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Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Die ersten Informationen zu einem Auslandsaufenthalt während des Studiums holte ich schon während der Schulzeit ein. Der Wunsch bestand also schon länger. Die Erzählungen eines Freundes über dessen Erasmus-Aufenthalt in Lissabon bestärkten mich weiter mich zu bewerben. Ich erkundigte mich also über die Anmeldungszeiten, holte weitere Informationen beim International Day und der Erasmus-Beauftragten meiner Fakultät ein und bewarb mich.

Schon als Kind haben mir immer wieder Leute von Montpellier vorgeschwärmt und da ich in der Schule Französisch als erste Fremdsprache hatte, war die Wahl schnell getroffen. Nachdem ich den positiven Bescheid erhalten hatte, kontaktierte ich meine Gastuni zunächst wegen einer Kursliste, um mein Learning Agreement zusammenzustellen. Dies stellte sich dann doch als etwas komplizierter heraus, als gedacht. Zunächst wartete ich etwas zu lange, dann wartete ich auf die falsche Ansprechperson und dann war es auch schon zu spät, ich war unterwegs nach Montpellier und musste mein Learning Agreement von dort aus erstellen.

Das Semester in Montpellier ging eine Woche nach meiner Ankunft, am 01.09. los. Zunächst gab es einen Einführungstag, wir wurden über den Campus und durch die Innenstadt von Montpellier geführt und die Erasmus-Studenten lernten sich ein erstes Mal kennen. Am nächsten Tag ging es dann auch schon gleich mit den ersten Modulen los. Die Gastuni gab uns Erasmus-Studenten noch einmal einen Monat Zeit, um unsere Kurse final zu wählen. Während dieser Frist schnupperte ich in einige Module rein, traf dann meine Auswahl und konnte diese zum Glück gut mit meinem Learning Agreement vereinbaren.


Studienfach: Betriebswirtschaftlehre

Aufenthaltsdauer: 09/18-12/18

Gastuniversität: Université de Montpellier

Gastland: Frankreich

Studium an der Gastuniversität

Das Studiensystem an der Université de Montpellier unterscheidet sich deutlich von dem, was ich  aus Potsdam und generell Deutschland kenne. Dort wählt man sich nicht wie hier die Module selbst, sondern je nach Studiengang folgt man einem „Programm“, einem für jedes Semester vorgefertigten Modul-Set. Da aber die Erasmus-Studenten keinem einzelnen Programm folgen, wählten wir uns die Kurse die uns gefielen, auch wenn sie zu verschiedenen Programmen gehören. Dies hat allerdings die Nebenwirkung, dass viele Kurse sich zeitlich überschneiden.
Die gesamte Organisation erschien mir ohnehin recht chaotisch und unübersichtlich. Die Termine änderten sich von Woche zu Woche und man musste eigentlich jeden Morgen den Online-Stundenplan konsultieren, um sicherzugehen, dass man zur richtigen Zeit zum richtigen Kurs ging.
Für ein erfolgreich bestandenes, einzelnes Modul gab es je 3 oder 4 ECTS-Punkte. Für die Erasmus-Studenten gab es eine spezielle Regelung, nach der es 5 ECTS-Punkte für jedes bestandene Modul gab, aber nur wenn man sechs Module belegte und bestand. Pro Modul wurden in der Regel drei Stunden pro Woche als Seminar veranschlagt. Vorlesungen, wie ich sie aus Deutschland kenne, gab es dort nicht.
Der Unterricht besteht aus Modulen mit ca. 20-60 Teilnehmern. Der Dozent/Prof macht mehr oder weniger harten Frontalunterricht und je nach Prof wird die in Frankreich noch sehr autoritäre und ehrerbietige  Professoren-Rolle mehr oder weniger stark ausgelebt. Dort während einer Lehrveranstaltung sein Handy zu benutzen, auf Toilette zu gehen oder zu spät zu kommen ist ein ziemliches No-Go.
Da die meisten meiner Kurse auf Englisch stattfanden und junge Franzosen auch an einer Wirtschaftsfakultät insgesamt nur recht dürftiges Englisch sprechen, erschien mir das Unterrichtsniveau recht niedrig. Oft waren wir Erasmus-Studenten die einzigen, die sich wirklich an den Veranstaltungen beteiligten und auf Fragen antworteten. Im Schnitt verbachte ich in Montpellier deutlich mehr Zeit in der Uni als in Potsdam, allerdings würde ich sagen, ist das erforderliche Lernpensum für die Klausuren ähnlich. Hier gab es also ein Ungleichgewicht zwischen den Seminaren und den Klausuren.
Auf dem Campus der Gastuni gibt es eine sehr große, moderne und gut ausgestattete Bibliothek mit langen Öffnungszeiten. Dort habe ich gerne und gut gelernt. Die zur Uni gehörende Mensa kann ich jedoch nicht empfehlen!

