Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Die Vorbereitung des Auslandsaufenthalts fängt erst einmal im Kopf an. Ich habe mich seit Beginn meines Studiums dazu entschlossen ein Auslandssemester zu machen und hatte jetzt im Masterstudium die Gelegenheit dazu. Zuerst muss man a) die Entscheidung fassen und b) sich bewusstmachen, wo es eigentlich hingehen soll. Welche Sprache, welches Land, welche meiner Studieninhalte werden angeboten (und auf welcher Sprache), inwieweit kann ich mir ein Semester im Ausland finanzieren und was ist meine Motivation. Wenn man sich diese Punkte bewusstgemacht hat und geeignete Universitäten gefunden hat, dann lief die weitere Vorbereitung sehr unkompliziert. Sowohl an der Universität Potsdam, als auch an der Gastuniversität - in meinem Fall die University of Limerick in Irland. Alles lief online über ein Bewerbungsportal und seit der Annahme des Studienplatzes kamen regelmäßig E-Mails mit Informationen und Hilfestellungen zum weiteren Prozess. Die Betreuung an der Uni Limerick war wirklich phänomenal und hat mir –und allen anderen Auslandsstudierenden- vor und während des Semesters unheimlich geholfen. Man hat sich wirklich sehr gut aufgehoben gefühlt. Dementsprechend war auch die Wohnungssuche unproblematisch, da ich mich ebenfalls online für eine Unterkunft im Studierendenwohnheim (Plassey Village) beworben und einen Platz bekommen habe. Die Vorbereitung und die Betreuung waren also sehr unproblematisch und keine bürokratische Hürde, wie es an anderen Unis manchmal zu sein scheint.


Studienfach: Verwaltungswissenschaft

Aufenthaltsdauer: 09/18-12/18

Gastuniversität: University of Limerick

Gastland: Irland

Studium an der Gastuniversität

Da ich in Potsdam Verwaltungswissenschaften im Master studiere, wollte ich auch Politik- und Verwaltungskurse in Irland wählen. Außerdem werden EFL-Kurse (English as a foreign language) angeboten, von denen ich auch einen belegen wollte, um mein Englisch zu verbessern. Schon im Vorhinein konnte man aus dem umfangreichen Modulhandbuch Einblicke in die Kursorganisation und Kursauswahl bekommen. Das Kursangebot war meines Erachtens relativ umfangreich. Die Politik- und Verwaltungskurse sind wesentlich grundlegender und breiter aufgebaut, als ich es aus Potsdam kenne. Dennoch habe ich viel gelernt. Ganz besonders andere Arbeitsmethoden und Schwerpunktsetzungen. Die vielen Gastdozenten und der „praktische Blick“ auf Verwaltung und Politik war eine Besonderheit, die an deutschen Universitäten meiner Meinung nach leider vernachlässigt wird.
Ich habe die Kurse „Public Administration in Theory and Practice“, „Institutions and Policies of the European Union“ und einen EFL-Kurs belegt.
Auffallend fand ich, dass es in den Kursen mehr um „Quantität als Qualität“ ging, gerade in Bezug auf Prüfungen und Abgaben, denn die darf man nicht unterschätzen. So musste ich fast jede Woche verschiedene Essays und Paper abgeben. Am Ende des Semesters dann jeweils eine größere Hausarbeit. Das war viel Arbeit, aber es hat Spaß gemacht (und man war anders motiviert), da man die Abgaben nicht mit den sehr theoretisch fundierten Hausarbeiten in Deutschland vergleichen konnte.
Das Studium hat mir durch sehr engagierte Dozenten und die netten und hilfsbereiten Kommilitonen großen Spaß gemacht. Im Nachhinein war es der größte Gewinn des Auslandssemesters, eine neue Sicht aufs Studium zu bekommen und die Erfahrung zu machen, in einem komplett anderen Studiensystem zu studieren.
Die Uni Limerick kann man mit amerikanischen Campusunis vergleichen. Sie ist umringt von Sportplätzen und der Campus ist riesig groß, mit vielen verschiedenen Instituten, Cafés, Pubs, Restaurants, Gärten und Sitzmöglichkeiten. Es gibt eine Bank, Starbucks, Subway, Supermärkte, einen Friseur, eine Buchhandlung und noch viel mehr. Die riesige und moderne Bibliothek nicht zu vergessen.
So verbringt man die Zeit sehr gerne auf dem Campus und die Uni wird zum Mittelpunkt. Denn die Stadt Limerick gibt nicht ganz so viel her, sodass man sowieso auf dem Campus bleibt oder am Wochenende nach Dublin fährt, wenn man Lust auf „Stadt“ hat.
Grundsätzlich ist das Studienklima hervorragend. Die Betreuung ist sehr gut und man fühlt sich nach einer Woche als wirklicher Teil der Uni. Den Uni Präsidenten und die Studierendenvertretung kennt man nach Tag 1, an der Uni Potsdam kenne ich die immer noch nicht.

