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Als allgemeine Anmerkung voran muss ich zunächst sagen, dass ich kein „normales“ Erasmus-Studium in Paris absolviert habe, da ich Teil des integrierten Jurastudiengangs der Hochschulpartnerschaft der Universität Potsdam und der Université Paris Nanterre bin. Das bedeutet zum einen, dass ich einen vorgeschriebenen Studienablauf hatte, sowohl was den Zeitpunkt des Auslandsaufenthaltes im Studienverlauf angeht, als auch die Kurswahl, die finanziellen Förderungsmöglichkeiten und die zu erreichende Studienleistung. Zum anderen wurden wir Kursteilnehmer sehr stark an die Hand genommen, was die Bewerbung, Einschreibung und auch die Leistungsanerkennung anging, weshalb wir uns insgesamt verhältnismäßig wenig um administrative Belange kümmern mussten und nur sehr bedingt eine Idee davon haben, wie sich ein konventioneller Erasmusaufenthalt organisiert und wie er abläuft.


Studienfach: Rechtswissenschaften

Aufenthaltsdauer: 09/2017 - 01/2018

Gastuniversität: Université Paris Ouest Nanterre La Défense

Gastland: Frankreich

Studium an der Gastuniversität

Das Studiensystem in Frankreich ist insgesamt sehr unterschiedlich zu dem System in Deutschland. Zunächst einmal durften wir keine Kurse wählen, wie es jedoch auch im Jurastudium in Deutschland der Fall ist. Wir haben ganz normal an einem Studienjahr des L3 teilgenommen, also dem dritten Studienjahr (5. und 6. Semester) der französischen Rechtswissenschaften zum Erlangen der Licence (Bachelor). Das bedeutet der Stundenplan ist, bis auf zwei Wahlfächer, vorgeschrieben. Insgesamt kommt man dann auf 2 Fächer mit TD (Travaux-dirigés ähnlich einer Arbeitsgemeinschaft in Deutschland) à 3 Stunden Vorlesung die Woche, sowie 2 Fächer à 3 Stunden Vorlesung die Woche ohne TD und einen Computerkurs (à 1 ½ Stunden die Woche und 3 Stunden die Woche Hausaufgaben). Hinzu kamen für unseren integrierten Studiengang noch drei Sprachkurse mit insgesamt 4 ½ Stunden die Woche und die deutschen Blockvorlesungen (umgerechnet insgesamt 6 Stunden die Woche).

Die Leistungsanforderung für die Licence (dem Abschluss äquivalent zum Bachelorniveau den wir mit Abschluss des Jahres erwerben sollten) beschränkten sich lediglich auf einen Gesamtdurchschnitt von über 10 von 20 Punkten, dh umgerechnet auf das deutsche Notensystem in Jura einen Durchschnitt von 4 Punkten. Diesen Durchschnitt brauchten wir bereits in den französischen Studienfächern, die wir bereits 2 Jahre lang in Deutschland hatten, um uns überhaupt für den Auslandsaufenthalt zu qualifizieren. Insgesamt war das Studienklima in Frankreich doch sehr anders als das in Deutschland und zusammenfassend extrem viel „verschulter“.Das heißt, zum ersten Mal im Studium hatten wir wieder eine Anwesenheitspflicht (in den TDs) bei deren Missachtung wir in dem Semester durchgefallen wären und Hausaufgaben (in den TDs, aber auch in den Sprachkursen, sowie im Computerkurs).

Allgemein war die Zeitaufteilung viel weniger frei und auch die möglichen Herangehensweisen an den Lernstoff sehr limitiert. Insgesamt beschränkt sich das französische Universitätssystem, zumindest in Jura, darauf, dass der Professor in der Vorlesung den Lernstoff diktiert, dieser manisch von allen Studierenden auf dem Computer Wort für Wort mitgeschrieben wird, man diesen Fließtext dann für die Klausur auswendig lernt und in der Klausur dann - je nach Aufgabentyp anders- doch insgesamt relativ unreflektiert niederschreibt. Hinzu kommt, dass man in den französischen Rechtswissenschaften, anders als bei den deutschen, nicht lernt mit dem Gesetzestext umzugehen und ihn auf praktische Fallbeispiele anzuwenden. Anstelle dessen lernt man den Stoff, die dazugehörigen Definitionen und vor allem pro Fach durchschnittlich 30 Gerichtsentscheidungen einfach auswendig. Zwar darf man den Gesetzestext in Klausuren auch benutzen, jedoch findet er in den Vorlesungen und Arbeitsgemeinschaften davor kaum Anwendung und ist meist in den Übungsklausuren davor  nicht zugelassen.Zudem lässt der zeitliche Rahmen einer Klausur einem kaum die Möglichkeit, den Gesetzestext aufzuschlagen.


