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Erasmus+ Erfahrungsbericht - Université Paul Valéry Montpellier III


Studienfach: B.Sc. Politik und Wirtschaft

Aufenthaltsdauer: 09/2017 - 12/2017

Gastuniversität: Université Paul Valéry Montpellier III

Gastland: Frankreich

Vorbereitung des Auslandsaufenthalts

Alle Informationen zu den Partnerhochschulen und dem Ablauf eines Auslandssemesters findet man übersichtlich auf der Website der WiSo-Fakultät. Dadurch kann man sich schon erste Gedanken machen und eine persönliche Auswahl treffen. Bei Fragen zu Details oder wenn man noch eine persönliche Beratung wünscht, sind sowohl Frau Kettmann vom International Office als auch die Erasmus-Koordinatorin (bei der WiSo-Fakultät ist das Frau Schmidt) eine gute Anlaufstelle. Für mich waren die Gespräche bestärkend und haben mir bei der Orientierung und bei der Vorbereitung meines Aufenthalts sehr geholfen. Der Kontakt mit der Gasthochschule erfolgte erstmalig durch die Partneruniversität in Montpellier. Nach der erfolgreichen Bewerbung an der Universität Potsdam, wurde unsere Daten an die Uni Montpellier übermittelt. Die einzureichenden Bewerbungsunterlagen waren die typischen Unterlagen, wie sie schon für die Bewerbung in Potsdam gebraucht worden waren. Außerdem war ein Motivationsschreiben auf Französisch und einen Nachweis über das Französischniveau erforderlich. Die Anforderungen der Universität Montpellier waren klar und ausreichend per Email kommuniziert. Der weitere Kontakt lief manchmal etwas durcheinander allerdings hat alles in den dafür vorhergesehen Fristen funktioniert. Ein richtiger Service ist hingegen, dass sich das BRI (International Office) der Universität Montpellier auch um die Zimmer im Wohnheim kümmert. Generell konnte man mit allen Anliegen und Fragen an das BRI herantreten. Sie kümmern sich um die Learning Agreements, um die Organisation der Sprachkurse und die der Prüfungen. Damit war das BRI unser einziger Ansprechpartner in Montpellier, was den bürokratischen Aufwand doch schon etwas verkleinert und übersichtlicher gemacht hat. Auch während unseres Aufenthaltes wurden wir immer ausreichend und rechtzeitig vom BRI mit allen Informationen versorgt. Aber natürlich auf Französisch.

