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Hochschulpartnerschaft Erfahrungsbericht - Ivane Javakhishvili Tbilisi State University


Studienfach: M.Sc. Betriebswirtschaftslehre

Aufenthalsdauer: 03/2017 - 07/2017

Gastuniversität: Ivane Javakhishvili Tbilisi State University

Gastland: Georgien

Vorbereitung des Studienaufenthaltes

Schon mit der Bewerbung für das Masterstudium in BWL an der Uni Potsdam habe ich mich über die Bewerbungsfristen für ein Auslandsstudium informiert. Das war auch gut so, denn das erste Semester begann Mitte Oktober 2015 und der Bewerbungszeitraum für die Hochschulpartnerschaft mit Georgien endete bereits Mitte Dezember 2015, knapp 1,5 Jahre vor dem geplanten Auslandssemester im Sommer 2017. Nach Prüfung meiner Bewerbungsunterlagen wurde ich zu einem Auswahlgespräch eingeladen und bekam kurz darauf die Zusage. Das war genug Zeit für die Vorbereitung und Klärung der wichtigsten Fragen:

Werden Kurse angeboten die ich mir im Rahmen meines BWL Masterstudiums anerkennen lassen kann?

Ich bin die erste BWLerin an der Uni Potsdam, die nach Georgien geht und sich Kurse anerkennen lassen möchte. Da die TSU BWL auf Englisch im Master nicht anbietet musste ich nach Alternativen suchen. Ich bekam eine Übersicht der aktuell auf Englisch angebotenen Kurse von den Studentenkoordinatorinnen der TSU und der International School of Economics (ISET), die zur TSU gehört. Nach Rücksprache mit dem Vorsitzenden des Prüfungsausschusses für BWL kann ich mir VWL Kurse aus Georgien als Wahlpflichtkurse anerkennen lassen.

Brauche ich ein Visum für Georgien?

Nein, bis zu einem Jahr Aufenthalt brauchen deutsche Staatsbürger kein Visum. Das hat mir ein Anruf bei der Georgischen Botschaft auch bestätigt.

Wie komme ich hin?

Die ungarische Billigairline Wizzair fliegt seit Neustem aus Berlin Schönefeld direkt nach Kutaisi. Von dort kommt man in 3,5 bis 4 Stunden nach Tiflis.

Gibt es in Tiflis Studentenwohnheime?

Nein, die meisten georgischen Studenten wohnen noch bei ihren Eltern. Der Rest zum größten Teil in WGs. Welchen Standard die Wohnungen haben, wo beliebte Studenten-Wohngegenden sind und wie viel die Unterkünfte kosten konnte ich aus der Facebook Gruppe „Flatshare in Tbilisi“ entnehmen. Viele Austauschstudenten sind aber auch erstmal ins Hostel gegangen und haben sich vor Ort eine Wohnung gesucht. Diese Facebook Gruppe wird viel genutzt, sodass die meisten innerhalb weniger Tage viele Wohnungsbesichtigungen hatten und direkt eine Wohnung gefunden haben.

Brauche ich einen Georgisch-Sprachkurs und wo kann ich einen machen?

Mir wurde eine Sprachlehrerin an der FU Berlin empfohlen. Als ich sie frühzeitig angeschrieben habe, wann der nächste Georgisch-Sprachkurs stattfindet, sagte sie mir, dass sie in Rente geht und keinen mehr anbietet. Dadurch war das Thema für mich das nächste halbe Jahr auf Eis gelegt. Im Wintersemester 2016/2017 haben sich die anderen beiden Studenten von meiner Uni, die auch im Sommersemester 2017 nach Georgien gehen, für einen Anfänger-Georgisch-Sprachkurs am Sprachenatelier Berlin in Friedrichshain angemeldet. Die Kosten wurden ein Glück von der Uni übernommen. Ich habe nur einen 12-wöchigen Kurs absolviert, der aber ausreichend ist für das Alphabet, Zahlen und ein paar wichtige Grundlagen. Die Belegung eines vorbereitenden Sprachkurses vor dem Auslandsaufenthalt in Georgien würde ich aber sehr empfehlen. Die TSU bietet in jedem Semester auch Georgisch-Sprachkurse an (2 Mal die Woche), die etwas anwendungsorientierter sind als der recht theorielastige Sprachkurs in Berlin. Das hilft einem sehr bei der täglichen Kommunikation mit Georgiern.

