Vor dem Auslandsaufenthaltes

Zum Ende des Wintersemesters, meinem dritten Semester im Studium, begann ich mir darüber Gedanken zu machen, ob ich das kommende Wintersemester im Ausland verbringen und dort Erfahrungen sammeln, oder aber ein Praktikumssemester „zu Hause“ machen möchte, um eventuell herauszufinden, in welche berufliche Richtung es für mich gehen könnte. Diese beiden Möglichkeiten hatte ich für mein 5. Semester in Aussicht, was so in meinem Studiengang Politik, Verwaltung und Organisation vorgesehen ist.


Studienfach: Politik, Verwaltung und Organisation

Aufenthalsdauer: 09/2019 - 01/2020

Gastuniversität:Køpenhavns Universitet

Gastland:Dänemark

Bewerbungsprozess

Um eine genaue Vorstellung davon zu bekommen, was Erasmus ist und was ein Auslandssemester bedeuten würde, bin ich zu den ersten Erasmus- Informationsveranstaltungen an der Uni gegangen, die durch das International Office angeboten wurden. Diese waren wirklich sehr informativ, interessant und aufschlussreich und haben mich persönlich dazu motiviert und ermutigt, ein Auslandssemester an einer Gastuniversität in Erwägung zu ziehen. Nach den ersten Veranstaltungen habe ich mich umgeschaut, welche Länder und Städte für ein Auslandssemester von der Fakultät aus möglich wären. Wie schon in der Informationsveranstaltung erwähnt wurde, musste bei der Auswahl der Länder darauf geachtet werden, welche Sprachkenntnisse erwartet werden. Mir ging es besonders darum, auf diesem Weg mein Englisch zu verbessern, weshalb ich die südlichen Länder daher von vornherein ausgeschlossen habe. Da es mich schon seit meiner Kindheit immer wieder in die nordischen Länder gezogen hat, entschloss ich mich zunächst für Universitäten wie Kopenhagen in Dänemark, Oslo in Norwegen und als dritte Option Birmingham in Großbritannien zu bewerben. Da für die Universität in Kopenhagen nur zwei Plätze für Bachelor- und Masterinteressierte ausgeschrieben waren, hielt ich meine Chance, den Platz zu bekommen, nicht für besonders groß. Dennoch wollte ich es unbedingt probieren und dachte mir, dass die anderen Alternativen ja auch ganz nett wären. Die Bewerbung für die nordischen Universitäten wie in Kopenhagen bestand darin, auf Deutsch als auch auf Englisch ein Motivationsschreiben einzureichen, in dem ich beschreiben sollte, welche Module ich in meinem Studiengang habe und bereits belegt habe, weshalb es mich in dieses Land zieht, was ich mir von der Zeit dort erhoffe, und welche Kurse ich an der Gastuniversität interessant fände und daher gerne belegen möchte. Zusammen mit dem Motivationsschreiben und einem Leistungsnachweise wurde dann die Bewerbung beim International Office an der Uni eingereicht. Nach dem Einreichen der Bewerbung ging es im nächsten Schritt darum, für den Platz an der Gastuniversität von der eigenen Uni nominiert zu werden und dann von der Gastuniversität angenommen zu werden. So bekam ich die Zusage für die Universität in Kopenhagen und bekam von dort eine E-Mail mit ersten wichtigen Informationen, wie auch einer Auswahl an Kursen, aus denen ich drei auswählen konnte. Somit musste ich nicht selbstständig Kontakt aufnehmen, was jedoch sehr von den Unis abhängt. Da an der Universität in Kopenhagen die Kurse für Bachelorstudenten oft 10 ECTS oder auch mehr erbrachten, musste ich nur drei Kurse belegen, um auf die vereinbarten 30 ECTS zu kommen. Ursprünglich wollte ich noch einen vierten Kurs belegen, wovon mir aber durch die Ansprechpartnerin für die Erasmusstudiereden abgeraten wurde, bzw. dies dann tatsächlich auch nicht möglich war. Im Nachhinein war ich jedoch auch sehr froh, nur drei Kurse belegt zu haben, weil die Kurse viel Selbststudium in Form von viel zu lesender Literatur bedeuteten.

