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Erasmus+ Erfahrungsbericht - Grenoble

Vorbereitung des Auslandaufenthalts

Mein Aufenthalt im Ausland war eine sehr spontane Entscheidung. Ich bin nur noch auf die Idee gekommen ein Auslandssemester zu absolvieren durch eine Rundmail mit den noch übrig gebliebenen Restplätzen. So habe ich kurzerhand die Koordinatorin für meine Fakultät angeschrieben und diese hat mich dann in Kontakt mit der Gastuniversität gebracht. Im Großen und Ganzen gibt es dazu nicht viel zu sagen, denn es lief alles reibungslos ab. Was ein wenig kompliziert war, war zu verstehen, was alles benötigt wird für die Bewerbung. Zum Beispiel musste ich ein Zertifikat über meine Englischkenntnisse abgeben. So ein Zertifikat besaß ich nicht und so habe ich einfach mein Abiturzeugnis und die Bestätigung des OLS-Testes nach Frankreich geschickt, was anscheinend vollkommen ausreichend war. Aber ebenfalls hier ein bis zwei E-Mails mit der Universität und alle Probleme waren beseitig. Also hier ein sehr großes Lob für die allzeit schnelle und gute Hilfe.

 


Studienfach: Immunology Microbiology Infectious Diseases

Aufenthaltsdauer: 09/2017 - 01/2018

Gastuniversität: Université Grenoble Alpes

Gastland: Frankreich

Studium an der Gastuniversität

Das System an einer französischen Universität weicht ein wenig von den uns gewohnten Vorlesungen ab. Ich kann hier nur von meinen Kursen aus dem Master berichten, aber ich habe durch Freunde mitbekommen, dass die Kurse anders aufgebaut sind, als ich es gewohnt war. Für mich war der größte Unterschied, dass man Vorlesungen hatte, die vier ganze Stunden dauerten mit einer 10-15 minütigen Pause nach zwei Stunden. Für meinen Geschmack ist das eindeutig zu viel, da ich der Meinung bin, dass so eine lange Aufmerksamkeit einfach nicht richtig zu bewältigen ist. Des Weiteren waren die Klausuren ebenfalls anders strukturiert, was mich am Anfang echt in die pure Verzweiflung getrieben hat, aber im Endeffekt waren sie nicht schwerer als Klausuren an der Universität Potsdam. Es hatte sich ungefähr so angefühlt wie damals als man die ersten Klausuren im Bachelor geschrieben hat. Also macht euch da nicht die größten Sorgen. Der Arbeitsaufwand ist in dem Studiengang, den ich gewählt hatte, von Kurs zu Kurs komplett unterschiedlich. In manchen Kursen wird man zugeschüttet mit Vorträgen, die man halten muss und andere sind Konferenzen, an denen man einfach teilnehmen muss und manch andere sind ganz normale Vorlesungen, wie man sie gewohnt ist. Die Betreuung durch dortige Studenten, Verwaltungsmitarbeiter oder Dozenten, weicht nicht wirklich von dem ab, was man hier in Deutschland gewohnt ist. Es gibt zum Beispiel jene Dozenten, denen du komplett egal bist und die nur ihre Vorlesung halten wollen, aber andere wiederum nehmen sich sehr viel Zeit für Fragen und sind offen für größere Diskussionen über ein Thema, was teilweise echt sehr interessant war und man so auch andere Eindrücke über Themengebiete erhalten hat. Die Bibliothek möchte ich besonders herausheben, denn eine Bibliothek mit so vielen Gruppenräumen habe ich noch nie gesehen. Man fand so gut wie immer einen Raum in dem man sich mit seinen Kommilitonen zusammensetzen konnte.  

