uni-potsdam.de

Sie verwenden einen veralteten Browser mit Sicherheitsschwachstellen und können die Funktionen dieser Webseite nicht nutzen.

Hier erfahren Sie, wie einfach Sie Ihren Browser aktualisieren können.

Erasmus+ Erfahrungsbericht

Vorbereitung des Auslandaufenthalts

Ich habe mich sehr kurzfristig für einen Erasmus-Aufenthalt entschieden, als ich einen Blick auf die Restplatzliste warf. Ich wollte in ein englischsprachiges Land, da ich meine Kenntnisse in dieser Sprache unbedingt verbessern wollte, und da kamen neben der UCD nur noch zwei andere Gasthochschulen in Großbritannien in Frage. Ich schrieb direkt die Fachkoordinatoren an, die sich dann mit den Universitäten in Verbindung setzten und fragten, ob ich für ein Semester dort studieren könne. Nur die UCD wollte den Platz an mich vergeben, da sie als einzige noch Austauschprogramme für Wirtschaftswissenschaftler anbot. So war die Entscheidung gefallen, nur 4 Monate vor dem eigentlichen Auslandsaufenthalt. Ich regelte die Formaltäten mit der UCD und ging auf einige Infoveranstaltungen des International Office und das war es dann im Großen und Ganzen mit der Vorbereitung. Bis ich dann in Dublin ankam, hatte ich tatsächlich keine Ahnung, was mich erwarten würde. Ich ließ alles auf mich zukommen und hatte kaum etwas geplant. Das war im Nachhinein auch keineswegs eine schlechte Entscheidung, fast alles lässt sich unkompliziert vor Ort lösen.


Studienfach: Betriebswirtschaftslehre

Aufenthaltsdauer: 09/2017 - 12/2017

Gastuniversität: University College Dublin

Gastland: Irland

Studium an der Gastuniversität

Der Empfang für neue Studierende war sehr freundlich und gut organisiert. Viele heimische Studierende arbeiteten dort auf freiwilliger Basis als  Ansprechpartner und Organisatoren. Die erste Woche war „Orientation Week“, d.h. es wurden jeden Tag zahlreiche Aktivitäten für Neuankömmlinge wie mich angeboten, während denen man seine Mitmenschen besser kennenlernen konnte. Beispielsweise wurden traditionelle Tanzveranstaltungen oder Stadtführungen organisiert. Darüber hinaus wurden uns auch Shuttle-Busse zu IKEA zur Verfügung gestellt, was sehr hilfreich war, da es eine Menge zu besorgen gab und IKEA sehr weit weg vom Campus ist.

Die Studien- und Kursorganisation ist ähnlich geregelt wie Zuhause: Es gibt Vorlesungen, bei den Professoren und zusätzlich Seminare und Tutorien bei Tutoren, welche meist selbst Studierende höherer Semester sind. Das Anspruchsniveau ist ebenfalls ähnlich, nur, dass bereits während des Semesters Arbeit auf mich zukam in Form von Essays, wöchentlichen Online-Aufgaben, kleineren Tests in den Tutorien und sogar Off-Campus Aktivitäten, wie z.B. Field-Trips oder selbst vorbereitete Stadtführungen. Das war neu für mich, da sonst in quasi allen Modulen die Klausur zu 100% die Endnote darstellt. Jedoch wird man so zu kontinuierlicher Arbeit getrieben, was sicherlich seine Vorteile hat. So war der Arbeitsaufwand zum Ende des Semesters hin deutlich geringer, da durch die ganze geleistete Vorarbeit bereits eine Menge des Stoffs verinnerlicht war.
Anstatt Kurse in Betriebswirtschaft zu belegen (meinem eigentlichen Studiengang), belegte ich Kurse in Ökonomie, Philosophie, internationaler Politik und Irland-Studien. Das tat ich, um auch mal andere Studiengänge kennenzulernen und meinen Horizont etwas zu erweitern. Die UCD bietet dabei eine schier endlose Zahl an Modulen aller Fachrichtungen. Meine Entscheidung wurde belohnt und ich bekam einige sehr interessante Einblicke in andere Fachrichtungen. Besonders das Modul „Moderne Philosophie“ empfand ich als extrem spannend, da es einige Fragen z.B. über die Existenz aufwarf, über die man von alleine wohl nicht nachdenken würde.
Auch die Module in Irland-Studien kann ich sehr empfehlen, da man interessante Einblicke in eine faszinierende Kultur kriegte, egal ob im Hinblick auf die Historie oder die Sprache. Ich bin der Meinung, dass wenn man schon einen längeren Zeitraum in einem anderen Land verbringt, man sich auch mit dessen Hintergründen beschäftigen sollte.
Am Ende des Semesters hatte ich vier Klausuren zu absolvieren und ein umfangreiches Essay zu schreiben. Das Anspruchsniveau war hoch, jedoch stets fair und mit etwas Fleiß gut zu bewältigen.