Studium an der Gastuniversität

 Der Campus der Universität Kopenhagen für Sozialwissenschaften, an dem meine Kurse stattfanden, liegt direkt im Zentrum der Stadt. Der Campus ist in einem ehemaligen Hospital und ist daher etwas urig, aber sehr schön gemacht und bis zum Ende etwas verwirrend (was allen dänischen Studierenden genauso ging wie uns Erasmusstudierenden). Dort werden die Veranstaltungen hauptsächlich in Seminargröße gehalten, weshalb es viele kleine Räume und nur sehr wenige Vorlesungssäle gibt, wie wir sie aus Deutschland kennen. Auf jeder Etage gibt es kleine Sitzgruppen, wo man sich super alleine oder auch mit mehreren hinsetzen kann um produktiv zu sein, oder einfach als netter Ort sich zwischendurch nett hinsetzen. Die Räume waren alle technisch super ausgestattet und das Studienklima durch kleine Seminare sehr angenehm. In Dänemark sehr typisch zumindest für die Sozialwissenschaften sind Veranstaltungen hauptsächlich in Seminargröße, also um die 30 Leute pro Kurs, welche jedoch wie eine Vorlesung gestaltet sind. Meine Kurse wurde hauptsächlich durch den Dozenten frontal gehalten und kleine Gruppenaufgaben innerhalb des Seminars gestellt, die es dann zu bearbeiten galt. Während das Semester gab es einiges an Selbststudium in Form von viel Literatur, die für die jeweils kommende Woche zu lesen war und dann im Kurs ausführlich inhaltlich besprochen wurde. Abhängig vom Kurs gab es auch innerhalb des Semester Aufgaben zu erledigen, was auf meine Kurse jedoch nicht zugetroffen hat. Für uns Erasmusstudierende wurde das Semester hauptsächlich durch Hausarbeiten oder mündliche Prüfungen abgeschlossen. Welche Art von Prüfung auf einen zukommt, wurde bereits in der Kursbeschreibung bekannt gegeben. Was mir sehr positiv aufgefallen ist, ist das freundliche und persönlichere Verhältnis zwischen den Studiereden und dem Dozenten. Für Dänen ist es sehr üblich Dozenten und Ansprechpartner für unterschiedlichste Fragen zu „duzen“, was im ersten Moment sehr ungewohnt für mich war, aber dazu geführt hat, dass die Veranstaltungen vom Gefühl her mehr auf gleicher Augenhöhe stattfanden und dies eine sehr angenehme Arbeitsatmosphäre geschaffen hat. Der Kontakt zu den Dozenten war sehr angenehm, da diese sehr viel Wert darauf legen, einen guten und engen Kontakt zu den Studierenden zu pflegen. Sie wirkten auf mich sehr hilfsbereit und offen für Gespräche und Fragen. Die Kommunikation zwischen Dozenten als auch zu anderen Personen an der Uni hat super funktioniert. Ich habe im Semester bei Fragen oder Problemen immer schnelle und hilfreiche Antworten bekommen. Meine Kurse waren natürlich alle auf Englisch, weshalb in den Kursen viele Nationalitäten zusammen kamen von Seitens der Studierenden, aber auch von den Dozenten. Was mir auch sehr positiv aufgefallen ist, ist die Barrierefreiheit innerhalb der Uni. Auch wenn es ein alter Gebäudekomplex ist, gibt es in jedem Gebäude einen Aufzug und die Türen sind alle automatisch, weshalb es für eingeschränkten Menschen diesbezüglich kein Problem darstellt von einer zur nächsten Veranstaltung zu kommen. Des Weiteren werden jedem Studenten viele Computerprogramme während des gesamten Studiums zur Verfügung gestellt über Schreib- und Präsentationsprogrammen bis hin zu Statistikprogrammen wie STATA. Die Uni hat einige Campi über die ganze Stadt verteilt und bietet daher an jedem Campus gute Bibliotheken an, die für alle zugänglich sind, aber auch die Stadt hat einige, die von jedem ohne Probleme genutzt werden können.
Sehr beeindruckt war ich vom freiwilligen Engagement der einheimischen Studierenden für die Erasmusstudierenden. Eine fest etablierte Mentorgruppe hat zu Beginn des Auslandssemesters eine ganze Einführungswoche mit Informativem, Kennenlernspielen, Touren durch die Stadt, einer Gala und während des Semesters Veranstaltungen, Tagesausflügen, Wochenendtrips etc. organisiert. Außerdem wurde jedem von uns eine Person „zugeteilt“, mit der wir in Kontakt treten konnten und welche uns bei der Ankunft helfen, während des Semesters bei Fragen zur Seite stand und teils auch in seine/Ihre Kreise integriert hat.

