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Hochschulpartnerschaft Erfahrungsbericht - Tel Aviv University


Studienfach: M.A. Internationale Beziehungen

Aufenthaltsdauer: 10/2016 - 03/2017

Gastuniversität: Tel Aviv University

Gastland: Israel

Vorbereitung

Durch eine Informationsveranstaltung der Freien Universität Berlin, an der ich hauptimmatrikuliert bin und den Master Internationale Beziehungen studiere, erfuhr ich von der Möglichkeit eines Auslandssemesters an der Tel Aviv University in Israel. Trotz der frühen Bewerbungsfrist (Januar) und meines gerade erfolgten Umzugs nach Berlin entschloss ich mich zu einer Bewerbung über die Universität Potsdam, an der ich mehrfachimmatrikuliert bin. Ich interessiere mich sehr für die MENA Region und empfand darüber hinaus einen Studienaufenthalt außerhalb Europas, jedoch in nicht allzu weiter Entfernung, wie die USA oder Australien, als sehr attraktiv. Ich verfasste mein Motivationsschreiben und holte die fachlichen Gutachten ein, die für eine Bewerbung notwendig waren. Darüber hinaus verlangt die Tel Aviv University einen Sprachnachweis, den ich in Form des TOEFL Tests einreichen konnte. Die Kommunikation mit der Tel Aviv University verlief unproblematisch und zügig. Nach meiner Zusage musste ich noch einen Auslandsversicherungsnachweis sowie ein Passfoto für meinen Studierendenausweis vorlegen. Ich entschied mich für die Partnerschafts-Auslandskrankenversicherung ENVIVAS meiner gesetzlichen Krankenkasse, der Techniker Krankenkasse. Mit dem Service bin ich sehr zufrieden, eine Verlängerung war beispielsweise unproblematisch und mit 0.89€ pro Tag liegt diese im Rahmen anderer Auslandskrankenversicherungen, die ich vorab verglichen habe. Des Weiteren verlangt die Tel Aviv University noch eine medizinische Auskunft, die bei jedem Hausarzt eingeholt werden kann, aber unter Umständen kostenpflichtig ist.
Mit einer Bestätigung der Tel Aviv University über den Studienaufenthalt erfolgte die Visa-Beantragung unproblematisch. Es gilt jedoch zu beachten, dass keinerlei Taschen, Handys oder Laptops mit in das Botschaftsgebäude genommen werden dürfen. 150m von der Botschaft entfernt gibt es jedoch einen sogenannten „Späti“, der gegen eine kleine Gebühr (ca. 2€) jene Sache entgegennimmt und verwahrt.
Ich empfand den gesamten Bewerbungsprozess als zeitaufwendig, aber lohnenswert und fühlte mich stets gut unterstützt.

