Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Von Anfang September 2019 bis Ende Dezember 2019 studierte ich für ein Semester am Sciences Po Lyon in Frankreich das Fach Politik mit dem Erasmus Programm. Bereits zu Beginn möchte ich betonen, dass die Europäische Union uns Studierenden mit diesem Programm eine einmalige Möglichkeit gibt, in einem anderen Land zu studieren, eine neue Sprache zu lernen und das Universitätsleben in dem jeweiligen Gastland kennenzulernen – und das Ganze mit relativ wenig Aufwand im Voraus. Sowohl im Gastland, als auch an der Universität Potsdam, wurden wir organisatorisch und administrativ stets unterstützt. Mit zwei Info-Veranstaltungen an der Universität Potsdam, Erinnerungsmails und dem sich selbsterklärenden Online-Portal des Erasmus-Programms war ich stets informiert und konnte alle Unterlagen fristgerecht und ohne weitere Probleme einreichen. Auch die Kontaktaufnahme mit dem Gastland erwies sich als sehr unkompliziert. Bereits einige Monate vor Beginn des Erasmusaufenthalts erhielten wir eine Mail vom International Office am Sciences Po mit Informationen zu den Einführungswochen und Unterlagen, die wir noch einzureichen hatten. Am Ende war für mich das Herausforderndste am gesamten Bewerbungsverfahren die Bewerbung an der Partneruniversität in französischer Sprache sowie die Übersetzung meines Lebenslaufs vom Deutschen ins Französische. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass mir das Bewerbungsverfahren von beiden Seiten sehr leicht gemacht wurde.


Studienfach: Politik

Aufenthaltsdauer: 09/2019 - 12/2019

Gastuniversität: Science Po Lyon

Gastland: Frankreich

Studium an der Gastuniversität

Ende August kam ich in Lyon an, um an dem zwei wöchigen Vorbereitungskurs am Sciences Po Lyon teilzunehmen. Ich hatte mich auf einen intensiven Französischkurs gefreut, war von den zwei Wochen am Ende aber ziemlich enttäuscht. Abgesehen davon, dass ich darüber einige nette Menschen kennengelernt habe, hat mir der Kurs sehr wenig gebracht. Es ist meiner Meinung nicht unbedingt notwendig an diesem teilzunehmen. Als internationale Studierende am Sciences Po hatten wir die Möglichkeit, auf Englischer Sprache oder in französischer Sprache zu studieren. Für das französische Studium wurde das Sprachniveau B2 empfohlen. Da es mein vorrangiges Ziel war, mein Französisch zu verbessern, entschied ich mich für das französische Programm - obwohl ich nur das Sprachniveau B1 in Deutschland erlangt hatte. Falls ihr Französisch lernen wollt, würde ich jeder und jedem das gleiche Vorgehen empfehlen – in die Sprache findet man sich nach ein paar Wochen ein.

Ein Großteil der Veranstaltungen am Sciences Po waren Vorlesungen, in denen die Dozierenden redeten und die Studierenden möglichst wortwörtlich mitschrieben. V.a. der Versuch wortwörtlich mitzuschreiben war für mich bis zum Ende etwas befremdlich. Trotzdem waren die Mitschriften der französischen Studierenden letztendlich sehr nützlich für mich: Besonders zu Beginn forderte mich das gleichzeitige Zuhören und Mitschreiben in den Vorlesungen auf Französischer Sprache sehr heraus. Die französischen Mitstudierenden waren aber glücklicherweise sehr hilfsbereit und stellten uns ihre Aufzeichnungen zur Verfügung. Nach einigen Wochen hatte ich mir dann auch ein Grundvokabular angeeignet, was mit das Zuhören und Mitschreiben zusätzlich erleichterte. Auch wenn es ein anspruchsvolles Semester war, bin ich froh das französische Programm besucht zu haben – mein französischer Wortschatz hat sich dadurch stark erweitert. Ich kann mich jetzt über fast jedes Thema auf Französisch unterhalten und v.a. mein Hörverständnis ist sehr viel besser geworden. Ich verstehe nun einen Großteil im französischen Radio und Fernsehen.

Kontakt zu einheimischen und internationalen Studierenden

Hätte ich auf Englisch studiert, wäre es mir sehr viel schwerer gefallen, einen Zugang zur französischen Sprache zu finden. Denn mir und vielen anderen internationalen Studierenden fiel es am Sciences Po nicht leicht, in Kontakt mit französischen Studierenden zu kommen. Sie waren zwar stets hilfsbereit und beantworteten all unsere Fragen, über kurze Gespräche ging es aber meist nicht hinaus. Ich empfehle daher sehr, in eine französische WG zu ziehen, bzw. sich ein Hobby in der Stadt zu suchen. Am Sciences Po gab es viele Möglichkeiten sich ehrenamtlich zu engagieren (z.B. für den Klimaschutz oder bedürftige Menschen in Lyon) und auch das sportliche Angebot war groß. Dort wäre es mit Sicherheit möglich gewesen, mit Studierenden des Sciences Po in Kontakt zu kommen. Ich suchte mir trotzdem unabhängig vom Sciences Po eine Tanzschule in Lyon, um meinem Hobby Lindy Hop weiter nachzuge-hen. Dort kam ich dann auch endlich in Kontakt mit Einheimischen. Insgesamt waren die vier Monate aber zu kurz um wirkliche Freundschaften zu schließen. Erst in den letzten drei Wo-chen unternahmen wir Dinge gemeinsam, außerhalb der Tanzstunden. Auch wenn ich keine allzu große Lust auf das Erasmus-Tam-Tam hatte, verbrachte ich am Ende den Großteil meiner Zeit mit Erasmus Studierenden, die teilweise auch wirklich Freund*innen von mir wurden. Das ist auch nicht schlecht – jetzt kann ich Menschen in halb Spanien, Italien und Norwegen besuchen.