Kontakt zu einheimischen und internationalen Studierenden

Trotz all der Zeit, die ich in der Uni verbracht habe, kam wirklicher Kontakt zu den Franzosen meiner Uni nur in einem Kurs zustande. Dies lag meiner Meinung nach auch daran, dass es abseits der Lehrveranstaltung entweder Partys oder Events für lokale Studenten oder durch ESN organisierte Erasmus-Partys gab. Die Erasmus-Studenten blieben größtenteils unter sich, auch weil viele kein ausreichend gutes Französisch beherrschten und es somit eine Sprachbarriere gab.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Mein erster OLS-Test ergab ein Sprachniveau B1, mein zweiter eines von C1, ich habe mein Französisch deutlich verbessert, was aber vor allem daran lag, dass ich mit Franzosen in einer WG gelebt und von ihnen und deren Freunden viel gelernt habe, besonders alltags Sprache, nicht nur Schul- oder Uni-Französisch. Ich hatte also im Unterschied zu den anderen Erasmus-Studenten meiner Fakultät auch einen richtigen französischen Freundes- und Bekanntenkreis.

Wohn- und Lebenssituation

Die WG habe ich nach fünftägiger, sehr intensiver Suche vor Ort, über Facebook-Gruppen und Immobilienportale gefunden, allerdings hatte ich mich bereits vorher über etwaiige Suchportale und Gruppen informiert.
Montpellier ist für französische Verhältnisse noch recht bezahlbar aber ich zahlte trotzdem happige 400€ pro Monat für ein 9qm Zimmer. Allerdings in einer Wohnung mit Balkon, gut ausgestatteter Küche und großem Wohnzimmer. Ich richtete mir bei BNP Paribas ein Studentenkonto ein, was recht unkompliziert war. Dann beantragte ich das CAF, das französische Wohngeld auf das jeder Student Anspruch hat. Bei mir betrug es 81€ im Monat. Da ich über meine Mutter mit kranken- und haftpflichtversichert bin, musste ich vor Ort keine Versicherung mehr abschließen.
Pro Monat hatte ich, denke ich, im Schnitt Lebenshaltungskosten von um die 850€, wobei ich, würde ich sagen, weder zu sparsam noch verschwenderisch war.
Montpellier ist eine schöne, junge Stadt mit vielen Bars und Restaurants. Es fahren Busse, die man aber eigentlich nur außerhalb des Stadtzentrums braucht und es zieht sich ein gut funktionierendes Tramnetz durch die Stadt. Mit der Tram und zu Fuß braucht man ca. 45 -65 Minuten bis zum Strand, der aus feinem, hellen Sand besteht, sehr lang und sauber ist.
Die alte Innenstadt ist sehr schön, mit verwinkelten, engen Gassen und einigen besonderen Sehenswürdigkeiten wie dem Parc Peyrou, der Place de la comédie oder dem Arc de triomphe. Die Stadt verfügt über einige Sportplätze, ein Fußballstadion (Montpellier spielt in der 1.Liga) und eine Mehrzweckarena in der eine sehr erfolgreiche Handballmannschaft spielt.

Studienfach: Betriebswirtschaftlehre

Aufenthaltsdauer: 09/18-12/18

Gastuniversität: Université de Montpellier

Gastland: Frankreich


Rückblick

Rückblickend bin ich sehr froh, die Chance genutzt, und ein Semester in Montpellier verbracht zu haben. Mein selbstgesetztes Hauptziel, nämlich mein Französisch zu verbessern, habe ich definitiv erreicht. Der Einblick in das französische Studiensystem, einfach die Erfahrung in einem anderen europäischen Land zu studieren, war sehr bereichernd und interessant und hat mir gezeigt, wie es andernorts läuft. Die französische Gesellschaft habe ich als freier, wärmer und lockerer, als die deutsche kennengelernt, allerdings ist dort im Schnitt alles teurer, chaotischer und die generelle Lebensqualität ist etwas geringer, als ich es aus Berlin gewohnt war.
Ich habe insgesamt viel erlebt, viele neue Freunde aus Frankreich und anderen Ländern kennengelernt, wir haben einen Ausflug ins nahe Andorra und nach Barcelona gemacht und haben das milde südfranzösische Klima genossen.
Nicht alles hat immer gut funktioniert aber ich habe meinem Fernweh gefrönt und mich weitergebildet.
Eine Erfahrung, die ich nur jedem ans Herz legen kann. Man sollte sich von einer eventuell verlängerten Studienzeit auf keinen Fall abschrecken lassen und auch Freunde und Verwandte sind nicht so weit weg, dass sie einen nicht besuchen kommen könnten.
Ich werde mich im Master noch einmal für einen Erasmus-Aufenthalt bewerben!

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