Wie finanziere ich mich in dieser Zeit?

Auslands-BAföG sollte 6 Monate vor Beginn des Auslandssemesters beantragt werden und für Georgien ist das Studentenwerk Chemnitz zuständig. Ich würde dringend empfehlen, den Antrag auch wirklich möglichst vollständig das halbe Jahr vorher zu stellen, da jeden Monat weitere Unterlagen nachgereicht werden sollten. Der Bescheid kam tatsächlich erst kurz vor Abflug.

Studienaufenthalt im Ausland

Ankunft in Tiflis

Ich hatte das Glück, dass ein anderer Teilnehmer aus unserem Georgisch-Sprachkurs ein halbes Jahr zuvor eine kleine Wohnung in Tiflis gekauft hat, die er günstig vermieten wollte. Ich habe die Chance ergriffen und in Berlin schon den Schlüssel bekommen, sodass ich direkt bei meiner Ankunft in meine eigenen vier Wände einziehen konnte. Meine Wohnung lag sehr zentral an der Rustaveli Avenue und in 10 Minuten Laufnähe vom ISET und 25 Minuten vom Hauptgebäude der TSU. Durch die zentrale Lage musste ich die öffentlichen Verkehrsmittel nicht oft nutzen. Außerdem finde ich laufen eh viel schöner.
Wir haben kurz vor Beginn des Semesters von unserer Koordinatorin an der TSU eine E-Mail mit dem Ablauf des Welcome Day erhalten. Es war nicht ganz ersichtlich, dass das ganze Programm für alle relevant sein könnte. Einige Austauschstudenten sind nur zu dem Teil gegangen, von dem sie dachten, dass er sie betrifft und haben viele weitere relevante Informationen verpasst. Deswegen lief der Tag relativ chaotisch ab, weil viele Studenten individuelle Fragen gestellt haben, die nicht ad hoc beantwortet werden konnten. Deswegen würde ich jedem empfehlen ihren eigenen Fall im Voraus per E-Mail mit den Koordinatoren zu besprechen. Bezüglich der Kurswahl gab es einige Überraschungen:
•    Es stellte sich für einige Bachelor-Austauschstudenten erst vor Ort heraus, dass die TSU keine Bachelorkurse auf Englisch anbietet.
•    Die angebotenen Kurse haben sich zum Teil von denen unterschieden, die uns 4 Monate vorher als Liste zugemailt wurden. Die finale Kurswahl kann also tatsächlich erst vor Ort erfolgen und das Learning Agreement muss ggf. angepasst werden.
•    Die Mindestanzahl an Credits, die ein Austausch-Student an der TSU machen sollte, beträgt 20 Credits. Das hatten einige Studenten nicht vor und mussten kurzfristig Kurse dazuwählen.
•    An der TSU bekommt man für alle Kurse 5 ECTS, am ISET 3 ECTS. Auch hier mussten deswegen viele ihre geplanten Kurse anpassen.
•    Im Sommersemester 2017 gab es am ISET nur den Masterstudiengang Economics. Das ISET hatte im Vorfeld gesagt, dass sowohl Bachelor als auch Masterstudenten aus dem Ausland bei ihnen Kurse belegen können. Als sich daraufhin viele Interessenten gemeldet haben (9 von 17 Austauschstudenten an der TSU), ist das ISET zurückgerudert und hat nur noch Master-Studenten akzeptiert. Die Studenten, die fest mit dem ISET gerechnet hatten, mussten sich kurzfristig Alternativen suchen. Es soll allerdings ab dem Wintersemester 2017 / 2018 am ISET auch einen Bachelorstudiengang in Economics geben. Das Problem sollte es dann nicht mehr geben.
•    Auf der Homepage des ISET steht, dass in jedem Miniterm 4 Kurse angeboten werden, die 7 Wochen lang mit 2 Vorlesungen pro Woche laufen. Danach finden die Prüfungen in der 8. Woche statt. Weil das ISET zum Teil renommierte internationale Professoren für einzelne Kurse einkauft, traf diese Kursorganisation zumindest im ersten Miniterm des Sommersemesters (ISET Miniterm IV) bei 3 von 4 Kursen nicht zu. Diese 3 Kurse liefen nur 3 Wochen anstatt 7, sodass es anstatt von 2 Vorlesungen pro Woche teilweise pro Kurs 4-5 Vorlesungen pro Woche gab und auch die Prüfungen zum Teil schon in Woche 4 waren. Da das ISET ja pro Kurs nur 3 ECTS gibt und man somit doppelt so viele Kurse wie an der TSU belegen musste für fast die gleiche Anzahl an ECTS, führte auch das zu einigen Anpassungen der ursprünglichen Kurswahl.

