästinensische Städten sollte man etwas wachsamer sein und die aktuellen politischen Geschehnisse im Blick haben. Generell habe ich mich zu keinen Zeitpunkt während meines Auslandaufenthalts unsicher gefühlt, selbst in den Tagen nach der Anerkennung Jerusalems als Israels Hauptstadt durch die USA, in denen Tausende Palästinenser im Westjordanland und Gaza-Streifen demonstrierten, wurde ich als Nicht-Israeli im Westjordanland herzlich begrüßt und vor allem in Bethlehem freuten sich die Menschen über Touristen und Interessierte. Vereinzelte Raketenangriffe aus dem Gazastreifen sind während meinem Aufenthalt dutzende Male vorgekommen, jedoch ist in Tel Aviv selten etwas davon zu bemerken. 

Studienfach: B.Sc. Politik und Wirtschaft

Aufenthaltsdauer: 10/2017 - 02/2018

Gastuniversität: Tel Aviv University

Gastland: Israel


Rückblick

Rückblickend kann ich jedem, der an der politischen, kulturellen, religiösen und gesellschaftlichen Einzigartigkeit Israels und Palästinas interessiert ist dringend empfehlen ein Semester vor Ort zu erleben. Tel Aviv als pulsierende westliche Stadt mit tollem Wetter eignet sich perfekt als Studienort und ich möchte jedem ans Herz legen so oft wie möglich das Land zu bereisen. Ich habe durch spannende Kurse in Verbindung mit zahlreichen Erlebnissen mehr über den Mittleren Osten gelernt und verstanden als ich es erwartet hatte. Man sollte mindestens 1100 Euro pro Monat, bei Reisen und häufigem Ausgehen eher etwas mehr, für den Aufenthalt in Tel Aviv einplanen.

 

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