Dies sind nur ein paar Beschreibungen, die verdeutlichen sollen, wie verschult und eingeschränkt das französische Jurastudium insgesamt ist. Die Betreuung von unserem Aufenthalt beschränkte sich weitestgehend auf dem Kontakt, den wir mit unserer Studiengangkoordinatorin in Deutschland während der Zeit hatten. Administrative Belange sind der einzige Bereich des Studiums in Frankreich, bei dem Selbstorganisation stark gefragt war.Bei Fragen an einen vermeidlich Zuständigen der Universitätsverwaltung wurde man meist an einen anderer viel kompetenteren Kollegen verwiesen, die seinerseits wiederum an den vorherigen Kollegen verwies.Zudem scheinen Effizienz und ein einigermaßen schnelles Arbeitstempo keine Kriterien zu sein, die zu Rate gezogen werden, wenn man in Frankreich Menschen in der Universitätsverwaltung einstellt. Das alles ließ sich nur durch umfangreiches Teamwork innerhalb unseres Studiengangs kompensieren, indem jegliche Ankündigungen etc ziemlich zuverlässig per Facebook und Whatsapp in Gruppen geteilt wurden.

Allgemein waren die französischen Mitstudierenden extrem hilfsbereit, auch was beispielsweise das Teilen von Vorlesungsmitschriften anging.Gleiches galt allgemein auch für Professoren, die jedoch zumeist auch unter der unzuverlässigen Universitätsverwaltung gelitten haben. Die technische Ausstattung der Universität war mittelmäßig, das heißt eine nur teilweise ausreichende Ausstattung mit Beamern und Lautsprechern und vor allem nur mangelhafte Beheizungsanlagen in den Gebäuden, was sich aber mit der extrem schmalen Budget der Universität erklären lässt und allgemein den Studienablauf nicht wirklich belastet hat.

Belastender waren wiederum die Öffnungszeiten der Bibliotheken. Die Bereichsbibliothek der juristischen Fakultät hat 5 Tage die Woche von 8.30-18.30 Uhr geöffnet, also kürzer als die allgemeinen Vorlesungszeiten, die teilweise 6 Tage die Woche und bis 20.10 Uhr waren. Die allgemeine Bibliothek der Universität hat ebenfalls nur relativ kurze Öffnungszeiten von 8.30-20 Uhr. Da viele Studierende nur sehr kleine Unterkünfte und meist auch kein eigenen Internetanschluss hatten, waren wir eigentlich auf das Arbeiten in der Bibliothek angewiesen und vor allem abends wären längere Öffnungszeiten sehr hilfreich gewesen.