Kontakt zu einheimischen und ausländischen Studierenden

Den meisten Kontakt zu anderen Studierenden hatte ich durch das Wohnheim. Da man dort mit vielen anderen auf relativ engem Raum zusammenlebt, bleibt der Kontakt dann nicht aus. Mir ist aufgefallen, dass dort kaum irische Studierende leben, da diese eher zu Hause bei ihren Eltern wohnen. Dies ist bei den horrenden Mieten aber nur allzu verständlich. Meine Mitbewohner waren zwei Australier und ein Student aus Hong-Kong. Andere Nachbarn waren aus den USA, Kanada, Südkorea oder China. Den meisten Kontakt hatte ich zu den Mitbewohnern meiner Wohnung. Mit ihnen unternahm ich auch die meisten Wochenend-Trips. Über die Zeit wurden wir alle gute Freunde, wir halten auch jetzt weiterhin Kontakt und wollen uns gegenseitig besuchen kommen.
Die Iren habe ich als sehr freundlich und hilfsbereit erlebt. Sie sind sehr stolz auf ihre Kultur, ihre Geschichte und die gälische Sprache, die immer noch offizielle Landessprache ist und in manchen Gegenden immer noch gesprochen wird. Das merkt man schon daran, dass es an den Universitäten eigene Fakultäten für Irland-Studien gibt. Ich habe auch zwei Kurse in Irland-Studien belegt, in denen ich einerseits viel über die Entwicklung der irischen Kultur bis zum heutigen Tage durch historische Ereignisse gelernt und andererseits auch Trips zu uralten Kultstädten wie steinzeitlichen Gräbern und mittelalterlichen Burgen unternommen habe.
Von Seiten der Universität wurden über das Semester verteilt einige Events mit dem Ziel organisiert, neue Freundschaften zu knüpfen. Die auf solchen Events kennengelernten Leute blieben aber eher Bekanntschaften als dass sie Freunde wurden, so wie die Leute aus Vorlesungen und Seminaren. Wirkliche Freunde hatte ich eher im Wohnheim. Was mir auffiel war, dass sich kaum ein einheimische unter meinen engeren Kontakten befand. Das lag wohl daran, dass die irischen Studierenden mehrheitlich nicht auf dem Campus wohnen.

Sprachkenntnisse vor und nach dem  Auslandsaufenthalt

Mein Schulenglisch war doch noch besser als erwartet, und so klappte die Verständigung gleich prima. Sie wurde natürlich immer besser mit der Zeit, da Sprachfluss, Vokabular und Verständnis immer besser wurden. Das passierte ganz automatisch, einfach durch das Sprechen. Leider hatte ich versäumt, mich für einen fortgeschrittenen Englisch-Sprachkurs anzumelden. Das würde ich im Nachhinein  aber empfehlen, da ich mir davon nochmal eine deutliche Verbesserung der Grammatik und der Ausdrucksweise versprechen würde, besonders in Kombination mit dem Sprechen im Alltag.
Der Akzent der Iren ist leider äußerst schwer zu verstehen. Selbst für meine neuen Freunde aus Australien stellte dies ab und zu eine Herausforderung dar. Das war z.B. problematisch, wenn Dozenten einen starken Akzent hatten. Auch das Verständnis dieses Akzentes wurde besser, gänzlich verstehe ich ihn leider immer noch nicht.
Dass meine zwei australischen Mitbewohner einen Deutschkurs belegten und ich ihnen dabei helfen konnte, fand ich sehr amüsant da ich mal sehen konnte, wie schwer die deutsche Sprache doch ist. Ich war also nicht der einzige, der ein paar Probleme mit einer fremden Sprache hatte.