Studium

Wir sollten innerhalb der nächsten 3 Wochen die Kurse besuchen die uns interessieren und unserer Koordinatorin anschließend per Mail mitteilen, welche Kurse wir final belegen möchten. Als Orientierung war das super. Auch so war das International Relations Office jederzeit für uns erreichbar und hat nicht nur bei studienbezogenen und organisatorischen Fragen geholfen, sondern stand uns auch bei Streitigkeiten zwischen (georgischen) Vermietern und Austauschstudenten zur Seite.
Bezüglich des Studiums muss auf jeden Fall zwischen Masterkursen am ISET und an der TSU unterschieden werden.

TSU:

•    Englischsprachige Kurse im Master finden immer einmal die Woche am selben Wochentag abends statt (17 und 19 Uhr), weil die georgischen Studenten in der Regel tagsüber arbeiten.
•    Die Professoren listen die relevante Literatur im Syllabus ganz am Anfang auf und erwarten, dass jeder Student sie auch liest, um dann in der Vorlesung mitmachen zu können. Vorlesungsfolien gibt es zum Teil.
•    Die Note setzt sich bei den Kursen aus verschiedenen Teilleistungen zusammen. Meistens: 10 % aktive Teilnahme, 10 % kleine Tests, 15-20 % Präsentation, 30 % Zwischenprüfung, 30 % Abschlussprüfung.

ISET:

•    Die Kurse finden tagsüber statt, meist 11-15 Uhr. Je nachdem wie viele Vorlesungen pro Woche pro Kurs gehalten werden auch mal 9-17 Uhr.
•    Die Kurse basieren zum Großteil auf Vorlesungsfolien, mit denen auch für die Klausuren gelernt wird. Literatur ist eher ergänzend zu den Folien.
•    Die Abschlussnote ist häufig die Note der Klausur. Manchmal gibt es auch Gruppenarbeiten und/oder Präsentationen für nochmal 25 % - 30 %, die Klausur zählt dann nur 70 % – 75 %.

Land und Leute

Georgien ist ein sehr kleines Land aber doch sehr vielfältig. Durch die Berge und den schlechten Zustand des Straßennetzes dauert das Reisen mit dem Auto teilweise auch bei kurzen Entfernungen recht lange. Trotz dessen haben wir das Land ausgiebig bereist und dabei tolle Landschaften gesehen und sehr gastfreundliche Menschen kennengelernt. Da in Georgien die Religion (georgisch-orthodox) eine große Rolle im Alltag der Menschen spielt, zeigt sich die Gastfreundschaft insbesondere darin, dass die Georgier einen nach dem Sprichwort „der Gast wurde von Gott geschickt“ gerne zum Essen und Trinken einladen. Die georgische Küche schmeckt fantastisch und auch Vegetarier und Veganer kommen hier auf ihre Kosten (hier ist häufig Fastenzeit in der sich die streng gläubigen Georgier vegan ernähren). Zum Essen trinkt man meist hausgemachten Wein und Chacha und der Tischleiter „Tamada“ eröffnet jede Trinkrunde mit Trinksprüchen. Die Trinksprüche können dabei durchaus philosophischem Tiefgang erreichen und sind mit einem Deutschen "Prost" nicht zu vergleichen.
Die Georgier haben ein großes Interesse daran, dass Gäste ihr Land mögen und ihre Gastfreundschaft kommt von Herzen und wirkt keinesfalls professionell aufgesetzt. Man fühlt sich schon nach kurzer Zeit als wäre man zu Gast bei der eigenen Familie. Die Menschen sind stolz auf ihr Land und wollen sich so gut wie möglich präsentieren. Das merkt man im Gespräch mit den Einheimischen aber auch an der Detailliebe die sie z.B. in die Einrichtung von Hostels oder Gaststätten stecken. Darüber hinaus handelt es sich auch um ein sehr sicheres Land. Im Vergleich zu Deutschland gehen die Georgier ihre Aufgaben entspannter an, was aber nicht heißt, dass die Leute ihre Arbeit nicht gewissenhaft und fleißig erledigen. Man nimmt sich Zeit für die Dinge, die zu erledigen sind, aber auch Zeit für ein längeres Gespräch, auch wenn die Kommunikation mit Händen und Füßen abläuft.

