uni-potsdam.de

Sie verwenden einen veralteten Browser mit Sicherheitsschwachstellen und können die Funktionen dieser Webseite nicht nutzen.

Hier erfahren Sie, wie einfach Sie Ihren Browser aktualisieren können.

Erasmus+ Erfahrungsbericht - Université Paul Valéry Montpellier III


Studienfach: B.Ed. Französisch und Spanisch

Aufenthaltsdauer: 09/2017 - 12/2017

Gastuniversität: Université Paul Valéry Montpellier III

Gastland: Frankreich

Vorbereitung des Auslandsaufenthalts

Nachdem ich viele verschiedene Meinungen zur Organisation der Gastuniversitäten in Frankreich, Italien und Spanien gehört habe, war ich gespannt wie es nun in Montpellier sein wird. Ich war positiv überrascht! Unsere Koordinatorin hat innerhalb von ein bis zwei Tagen geantwortet, benötigte Dokumente eingescannt und hilfreich alle Fragen beantwortet. In Potsdam war die Vorbereitung dank ausführlicher Informationen ebenso einfach, wenn auch länger als gedacht. Es ist ratsam, sich rechtzeitig um alle Papiere zu kümmern und sich kurz vor der Abreise noch einmal über die Kurse an der Gastuniversität zu informieren.

Studium an der Gastuniversität

Die Université Paul Valéry III in Montpellier ist bekannt für einen grünen Campus und ein hohes Engagement der Studierenden. So befinden sich neben einem Museum auch studentische Gebäude auf dem Gelände, in denen beispielsweise Konzerte oder Flohmärkte stattfinden. Ebenso gibt es einmal in der Woche einen Händler, der Obst und Gemüse aus ökologischem Anbau verkauft! An den meisten sonnigen und schönen Tagen (von denen es im Süden viele gibt), findet man die Studierenden auf den Grünflächen, die gemeinsam Gitarre oder Karten spielen und picknicken. Mein Koordinator an der Universität war sehr nett und hat mir hilfreiche Hinweise gegeben. Mit ihm hatte ich ausgehandelt, nur 25 Leistungspunkte zu belegen (dies waren 11 Kurse), da studieren in einer Fremdsprache schon eine große Herausforderung ist und ich mich nach der ersten Woche etwas überfordert gefühlt habe. Die Kurse waren neu, das System anders, der Stundenplanbau kompliziert und ich wusste schon nach der ersten Woche, dass ich sieben Bücher lesen muss. Das System in Frankreich ist in vielen Punkten ähnlich und doch anders. Es gibt Vorlesungen, die sich Cours Magistraux (CM) nennen und Seminare, die Travaux dirigés (TD). Ebenso müssen sich alle Studierenden ihren Stundenplan selber zusammenstellen und die Vergabe der Leistungspunkte ist ähnlich wie in Potsdam. Doch oft müssen Vorlesung und Seminar zusammen belegt werden, d.h. zu jeder Vorlesung hat man verschiedene Seminare, von denen man sich eines aussucht. Nur auf diese Art werden einem die Leistungspunkte gutgeschrieben. Wie wir es von der Universität Potsdam gewohnt sind, können wir unsere Kurse online über PULS belegen. Nun, in Montpellier funktioniert dies alles noch etwas traditioneller, d.h. in den Gebäuden werden große Pläne mit dem Semesterangebot ausgehangen. Hier muss man sich alles durchlesen, raussuchen und zusammenstellen. Wie auch in Potsdam überschneiden sich Kurse und der Stundenplanbau geht etwas hin und her. Als Erasmus Studierende ist dies natürlich etwas schwieriger, da wir nicht wie in Deutschland in einen Studiengang eingeschrieben sind. Doch nach den ersten drei Wochen steht spätestens der Stundenplan und die KoordinatorInnen machen keinen Druck. Das Kurssystem ist im Allgemeinen etwas erschreckend. Es gibt Kurse zwischen einer, anderthalb, zwei und drei Stunden, was dazu führt, dass sowohl einheimische als auch ausländische Studierenden oft keine Pausen zwischen den Kursen haben. Die halbe Stunde Pause und Kurse von 90 Minuten in Potsdam habe ich noch mehr schätzen gelernt, als ich zum Beispiel dienstags sechs Stunden ohne Pause zwischen vier Kursen und vier Gebäuden hin und her gerannt bin. Ebenso unterschiedlich ist die Art und Weise wie unterrichtet wird. Vorlesungen sind wie bei uns Vorlesungen, doch oftmals ohne Unterstützung von PowerPoint und teilweise ohne Mikrofon. Die Seminare unterscheiden sich didaktisch oft nicht von den Vorlesungen und die Studierenden in Frankreich wundern sich im Gegensatz zu uns nicht, da sie den Frontalunterricht schon aus der Schule gewöhnt sind. Jedoch gibt es einige Dozierende, die es versuchen, ihre Seminare etwas interaktiver zu gestalten. Da das Konzept auf Frontalunterricht basiert ist es auch nicht überraschend (aber doch für uns Erasmus Studierende beruhigend), dass keine Hausarbeiten geschrieben werden. In meinem Studiengang, in dem ich die meisten Kurse besucht habe (Lettres Modernes) waren wir ca. 600 eingeschriebene Studierende und oft saßen in den Seminaren zwischen 40 und 50 Leute, doch wie auch in Potsdam, nimmt die Anzahl im Laufe des Semesters ab. Die Gebäude sind für alle Studierenden zu klein und oftmals zu alt. Die Universität in Montpellier hat auch Moodle, doch die wenigsten Dozierenden nutzen es. Zusammenfassend kann ich sagen, dass das Lehr- und Lernsystem in Frankreich noch in vielen Punkten zu traditionell und altmodisch ist. Es war an vielen Stellen nervenaufreibend und auch enttäuschend, doch ich habe auf diese Art und Weise unsere Universität in Potsdam und die Dozierenden sehr wertschätzen gelernt. Natürlich muss ich sagen, dass ich auch interessante Kurse und tolle Dozierende hatte und man sollte immer bedenken, dass meine Motivation, ins Ausland zu gehen (wie bei den meisten) weit über die Universität hinausging.