Wohn- und Lebenssituation

Ich war zugegebener Weise etwas faul bei der Wohnungssuche. Ich habe mich sehr darauf verlassen einen Platz im Wohnheim zu ergattern, was aber im Nachhinein sehr riskant war, denn die Plätze sind begrenzt und werden verlost. Man teilt sich dann eine Wohnung mit drei anderen Studierenden, wobei jeder ein Schlafzimmer erhält und es zwei Badezimmer, sowie ein gemeinsames Wohnzimmer mit Küche gibt.
Die Wohnungen sind relativ klein, aber ordentlich und sauber. Besonders die Zimmer waren jedoch viel zu klein für die stolze Miete von ca. 1000 EUR pro Monat. Die Betten waren leider dem Preis nicht angemessen. Sie bestanden aus einem alten Wackelgestell und unbequemen Matratzen.
Es gab weder Besteck, noch Geschirr oder Töpfe, alles musste selber angeschafft und am Ende wieder entsorgt werden, jedes Semester aufs Neue. Was für eine Verschwendung!
Die Badezimmer erfüllten ihren Zweck, jedoch waren auch sie zu klein, teilweise ohne Fenster und in seltenen Fällen gab es abends kein warmes Wasser mehr.
Davon abgesehen war mein Appartement sauber und gut bewohnbar. Küche und Wohnzimmer waren geräumig und auch für den Empfang von Gästen ausreichend möbliert.
Auch wenn man als Student keinen Luxus erwartet, für die hohe Miete hätte man doch auf etwas mehr gehofft. Trotzdem lässt es sich dort für einige Zeit sehr gut aushalten und das Leben auf dem Campus machte sich noch auf andere Weise bezahlt: Die Nähe zu den Hörsälen und Seminarräumen war sehr praktisch und angenehm und besonders der Kontakt zu anderen Studierenden war von Vorteil. Ich habe von einigen anderen Studierenden gehört, die nicht auf dem Campus lebten und teilweise eine Stunde Anfahrt zu Uni hatten. Dazu kam das Problem, Kontakt zu anderen Studierenden zu knüpfen. Da die Wohnungssituation in Dublin katastrophal ist, hatten sie jedoch trotzdem eine hohe Miete. Deshalb würde ich auf jeden Fall empfehlen, etwas mehr für ein Wohnheim zu investieren. Es macht den Aufenthalt dort ungemein angenehmer und für ein Semester ist es, denke ich, auch bezahlbar.
Lebensmittel sind in Irland etwas teurer als in Deutschland. Vor allem Alkohol ist sündhaft teuer, besonders in Pubs und Restaurants. Nett ist aber, dass es, im Gegensatz zu Deutschland, gang und gäbe ist, in Restaurants kostenloses Leitungswasser anstatt teurer Getränke zu bestellen.

Es fahren eine Menge Busse alle 15-20 min, auch direkt auf dem Campus. Züge fahren eher zwischen verschiedenen Städten und Orten als innerhalb Dublins. Als Student bekommt man zudem eine Buskarte, mit der man etwas günstiger mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren kann.
Wenn man etwas weiter wegfahren möchte, z.B. nach Nord-Irland oder an die Westküste, sollte man sich am besten ein Auto mieten oder einen Reisebus nehmen. Das klappt  alles unproblematisch und ist relativ preisgünstig.
Was auch angenehm unproblematisch funktioniert ist die Nutzung deutscher Kredit- und Sim-Karten. Ich brauchte nichts umzustellen und konnte alles einfach benutzen wie Zuhause. Bankautomaten gibt es überall, min. 4 allein auf dem Campus. Mit einer Kreditkarte kann man überall kostenlos Bargeld abheben. Meinem Eindruck nach konnte man beinahe überall kontaktlos mit Kreditkarte zahlen, sogar an Marktständen etc. Was das angeht, ist Irland sicherlich weiter als Deutschland.
Einen Arzt musste ich glücklicherweise nicht aufsuchen. Ich konnte mich aber über meine normale Krankenversicherung kostengünstig temporär fürs Ausland versichern.