Leben und Wohnen

Ich bin circa eine Woche vor Studienbeginn nach Tel Aviv eingereist. Dies war genügend Zeit sich einzugewöhnen und Dinge zu organisieren, die am Beginn eines solchen Aufenthaltes anfallen. Eine frühere Einreise würde ich dennoch empfehlen, denn das Wetter im Oktober war noch wunderbar warm und das Mittelmeer und der Strand sind sehr verlockend! Die Wohnungssuche in Tel Aviv ist eine Herausforderung und erfolgt hauptsächlich über Facebook Gruppen, wie „Secret Tel Aviv“ und ähnliche. Ich habe die erste Woche meines Aufenthaltes gecouchsurfed, was ein doppeltes Plus war: Ich wurde sofort nett aufgenommen und konnte Kontakte zu Israelis aufbauen und am Ende habe ich über das Couchsurfing Netzwerk mein Zimmer gefunden. Das Florentin Hostel kann auch eine gute Übergangslösung darstellen, da es dort meiner Erkenntnis nach die günstigsten Dorm-Betten gibt (ca. 10€/Nacht).
Die Tel Aviv University liegt im Norden der Stadt, weit ab vom Stadt-und Nacht-Leben Tel Avivs, was sehr verlockend, hip und dynamisch ist. Am Ende ist es jedem/jeder selbst überlassen, wo man sich niedersetzt, ich würde persönlich jedoch wärmstens empfehlen in den Süden zu ziehen. Das Studierendenviertel Florentin und die Gegend rund um den Rothschild Boulevard, die King George Street und den Carmel Market waren Orte, an denen ich mich am liebsten aufgehalten habe. Auch Old Jaffa ist wunderschön, liegt jedoch weiter im Süden. Ich habe ca. 45 Minuten für den Weg zur Uni gebraucht mit dem Bus oder 35 Minuten mit dem Fahrrad. Ein Fahrrad ist eine lohnenswerte Investition, da bedacht werden muss, dass an Shabbat (Freitag ab Sonnenuntergang bis Samstag nach Sonnenuntergang) keinerlei öffentliche Verkehrsmittel fahren. Dies kann man ebenso über Facebook Gruppen tun, oder bei Fahrrad-Läden (z.B. in der Levinsky Street) nach Second-Hand Rädern (ca. 70-100€) fragen. Eine einzelne Busfahrt kostet 6NIS (ca. 1,50€). Es gibt jedoch die Möglichkeit durch Rabatte beim Aufladen der sogenannten Rav-Kav Karte Geld zu sparen oder sich ein „Semesterticket“ für ca. 125€ zu kaufen. Mit diesem Ticket fährt man unlimitiert in Tel Aviv von Oktober bis März und erhält in einem bestimmten Radius -50% Rabatt auf bestimmte Fahrten. Eine Einzelfahrt nach Jerusalem kostet dann beispielsweise 8NIS (2€) statt 16NIS. Ich habe dieses unlimitierte Ticket gekauft und war damit sehr zufrieden und habe zusätzlich mein Fahrrad genutzt.
Für die Miete sollte man zwischen 400€ und 750€ für ein WG Zimmer einkalkulieren. Wobei es durchaus Glücksgriffe für gute und günstige Zimmer gibt. Oft sind im Mietpreis die Nebenkosten nicht erhalten, hier unbedingt nachfragen, da oft nochmal 200NIS hinzukommen.
Um schnell mit anderen Studierenden kommunizieren zu können, ist die Anschaffung einer israelischen Sim Karte empfehlenswert. Ich habe mich für Golan Telecom entschieden und würde diese weiterempfehlen. Für 11€/Monat erhalte ich hier 15GB mobile Daten, unlimitierte Anrufe und SMS in Israel und 500 Minuten in viele europäische und andere internationale Netze. Es ist jedoch nicht so leicht ein Golan Office zu finden. Eines gibt es in der Dizengoff Mall im dritten Stock bei Kravitz, einem Büroartikel Laden, der vorne einen kleinen Tisch mit einem Golan Mitarbeiter hat. Dieser ist nicht immer besetzt, ich habe drei Anläufe gebraucht meine Sim Karte zu erhalten. Für den Kauf der Sim Karte benötigt man seinen Reisepass, sowie eine Kreditkarte. Bei vielen anderen Anbietern, muss man eine israelische ID Nummer vorweisen, was problematisch sein kann.
Das Bargeld Abheben war mit meiner DKB Kreditkarte die gesamte Zeit über unproblematisch. Das Beantragen einer DKB Karte würde ich jedem/jeder empfehlen, der/die auch sonst häufiger auf Reisen ist. Neu ist die Regelung, dass mindestens 50€ abgehoben werden müssen (ca. 200NIS), dafür geschieht dies jedoch kostenlos und auch die 1,75% Steuer, die beim Bezahlen mit Kreditkarte erhoben wird, wird einem am Ende des Monats rückerstattet.
Tel Aviv ist insgesamt eine teure Stadt, es ist jedoch möglich günstig(er) hier zu leben. Ich habe viele meiner Lebensmittel auf dem Carmel Markt (Obst und Gemüse) oder dem Levinsky Market (Nüsse, Linsen, Reis, Trockenfrüchte, etc.) gekauft. Dies ist nicht nur billiger, sondern war immer ein tolles Erlebnis! Supermarkt Ketten, die rund um die Uhr geöffnet haben (AmPm) sind teurer. Mein Stamm-Supermakt war Victory, der günstiger war. Neu ist die Supermarkt Kette: Super-Cofix, wo jedes Produkt 5NIS (1,25€) kostet. Die ist für manche Produkte ein super Preis!
Die Freizeit Gestaltung in Tel Aviv ist schier endlos! Der Strand bietet neben schwimmen im Meer und Joggen an der Promenade, die Möglichkeit Beachvolleyball (hierzu gibt es eine Facebook Gruppe) zu spielen oder an manchen Tagen Yoga am Strand zu machen oder gar zu surfen! Die Municipality von Tel Aviv bietet zweimal wöchentlich (Freitag und Samstag) kostenlose Stadtführungen an. Hierzu lohnt sich auch ein Blick auf die Website des Abraham Hostels, welches ebenfalls kostenlose Stadtführungen anbietet. Yoga ist auch in Tel Aviv absolut beliebt, auch hierfür gibt es Facebook Gruppen. Ich war Mitglied im NAIM Sportstudie, wo man für 350NIS /Monat (ca. 83€) unlimitierte Sportkurse, wie Yoga, Pilates, Hip Hop, Ballett, Kickboxen, etc. in 5 Sportstudios in Tel Aviv besuchen kann. Der täglich außer samstags stattfindende Flohmarkt in Jaffa ist ebenso immer ein Besuch wert! Wo es den besten Humus der Stadt zu essen gibt wird heiß diskutiert. Abu Hassan in Jaffa wurde mir jedoch von mehreren Quellen empfohlen und schmeckte immer köstlich!

