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Erasmus+ Erfahrungsbericht - Institut d'études politiques de Bordeaux (IEP) - Sciences Po Bordeaux


Studienfach: M.A. Verwaltungswissenschaft

Aufenthaltsdauer: 09/2017 - 12/2017

Gastuniversität: Institut d'études politiques de Bordeaux (IEP) - Sciences Po Bordeaux

Gastland: Frankreich

Vorbereitung des Auslandsaufenthalts

Nachdem ich bereits im Bachelor ein Auslandssemester in Schottland verbracht habe, entschied ich mich im Master abermals, für ein Semester diese Erfahrung zu wiederholen – diesmal in Bordeaux. Zuvor nahm ich für 2 Semester an Französischkursen des Sprachlehrinstituts der Universität Potsdam teil, um meine nicht vorhandenen Sprachkenntnisse vor Beginn des Auslandssemesters auf ein ausreichendes Niveau zu bringen. Da ich mit den Formalitäten des Erasmus+ Programmes durch meine Erfahrungen im Bachelor bereits vertraut war, fielen diese diesmal deutlich leichter. Ich kann dennoch jedem empfehlen, die gute Betreuung des International Office in Potsdam wahrzunehmen. Wer Infobroschüren liest, Veranstaltungen besucht und erinnernde E-Mails nicht ignoriert, sollte jeden Schritt problemlos fristgerecht erledigen können. Meine Wahl für Bordeaux lässt sich hauptsächlich mit dem Ziel begründen, Französisch fließend zu sprechen. Da eine Auszeit von Berlin nicht ungelegen kam, fiel die Wahl auf eine kleinere und südlichere Stadt in Frankreich, nämlich Bordeaux. Schließlich bewarb ich mich auf einen Erasmus Platz bei der örtlichen Sciences Po. Wer das französische Hochschulsystem kennt, weiß, welch gutes Renommée diese Universität besitzt und mit welch großen Schwierigkeiten und unter welchem Wettbewerb französische Schüler versuchen, einen Platz auf einer dieser Universitäten zu erreichen. Glücklicherweise ist man durch das Erasmus+ Programm von diesen Hürden ausgenommen und muss sich lediglich gegen die Mitbewerber an der Uni Potsdam durchsetzen. Der Auswahlprozess selbst ist transparent und durch die Angabe von alternativen Wünschen muss sich niemand Sorgen machen, nicht am Ende an einer Hochschule des gewünschten Gastlandes zu enden. Nach der Bestätigung der Sciences Po muss man sich lediglich online anmelden und einige Unterlagen nach Bordeaux schicken. Hier gilt es zu entscheiden, ob man lieber den English Track oder den French Track wählt, was darüber entscheidet, in welcher Sprache man vornehmlich Kurse besucht. Ich wählte den English Track wegen der zu dieser Zeit noch mangelnden Sprachkenntnisse. Es ist jedoch in beiden Tracks möglich, Kurse in der jeweils anderen Sprache zu belegen, man bleibt also flexibel. In jedem Fall stellt die Sciences Po übersichtliche Informationen zu den Kursen in Englisch und Französisch zur Verfügung. Normale Vorlesungen ergeben 4 ECTS und liegen damit unter dem gewohnten Wert in Potsdam. Durch eine freiwillige Zusatzleistung, zusätzlich zur Klausur (in Form eines Essays oder einer Buchvorstellung) kann man diesen Betrag jedoch auf 8 ECTS erhöhen. Die verpflichtende Einführungswoche Anfang September sollte dringend wahrgenommen werden. Auf diversen Infoveranstaltungen erfährt man wichtige Dinge, von Studenten organisierte Ausflüge geben einen Einblick in die Umgebung Bordeaux und man lernt vor dem regulären Semesterbeginn seine Erasmus Mit-Studenten kennen. Gleichzeitig wird man auf den kompetitiven Geist der Sciences Po vorbereitet, indem sowohl French-, als auch English Track Studenten an kleinen schriftlichen und mündlichen Prüfungen in französischer Sprache teilnehmen müssen. Dies dient jedoch lediglich der Einstufung in homogene Gruppen für den Sprachkurs unter dem Semester, weshalb man sich nicht verrückt machen muss.

