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Hochschulpartnerschaft Erfahrungsbericht - Ivane Javakhishvili Tbilisi State University


Studienfach: M.A. Verwaltungswissenschaften

Aufenthalsdauer: 09/2017 - 02/2018

Gastuniversität: Ivane Javakhishvili Tbilisi State University

Gastland: Georgien

Vorbereitung des Auslandsaufenthalts

Georgien ist für ein Auslandssemester im Bereich der Verwaltungswissenschaften äußerst spannend: Das Land, was noch in den 1990er Jahren als failed state galt, korrupt und fest in den Händen krimineller Clans, hat seit der Rosenrevolution 2004 eine rasante Transformation vollzogen: schnelle, radikale, neoliberale Reformen führten zum Aufbau einer in der Region einzigartigen modernen, effizienten und innovativen Verwaltung, aber auch zu neuen sozial- und arbeitsmarktpolitische Herausforderungen.
Die Vorbereitungen für mein Auslandsstudium in Georgien begannen ein Jahr vorher mit der Bewerbung beim International Office der Universität Potsdam im November 2016. Neben dem Antragsformular, Lebenslauf, einem Motivations- und Empfehlungsschreiben mussten das Bachelorzeugnis, aktuelle Leistungsnachweise sowie ein Englisch-Nachweis (UniCERT III aus meinem Bachelorstudium genügte) eingereicht werden. Nach einem Bewerbungsgespräch bekamen alle drei Bewerber*innen im Dezember Bescheid, dass wir nominiert werden würden. Um die endgültige Zusage aus Tbilisi zu erhalten, mussten die oben genannten Dokumente (außer Motivations-/Empfehlungsschreiben) noch einmal auf Englisch eingereicht werden. Anschließend kam der Kontakt zur Gasthochschule zustande, konkrete Semestertermine haben wir aber recht spät erhalten (und die waren dann auch falsch).
Leider kam der von mir gewünschte Georgisch-Sprachkurs am Sprachatelier (einziger Anbieter in Berlin) mangels genügend Anmeldungen nicht zustande, sodass ich im Sommer 2017 stattdessen einen zweiwöchigen Intensivkurs Russisch an der Volkshochschule gemacht habe.

Studium an der Gastuniversität

Am Freitag vor Beginn des Vorlesungszeitraumes gab es Orientierungstreffen mit den Instituten, die für uns Incomings offene, englischsprachige Kurse anboten (Russian Philology, Georgian Philology, Ehtnology, Social and Political Sciences, European Studies).
Da für mich der Masterstudiengang Public Administration (MPA) interessant war, habe ich mehrfach nachgehakt, ob ich nicht doch auch deren Kurse besuchen kann. Die Studienorganisation der Faculty of Law war anfangs etwas chaotisch, aber mit Mühe und Beharrlichkeit und der Hilfe der sehr freundlichen Studiengangskoordinatorin konnte ich an drei MPA-Kursen teilnehmen (u.a. mit deutschen Dozenten, weil es ein double degree mit der Universität Speyer ist). Informationen dazu, findet ihr hier.
Wir als internationale Studierende sind nicht Teil des Onlinesystems der TSU. Die Dozenten erstellen am Anfang der Seminare eine Mailingliste und senden ihre Präsentationen oder reading materials dann per E-Mail an die Studierenden. Die Anforderungen variieren. Im Kurs “Politics of the South Caucasian States” (Political Science, Master of Eurasian and Caucasian Studies) mussten wir in Gruppenreferat halten, ein mid term exam, einen test und ein final paper/essay (10-15 Seiten) schreiben. In den Bockseminaren des MPA („Ethics and Culture in Public Administration“, „Public Private Partnerships“ und „Process Management & E-Governance“) gab es Gruppenaufgaben als mid term exams und Klausuren bzw. eine Hausarbeit. Insgesamt ist man als Studi deutlich beschäftigter als in Potsdam. Die Dozent*innen zeichneten sich durch eine hohe Bereitschaft zur Diskussion aus, jedoch mangelte es mir manchmal an methodisch und theoretisch fundierter Reflexion der Studieninhalte.
Die neue und schöne Hauptbibliothek in Gebäude I hat Montag bis Freitag von 9-20 Uhr geöffnet, Samstag bis 16 Uhr und Sonntag ist geschlossen. Die Arbeitsplätze sind mit Leselampen und Steckdosen ausgestattet und ich fand die Atmosphäre immer sehr angenehm. Der kleine Lesesaal von Political Science ist etwas altbacken, hat aber mehr Literatur und ist wochentags von 10-17 Uhr geöffnet. Zum Drucken gibt es einen kleinen Copyshop in der Unterführung vor Gebäude I.