Studium an der Gastuniversität

Das System der Universitäten in Frankreich ist anders aufgebaut als in Deutschland. Positiv als Erasmusstudierender ist vor allem, dass man nicht den gesamten „Stundenplan“ der französischen Studierenden mitgehen muss, sondern sich Veranstaltungen passend zu seinem Studiumsverlauf aussuchen kann. In den Politikwissenschaften gibt es Vorlesungen, die einmal die Woche für drei Stunden gehalten werden. Dazu kommt ein Seminar, in dem vertieft über die Inhalte der Vorlesung gesprochen wird bzw. Referate oder Analysen durchgeführt werden. Für diese Vertiefungsseminare waren wir nicht zugelassen, uns standen nur die Vorlesungen offen. Von Anfang an war klar, dass wir als Prüfungsleistung eine mündliche Prüfung am Ende des Semesters abzulegen haben. Diese Prüfungen waren dann alle in den letzten zwei Wochen vor Weihnachten, was die Drucksituation etwas erhöht hat. Neben dem Lernen wollten wir natürlich noch Zeit miteinander verbringen, mussten unsere Rückreise organisieren und wollten einfach die letzte Tage noch genießen. Die Prüfungen waren dann abhängig von den Lehrenden unterschiedlich in ihren Anforderungen. Manche waren mit Vorbereitungszeit, manche ohne. Manche stellten zu jedem Kapitel der Vorlesung Fragen, manche nur zu einem Thema. Man musste also etwas spontan und flexibel in jede Prüfung gehen. Dafür wurde fast keine Eigenleistung oder Übertragung der Lehrinhalte auf andere Fälle/Themen etc. erwartet. Aber nicht nur der Studienverlauf ist durch die "Stundenpläne" und einen Hauptkursraum einem Schulsystem ähnlich. Durch diese Gestaltung der Lehre kommt auch ein klassenartiges Sozialssystem zustande. Es gibt eine/n Jahrgangssprecher/in, der oder die gewählt wird. Alle haben auch alle Kurse gemeinsam, es gibt eine Facebookgruppe in der alles über die Kurse (organisatorisch und inhaltlich) ausgetauscht wird. Ich habe mich auf jeden Fall sehr an meine Schulzeit zurückerinnert gefühlt. Positiv daran ist, dass man die gleichen Leute einfach wieder trifft und die Studienatmosphäre nicht so anonym bleibt. Die Situation ähnelt der einer Klasse, in der man dann auch relativ schnell Bekannte oder sogar Freunde findet. Das hängt allerdings sehr von einem selbst ab. Es gibt am Willkommenstag eine Führung durch die Universität durch französische Studierende, sodass erste Fragen gestellt werden können allerdings haben sich daraus keine weiteren Treffen entwickelt. Es gibt zum Beispiel auch kein explizites Buddy-Programm wie in Potsdam. Die Dozenten/innen sind gegenüber internationalen Studierenden sehr offen und sind bereit bei Fragen zu helfen. Die Infrastruktur für Studierende ist in Montpellier sehr unterschiedlich abhängig von Fakultät und Campus. Im Allgemeinen ist Montpellier aber eine Universitätsstadt, sodass es ein hohes Niveau der Ausstattung und Möglichkeiten für die Studierenden gibt. Die Bibliothek der Fakultät „Jura und Politikwissenschaften“ ist zum Beispiel sehr klein und mit wenigen Computern ausgestattet. Allerdings gibt es außerhalb der Innenstadt eine sehr große und moderne Bibliothek in der das Lernen sehr angenehm war. Dort hat sich gegen Ende täglich eine große Gruppe der Erasmus-Studierenden unserer Fakultät getroffen. Auffallend sind die Öffnungszeiten im Gegensatz zu deutschen Bibliotheken. Fast keine Bibliothek hat länger als 19 Uhr geöffnet. Da schlägt doch eine andere Ansicht auf Arbeits- und Ruhezeiten durch.

