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Erasmus+ Erfahrungsbericht - Sciences Po Lille

ERASMUS bedeutet „ab ins Ausland!“ und genau das wollte ich machen. Es war für mich relativ schnell klar, dass ich diese Erfahrung mit dem ERASMUS(+)-Programm erleben möchte. Es ist unkompliziert und wenn man Glück mit der Uni hat, muss man sich auch um gar nicht mehr so viel kümmern!

Da ich gerne ins französsich-sprachige Ausland gehen wollte, fiel meine Wahl recht schnell auf Frankreich. Nachdem ich also auf der Seite meiner Fakultäten (Wirtschafts-und Sozialwissenschaften, Naturwissenschaften und Erziehungswissenschaften) geschaut habe mit welchen Universitäten Verträge bestehen, habe ich mich für Lille entschieden.Vorher habe ich bereits von mehreren Leuten gehört, dass die Stadt schön sein soll und die Möglichkeit, mal auf die Elite-Uni „Sciences Po“ zu gehen, war für mich ebenfalls reizvoll. (Im Nachhinein      betrachtet,      sollte      man      nicht      so      viel      darauf       geben.)  Paris als Zweitwahl (nicht zu empfehlen, weil es viel zu teuer und viel zu groß zum studieren ist) habe ich angegeben, weil die Hauptstadt Frankreichs als Wohnort natürlich schon verlockend ist im ersten Moment.

Nachdem ich dann also nach knapp 2 Monaten Bescheid bekommen habe, dass ich nach Lille fahren darf, war die Freude groß und schon bald bekam ich eine Mail der Sciences Po. Der Verantwortliche (Monsieur Buteau) ist wirklich sehr nett und bei Fragen bekommt mal schnell eine Antwort.

Für die Bewerbung wurde ein Formular geschickt, welches man ausgefüllt zurück schicken sollte. Außerdem gab es bereits den Kurs-Katalog, der letztendlich aber nicht aktuell war und dementsprechend nicht relevant für das, was man an der Uni belegen wird.


Studienfach: Bachelor of Education- Biologie & Politische Bildung

Aufenthaltsdauer: 09/2016 - 12/2016

Gastuniversität: Université de Lille 1 - Sciences et Technologies

Gastland: Frankreich

Studium an der Gastuniversität

Das Studium an der Sciences Po war letztendlich nicht so außergewöhnlich, wie ich gedacht hatte. Die Seminare bzw. Vorlesungen haben von der Qualität her stark geschwankt, wie wahrscheinlich an fast jeder Uni. Sehr positiv war jedoch der Kurskatalog, der sehr umfangreich und von den Themen her von Grundlagenvorlesungen bis hin zu speziellen Seminaren gereicht hat. Vorlesungen in Frankreich sind aufgebaut wie ein Diktat, bei dem alle auf ihren Laptops tippen und keine Zeit zum Nachdenken bleibt. Die Seminare, bei denen hauptsächlich Franzosen dabei sind, kann ich nur empfehlen, um die Sprache zu lernen und Kontakte zu knüpfen. Wobei auch die Angebote, die nur für die „Internationals“ angeboten wurden, eine gute Möglichkeit sind, Leute kennen zu lernen. Hierfür gibt es aber genug andere Abende, Tage oder Ausflüge.
Das gesamte Studienklima ist an der Sciences Po wirklich angenehm. Die Uni besteht lediglich aus einem Gebäude und erinnert daher eher an eine Schule, als an eine Uni.(Für 1800 Studierende reicht das große Gebäude auch.) Die DozentInnen waren wirklich nett und man hat sich eigentlich nirgends ausgeschlossen gefühlt, weil man ERASMUS- StudentIn war. Teilweise ließ die Organisation allerdings auch zu wünschen übrig.
Die generellen Anforderungen haben auch stark geschwankt. Was bei nahezu allen Seminaren bzw. Vorlesungen gefordert wurde, war eine Hausarbeit. Teilweise durften diese auch auf Englisch geschrieben werden (obwohl das Seminar bzw. die Vorlesung auf Französisch gehalten wurde). Ein wirklicher Stressfaktor hier bei war, dass die Hausarbeiten bereits bis vor Weihnachten fertig gestellt sein sollten. Da man die Arbeitsaufträge aber auch erst ca. ab Anfang November (wenn man Glück hatte!!) bekommen hat, waren die letzten Wochen sehr arbeitsintensiv und von der freien Zeit zu Beginn, war kaum noch etwas da. Aufgrund der sowieso kurzen Zeit des Semesters, fiel dann noch mehr Zeit weg, sich mit Leuten zu treffen und die Zeit verging noch schneller.
Ein wirkliches Manko war die technische Ausstattung bzw. die Bibliothek. Computer waren vorhanden und dies meiner Meinung nach auch in ausreichender Anzahl. Die Bibliothek hingegen war lediglich ein großer Raum und als es gegen Ende des Semesters an das Schreiben der Hausarbeiten ging, waren die Plätze sehr schnell vergeben. Ein weiteres Problem sind die Drucker an der Uni. Davon gibt es zwei. Ja, lediglich zwei Drucker bzw. Kopierer, von denen mit großer Wahrscheinlichkeit immer einer kaputt war bzw. spätestens nach dem zweiten Druckauftrag nacheinander eine Störung auftrat. Der nette Mann in der Bibliothek hatte also immer ordentlich zu tun, wenn man nicht gerade selbst den Papierstau beseiteigen konnte. Dazu kommt noch, dass der Drucker/Kopierer in der Bibliothek stand und aufgrund der oft auftretenden Reparaturarbeiten, Lärm nicht zu vermeiden war. Ein ruhiges Lernklima war also eher schwer zu erreichen. Außerdem gab es kaum Steckdosen in der Bibliothek, was durchaus problematisch sein kann.