Kontakte zu einheimischen und internationalen Studierenden

An der Uni Limerick findet wie gesagt das Unileben auf dem Campus statt. Für Konzerte, Kaffee und Kuchen, Sport und Veranstaltungen ist man auf dem Campus. Darüber hinaus gibt es Clubs und Societies, in denen man außerhalb der Kurse Kontakt zu anderen Studierenden aufnehmen kann, die dieselben Interessen haben. Fast alle internationale Studierende sind in der „International Society“, in denen wöchentlich (!) Trips und Ausflüge organisiert und Partys veranstaltet werden. So lernt man sofort ausländische Studierende kennen. Kontakt zu den einheimischen irischen Studenten entsteht dann durch die anderen Clubs und Societies. Man erfährt in den ersten Wochen und am sogenannten „Recruitment Drive“, was alles angeboten wird. Die Liste ist zu lang, dass ich sie hier jetzt aufzählen könnte. Ich empfehle mehreren Clubs beizutreten (meist bezahlt man nur 5€ Gebühr). Im Nachhinein kann man sich immer noch entscheiden, ob man dabeibleibt.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Das Klischee, dass man die Iren mit ihrem Irischen Akzent schwer versteht, stimmt teilweise. Nach ein paar Wochen aber, hat man ein gutes Gefühl für die Sprache entwickelt. Da sehr viele Dozenten auch aus Nordamerika oder dem Vereinigten Königreich kommen, entsteht ein großer Mix an amerikanischen, britischen und irischem Englisch. Gerade die engen Beziehungen zu Nordamerika und den Beziehungen zu Großbritannien machen das Land und die irische Kultur sehr interessant und außergewöhnlich.
Ich kann die EFL Kurse wärmstens empfehlen um einerseits Kontakt mit weiteren international Studierenden zu knüpfen, das Englisch zu verbessern, aber auch darüber hinaus Einblicke in die Irische Kultur zu bekommen. Ich habe die Vielseitigkeit der Kultur und der Sprache zuvor sehr unterschätzt und habe unheimlich viel gelernt.