Studium an der Gastuniversität

Das Studium an der Sciences Po ist deutlich verschulter als in Deutschland üblich. Erschreckenderweise bestehen die meisten Veranstaltungen daraus, dass Professoren frei und ohne Folien über die Grundlagen eines Themas referieren, die Studenten jedes Wort notieren und am Ende komplett wiedergeben können müssen. Da die Auswahl der Kurse für Erasmus Studenten limitiert ist und man zwar aus mehreren Semestern oder sogar dem Angebot des Bachelors auswählen kann, war ich mit diesen nicht besonders zufrieden. Der Fokus der Veranstaltungen lag vornehmlich auf klima- und entwicklungspolitischen Themen, die für mein Studium der Verwaltungswissenschaft wenig hilfreich sind. Im Endeffekt entschied ich mich, Kurse zur französischen politischen Geschichte, Literatur, Institutionen und der Geschichte der Weltwirtschaft zu belegen, um mein Gastland besser verstehen zu lernen. Dazu kam ein französischer Sprachkurs, der, nicht zuletzt durch das einheitliche Niveau der zuvor eingestuften Studenten beeinflusst, recht produktiv war und zu empfehlen ist. Der Ablauf der meisten Veranstaltungen im English Track ist mit einer Vorlesung + kleiner eigener Beteiligung zu vergleichen. Zumeist referiert der Professor, nur unterbrochen durch kurze Referate von Studenten. Am Ende des Semesters steht eine Klausur – entweder mit Essay- oder Multiple-Choice-Fragen. Im französischen Notensystem sind 20 Punkte zu erreichen, wobei 10 zum Bestehen ausreichen. Zunächst scheint es nicht möglich, gute Noten aus Frankreich zu importieren, da nur selten Noten über 15 Punkten vergeben werden. Diesen Fakt bezieht jedoch die Umrechnungstabelle an der Uni Potsdam mit ein, weshalb auch hier kein Grund zur Sorge besteht. Was ausdrücklich zu loben ist, ist die administrative Betreuung durch die Sciences Po. Es gab mehrere Mitarbeiter für klar zugeteilte Bereiche in einem guten Betreuungsverhältnis zu den Studenten. Mehrere Informationsveranstaltungen zu Beginn gaben einen Überblick und trotz eines Personalwechsels konnte man jederzeit per E-Mail oder persönlich, auf Englisch oder Französisch, Antworten auf seine Fragen bekommen. Die Dozenten waren ebenfalls gewinnend und kooperativ, zumindest im English Track. Im French Track war der Formalismus deutlich höher ausgeprägt. Auch die Sciences Po-eigene Erasmus Hochschulgruppe war äußerst aktiv und organisierte nicht nur in der Anfangswoche Ausflüge in das bekannte Weindorf St. Emillion oder die nahegelegene, größte Wanderdüne Europas – die Dune du Pilat. Über das gesamte Semester hinweg wurden Kneipentouren, Konzerte, Parties, Filmvorführungen etc. angeboten. Allgemein ist das Angebot an Hochschulgruppen immens und nicht zu vergleichen mit jenem an der Universität Potsdam. Es gehört zur Kultur an der Sciences Po, in einer oder mehreren Hochschulgruppen (associations) aktiv zu sein, die Teilnahme in Sportgruppen ist gar obligatorisch für französische Studierende. Ich selbst entschied mich auf Empfehlung für die Wein (!) Hochschulgruppe „Vins/20 - L'association d’œnologie de Sciences Po Bordeaux“, in der man gegen eine einmalige Gebühr von 20€ zu Beginn des Semesters jede Woche an mehreren Weinverkostungen (degustations) oder Ausflügen zu Chateaus teilnehmen konnte. Schließlich ist die Sciences Po Bordeaux eine sehr moderne Universität inklusive der gängigen Online Systeme wie Moodle. Das gesamte Gebäude ist sehr jung, darum mangelt es nicht an guter technischer und räumlicher Ausstattung. Die Bibliothek bot zumeist ausreichend Platz zum Arbeiten, wenn auch die Öffnungszeiten nicht jeder „Lernvorliebe“ entgegenkommen, weil sie um 19 Uhr schließt. Das Klima des Gebäudes und scheinbar auch unter den einheimischen Studenten ist etwas kühl, aber produktiv. Als einziges Manko blieben die universitären Cafés und Mensen. Entgegen der Erwartungen an Frankreich gab es ausschließlich ungesundes Essen und gewöhnungsbedürftigen Kaffee. Eine Salatbar wie in Potsdam ist nirgends zu finden und Vegetarier mussten sich jeden Tag selbst Essen mitbringen, da die Sciences Po, umgeben von mehreren anderen Universitäten, in einem eigenen Stadtteil ohne nennenswerte kulinarische Angebote liegt.