Kontakte zu einheimischen und internationalen Studierenden

Ausländische Studierende kennen zu lernen, war gar kein Problem! Gerade in den ersten beiden Wochen gab es mehr als genug Angebote, zusammen bowlen zu gehen, die Stadt kennen zu lernen oder auch einfach nur in einer Bar zusammen zu sitzen. Das wurde nach einigen Abenden auf jeden Fall schon anstrengend und man sollte sich keinen Stress machen, auch mal auf eine Sache zu verzichten, weil das allen so geht und jeder Mal eine Pause braucht. Auch innerhalb des Semesters gab es immer wieder Abende, sich mit Studierenden zu treffen. Irgendwann hat man aber natürlich Leute gehabt, mit denen man sich auch eigenständig getroffen hat und der „Stress“ zu organisierten Abenden/Veranstaltungen zu gehen, fiel langsam weg.
Der Kontakt zu einheimischen Studierenden war dagegen schon etwas schwieriger. Auch, wenn man in der Uni Seminare mit französischen Studierenden hatte, waren diese nicht unbegingt immer offen ERASMUS-Studierende kennen zu lernen. Ich hatte Glück, dass mich vorher zwei Franzosen angeschrieben haben, ob ich Lust hätte ein Sprach-Tandem zu machen. Hierfür hatte ich mich vorher angemeldet. Ich habe in Seminaren oder auch Vorlesungen des Öfteren Franzosen angesprochen. Man merkt dann doch relativ schnell, ob diese Interesse haben, sich zu unterhalten oder doch lieber auf ihr Macbook schauen. Viele der Studierenden kommen sehr schick zur Uni und man bekommt schnell das Gefühl, dass Äußerlichkeiten durchaus wichtig sind für viele.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Die ersten Tage in Frankreich waren durchaus mit Hindernissen versehen. Besonders die Sprache hat mir zu Beginn Schwierigkeiten bereitet, da drei Jahre ohne jeglichen Kontakt zu einer Sprache durchaus viel sind. Man kommt jedoch schnell wieder rein und das Verstehen geht doch recht gut nach kurzer Zeit. Das Sprechen, aufgrund der vielen, vielen Vokabeln, die einem fehlen, fiel noch schwerer. Aber auch das hat man dann im Laufe der Zeit hinbekommen! Mein Sprachniveau war vor dem Aufenthalt bei B2, wobei ich diese Einstufung eindeutig für zu gut empfunden habe. Realistisch gesehen und was mir auch der online-Sprachtest gesagt hat, hatte ich ein B1 Level, wobei gerade das Hörverstehen als A2 eingestuft wurde. Im Nachhinein bin ich bei B2 bzw. beim Leseverstehen bei C1 eingestuft worden. Also, auf jeden Fall eine Verbesserung! Unter den ERASMUS-Studierenden wurde leider nur Englisch gesprochen, weil das dann doch leichter ging, aber im Endeffekt nicht förderlich, um Französisch zu lernen. Wobei sich dadurch mein Englisch auch verbessert hat, also auch kein schlechter Nebeneffekt! Was aber auf jeden Fall auch gut ist, ist das Schauen von Filmen oder Serien auf französich, was ich in der Zeit nur gemacht habe.