Kontakt zu einheimischen und internationalen Studierenden

Aufgrund der vielen Veranstaltungen zu Beginn und während des Semesters, konnte man wunderbar neue Menschen kennenlernen, mit denen man in der Zeit was unternommen hat. Es konnten Freundschaften entstehen, zu denen man nun versucht auch nach dem Semester noch den Kontakt zu pflegen. Der Kontakt mit Einheimischen war leider nicht so einfach, was über die Dänen auch bekannt ist. Die Studierenden aus der Mentorgruppe waren sehr offen und interessiert und haben sich sehr viel Mühe gegeben und Zeit genommen, unsere Zeit vor Ort etwas mitzugestalten, jedoch hatte ich persönlich zumindest außerhalb dieser Gruppe keinen Kontakt zu anderen Einheimischen. Es ist generell schwierig, in deren Kreise zu kommen, sofern man nur für kurze Zeit dort ist. Dies soll nicht heißen, dass Dänen kein Interesse an anderen Nationalitäten haben. Sobald man dort dauerhaft lebt, sind Dänen wiederum sehr interessiert und offen.

Wohn- und Lebenssituation

Wie von Kopenhagen schon bekannt, stellte sich die Wohnungssuche vor Antritt des Auslandssemesters als nicht besonders leicht dar. Im Durchschnitt muss man mit einer Miete von 600- 800€ im Monat für ein Zimmer rechnen. Auf Facebook suchte ich nach Gruppen, um auf diese Weise ggf. eine WG für die Zeit zu finden. Für alle, die ein Semester oder für einen längeren Zeitraum planen, in Kopenhagen zu leben, kann ich die Facebook-Seite „Deutsche in Kopenhagen“ sehr empfehlen. Dort werden Zimmer und Wohnungen, die gemietet werden können, immer mal wieder hochgeladen und andere interessante Fragen bezüglich des dort Lebens und Wohnens gestellt und bestenfalls beantwortet. Weil es für mich am Ende am einfachsten und sichersten erschien, habe ich mir ein Zimmer bei der „Housingfoundation“ gemietet, die ein Kontingent an Zimmern in allen Wohnheimen in Kopenhagen für Auslandsstudiereden hat und mit etwas Vorlaufzeit an diese für ein Semester vermietet. Bei der Bestätigung des Studienplatzes konnte man um eine Benachrichtigung dieser bitten und über einen Link an einem bestimmten Datum auf deren Portal ein Zimmer buchen. Ohne ein Zimmer zu haben nach Kopenhagen zu fahren und sich vor Ort immer wieder ein neues zu suchen, bedeutet hier auf Grund von wenig Angeboten und den hohen Mietpreisen sehr viel zusätzlichen Stress und würde deshalb sehr davon abraten. Die Wohnheimzimmer unterscheiden sich hier sehr voneinander. Ich persönlich hatte ein kleines Apartment mit eigener Küche und eigenem Bad, was ich in dieser Zeit sehr genossen habe. Andere Kommilitonen haben sich mit einer anderen Person ein Zimmer geteilt oder aber ein typisches Zimmer auf dem Gang mit gemeinsamen Badezimmer und gemeinsamer Küche. Das muss man für sich selbst entscheiden, was einem wichtig ist und dies natürlich auch finanziell abwägen. Dadurch, dass die Stadt nicht so riesig ist, sind alle Wohnheime nah an der Uni und mit dem Fahrrad gut zu erreichen. Besonders genossen habe ich das Fahrradfahren in dieser Zeit. Ich habe zuvor keine Stadt mit so luxuriösen Fahrradwegen gesehen, wo Fahrrad fahren so viel Spaß macht. Hinzu kommt, dass alles super mit dem Fahrrad zu erreichen ist. Im Durchschnitt braucht man mit dem Fahrrad 10-15 min in die Stadt. Die öffentlichen Verkehrsmittel sind hier super ausgebaut, fahren sehr oft und zuverlässig, sind aber auch nicht sonderlich günstig, weshalb ich mit wenigen Ausnahmen immer das Fahrrad genommen haben. Diese Freiheit und Beweglichkeit weiß ich jetzt sehr zu schätzen.
Eine weitere positive Wahrnehmung ist, dass die Menschen in Kopenhagen sehr ausgeglichen und zufrieden wirken. Die Lebenshaltungskosten sind im Vergleich zu Deutschland etwas höher, wenn man nicht nur in Discountern einkaufen möchte und wiederum aber auch nicht immer in die teuren Supermärkte geht. Eine Mischung aus beidem macht durchschnittliche Lebenshaltungskosten möglich, die Tendenz geht jedoch eindeutig nach Oben. Da Dänemark ein bargeldloses Land ist, gibt es nur sehr wenige Orte, an denen mit Bargeld bezahlt wird oder überhaupt werden muss, in der Regel wird jedoch alles mit Karte gezahlt. In Bezug auf eine Registrierung hier habe ich mich persönlich bei meiner Ankunft nur für die EU registrieren lassen, da ich so trotzdem zu einem Arzt gehen oder im Krankenhaus aufgenommen worden wäre. Dauert der Aufenthalt jedoch länger als vier bis fünf Monate empfehle ich auch, sich für die CPR-Nummer registrieren zu lassen, die einen Arztbesuch einfacher macht und eine Kontoeröffnung, Handyvertrag etc. möglich macht.
Was die Verständigung im Alltag angeht, ist Englisch gar kein Problem. In der Regel kann jeder dir auf Englisch weiterhelfen und allgemein freuen sich Dänen natürlich sehr, wenn du dich an ihrer Sprache versuchst.
Bezüglich der Freizeitgestaltung bietet Kopenhagen ähnliches wie zu Hause. Man kann einige Unisportangebote nutzen, es gibt generell viel Outdoor- Sportmöglichkeiten und sonst alles, was das Herz begehrt. Ich habe beispielsweise den Chor an der Sozialwissenschaftlichen Fakultät ausprobiert. Im Sommer kann man sich viel am Meer aufhalten, sich in den zahlreichen Parks einen schönen Platz suchen, in der Innenstadt ins Hafenbecken springen, da das Wasser dort extrem sauber ist, sich das Land als solches ein bisschen anschauen oder auch die nahelegenden Länder wie Schweden und Norwegen bereisen. Ich habe es z.B. bei gutem Wetter auch sehr genossen und kann es jedem empfehlen, die Stadt auf eigene Faust einfach auf dem Fahrrad zu erkunden, sich die Straßen mit den bunten Häusern anzuschauen und die dänische Atmosphäre und Mentalität etwas kennenzulernen und wahrzunehmen.