Kontakte zu einheimischen und ausländischen Studierenden

Da ich nur einige französische Kurse, hauptsächlich jedoch englische Kurse belegte, hatte ich an der Uni recht wenig Kontakt zu einheimischen Studenten. Hier zeigte sich leider wieder einmal eine „Ghettoisierung“ der Erasmus Studenten, die sich zumeist in den englischen Kursen wiederfanden. Zwar war der Kontakt zu den anderen ausländischen Studenten recht intensiv, befördert durch die rege Arbeit der Erasmix Hochschulgruppe, jedoch wäre es schön gewesen, mehr französische Studenten kennenzulernen. Dies geschah in meinem Fall hauptsächlich über meinen Mitbewohner und meinen Buddy, die im vorherigen Semester in Potsdam studiert hatte. In jedem Fall ist davon abzuraten, ausschließlich Zeit mit internationalen Studenten zu verbringen. Beteiligt euch, seid hartnäckig, dann lernt ihr auch Franzosen kennen, die anfänglich etwas abweisend sein mögen und angesichts der begrenzten Aufenthaltsdauer, wie jeder Mensch, zurückhaltender sind. Am Ende wird es sich für euch auszahlen. Die bereits genannten associations bieten dafür die in meinen Augen beste Gelegenheit.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Da ich während meiner Schulzeit kein Französisch gelernt habe, dies aber ein persönliches Ziel darstellte, fing ich bei Null an und belegte in den beiden Semestern vor dem Auslandsaufenthalt Kurse am Sprachlehrinstitut der Uni Potsdam. Eine Tandem-Partnerschaft wäre sicherlich ebenfalls sinnvoll gewesen, hat sich jedoch nicht ergeben. Kurz vor dem Aufenthalt in Bordeaux hatte ich offiziell ein Niveau von B2, konnte also einiges lesen und verstehen, andererseits tat ich mich schwer damit, zu sprechen. Wie bereits erwähnt traute ich mir infolgedessen nur den English Track zu, mit ein wenig ausgeprägteren Sprachkenntnissen wäre jedoch auch der French Track gut möglich gewesen, da man bis zu den Klausuren (hoffentlich) ausreichend Fortschritte erzielt hat. Zwar stimmt das gängige Klischee, dass Franzosen kein Englisch sprechen, zumindest für junge Menschen und Studenten nicht, jedoch war es essentiell, möglichst schnell im Alltag Französisch zu sprechen und sich auch der Geschwindigkeit anzupassen. Selbst, wenn sich Franzosen Mühe bei einer deutlichen Aussprache geben, kann es zu Beginn schwierig sein, selbst mit den gelernten Inhalten zu folgen. Auch hier empfiehlt es sich, wie bereits erwähnt, nicht zu viel Zeit mit Erasmus Studenten zu verbringen, sondern in associations mit Franzosen zu verkehren oder sich gar ein Zimmer abseits des Wohnheims zu suchen. Auch regelmäßige Besuche des Kinos „Utopia“, das sich in einer alten Kirche befindet, und französisches Fernsehen sowie Filme unterstützten den sprachlichen Fortschritt. Nach 3,5 Monaten Aufenthalt würde ich mein Sprachniveau zwar nach wie vor nicht auf C1 einstufen, jedoch ist es möglich, sich im Alltag problemlos zu unterhalten und so gut wie jeden französischen Text zu lesen. Wer fließend Französisch sprechen will, muss entweder mehr Vorkenntnisse mitbringen oder für ein ganzes Jahr in Frankreich bleiben.