Wohn- und Lebenssituation

In Lille ein Zimmer zu finden, ist auf jeden Fall nicht leicht. Ich hatte Glück, dass ich bereits Wochen im Vorraus bei leboncoin.de ein WG-Zimmer gefunden habe. Im Nachhinein würde ich dies jedoch nicht nochmal so machen. Warum? Weil ich im Endeffekt nochmal umgezogen bin. Dies lag zum einen an der Mitbewohnerin, die sich leider als unsozial rausgestellt hat und den ganzen Tag vor dem Fernsehen saß und Karaoke-Shows geguckt hat. Außerdem war die Lage der Wohnung nicht optimal, was man richtig aber erst vor Ort sehen kann. Es lohnt sich also eine Woche vorher anzureisen, sich erst einmal in ein Hostel o.ä. zu begeben und vor Ort zu suchen. Das haben viele ERASMUS-Studierende gemacht und letztendlich haben alle etwas gefunden. Das Problem war jedoch, dass das erste Wochenende im September in Lille immer die Braderie stattfindet, Europas größter Flohmarkt. Daher war nahezu alles ausgebucht und sehr teuer. Vorher also informieren, ob Großereignisse anstehen. Mein erstes sowie mein zweites Zimmer haben 350€ gekostet, was für Lille gut bis normal ist. Das zweite Zimmer zu finden war durchaus schwierig und hat einige Besichtigungen gebraucht. Letztendlich habe ich bei einer sehr netten Französin gewohnt, die als Schauspielerin gearbeitet hat. Ich habe mich wirklich wohl gefühlt und die Lage der Wohnung war auch gut. Auch, wenn man einfach froh sein sollte, ein Dach über dem Kopf zu haben, ist es zu empfehlen, bei Studierendenn bzw Gleichaltigen zu wohnen, da diese doch eher ähnliche Interessen haben, wie man selbst.
Die Miete habe ich in beiden Wohnungen ohne Vertrag gehabt und bar bezahlt, was in Frankreich durchaus normal ist und bei fast allen so war.
In Lille gibt es eine Metro (ohne Fahrer!), die tagsüber alle 2-3 Minuten fährt und auch reichlich Busse. Die Metro fährt allerdings nur bis halb 1 nachts, weswegen ich so viel zu fuß gelaufen bin, wie noch nie. Es gibt dazu auch einen Nachtbus.. Die öffentlichen Verkehrsmittel muss mal selbst zahlen, da es in Frankreich nicht so etwas wie Studententickets gibt. Hierfür lohnt es sich den Viva-Pass zu holen (am Gare Lille Flandres), um die Fahrten günstiger zu bekommen. Dafür benötigt man dann noch den PassPass-Personelle, den man aber auch dort bekommt.
Mit der Bank hatte ich keinen Kontakt. Diejenigen, die jedoch einen Handy-Vertrag abschließen wollten, brauchten ein französisches Konto. Soweit ich mitbekommen habe, muss man aber einfach mit seinem Personalausweis dort hin gehen und dann ist das problemlos möglich. Das Konto benötigt man auch dann, wenn man bei der CAF (caisse d'allocations familiale), das französische Wohngeld beantragen möchte. Da man hierfür aber einen Mietvertrag braucht, konnte ich es leider nicht beantragen.