Kontakte zu einheimischen und ausländischen Studierenden

Meine beste Freundin, die Französin ist, habe ich durch Zufall bei einer Demonstration kennen gelernt. Andere durch meine Kurse oder durch Zufälle in Bars oder bei Konzerten usw. Ich kannte nicht viele ausländische Studierende, doch ich habe durch einen Übersetzungskurs (Deutsch-Französisch) viele Deutsche kennen gelernt. Da Montpellier klein ist, lernt man schnell andere kennen, aber wie immer ist alles ein bisschen Glück. Es gibt viele kulturelle Angebote und auch Angebote für Erasmus Studierende. Ich habe nie an den Erasmus Veranstaltungen teilgenommen, doch ich weiß, es gab Sprachcafés, Spieleabende und natürlich Abende in Bars usw.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Schon bevor ich nach Montpellier kam, verbrachte ich vor ein paar Jahren schon einmal ein Jahr in Frankreich. Mein Ziel war es nicht unbedingt, mein Französisch zu verbessern, sondern im Süden zu leben und neue Erfahrungen zu sammeln. Doch natürlich hat sich meine Sprachkompetenz durch die Kurse und durch die Zeit mit meinen Freundinnen sehr verbessert. Vor allem habe ich dank der Kurse nun ein akademisches Niveau in Französisch erreicht.

Wohn- und Lebenssituation

Ich habe meine Unterkunft schon vor meiner Abfahrt aus Berlin durch Kontakte gefunden. Ich hatte einen Freund, der lebte schon einmal in Montpellier und er hat mir die Nummer eines Freundes gegeben, der seine Wohnung untervermietet hat. Ich wollte erst eine WG finden, da ich in Berlin auch in einer WG wohne, doch nun hatte ich das Glück, eine Wohnung auf einfachem Weg gefunden zu haben und habe schnell zugesagt. Zuvor hatte ich viele Mails an WG’s in Montpellier geschrieben und nur selten eine Antwort bekommen, die dann noch negativ war. Die meisten waren im Wohnheim untergebracht und andere haben erst vor Ort eine WG gefunden. Doch natürlich sind WG’s teurer (ca. 400 Euro). Meine Wohnung habe ich für einen Freundschaftspreis von 350 Euro bekommen, das Studentenwohnheim kostet ca. 270 Euro und lässt sich mit der Straßenbahn erreichen. Ich habe im Zentrum gewohnt, d.h. ich war in zehn Minuten mit dem Fahrrad in der Universität und in zehn Minuten am anderen Ende der Altstadt. Diejenigen, die im Studentenwohnheim gewohnt haben, hatten eine Monatskarte (ca 27 Euro). Ich hatte ein Fahrrad, dass ich von Freunden aus Südfrankreich mitgenommen habe, andere haben sich vor Ort eines für 50 Euro gekauft. Mir war bewusst, dass ich viel Glück hatte, aber letztendlich dauert das Semester nur vier Monate, d.h. es ist nicht so entscheidend wo man wohnt. Ich habe kein Bankkonto eröffnet, keine extra Versicherung abgeschlossen und habe meine Krankenversicherung aus Deutschland beibehalten. Das war alles sehr einfach. Ansonsten ist Frankreich natürlich teurer als Deutschland, aber inzwischen gibt es auch dort viele Bioläden und natürlich tolle Märkte. In Frankreich ist auch der Wein günstiger als das Bier und wie schon erzählt, gibt es eine Menge an kulturellen Angeboten. Jeden Tag stellt beispielsweise „MamaSound“ alle Konzerte, Ausstellungen und Veranstaltungen online, die meistens kostenlos sind und viel zu bieten haben.

Studienfach: B.Ed. Französisch und Spanisch

Aufenthaltsdauer: 09/2017 - 12/2017

Gastuniversität: Université Paul Valéry Montpellier III

Gastland: Frankreich


Rückblick

Studieren im Ausland ist anstrengender als in Deutschland am Anfang, danach wird es zur Routine. Der Anfang ist ebenso stressiger, da das System neu ist, der Campus ein anderer und man niemanden kennt. Doch all dies ändert sich nach zwei bis drei Wochen. Stressig ist natürlich auch die Wohnungssuche, wenn man nicht ins Studentenwohnheim will, doch am Ende hat jeder etwas gefunden. Ich habe nicht nur neues fachliches Wissen erworben, sondern auch viel über mich selbst und die Stadt gelernt. Es war eine tolle Erfahrung und ich habe viele schöne Erinnerungen an Konzerte, Wanderungen, Städtebesuche und habe ein paar echte Freunde gefunden. Und wenn nicht jetzt die Chance nutzen, wann dann?

Frankreich

zurück zur Länderseite

Studium im Ausland

Hier finden Sie alle Informationen zum Studium im Ausland.

Finanzierung & Stipendien

Wie Sie Ihr Auslandsstudium finanzieren können und welche Stipendien Sie erhalten können, erfahren Sie hier.