Kontakte zu einheimischen und ausländischen Studierenden

Kontakt zu internationalen Studierenden zu finden im Erasmus-Aufenthalt ist wohl eine der einfachsten Aufgaben. Am Anfang sind alle wie in einem Kennenlern-Rausch. Man trifft sich an dem von der Fakultät organisierten Kennenlerntag, falls man nicht schon davor über Facebook oder Whatsappgruppen Leute gefunden und getroffen hat. Da noch keinerlei Überblick herrscht, kommt es erstmal zu Treffen in großen Gruppen, jeder kennt irgendwoher nochmal jemanden. So entsteht ein Netz von bekannten Gesichtern, dass sich nach und nach in kleinere Cliquen zersetzt. Oftmals sind die Cliquen national dominiert, was ich persönlich sehr schade finde. Ich habe zum Glück in einer buntgemischten Mädelsgruppe Anschluss gefunden. Gleichzeitig habe ich in der Uni einen Franzosen kennen gelernt, der selbst neu war in Montpellier. Dadurch war es deutlich einfacher in der entstehenden Freundesgruppe einen Platz zu finden als in gefestigte Cliquen. Mit einheimischen Studierenden Kontakt zu haben, hat natürlich viele Vorteile, wie dass sie einem viel über das Land und die Stadt zeigen können. Und man hört und spricht viel mehr Französisch. Ein weiterer sehr guter Weg Kontakt zu Franzosen aufzubauen ist durch Hobbies wie Sport oder Theater. Ich bin durch das Capoeiratraining auf eine sehr nette Gruppe von Leuten gestoßen.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Ich hatte eine klassische Ausbildung im Französischen. Fünf Jahre Schulfranzösisch, an der Uni ein Semester lang einen Kurs belegt. Das war gut als Vorbereitung. Denn es braucht doch eine Weile alle grammatikalischen Regeln zu wiederholen und eine gewisse Beschäftigung mit der Sprache in dem Zeitraum davor, ist durchaus sinnvoll. Mit am meisten sprachliche Fortschritte habe ich durch die Vorlesungen gemacht. Die besondere Sprach- und Zuhörsituation (einer spricht, kaum Umgangssprache, teilweise Unterstützung des Gesagten durch Präsentationen) ist deutlich einfacher verständlich als Gespräche zwischen mehreren Personen zu folgen. Ich habe daher immer versucht den Vorlesungen konzentriert zu folgen und mir Notizen auf Französisch zu machen, ähnlich wie ich es in deutschen Vorlesungen auch machen würde. Da die französischen Studierenden sowieso alle am Laptop mitschreiben, haben wir zum Lernen später die Aufzeichnungen von jemandem erfragen können. Der Vergleich zwischen diesen und meinen Notizen war sehr interessant. Und hat deutlich die Entwicklung gezeigt, wie ich bei jeder Vorlesung mehr und mehr verstanden habe und der Struktur deutlicher folgen konnte. Am Ende des Semesters, als wir auf die Prüfungen lernen mussten, war das auch nochmal eine sehr intensive Beschäftigung mit der Sprache, wovon ich profitiert habe. Besonders interessant ist es natürlich Gespräche auf Französisch zu führen. Die alltäglichen kleinen Frage-Antwort-Spiele beim Bäcker oder in anderen Läden wurden von einer aufregenden Leistung, die vorher möglichst genau durchdacht wurde zu einer alltäglichen Anwendung. Man lernt die spezifischen Worte, Fragen und Antworten recht schnell. In längeren Gesprächen wechselten wir dann auch mit den Franzosen ab und zu ins Englische. Diese sind nämlich nicht, wie ihnen gerne hinterher gesagt wird, zu faul und zu stolz Englisch zu sprechen. Viele haben Spaß daran bzw. würde die Sprache sogar gern besser können. Das Problem dabei ist die mangelhafte Sprachausbildung im französischen Schulsystem. So merkt man schnell, ob der Gesprächspartner schon mal für längere Zeit im Ausland unterwegs war. Schlussendlich habe ich aber das Gefühl, dass meine Französischkenntnisse deutlich gewachsen sind in den vier Monaten. Zum einen bin ich viel sicherer in grammatischen Konstruktionen geworden, zum anderen habe ich viele neue Worte hinzugelernt.