Die Lebenshaltungskosten sind in Frankreich generell schon etwas höher als in Deutschland. Wobei es natürlich je nach Stadt auch Unterschiede gibt. Dank Lidl kann man aber wirklich kostengünstig einkaufen. MEIN TIPP: Geht auf den Markt in Wazemmes. Dieser ist jeden Dienstag, Donnerstag und Sonntag (dann aber besonders voll und etwas teurer) und das Essen oder auch Kleinigkeiten, die man immer gebrauchen kann, sind wirklich günstig! Supermärkte wie Carrefour oder auch Match sind zur Genüge vorhanden und wenn man möchte, kann man einen der 100 verschiedenen Döner-Varianten probieren!

Freizeitangebote in Lille gibt es mehr als genug. Angefangen bei dem Klassiker „Zoo“ (In Lille umsonst und wirklich schön) über Sportangebote der Uni (Informationen dazu gibt es bei der Einführungsverantstaltung; Aussage: Einfach hingehen ohne sich anzumelden) oder auch viel Kultur und Theater. Nutzt dazu die „Sortir“-Hefte, die überall rumliegen oder recherchiert im Internet. (für Links s. Unten)
Auch bummeln in der Stadt und Altstadt sind sehr gut möglich und falls das Goethe-Institut wieder ein Speak-Dating anbietet; geht unbedingt hin, um nicht nur Studenten zu treffen!
 
Bars, Kneipen und Diskotheken gibt es ausreichend in Lille. Die „rue Solférino“ ist immer voll, aber meiner Meinung nach nicht das Beste. Es gibt viel schönere Bars in der Alt-Stadt oder das „latina café“ ist eine tolle Bar, wo man gut tanzen kann!
Und wenn man mal nicht in Lille bleiben will, so kann man ganz schnell und unkompliziert Paris, London, Brüssel, Brügge (!!!!!!!!), Gent oder andere Städte in der Nähe besichtigen. Mit Megabus ist dann auch schonmal ein Ausflug nach Paris für 2€ (Hin-UND Rückfahrt) drin.

Studienfach: Bachelor of Education- Biologie & Politische Bildung

Aufenthaltsdauer: 09/2016 - 12/2016

Gastuniversität: Université de Lille 1 - Sciences et Technologies

Gastland: Frankreich


Rückblick

Tipps habe ich bereits in den einzelnen Kategorien gegeben. Aber mein größter Tipp ist, sich nicht verrückt zu machen, wenn man noch keine Wohnung hat, bevor man ankommt. Oder wenn man sich mit der Kurswahl doch nicht ganz sicher ist. Es lässt sich wirklich alles regeln und es gibt immer jemanden, den man fragen kann.
Die beste Erfahrung war einfach der gesamte Aufenthalt. Auf sich alleine gestellt ins Ausland zu gehen, wo eine andere Sprache gesprochen wird und man niemanden kennt, stärkt einen wirklich sehr! Man lernt sich selbst besser kennen und gewinnt an Selbstvertrauen und man erkennt, dass man eigenständig in der Lage ist, Probleme zu lösen. Ich könnte an dieser Stelle noch Ausflüge nach Paris, Brügge oder eine kleine Frankreich-Tour von Lyon, über Montpellier und Toulouse bis nach Bordeaux anführen...alles Dinge, die ich erlebt habe und über die ich sehr froh bin! Und vor allem habe ich tolle Leute kennen gelernt, mit denen ich hoffentlich Kontakt halten werde! Die erste Einweihungsparty steht schon an, zu der ich eingeladen bin!
Schlechte Erfahrungen habe ich eigentlich kaum anzuführen. Die Tatsache, dass ich umziehen musste bzw. wollte, war zunächst schwer, aber hat mich in Endeffekt gestärkt und ich habe erfahren, dass man ans Ziel kommt, wenn man nur lange genug dran bleibt. Und auch das Vermissen von Freunden und Familie ist in manchen Momenten schwer, aber auch das stärkt einen und die Zeit verfliegt so schnell, dass man kaum Zeit dafür findet.
Zu Beginn habe ich mir ein Fahrrad gekauft (leboncoin.de!!!) und das wurde leider geklaut...eine wirklich schlechte Erfahrung, aber da es nur 25€ gekostet hat, war es dann doch verkraftbar.

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