Wohn- und Lebenssituation

Noch kurz etwas zu meiner Wohn- und Lebenssituation: Insgesamt kann ich festhalten, dass die Lebenserhaltungskosten in Lyon für mich höher waren als in Potsdam und Berlin. So zahlt man z.B. in einer Bar für ein Bier schnell mal zwischen 4 und 6 Euro und in den Supermärkten sind die Preise teilweise doppelt so hoch wie in deutschen Supermärkten. Dafür existiert in Lyon (und in vielen anderen französischen Städten auch) noch immer eine große Marktkultur. Fast jeden Tag kannst du in deiner Nähe auf einen Markt gehen und bekommst dort lokale und saisonale Produkte aller Art. Auf den Märkten ist gerade saisonales Gemüse und Obst sehr viel günstiger als in den Supermärkten. Ich empfehle daher sehr, sich gleich zu Beginn des Eramsus-Aufenthalts nach Märkten in der eigenen Umgebung umzuschauen.
Auch die Wohnungs- und Zimmerpreise in Lyon sind ziemlich hoch. Gerade wenn man ein Zimmer über eine Agentur bucht – was gerade internationale Studierende oft tun – kann es ziemlich teuer werden (zwischen 500 und 600 Euro pro Monat). Vor meiner Ausreise habe ich mich daher mit einigen Menschen unterhalten, die bereits in Frankreich studiert haben. Viele von ihnen begannen erst vor Ort mit der Wohnungssuche. Mir war es wichtig, in eine WG zu ziehen, in der französisch gesprochen wurde, deshalb trat ich auf Facebook einigen Gruppen bei und richtete mir drei Accounts für die Wohnungssuche ein und zwar auf:

www.leboncoin.fr
www.lacartedescolocs.fr
www.appartager.com

Ich habe bereits im Voraus mit der Recherche begonnen, wurde aber nicht fündig. Ein Großteil der Franzosen und Französinnen scheinen ihre Gesuche erst wenige Tage vor der Neuvermietung online zustellen und erwarten, dass man persönlich am besten direkt am nächsten Tag vorbei kommt. Dies war mir aus Deutschland natürlich nicht möglich. Nach einiger vergeblicher Suche entschied ich mich am Ende auch dazu, erst einmal nach Lyon zu fahren und von dort mit der Suche fortzufahren. Die erste Woche kam ich bei Freund*innen von Bekannten unter und begann direkt intensiv zu suchen. Bereits nach wenigen Tagen wurde ich über die Seite leboncoin fündig und zog noch in derselben Woche um. Ich zahlte am Ende 360 Euro für mein Zimmer, was für Lyon-Verhältnisse okay war. Ich würde es das nächste Mal wieder so machen und erst vor Ort mit der Wohnungssuche beginnen. Meine WG war ca. 10 Minuten mit dem Fahrrad von meiner Universität entfernt. In Lyon gibt es die App Vélo’v (https://velov.grandlyon.com), mit der für 1,80 Euro/ pro 30 Minuten Fahrräder ausgeliehen werden können. Über die ganze Stadt verteilt gibt es überall Fahrradstationen, an denen die Fahrräder ausgeliehen und zurückgeben werden können. Ich habe mir für 15 Euro ein Abo gekauft, mit dem ich die vier Monate überall kostenlos Fahrräder über die App ausleihen konnte. Eine Vélo’v-Station war praktischerweise nur drei Minuten zu Fuß von meiner Wohnung entfernt. Wäre ich für ein Jahr geblieben, hätte ich mir trotzdem ein eigenes Fahrrad besorgt. Gerade an warmen Tagen waren viele der Fahrräder vergriffen, sodass ich manche Strecken zu Fuß zurücklegen musste.

Studienfach: Politik

Aufenthaltsdauer: 09/2019 - 12/2019

Gastuniversität: Science Po Lyon

Gastland: Frankreich


Rückblick

Rückblickend kann ich festhalten, dass ich meine Erasmus-Zeit in Lyon genossen habe, sehr gern zur Uni gegangen bin, mein Französisch eindeutig verbessert habe und mit vielen spannenden Menschen in Kontakt kam. Lyon ist eine sehr große Stadt – wer Großstädte mit vielen kulturellen Möglichkeiten (wie Theater, Museen, Bars und Clubs) mag und im Sommer gern am Wasser sitzt, der oder dem wird Lyon auf alle Fälle gut gefallen. Mir selbst war die Stadt für vier Monate im Nachhinein etwas zu groß. Ich habe relativ lang gebraucht, um mich in der Stadt zurechtzufinden und Wohlfühl-Orte zu finden. Außerdem bin ich erst im Master ins Ausland gegangen, würde aber im Nachhinein eher eine Ausreise im Bachelor empfehlen. Der Master ist eigentlich zu kurz, um ein Semester oder auch länger ins Ausland zu gehen. Trotz der Tatsache, dass ich mir evtl. einige Kurse anrechnen lassen kann, werde ich ein Semester länger studieren müssen. Auch wenn ich ein Semester länger im Master studieren werde und mich erst an die Größe von Lyon gewöhnen musste, bin ich sehr froh, das Programm Erasmus genutzt zu haben und kann es jeder und jedem nur weiter empfehlen – auch Lehramtsstudierenden, die keine Sprache studieren. Es ist eine einmalige Möglichkeit, die uns die Europäische Union gibt um in eine andere Kultur und Sprache einzutauchen und uns mit vielen Eindrücken sowie Ideen im Kopf zurückkommen lässt.

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