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Die ersten Tage auf La Réunion

Die ersten Tage auf der Insel waren geprägt von vielen neuen Eindrücken, aber auch von einem gewissen Stress. Die Anmeldung an der Universität verlief reibungslos, danach kümmerte man sich um die einzelnen Verwaltungen der akademischen Fakultäten und zusätzlich staatlichen Behörden, zum Beispiel für den ÖPNV. Das Wichtigste war, immer ein Passfoto zur Hand zu haben. Zum Glück gibt es im Erdgeschoss der Bibliothek einen Fotoautomaten.

Wie bei allen Universitäten gibt es auf La Réunion eine Cafeteria, Sportanlagen, Computer und Drucker und Studententickets für öffentliche Verkehrsmittel. Allerdings muss man auf La Réunion, um jene Vergünstigungen und Zugangsberechtigungen zu erhalten, einzelne Karten beantragen. So läuft man am Ende zusätzlich zum Studentenausweis mit einer Karte für die Cafeteria, einer Karte für die Drucker, einer Karte für die Sportanlagen und einer Karte für die öffentlichen Verkehrsmittel herum. Falls man ein Zimmer im Wohnheim hat, erhält man auch dafür eine Karte. Also, war ich für die ersten paar Tage damit beschäftigt, einen Antrag nach dem anderen auszufüllen. Gleichzeitig muss man seinen eigenen Stundenplan festlegen. Das Kennenlernen des Hochschulportals und die Orientierung wird durch einen eher unübersichtlichen Internetauftritt nicht gerade erleichtert.

Sobald diese bürokratischen Hürden überwunden sind, sinkt das Stressniveau. Es ist sinnvoll zu akzeptieren, dass die Uhren hier etwas anders ticken. Bald stört man sich nicht mehr von Bussen, die ihren eigenen Fahrplan zu befolgen scheinen. Ruhe und Geduld sind die Kardinaltugenden der Insel. Und ich muss sagen, ich habe daran wirklich immer mehr Gefallen gefunden.

Ansonsten gilt für die ersten Tage dieses Erasmus-Semesters das gleiche wie an jedem anderen Ort, wenn man in eine neue Umgebung kommt. Viele Dinge sind am Anfang unbekannt, wir sind neugierig und gehen auf Entdeckungstour.
Die ersten Tage habe ich Saint-Denis erkundet. Die Fußgängerzone der Innenstadt, dann der große Sportkomplex in der Mitte der Stadt. Die Küstenwanderung mit den Barachois, das sind kleine Snackbars direkt am Meer. Einfache, aber leckere Küche, weiter hinten gibt es Plätze zum Boule spielen, es ist immer etwas los.


Studienfach: Volkswirtschaftslehre

Aufenthaltsdauer: 08/17-12/17

Gastuniversität: Université de la Réunion

Gastland: Frankreich

Studium und Wohnen an der Gastuniversität

 Der Hauptcampus der Universität von La Reunion, Moufia, liegt im Bezirk Ste Clothilde, im östlichen Teil auf den Hügeln von St. Denis. Es gibt mehrere Orte auf dem Campus, von wo aus der Blick aufs Meer von St. Denis aus wirklich schön ist.
Insgesamt gibt es fünf Bereiche und eine Vielzahl von kleinen Instituten. Die Bereiche sind Recht und Wirtschaft, Wissenschaft und Technologie, Geisteswissenschaften, Umweltwissenschaften  und Gesundheit.
Auch die Räume des CROUS befinden sich dort auf dem Campus. Das CROUS ist die Organisation, die sich um die Unterbringung und Verpflegung der Studierenden kümmert. Auf dem Campus von Moufia gibt es etwa 1000 Betten für Studierende und zwei Restaurants. Diese Restaurants sind funktionell eingerichtet, die Mahlzeiten sind in jedem Fall ausreichend. Seit einigen Wochen gibt es eine Selbstbedienung für die Basis jeder Mahlzeit, Reis, Bohnen und Gemüse. Dann kann man zwischen zwei oder drei Fleisch- oder Fischzusätzen wählen. Zusätzlich gibt es die Wahl zwischen Pommes frites, Burger und Pizza. Der Preis für ein kreolisches Essen mit Salat und Dessert beträgt 3,25€. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist sehr gut, die einzigen Kritikpunkte sind die mangelnde Vielfalt und der Platzmangel, wenn man gegen 12 Uhr mittags geht (die Öffnungszeiten der Mensa waren so gestaltet, dass man zwangsläufig um diese Uhrzeit essen gehen musste, um 13 Uhr war schon wieder zu).

Über die Unterkunft kann man diskutieren. Die Zimmer sind klein, aber ausreichend. Jedes verfügt über ein kleinen Badezimmer. Ausgestattet mit Bett, Stuhl, Schreibtisch und Kleiderschrank. Wer Glück hatte, hat ein Zimmer mit Balkon. Im sechsten Stock muss ein Zimmer reserviert werden, um einen Balkon mit herrlichem Blick auf die Stadt St. Denis oder das Meer zu haben. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. So weit so gut.  