Wohn- und Lebenssituation

Ich habe im Studentenwohnheim Plassey Village gewohnt, was an eine Ferienhaussiedlung erinnert und etwa 10 Minuten von dem Hauptgebäude der Uni entfernt liegt. Zu viert haben wir in unserem kleinen Reihenhaus gewohnt und ich war überrascht, wie aufgeräumt und sauber es war. Die 8-er WGs sind zwar etwas günstiger, aber die WGs hatten etwa die selbe Größe wie die 4-er WGs. Ich war dementsprechend sehr froh in einer 4-er WG zu wohnen. Es war alles da, was man brauchte und auch hier ist die Betreuung herausragend gewesen. Die Rezeption vorne am Village Eingang war fast rund um die Uhr geöffnet. Dort konnte man Post abholen oder jede Kleinigkeit reklamieren, wenn die Dusche mal nicht funktioniert oder der Bürostuhl kaputtgegangen ist. Innerhalb weniger Tage war dann das Problem gelöst.
Der nächste Supermarkt war ein Aldi, etwa 15 Minuten zu Fuß entfernt. Nebenan ist auch ein Spar Supermarkt, der allerdings sehr teuer und klein ist. Montags fährt aber auch vom Campus ein kostenloser „LIDL-Bus“ zum nächstgelegenen Lidl und man kann dort dann auch einkaufen.
Ein Bus in die Innenstadt von Limerick fährt direkt vom Campus und das alle 10-20 Minuten. Eine Taxifahrt nach Limerick kostet etwa 15 Euro vom Village aus. Busse nach Dublin fahren ebenfalls vom Campus jede halbe Stunde (!!) und dauern 2,5 Stunden. Ich bin oft nach Dublin gefahren, da Limerick sehr klein ist und Dublin die einzige Stadt in Irland ist, die einen Großstadtflair besitzt. Eine Fahrt nach Dublin kostet etwa 10-15 Euro mit dem Bus und war sehr entspannt, da es in den Bussen WLAN gibt und der Dublin Coach nur 2-mal auf der Fahrt hält.
Die Lebensunterhaltungskosten waren höher als in Deutschland – das darf man nicht unterschätzen. Von „Berliner Preisen“ nochmal ganz abgesehen. Allerdings gibt es fast überall Studentenrabatt. Selbst bei Bussen und Zugfahren quer durchs Land oder bei Restaurants und Caféketten.
Die Freizeitangebote waren durch die Clubs und Societies der Universität sehr umfangreich - gerade am Wochenende. Unter der Woche gibt es auf dem Campus aber auch viele Angebote wie Konzerte und Veranstaltungen. Viel Zeit verbringt man in den irischen Pubs, egal ob auf dem Campus, in Limerick, in Galway oder in Dublin. Auch Rugby, Hurling oder Fußballspiele kann man sich auf dem Campus – oder auch in der professionellen Liga der Stadt anschauen.

Studienfach: Verwaltungswissenschaft

Aufenthaltsdauer: 09/18-12/18

Gastuniversität: University of Limerick

Gastland: Irland


Rückblick

Rückblickend war das Auslandssemester an der Universität in Limerick eine großartige Erfahrung und ich kann jedem und jeder empfehlen grundsätzlich eine Auslandserfahrung zu machen. Ein Auslandssemester und ein anderer Blick aufs Studium, eine ganz andere Studienerfahrung als in Deutschland und ein europäisches Land nochmal von einer ganz anderen Seite kennenzulernen, war für mich der größte Gewinn des Erasmus-Semesters. Ich bin froh, dass ich diese Erfahrung nochmal kurz vor meinem Studienabschluss machen konnte.

Selbst wenn es scheint, dass Erasmus eher im Bachelor gemacht wird (und das stimmt zum großen Teil, da sehr viele Erasmus Studierende Anfang 20 sind), kann ich das Auslandssemester auch im Master empfehlen. Selbst wenn man ein Semester dranhängen muss.

Wenn man Lust auf ein amerikanisches Unisystem mit europäischen Standards hat, dann ist man in Irland sehr gut aufgehoben. Durch die Campus Universität mit vielfältigen Angeboten und einer überragenden Betreuung der Studierenden, einer guten Lage um ganz Irland zu bereisen, unkomplizierten Studentenwohnheimen und dem Flair einer irischen Kleinstadt, verbunden mit der guten Anbindung nach Irland und Galway, so ist die University of Limerick ein sehr guter Standort für ein Auslandssemester.

Das Universitätsleben war sehr vielseitig und schön, ohne dass es einen überfordert hat.

Man muss sich dennoch bewusst sein, dass man –gerade wenn man in Berlin wohnt- einen großen Teil seiner Unabhängigkeit und des großstädtischen Angebots abgibt. Es ist ein wenig vergleichbar mit dem Gefühl, nochmal zur Schule, an eine FH oder in eine Kleinstadt zu gehen. Dennoch gepaart mit irischer Zugänglichkeit und einem kulturellen Angebot, was man mit einem zweiwöchigen Urlaub in Irland nicht bekommen könnte.

Ich würde jederzeit wieder nach Irland fürs Studium gehen.

Nach Limerick für das Campusleben und das Gefühl, dass man sich aufgehoben und gut betreut fühlt. Gerade für Menschen, die noch nie oder selten Auslandserfahrungen gemacht haben, erscheint mir Limerick gut geeignet. Wenn man unabhängiger, ein großstädtisches Flair haben möchte und man schon einige Zeit im Ausland verbracht hat, dann würde ich eher nach Dublin gehen. So oder so, es wird eine schöne und aufregende Erfahrung werden.

 

Irland

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