Studieren in Tel Aviv

Das Studium an der Tel Aviv University hat mir insgesamt sehr gut gefallen. Kurz vor Kursbeginn gab es einen sogenannten Orientation Day mit einer Campus Führung und der Möglichkeit offene Frage zu klären und die anderen internationalen Studierenden kennenzulernen. Ich besuchte zwei Kurse des Study-Abroad Programms, die jeweils zweimal pro Woche stattfinden und einen Masterkurs. Dies war definitiv ein angemessenes Pensum und ich konnte mich auf jeden meine Kurse gut vorbereiten und mitarbeiten. Was mir vorher nicht so bewusst war ist, dass diese Kurse ausschließlich (zumindest während meiner Zeit) von ausländischen Studierenden besucht werden und man keinen Kurs zusammen mit israelischen Studierenden hat. Dies fand ich sehr schade, da ich gerne diese Form des Kontakts gehabt hätte. Dennoch waren die Kurse gut gemischt. An einiges Stellen, waren die unterschiedlichen akademischen Hintergründe des Studierenden so verschieden, dass dies manchmal dazu geführt hat, nicht zu sehr in die Tiefe gehen zu können. Diese Diversität bat jedoch auch interessante Inputs und Diskussionsmöglichkeiten. Das Studierenden-Professoren Verhältnis war in all meinen Kursen sehr angenehm und ich habe aus jedem einzelnen Kurs viel mitnehmen können. Ich entschied mich bewusst dazu vor Ort Kurse zu dem Israel-Palästina Konflikt zu besuchen und empfand es als sehr bereichernd, meine täglichen Erfahrungen, politischen Alltagsdiskussionen, etc. mit dem neu erlangten akademischen Wissen zu ergänzen. In fast allen Kurse fanden gegen Ende November die sogenannten Midterms statt, entweder in Form eines Take-Home Exams (man erhält eine Aufgabe und eine Bearbeitungszeit von 2 -14 Tagen) oder eines In-Class Exams. Darüber hinaus musste ich in einigen Kursen eine Präsentation halten und alle Kurse wurden mit einem Final-Paper abgeschlossen. Das Niveau war gut, nicht über-herausfordernd, aber auch keineswegs unterfordernd. Es gibt die Möglichkeit auf dem Campus zu drucken, die Bibliothek zu besuchen und die zahlreichen Ess-Gelegenheiten zu nutzen. Es gibt darüber hinaus ein Sport-Zentrum, welches ich aufgrund der Entfernung zu meinem Wohnort jedoch nie genutzt habe. Es war für mich eine neue Erfahrung eine Campus Universität zu besuchen und es gefiel mir, Studierende aus unterschiedlichen Departments kennenzulernen. Das International Office mit den zwei für ausländische Studierende zuständigen Mitarbeiterinnen war stets ein guter Ansprechpartner. An manchen Stellen war die Organisation ein wenig chaotisch, was sich jedoch mit einem persönlichen Besuch im Office immer schnell lösen ließ.