Die Nachteile des Lebens in der Cité Internationale, das Gebäude, das hauptsächlich ausländischen Studenten vorbehalten ist, sind das Internet, die Sicherheitsüberwachung und die Küchen.
Es ist wirklich schwer, sich mit WiFi zu verbinden und wenn man erfolgreich war, funktioniert es nicht ohne Probleme oder sehr langsam. Aber das ist ein Problem auf dem ganzen Campus.
Außerdem ist der gesamte Campus von einem massiven Zaun umgeben. Es gibt viele Überwachungskameras und Sicherheitskräfte patrouillieren innerhalb des Campus. Es ist nach 22.00 Uhr verboten Freunde einzuladen, die nicht in dem Gebäude wohnen. Um 22.30 wird die Küche von der Aufsichtsperson geschlossen. Wer nicht in der auf dem Campus wohnt, muss den Campus verlassen. Es sieht alles ein bisschen wie ein Gefängnis aus.
Immerhin ist man morgens innerhalb von fünf Minuten im Seminar.

Ich muss zugeben, ich habe nicht viele Kurse besucht. Ich habe Erasmus-Kurse besucht, um meine Französisch- und Englischkenntnisse zu verbessern, einen Kurs namens "Environnement, culture et société réunionnaises", um die Lebensweise der Insel und ihre Elemente kennenzulernen.
Denn ist es wirklich schwierig, einen akademischen Kurs auf einer Fremdsprache in Universitätsniveau zu absolvieren.
Aber wie sagt man, im Erasmus-Semester geht es nicht darum, Bücher zu lernen, sondern vom Leben zu lernen.

Aktivitäten auf der Insel

 Die Universität von La Réunion bietet viele sportliche Aktivitäten an. Man kann alle Arten von Sportarten ausprobieren, von Klettern, Tanzen und Kampfsportarten bis hin zu Badminton oder Fußball. Es gibt auch eine große Auswahl an Outdoor-Aktivitäten wie Canyoning, Segeln oder Tauchen. Aber man muss sich rechtzeitig anmelden, da der Platz begrenzt und sehr beliebt ist. Für normale Sportarten zahlt ihr einmalig 40€, für Outdoor-Sportarten 20€ extra. Es ist sogar möglich, Credits für einen Sportklurs zu erhalten.
Ich kann nur empfehlen, rauszugehen um die Natur zu erkunden, sei es über die Universität oder auf eigene Faust. Die Natur der Insel ist einzigartig. Am Strand oder in den Bergen, wer hierher kommt, ohne diese Vielfalt der Natur zu bewundern, verdient es nicht, auf der Insel gewesen zu sein.
Die Insel ist vulkanischen Ursprungs, es gibt immer noch einen aktiven Vulkan, den Piton de la Fournaise, der manchmal Aufmerksamkeit erregt. Der höchste Gipfel ist der Piton de Neiges, ein erloschener Vulkan. Drei Täler bildeten sich um ihn herum: Mafate, Cilaos und Salazie.
Diese drei Täler sind dünn besiedelt. Cilaos und Salazie sind mit dem Auto erreichbar, während Mafate nur zu Fuß oder mit dem Hubschrauber zu erreichen ist. Alle drei bieten eine einzigartige Natur, alle drei bilden unterschiedliche Ökosysteme, wirklich ein Paradies für Wanderer.
Obwohl ich vorher nie ein begeisterter Wanderer war, hat mich die Natur hier gefangen genommen. Mitten in den Bergen, umgeben von Wäldern und Wiesen, mit Blick auf die Täler und Gipfel. Man fühlt sich mit der Natur verbunden, man erkennt, wie wertvoll Mutter Erde ist (falls man das vergessen haben sollte) und man lernt die Kraft zu respektieren, die in der Natur wohnt.
Ich habe auch sehr oft Nächte am Strand verbracht. Im Decathlon findet man eine Hängematte, den Schlafsack habe ich mitgebracht. Es ist einzigartig, den Sonnenuntergang und den Sonnenaufgang am Strand zu sehen.