Wohn- und Lebenssituation

Es ist ratsam, sich frühzeitig um eine Wohnung in Bordeaux zu kümmern. Der Wohnungsmarkt ist sehr angespannt und die Mietpreise steigen jedes Jahr überdurchschnittlich im Vergleich zu anderen Städten in Frankreich, was nicht zuletzt an der neuen TGV-Verbindung nach Paris liegt, die ungefähr 2h in Anspruch nimmt. Man muss mit einer Miete um 400€ rechnen, wenn man sich auf dem freien Wohnungsmarkt bewegt. Die Wohnheime der Universität sind deutlich günstiger, etwas 250€, jedoch gilt es, einige französische Formulare auszufüllen, was herausfordernd sein kann, wenn das Sprachniveau noch moderat ist. Es empfiehlt sich, einen engen Kontakt mit den Verantwortlichen an der Sciences Po zu halten, insbesondere wenn es vorab darum geht, ein Studium an der Sciences Po nachzuweisen. Ich selbst blieb in diesem Prozess stecken und fand letztendlich über Kontakte ein Zimmer bei einem echten „Bordelaisen“. Empfehlenswert ist es, sich einen Wohnheimplatz zu sichern, jedoch weiter nach einem Zimmer zusammen mit Einheimischen zu suchen. Das Wohnheim ist zwar günstig, jedoch liegt es wie die Uni etwas abgelegen, wodurch man spätestens um 1 Uhr nachts den Rückweg antreten muss, falls man unterwegs ist. Außerdem ist es unbezahlbar, den täglichen Kontakt zu Franzosen zu pflegen und seine Sprachkenntnisse kontinuierlich zu verbessern. Ratsam ist es in jedem Fall, an der Tramlinie B zu wohnen, die sich um die Innenstadt bewegt und schließlich in ca. 20min zur Uni führt. Der monatliche Preis für ein Tram-Ticket beträgt ca. 30€. Außerdem gibt es in der Stadt zahlreich Leihfahrräder (Vcub), die man günstig mieten kann. Ansonsten ist Bordeaux eine äußerst lebenswerte Stadt mit einer gut erhaltenen, nie endenden Altstadt. Es gibt viele authentische kleine Läden, die durch die relativ wohlhabende Bevölkerung und den Tourismus überleben. Wer Käse und Wein liebt, ist in dieser Stadt richtig. Außerdem ist es empfehlenswert, an die Atlantikküste, z.B. nach Cap Ferret Océan, zu fahren und fast menschenleere und unberührte Strände, Wellen und Dünen zu genießen. Dies war dieses Jahr bis Ende Oktober möglich. Auch die spanische Grenze, Toulouse, der Badeort Biarritz oder die alte Hafenstadt La Rochelle liegen nicht allzu fern. Und selbst Paris ist wie gesagt durch den TGV in 2h zu erreichen. Innerhalb Bordeaux sind meiner Meinung nach der lebendige Marché de Capucins zu empfehlen, an dem die Bordelais morgens Austern essen und Weißwein trinken, außderdem der Place de St. Michel und, rechtsseitig der Garonne, das Darwin Ecosystème, das eher an alternative Berliner Fabrikhallen erinnert. Außerdem „The Wine Bar“ neben dem Grand Theatre, in der Sommelier-Schüler ohne Profit und in einem schönen Gebäude Wein ab 2,50€ ausschenken. Insgesamt sollte man sich in Frankreich auf mindestens 30% höhere Lebenshaltungskosten als in Deutschland einstellen. Zwar gibt es beispielsweise Lidl, der deutlich günstiger als französische Supermärkte ist, jedoch muss man mit Preisen von 4-5€ pro Glas Wein rechnen. Ein eigenes Konto bei einer französischen Bank zu eröffnen, lohnt sich meiner Erfahrung nach nur bei einem Aufenthalt von einem Jahr. Auch das französische Wohngeld CAF, für das prinzipiell alle Studenten, auch ausländische, eine Berechtigung haben, ist mit einem derart hohen administrativen Aufwand verbunden, dass es eher bei einem längeren Aufenthalt anzustreben ist.

Studienfach: M.A. Verwaltungswissenschaft

Aufenthaltsdauer: 09/2017 - 12/2017

Gastuniversität: Institut d'études politiques de Bordeaux (IEP) - Sciences Po Bordeaux

Gastland: Frankreich


Rückblick

Insgesamt ist ein Auslandssemester an der Sciences Po Bordeaux sehr zu empfehlen. Wer vermeiden will, auf dem Wohnungsmarkt in Paris zu verzweifeln und dennoch in einer größeren Stadt leben will, ist in Bordeaux richtig. Die Lebensqualität ist sehr hoch und der Südwesten von Frankreich ist von Bordeaux aus gut zu bereisen. Auch das nahegelegene Meer ist ein Plus. Die Organisation an der Sciences Po ist sehr professionell, was administrative Prozesse erleichtert. Jedoch sollte man im Vorfeld überlegen, ob der Schwerpunkt der Kurse wirklich zum bisherigen Studienverlauf passt – oder, wenn das nicht der Fall ist, man auf andere Weise das Auslandssemester zu einem Erfolg macht, indem man Land und Leute sowie die Sprache kennenlernt. Dies ist auch mit geringen Vorkenntnissen möglich. Auch der Tatsache, dass das Studium deutlich verschulter ist, sollte man sich vorab bewusst sein. Von den Schwierigkeiten bei der Wohnungssuche und den höheren Lebenskosten abgesehen spricht also nichts dagegen, ein Semester in Bordeaux zu verbringen.
 

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