Kontakte zu einheimischen und ausländischen Studierenden

Also wenn es bei einem Erasmussemester ein Problem nicht gibt, dann ist es dass man keine anderen ausländischen Studenten kennenlernt. Eigentlich muss man dazu nichts weiter sagen, aber na gut. Die Organisation, die für das Kennenlernen der verschiedenen Erasmusstudenten kümmert, heißt Integre. Die ersten zwei Wochen planen sie ein vollgestopftes Programm, mit Stadttouren, zusammen was essen und trinken und verschiedene Partys. Nach zwei Abenden hatte ich schon zig Kontakte geknüpft und Dutzende Handynummern wurden ausgetauscht. Also bei dieser Thematik muss man sich auf jeden Fall keine Sorgen machen. Die einheimischen Studenten in meinen Kursen waren größtenteils alle sehr nett und man wurde auch sehr schnell integriert und ich habe mich sehr wohl gefühlt. Natürlich kommt es immer darauf an, was man für Leute so in seinen Kursen hat und die zu einem passen, aber bei mir lief das alles reibungslos.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Hier kommt nun eines der größten Mankos meines Aufenthalts im Ausland. Meine Französischkenntnisse waren grauenhaft bevor ich nach Frankreich kam und sie haben sich nicht wirklich verbessert. Das lag aber auch daran, dass ichvon Beginn an alle meine Kurse auf Englisch hatte und ich so viel zu tun hatte, dass ich nicht wirklich die Zeit gefunden habe den Französischkurs zu belegen. Hier muss ich mir aber selber die Schuld geben, da hätte ich eindeutig mehr draus machen müssen. Es sei nebenbei angemerkt, dass Franzosen wirklich unzureichende Englischkenntnisse besitzen und es in vielen Situationen enorm schwer für mich war mich zu verständigen. 

Wohn- und Lebenssituation

IIch habe mich direkt am Anfang entschieden nicht auf Wohnungssuche zu gehen und für das Semester in ein Studentenwohnheim zu ziehen, da für mich das auch zu einem Auslandssemester einfach dazu gehört. Ich habe in dem Studentenwohnheim Berlioz gewohnt, was eines der besseren Wohnheime ist, da es mit 12 qm² die größten Zimmer anbietet und ein eigenes Bad besitzt. Es gibt noch ein paar andere Wohnheime, wo ich euch unbedingt vom dem traditionellen Rabot und der Residence Olympique abraten würde. Ersteres hat keine normalen Toiletten, sondern nur so eine Art Hocktoiletten mit einem Loch im Boden und das Zweite ist einfach am anderen Ende der Stadt und macht es euch sehr schwer in Kontakt mit den anderen Leuten zu bleiben und der Weg zur Universität ist zu lang. Bei dem Rabot kommt auch noch hinzu, dass es auf dem Berg ist und nach 20:00 fährt kein Bus mehr hoch und man hat einen 20 minütigen Berganstieg vor sich. Am besten hat mir die Residence Ouest gefallen, da dort die Raumaufteilung für mich am besten gewesen wäre und dort haben sie größere Schreibtische. Komme ich nun zu meiner Residence Berlioz. Dieses Wohnheim besteht aus sechs Gebäuden und in einem ist mindestens immer was los und man ist nie zur Langenweile gezwungen. Man teilt sich eine Küche mit 8 Herdplatten mit ungefähr 30 Personen, wobei es in 4 Monaten nur einmal dazu gekommen ist, dass ich kein Platz hatte zum Kochen. Aber was sehr nervig und einfach unnötig ist, dass man sich als allererstes, wenn man ankommt alles neu kaufen muss. Also zum Beispiel musste ich mir ein Kopfkissen, eine Bettdecke, Teller, Töpfe, Besteck selbst kaufen. Interessanterweise muss man sich auch eine Klobrille kaufen, wenn einem sowas wichtig ist, denn diese werden anscheinend jedes Mal wieder abgebaut und weggeschmissen. Es gibt zwar einen kleinen Basar, wo man ein paar Kleinigkeiten geschenkt bekommt, jedoch muss man eine Stange Geld für Sachen ausgeben, die nach vier Monaten weggeschmissen werden und das finde ich, ist einfach nur unnötig. Die Miete beträgt im Berlioz und im Ouest ca. 290 Euro, was eine Frechheit für solch ein Zimmer mit einer so ungemütlichen und teilweise sehr dreckigen Ausstattung ist. Das Bett in meinem Zimmer war keine zwei Meter lang und ungefähr nur 75 cm breit, was für einen größeren Menschen, der kein Fliegengewicht ist manchmal zur Qual wird.
Die öffentlichen Verkehrsmittel in Grenoble bestehen aus Bus und Tram, wobei die Tram das Hauptverkehrsmittel ist. Man kommt mit der Tram super schnell vom Wohnheim in die Stadt und wieder zurück. Einziges Problem: es gibt keine Transportmöglichkeiten nach 01:30 in der Nacht, dass es manchmal dazu kam, dass man sich zweimal überlegt hat noch einmal raus abends in die Stadt zu gehen, da man dann einen 35 minütigen Heimweg hatte, aber in einer Gruppe kann das teilweise auch Spaß machen. Man wird aufgefordert von der dem dortigen Studentenwerk ein Bankkonto und eine sogenannte „Housing insurance“ abzuschließen, diese ist sehr leicht bei der Bank zu besorgen und bereitet im Großen und Ganzen keine Probleme. Die Freizeitangebote sind vielfältig in der Stadt. Zum einen bietet die Universität unglaublich viele Sportkurse für einen sehr geringen Beitrag an und zum Anderen gibt es zahlreiche Orte in der Stadt, an denen man seinen Sportgelüsten freien Lauf lassen kann. Leider habe ich es nicht geschafft in den Bergen Ski zu fahren, aber ich kann jedem empfehlen Wanderungen zu unternehmen, denn die Natur und die Aussichten rund um Grenoble sind einfach nur traumhaft. Ich wurde von mehreren Personen während meines Aufenthalts in Grenoble besucht und diese Leute kamen nicht mehr aus dem Staunen heraus. Einfach dieses Gefühl, wenn man morgens zur Uni geht und hinter den verschneiten Schneebergen steigt die Sonne auf war einfach unbeschreiblich.
Die Lebensunterhaltungskosten in Frankreich sind ein ganz anderes Thema. Man sollte damit rechnen monatlich ungefähr mit allem Drum und Dran ungefähr 800-900 Euro auszugeben. Die Lebensmittelpreise unterscheiden sich doch schon sehr stark gegenüber denen in Deutschland. Ebenso für ein großes Bier in einer Bar bezahlt man häufig mal fünf Euro.    