Sprachkenntnisse

Vor meiner Abreise habe ich einen Hebräisch Sprachkurs an der Technischen Universität Berlin besucht, was ich auf jeden Fall empfehlen würde. Es können zwar alle Kurse auf Englisch besucht werden, allerdings ist es ein beruhigendes Gefühl, Verkehrsschilder und Busaufschriften, wenn auch langsam, entziffern zu können. Grundlegende Kommunikationsformeln sind im Alltag eine schöne Form mit Menschen in Kontakt zu treten. Von der Tel Aviv University wird ein viermal wöchentlich stattfindender Sprachkurs angeboten, der ca. 500$ kostet. Dieser findet von Sonntag-Donnerstag Morgen von 8-10 Uhr statt. Lange habe ich hin und her überlegt und mich schlussendlich gegen den Sprachkurs entschieden, um unabhängiger zu sein. Ich habe mir im Selbst-Studium und mit Tandem Partner (es gibt eine Deutsch-Hebräisch Tandem Facebook Gruppe) Hebräisch beigebracht und bin zufrieden mit dem Ergebnis. Ich verstehe viel, beginne zu sprechen und kann relativ fließend lesen. Es ist jedoch nicht zu leugnen, dass der Uni-Sprachkurs eine bessere Basis bietet. Es gibt auch andere Sprachschulen im Stadtzentrum, die jedoch häufig sehr teuer sind. Ich habe einen Sprachkurs der Sprachschule: „This is not an Ulpan“ besucht, die ein interessantes Konzept verfolgt. Hier wird Hebräisch mit Kontext-Bezug und keinem typischen Lehrenden/Studierenden Verhältnis gelehrt. Die Kurse sind themenbezogen und der Unterricht ist flexibel gestaltbar. Ich habe beispielsweise einen zehnwöchigen Yoga-Hebräisch Kurs besucht (relativ günstig, ca. 125€). Dort kamen Vokabeln rund ums Yoga zum Einsatz und es herrschte eine ausgesprochen entspannte Atmosphäre. Andere Kurse behandeln beispielsweise die israelische Politik oder die Kindheit in Israel.

Studienfach: M.A. Internationale Beziehungen

Aufenthaltsdauer: 10/2016 - 03/2017

Gastuniversität: Tel Aviv University

Gastland: Israel


Rückblick

Insgesamt habe ich eine wunderbar ereignisreiche und bereichernde Zeit in Tel Aviv und Israel verbracht. Ich werde meine Zeit noch um ein Praktikum in Ramallah- dem Westjordanland verlängern und bin gespannt dort nochmal neue Erfahrungen zu sammeln. Ich würde jedem/jeder empfehlen Zeit für Reisen im Land mitzubringen. Das Erkunden Israels bei Trips in den Golan, die Negev-Wüste, Tauchen in Eilat, Tagestouren nach Haifa, Akko Nazareth und Jerusalem haben mir nochmal ein umfassenderes Bild vom Land gegeben als das Leben in der „Tel Aviv Bubble“. Busfahrten haben einen angemessenen Preis und überall warten gastfreundliche Couchsurfer darauf ihr Land (und ihre politischen Einstellungen) zu zeigen. Der Konflikt spielt im täglichen Leben Israels stets eine Rolle und nicht selten kollidieren Meinungen. Ich fand es trotz dessen immer wichtig das Gespräch zu suchen und mich auszutauschen. Dies konnte schon häufiger eine Herausforderung darstellen, an der ich jedoch gewachsen bin und die mich selber aus meiner eigenen „Comfort-Zone“ herausgefordert hat.

Israel

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