Empfehlungen

Was ich leider erst zum Ende meiner Zeit in Kopenhagen gehört habe war, wie man vergünstigt als Nicht-Kopenhagener mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren kann. Es gibt die sogenannte „rejsekort“, die man sich auf zwei Wegen besorgen kann. Einmal die persönliche, die durch ein Formular beantragt und dann auf dem eigenen Namen läuft und ein paar mehr Möglichkeiten dahingehend besitzt, online die Karte mit Geld aufzuladen und zu gucken, mit wie viel Geld die Karte aufgeladen ist. Die zweite Möglichkeit ist die anonyme Karte, die man sich an jedem blauen Automaten der öffentlichen Verkehrsmitteln in Kopenhagen innerhalb von nicht mal fünf Minuten machen lassen kann und dann ebenfalls vergünstigt fährt, allerdings die ganzen Online- Möglichkeiten nicht hat. Ich hatte nur die anonyme Karte und sie hat meiner Meinung nach vollkommen ausgereicht. Ein Weiterer Tipp ist, Hygieneartikel wie Duschzeug, Shampoo etc. von zu Hause mitzunehmen, da es in Dänemark erheblich teurer ist.

Hilfreiche Links:
www.facebook.com/groups/18774430066/
housingfoundation.ku.dk
www.rejseplanen.dk/webapp/index.html
www.rejsekort.dk

Studienfach: Politik, Verwaltung und Organisation

Aufenthalsdauer: 09/2019 - 01/2020

Gastuniversität:Køpenhavns Universitet

Gastland:Dänemark


Rückblick

Rückblickend war es eine echt tolle Zeit und Möglichkeit das Studium und Erfahrungen in einer neuen Umgebung zu sammeln. Zum Ende hin bin ich echt sehr wehmütig geworden. Die Stadt und die Mentalität der Menschen dort werde ich sehr vermissen. Es war eine unfassbar tolle Zeit, mit vielen Erlebnissen, die mich in meiner persönlichen Entwicklung einen großen Schritt vorangebracht haben, besonders weil ich zuvor den Mut für einen Aufenthalt im Ausland nicht aufbringen konnte und jetzt sagen kann, dass es eine Erfahrung war, die jeder machen und nutzen sollte, der die Möglichkeit hat. Es hat mich auf den unterschiedlichsten persönlichen Ebenen weitergebracht, insbesondere mutiger, offener und interessierter gegenüber Neuem zu werden und möchte die Zeit in Kopenhagen nicht missen und mich immer wieder daran zurückerinnern. Da sich Erasmus auf Europa bezieht, ist alles in einer guten erreichbaren Nähe, von den Kulturen nicht völlig Fremd und man kann trotzdem Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern kennenlernen und hat durch Erasmus eine Chance, mit nicht ganz so viel organisatorischem Aufwand, eine Zeit außerhalb seines bekannten Umfeldes zu leben und den eigenen Horizont zu erweitern.

Dänemark

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