Kontakte zu einheimischen und ausländischen Studierenden

IDa wir als geschlossene Gruppe innerhalb des Studiengangs die Universität in Frankreich besucht haben, hielt sich der Kontakt mit anderen Studierenden stark in Grenzen.
Auch weil sich im dritten Studienjahr die meisten Freundesgruppen schon gebildet hatten.
Lediglich über einige Erasmus-Veranstaltungen und über das Erasmus-Buddyprogramm haben wir einige andere Erasmusstudenten kennengelernt.
Jedoch waren die Freundschaften meist nicht sehr intensiv, da wir im Studiengang doch ein sehr viel umfangreicheres Studienprogramm hatten.
Wie schon erwähnt waren die französischen Mitstudierenden jedoch stets extrem hilfsbereit.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Dadurch, dass wir bereits in Deutschland französische Vorlesungen hatten, war unser Sprachniveau insgesamt relativ gut. Durch die täglichen Vorlesungen hat sich das Hörverstehen jedoch nochmal immens vereinfacht, einfach durch die Gewöhnung.
Das Schreiben betreffend, war der Effekt deutlich geringer, da sich das Herunterschreiben meistens auf Reproduktion und Verübersichtlichung der Unterrichtsmitschriften beschränkt hat und man eigentlich nur in den Abschlussklausuren einen freien Text verfasst hat.
Ähnlich verhielt es sich mit dem Sprechen. Da sich allgemein wenig Kontakt zu französischen Muttersprachlern ergeben hat, war das Sprechen eigentlich nur auf mündliche Prüfungen beschränkt, weshalb sich vor allem der alltägliche Wortschatz kaum verändert hat.
Hinzu kommt, dass erstaunlicherweise viele Franzosen Englisch gesprochen haben, sobald sie gemerkt haben, dass man kein Muttersprachler ist.
Insgesamt hat sich der Umgang mit dem juristischen Vokabular im Französischen auf jeden Fall verbessert. Darüber hinaus jedoch kaum.

Wohn- und Lebenssituation

Da erst circa Ende Juli 2016 feststand, ob wir uns mit den Noten aus dem Studium in Deutschland, für das Programm qualifiziert hatten, war die Wohnungssuche relativ kurzfristig.In Frankreich ist es, im Gegensatz zu Deutschland, üblich dass Studierende während des Studiums noch bei den Eltern wohnen. In Paris wahrscheinlich hauptsächlich aus finanziellen Gründen. Deshalb war das Angebot an Wohngemeinschaften relativ klein. Letztendlich habe ich über eine deutsche Website ein Zimmer in einem Haus einer älteren deutschen Dame gefunden, die dieses regelmäßig an deutsche Studierende vermietet. Da das Zimmer relativ klein und in einem Vorort von Paris war, war es verhältnismäßig günstig und im Verhältnis zu Studienkolleg*innen sehr gut ausgestattet.Das bedeutet wir hatten eine eigene Toilette und eine Waschmaschine und eine (für einen Vorort) gute Verkehrsanbindung.Zudem brauchte ich, anders als andere, keine Bankbürgschaft o.ä. und auch kein französisches Konto (für dessen Eröffnung man gewöhnlich wiederum einen unterschrieben Mitvertrag braucht), um den Mitvertrag zu unterschreiben.
Da wir keine Studiengebühren in Frankreich und in Deutschland lediglich Verwaltungsgebühren zahlen mussten, hielten sich die Kosten, trotz verhältnismäßig hoher Miete auch in erstaunlich bescheidenen Grenzen. Auch das Ticket für die Verkehrsmittelnutzung, ein Ticket „Imagine R“, war mit 40€ monatlich relativ günstig. Einzig die Kosten für Lebensmittel und den anderen täglichen Bedarf waren extrem hoch.
Ebenfalls schwierig war die Eröffnung eines Bankkontos, da die meisten Banken einen ausführlichen Mietnachweis für die Wohnsitzbestimmung brauchen, da es kein Einwohnermeldeamt in Frankreich gibt. Da viele Vermieter sich jedoch weigern, beispielsweise eine Wasser-oder Internetrechnung als Wohnnachweis herauszugeben, war die einzige Bank, die eine Kontoeröffnung auch ohne Wohnnachweis akzeptiert hat, die Société Générale. Ein französisches Konto ist zudem notwendig, wenn man eine französische SIM-Karte kaufen möchte oder französisches Wohngeld (CAF) beantragen möchte.
Das Freizeitangebot in Paris war extrem groß und auch verhältnismäßig günstig, da beispielsweise alle Museen und viele Touristenattraktionen für Europäer*innen unter 25 umsonst sind.

Studienfach: Rechtswissenschaften

Aufenthaltsdauer: 09/2017 - 01/2018

Gastuniversität: Université Paris Ouest Nanterre La Défense

Gastland: Frankreich


Rückblick

Da wir schon im Vornherein Kontakt mit Absolventen des Studienganges hatten, konnten wir uns auf die französischen Gegebenheiten relativ gut einstellen.
Der Aufenthaltsverlauf lässt sich durch unser Studienprogramm jedoch insgesamt relativ schlecht mit einem „normalen“ Erasmusaufenthalt vergleichen.

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