Praktische Tipps

Wer einen Studentenausweis der TSU haben wollte, musste ein Passfoto abgeben. Am besten eins von zu Hause mitbringen.
Bei unserem Sprachkurs am Sprachenatelier Berlin habe ich mir das Lehrbuch der Georgischen Sprache (Abuladze & Ludden) für knapp 50 Euro gekauft, weil die Sprachlehrerin dieses als Basis für den Kurs genommen hat. Dieses Buch ist meiner Meinung nach für erfahrene Sprachwissenschaftler geschrieben und damit überhaupt nicht zu gebrauchen, wenn man sich auf einfache Alltags-Kommunikation in Georgien vorbereitet. Ich kann dafür das Buch „Georgisch Wort für Wort“ vom Reise Know-How Verlag für ca. 10 Euro sehr empfehlen. Es ist klein und hat eine super Auswahl an Wörtern, Phrasen und Sätzen für viele Situationen. Da ich kein russisch spreche hatte ich es immer in der Tasche und habe im Alltag oft darauf zurückgegriffen, wenn es mit Englisch nicht mehr weiterging.
Wenn ich in Tiflis was gesucht habe (Fitnessstudio, Kosmetikstudios, Friseure, Restaurants, Clubs, Reiseveranstalter etc.) kam ich mit Google nicht wirklich weiter. Alles läuft über Facebook. Auch Terminvereinbarungen und Reservierungen im Restaurant können über den Messenger vorgenommen werden und die Antwort folgt in der Regel sehr schnell. Auch antwortet dann direkt der, der auch Englisch spricht, was bei telefonischen Terminvereinbarungen häufig schwieriger ist.
Ich habe den Eindruck, dass die TSU sehr studentenfreundlich ist. Es gibt keinen festgelegten Prüfungskalender wie in Deutschland. Vielmehr besprechen die Professoren zu Beginn des Kurses mit den Studenten den Syllabus, die Themen, die Prüfungsleistungen- und Ansprüche sowie die Prüfungstermine. Bei den Prüfungsterminen waren die Professoren an der TSU sehr flexibel, sodass Studenten, die das Land schon vor der Prüfungsphase verlassen mussten oder an den Prüfungsterminen verhindert waren, andere Termine bekommen haben.
Es gibt in Tiflis ein ESN (Erasmus Student Network Tbilisi), allerdings ist dieses nicht sehr aktiv, weil die Erfahrung denen gezeigt hat, dass die Austauschstudenten deren Angebote selten wahrnehmen. Das ist schade, sie sind aber trotzdem gute Ansprechpartner bei Themen rund um die Uni oder auch Wohnungssuche.

Studienfach: M.Sc. Betriebswirtschaftslehre

Aufenthalsdauer: 03/2017 - 07/2017

Gastuniversität: Ivane Javakhishvili Tbilisi State University

Gastland: Georgien


Rückblick

Eine super Erfahrung! Sehr gastfreundliche Menschen, ein sehr schönes und abwechslungsreiches Land und ein hoher Wohlfühl- und Erlebnisfaktor im Alltag! Auch das Studium in Georgien kann ich nur weiterempfehlen. Das Bildungsniveau ist nach meinem Empfinden hoch, durch die flexible Gestaltung des Studiums sind die Kurse aber gut machbar. Dieses Auslandssemester hat alle meine Erwartungen erfüllt und ich würde es jedem empfehlen, der gerne in ein Land gehen möchte, das für ein Auslandssemester gerade erst von den Studenten entdeckt wird und viel Potenzial für Abenteuer bietet. Ich werde definitiv wiederkommen, denn ein Semester Studium hat nicht gereicht, um alles zu sehen was diese kleine Perle im Kaukasus zu bieten hat!

 

Georgien

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