Kontakte zu einheimischen und ausländischen Studierenden

In Tbilisi sind recht wenig ausländische Studierende. An der TSU waren wir ca. 15 incoming students. Durch die Aktivitäten des lokalen ESN (Mini-Sprachkurs, Tagesausflüge um Tbilisi, Georgisch kochen vor Weihnachten) habe ich auch Studierende der anderen Universitäten kennengelernt (u.a. aus Italien, Litauen, Polen, Österreich, Deutschland) und auch einige Wochenendtrips in die Weinregion Kachetien, zum Berg Kazbegi oder nach Armenien mit Kommilitonen unternommen.
Die georgischen Studierenden waren sehr offen und interessiert, aber sowohl beruflich als auch familiär sehr eingespannt. Die meisten Studierenden arbeiten Vollzeit und wohnen bei ihren Familien, sodass Treffen nach der Uni oder am Wochenende eher die Seltenheit darstellen. Aufgrund der Berufstätigkeit der Studierenden finden die Kurse immer abends (ab 17 Uhr, meist 19-22 Uhr) und am Wochenende statt.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Meine Georgischkenntnisse sind nach wie vor gering, dafür hat sich mein Russisch verbessert.

Wohn-  und Lebenssituation

Mein WG-Zimmer in einer 250qm-Wohnung im 9. Stock eines sowjetischen Plattenbaus im Stadtteil Saburtalo habe ich über eine Bekannte gefunden.Ich hatte in der 5er WG wechselnde Mitbewohner aus Litauen, Ägypten, Russland, der Ukraine und Georgien, die alle in Tbilisi gearbeitet haben. Neue Mitbewohner haben wir immer über die zahlreichen Facebook-Gruppen gesucht, dort werden die meisten Angebote eingestellt. Wir haben in GEL bezahlt (370 GEL + bills pro Zimmer) und ich habe dadurch nochmal Geld gespart, weil der Kurs im Winter für uns günstiger ausfällt. Allerdings gab es keine Zentralheizung, sodass unsere Stromrechnung für die elektrischen Heizkörper in den Wintermonaten auch deutlich höher ausfiel (ca. 10€ im September bis zu 30€ im Januar pro Person).
Im ÖPNV habe ich die täglich die gelben und blauen Busse benutzt, die an den Haltestellen angezeigt werden (die Minibusse verstehe ich bis heute nicht). Es empfiehlt sich die App Moovit zu benutzen, da im Innenstadtbereich einige große Straßen einspurig sind und die Busverläufe sich in den verschiedenen Richtungen unterscheiden. Ab ca. 23 Uhr ist man aufs Taxi angewiesen, dafür habe ich die Apps Maxim und Yandex benutzt. Die Apps fand ich hilfreich, da der Taxiverkehr nicht reguliert ist und normale Taxen auf der Straße bei Ausländern oft viel zu hohe Preise verlangen und mir das Handeln auf die Nerven gegangen ist.
Zum Geldabheben habe ich meine DKB-Kreditkarte benutzt und alles in bar geregelt, sodass ich kein georgisches Konto benötigt habe. Ich habe eine Auslandskrankenversicherung abgeschlossen (verpflichtend bei der Bewerbung an der TSU einzureichen) und diese auch genutzt. Ich war im IMSS in Saburtalo und wurde schnell und kompetent von englischsprachigem Personal behandelt.
Die Lebenshaltungskosten sind viel geringer als in Deutschland. Miete oder Restaurantbesuche kosten vielleicht ein Drittel. Es gibt genügend Freizeitangebote, allerdings ist die Expatcommunity nicht ganz so groß wie in europäischen Städten. Viele Bars und Cafés werden von jungen Russen betrieben, die die liberale Atmosphäre und das milde Klima genießen.

Studienfach: M.A. Verwaltungswissenschaften

Aufenthalsdauer: 09/2017 - 02/2018

Gastuniversität: Ivane Javakhishvili Tbilisi State University

Gastland: Georgien


Rückblick

Insgesamt war die Zeit in Tbilisi trotz des Smogs, des Verkehrs und dem Verzicht auf den ein oder anderen Komfort sehr schön und spannend. Ich vermisse die warme Sonne, die Architektur und die tollen Landschaften Georgiens und des Südkaukasus. Wenn ihr euch für ein spannendes Land mit langer Geschichte, gutem Essen und tollem Wein und einem beeindrucken Transformationsprozess, erfolgreicher Korruptionsbekämpfung, aber auch einer brutal neoliberalen Reformagenda interessiert, dann studiert unbedingt ein Semester in Georgien!

Georgien

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