Sonstige Hinweise

Hier kann ich nur den Tipp geben, nehmt genügend Passfotos mit und eine Kopie der Geburtsurkunde, am besten eine internationale. Diese benötigt ihr um euch CAF zu organisieren, welchen es euch einen gewissen Beitrag zu der Miete zurückerstattet und sich mit den Monaten doch sehr stark summiert. Im Endeffekt genießt einfach eure Zeit Vorort, habt Spaß, trefft viele neue Leute und seid offen für alles. Die Stadt hat echt für jeden was zu bieten.

Studienfach: Immunology Microbiology Infectious Diseases

Aufenthaltsdauer: 09/2017 - 01/2018

Gastuniversität: Université Grenoble Alpes

Gastland: Frankreich


Rückblick

Rückblickend auf mein Semester in Grenoble kann ich nur jedem empfehlen ein Erasmussemester zu machen. Man lernt selten nicht mehr häufig so viele neue nette Personen kennen, und es können dabei auch starke Freundschaften fürs Leben entstehen. Ich habe viele Leute kennen gelernt und habe neue Freunde aus Spanien, Griechenland, Frankreich, Russland und Italien gefunden. Ich würde aber jedem raten, lieber das Erasmussemester im Bachelor zu machen anstatt im Master, denn so hatte ich ein wenig erhöhten Druck mich für die Uni so richtig zu engagieren, anstatt manche Sachen vielleicht ein wenig mehr auf die leichte Schulter zu nehmen. Wer nach Grenoble geht, um am Wochenende durchzufeiern in Clubs oder Ähnlichem, der ist vielleicht mit Grenoble an der falschen Adresse, aber ich würde nie abstreiten, dass wir geniale Abende zusammen in den Gemeinschaftsküchen und von Studenten überfüllten Bars hatten.

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