Alltag in Saint-Denis

 Als Erasmus-Student kann man auf dieser Insel viele Erfahrungen sammeln. Aber wer will, kann sich auch auf sein Studium konzentrieren, die Universität bietet genügend Arbeit. Das Prüfungsprogramm ist anspruchsvoll, viele Stunden Lernarbeit sind erforderlich. Darüber hinaus bietet der Studentenverein regelmäßig Exkursionen oder Veranstaltungen zu Studentenpreisen an, wie z.B. Besuche von Lavahöhlen oder Studentenpartys.
Wer in Saint-Denis feiern will, hat eher Schwierigkeiten. Clubs sind selten, wenn man einen findet, ist dieser meist geschlossen. Es gibt ein paar Bars, aber ab Mitternacht ist Zapfenstreich. Falls man es trotzdem nicht lassen kann und feiern will, sollten man sich die westliche Seite der Insel anschauen, nach St. Gilles oder St-Leu fahren. In St. Denis kann man am besten mit Freunden feiern, die eine Wohnung außerhalb des Campus gefunden haben.
Aus kultureller Sicht hat Saint-Denis einiges zu bieten. Es gibt einige Theater und Kinos, aber die Kunstszene der Insel liegt hauptsächlich an der Westküste. Von Zeit zu Zeit gibt es kleine Feste, ein Besuch lohnt sich immer. Das Beeindruckendste war die dreistündige Wanderung ins Mafate-Tal. Die Teilnehmer dieser Tour wurden nicht nur durch ein zweitägiges Reagge-Festival, sondern auch durch die einzigartige Schönheit der Natur belohnt.
Um die Insel zu erkunden, gibt es die berühmten "Car Jaunes", gelbe Busse, die die verschiedenen Städte entlang der Küste verbinden. Außerdem gibt es vier städtische Bussysteme, die in vier Regionen unterteilt sind: Nord, Süd, West und Ost. Als Student zahlt man 20€ pro Semester und kann alle Busse benutzen. Ein Schienenverkehr existiert nicht.
Es ist ein allgemeines Problem der Insel, fast der gesamte Verkehr (Personen- und Güterverkehr) liegt auf der Straße. Mehr als 600 000 Autos für 800 000 Einwohner. Dies führt nicht nur zu Umweltverschmutzung, sondern auch zu längeren Staus in Spitzenzeiten, insbesondere in und um Saint-Denis.
Gleichzeitig ist es schwierig, auf ein Auto zu verzichten. Viele Gebiete sind kaum mit dem Bus erreichbar und der Fahrplan (zumindest in St. Denis) ist nicht immer zuverlässig. Den Vorteil der Flexibilität, die ein eigenes Auto auf dieser Insel bietet, möchte man eigentlich nicht aufgeben.

Studienfach: Volkswirtschaftslehre

Aufenthaltsdauer: 08/17-12/17

Gastuniversität: Université de la Réunion

Gastland: Frankreich


Rückblick

Im Nachhinein würde ich sagen, dass es nichts Schöneres gibt, als mit einem Auto, einer Hängematte und einem Rucksack über die ganze Insel zu reisen. Der Komfort eines Autos wurde mir nicht allzu oft gewährt, aber man kann mit dem Bus auskommen. Es besteht auch die Möglichkeit zu trampen.
Interessanterweise hört man von allen Leuten, die so nett sind, Tramper mitzunehmen, wie gefährlich es sei zu trampen. Nach meiner persönlichen Erfahrung bin ich anderer Meinung.
Solange man einige Grundregeln befolgt, kann man bequem per Anhalter um die Insel fahren. Dazu gehört, nachts nicht zu versuchen die halbe Insel zu umrunden und nicht allein zu sein. Besonders nicht als Frau, wie ich hinzufügen möchte. Als rein subjektive Einschätzung würde ich sagen, dass Réunion noch viel Nachholbedarf in Bezug auf die Emanzipation von Frauen hat. Es scheint normal, dass Frauen nach Einbruch der Dunkelheit ihr Zuhause nicht verlassen, weil es zu gefährlich ist. Man merkt kaum Initiativen diese Umstände, sexuelle Übergriffe, Belästigungen und Drohungen zu bekämpfen. Generell erscheint die Rollenverteilung nach wie vor sehr starr, entsprechend dem Bild der traditionellen Hausfrauen und der damit verbundenen reproduktiven Arbeit.

Abgesehen von diesen Erfahrungen kann ich nur ein positives Fazit ziehen. Ich war sehr beeindruckt von der Schönheit der Natur, den Wanderungen durch die Berge und der Ruhe. Wie die Kraft der Natur zurück ins Bewusstsein rückt. Eine Kraft, die einen an seine Grenzen treibt, viel von abverlangt und dann mit einem unbeschreiblichen und tiefen Glücksgefühl belohnt. Die Natur ist der wertvollste Schatz der Insel. Er muss bewahrt werden. Ich traf auch viele Menschen, viele Lebensgeschichten, viele Persönlichkeiten und Charaktere. Alle vereint in ihrer Einzigartigkeit, die Welt zu sehen und zu erleben. Ich verstehe nicht alle Gedanken, ich kann nicht allen Meinungen zustimmen, ich lehne bestimmte Dinge ab. Ich habe mit den Meisten nur an einem Tag, in einer Nacht gesprochen, viele werde ich nie wieder sehen, vielleicht treffe ich andere wieder. Die Zukunft wird sich zeigen. Die Menschen, die uns wichtig sind, die uns etwas bedeuten, werden wir wieder sehen. Eines Tages. Bis dahin denke ich mit einem Lächeln an die Zeit auf La Réunion zurück.

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