Neben der Semesterarbeit blieb zum Glück immer noch genug Zeit für Aktivitäten mit Freunden oder Sport in einem der über 50 angebotenen Sportclubs (ich selbst habe mich im Boxen versucht), einem der vielen kostenlos angebotenen Sportkurse oder einfach im Fitnessstudio. An den Wochenenden habe ich oft Trips innerhalb Irlands mit meinen Kommilitonen unternommen. Besonders die raue Natur dort ist wunderschön und bietet immer etwas Neues: Es gibt unglaublich weite und grüne Ebenen mit Kühen, Schafen und Pferden, gigantische Steilküsten, Strand, alte Burgen und Kirchen, spektakuläre Nationalparks und vieles mehr. Eines meiner Highlights waren die Aran-Inseln, welche mit einem Netz kleiner, von Menschenhand aufgehäuften Steinmauern überzogen sind. Die Inseln sind von Galway mit dem Bus und einer Fähre zu erreichen und dann selbstständig mit dem Fahrrad zu erkunden. Sie sind auch nicht so touristisch überlaufen wie z.B. die Cliffs of Moher, sodass man die Natur ganz für sich hat und sie in Ruhe genießen kann. Andere empfehlenswerte Reiseziele sind der Giant’s Causeway, die Carrick-a-Rede Hängebrücke, Doolin, Galway oder der Killarney Nationalpark.
Dublin ist zwar deutlich kleiner als Berlin, hat aber historisch und, wenn man ein kleines Stück außerhalb fährt, auch landschaftlich eine Menge zu bieten. Es gibt eine Vielzahl an Museen, historischen Gebäuden, Parks (z.B. den Phoenix Park mit den freilaufenden Hirschen), Pubs und Restaurants, Fußgängerzonen und Einkaufsmöglichkeiten. Besonders abends, wenn oft Live-Musik in den Pubs gespielt wird, macht es viel Spaß mit Freunden in der Stadt unterwegs zu sein. Leider fahren die Busse nur bis ca. 22:30 Uhr, weshalb man sich oft die Kosten für ein Taxi teilen muss. Hin und wieder ist es das aber mehr als Wert.
Es gibt zwar nur wenige Clubs in der Stadt, diese sind aber fast jeden Tag voll. Montags, dienstags und donnerstags bieten die Clubs günstige Preise für Studenten an, zusätzlich zu den normalen Ausgehtagen Freitag und Samstag. Wenn man also oft und gerne ausgeht, kommt man voll auf seine Kosten.

 

Studienfach: Betriebswirtschaftslehre

Aufenthaltsdauer: 09/2017 - 12/2017

Gastuniversität: University College Dublin

Gastland: Irland


Rückblick

Zusammenfassend kann ich einen längeren Aufenthalt an der UCD in Dublin jedem empfehlen, der gerne in einem internationalen Umfeld neue Erfahrungen sammeln und an einer ausgezeichneten Universität studieren möchte. Alles ist sehr modern und wirklich gut organisiert. Es gibt eine Vielzahl an Kursen, sodass für jeden etwas dabei ist, ganz unabhängig von der Fachrichtung. Auch Irland kann sich wirklich sehen lassen. Man schließt sofort Freundschaft mit der grünen Insel und möchte auch nach dem Aufenthalt immer wieder zurückkehren.

Natürlich darf man keinen Sommerurlaub erwarten, aber ich persönlich finde das raue Wetter und die vielen ungewöhnlichen Orte viel schöner, abwechslungsreicher und sehenswerter als heißes Wetter und Strand. Es regnet nicht so viel, wie viele es dem Klischee nach glauben, wahrscheinlich nicht viel öfter als in Berlin (zumindest nach meiner Erfahrung).

Ich hätte mir kaum einen besseren Ort für mein Auslandssemester wünschen können und hoffe, dass andere Studierende ähnliche Erfahrungen im wunderschönen Irland machen können. Ich werde auf jeden Fall mit Freude zurückkehren.

Irland

Zurück zur Länderseite

Studium im Ausland

Hier finden Sie alle Informationen zum Studium im Ausland

Finanzierung & Stipendien

Wie Sie Ihr Auslandsstudium finanzieren können und welche Stipendien Sie erhalten können, erfahren Sie hier.