Wohn- und Lebenssituation

Ich habe bisher noch nie in einem Studentenwohnheim gewohnt und da die Zeit in Montpellier mit vier Monaten sowieso sehr überschaubar war, habe ich beschlossen, mich auf einen Wohnheimsplatz zu bewerben. Das schien mir eine sichere Bank (ist es auch) und war eine neue Erfahrung für mich. Eine Bewerbung auf ein Zimmer erfolgte, wie gesagt, über das BRI und war sehr unkompliziert. Mir wurden rechtzeitig alle Informationen gegeben und meine Fragen wurden schnell beantwortet. Bei meiner Ankunft wurde ich leider in das falsche Zimmer geschickt, sodass ich nach einer Woche nochmal umziehen musste. Allerdings hatte ich dann ein frisch renoviertes Zimmer mit eigener Toilette und Dusche. Die Zimmer sind sehr platzoptimiert eingerichtet. Ich hatte zweimal Besuch, was eher im Graubereich der Wohnheimsregeln spielt. Platztechnisch hält man das sowieso maximal eine Woche aus. Ansonsten sind die Wohnheime relativ streng bewacht mit Einlasskontrolle durch eine Chipkarte und Nachtwächtern, welche sicherstellen, dass man nachts im Garten keinen Alkohol trinkt und zu laut ist. Boutonnet erschien mir dabei aber das entspannteste Wohnheim. Schön ist dort auch das weitläufige Gelände, das sehr grün ist und viele Sportmöglichkeiten bietet. Die Miete war gering (ca. 240€), der Komfort einer eigenen Küche fehlt dagegen. Das war eins der traurigen Dinge, da ich eigentlich sehr gerne koche und esse. Aber in der Wohnheimsküche herrschte ein sehr anonymer Charakter und so fehlte auch das Verantwortungsgefühl die Herdplatten und Spülbecken sauber zu halten. Von ein paar netten Ausnahmen mit denen man sich während des Kochens auch mal unterhalten konnte, abgesehen, lebte man eher nebeneinander her. Alleine in seinem Zimmer essen macht nicht wirklich Spaß, aber das muss auch nicht immer sein. Oft trifft man sich im Wohnheim oder bei jemanden, der in einer WG wohnt, um gemeinsam zu kochen. Zur Fortbewegung in der Stadt habe ich mir ein Fahrrad gekauft. Es gibt einen Markt in Mosson oder diverse Facebookgruppen und da Montpellier eine Studentenstadt ist, gibt es auch kein Problem, das Fahrrad am Ende wieder zu verkaufen. Von der Größe ist Montpellier perfekt um sich mit dem Fahrrad fortzubewegen und man lernt die Stadt viel besser kennen. Sonst gibt es auch vier Tramlinien, die häufig getaktet fahren (außer später abends und sonntags) und einen sogar bis an den Strand bringen. Die Tickets sind sehr günstig und es empfiehlt sich einen Fahrschein zu kaufen, da oft und streng kontrolliert wird. Ich habe ein Bankkonto eröffnet, da man gleichzeitig eine Zimmerversicherung abschließen kann, die man zwingend für ein Wohnheimzimmer benötigt. Das Konto ist für Studierende kostenlos und relativ einfach zu eröffnen. Der Vorteil ist dann auch, dass man mit seiner französischen Bankkarte überall kostenlos Geld abheben kann. Um die Auflösung des Kontos sollte man sich rechtzeitig kümmern, da man erst postalisch die Zimmerversicherung kündigen muss, den Restbetrag des (jährlichen) Versicherungsbeitrags per Scheck zurück bekommt und erst nachdem man diesen eingelöst hat, sein Konto kündigen sollte. Uns wurde im Vorhinein geraten eine extra Auslandskrankenversicherung abzuschließen. Allerdings ist dies nicht unbedingt nötig, da es zwingend ist in Frankreich eine studentische Kranken- und Haushaltsversicherung abzuschließen. Diese kostet auch nur 16-18€ jährlich (für EU-BürgerInnen). Wer gerne auf Nummer sicher geht, kann aber auch eine Auslandskrankenversicherung abschließen. Man weiß nie, was passiert und der Rücktransport ist damit gesichert. Im Allgemeinen würde ich meine Lebenshaltungskosten evtl. etwas höher beziffern. Das liegt vor allem an den Auflügen und Reisen, welche wir in den vier Monaten unternommen haben und dem häufigen Essen gehen. Für mich ist es aber gerechtfertigt in einem Auslandssemester für solche Dinge Geld auszugeben, diese Möglchkeiten bieten sich nicht mehr so schnell. Auch wenn Lebensmittel etwas teurer sind, ist es aber gut möglich mit einem studentischen Budget über die Runden zu kommen.

Studienfach: B.Sc. Politik und Wirtschaft

Aufenthaltsdauer: 09/2017 - 12/2017

Gastuniversität: Université Paul Valéry Montpellier III

Gastland: Frankreich


Rückblick

Ans Herz legen kann ich wirklich das Wohnen in einer WG. Natürlich erfordert das etwas mehr Geduld und Nerven, bringt aber auch schöne Vorteile in der Lebensqualität in der Zeit, in der man dann da ist. Und wieder eine Möglichkeit mehr Französisch zu sprechen. Abschließend würde ich sagen, habe ich sehr viele Erfahrungen gemacht. Natürlich nicht nur gute aber die bunte Mischung gibt einem sehr viel. Mal ist es stressig wegen irgendwelchen bürokratischen Problemen oder man ist traurig, weil man seine Freunde und Familie daheim vermisst. Natürlich ist es evtl. auch mal nervig mit den Leuten vor Ort, aber es macht schon sehr viel Spaß so viel Neues zu entdecken und kennen zu lernen. Jeder bringt neue Ideen mit und dadurch erlebt man in den wenigen Monaten auch überproportional viel. Gleichzeitig habe ich auch mal ein Wochenende mit mehr Ruhe verbracht oder bin einen Abend nicht mit weggegangen. Diesen Druck muss man sich ruhig auch mal selbst nehmen. Ich glaube, ich habe sehr viel über mich gelernt in der Zeit. Auch weil ich mir die Zeit genommen habe, neue Dinge und Dinge, die ich schon immer machen wollte, auszuprobieren.

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