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Erasmus+ Erfahrungsbericht

Vorbereitung des Auslandaufenthalts

ich bin von August bis Dezember 2017 mit dem Erasmus+ Programm nach Kopenhagen gefahren. Meine Wahl fiel dabei auf die Hauptstadt von Dänemark, da ich vorher nie dort gewesen bin, gleichzeitig aber von verschiedensten Freunden immer wieder aufs Neue Schwärmereien in den höchsten Tönen mitbekommen habe. Zudem war es eine Option, über den Fachbereich Deutsch dort hinzufahren, da es hier eine Kooperation der beiden Hochschulen gibt. So wurde Kopenhagen schnell zu meiner ersten Wahl.
Ich hatte mich bereits etwa 1,5 Jahre im Voraus bei der zuständigen Koordinatorin des Fachbereiches an der Uni Potsdam auf den Platz beworben, da ich zu diesem Zeitpunkt noch davon ausgegangen bin, im Wintersemester 2016/2017 zu fahren. Als sich aber herausstellte, dass die Semesterzeiten in Dänemark etwas verschoben sind – dort ist es unterteilt in Frühjahrs- und Herbstsemester – und ich wusste, dass es mir nicht möglich sein würde, bis Januar 2017 (Beginn des Frühjahrssemesters in Dänemark) meine Bachelorarbeit fertigzustellen, entschied ich mich für das Herbstsemester 2017.
Nachdem ich vonseiten der Uni Potsdam eine Zusage für den Bewerbungsplatz erhalten hatte, erfolgte die erste Kontaktaufnahme dann über die Erasmus+-Koordinatorin des Fachbereiches Deutsch, die mir erste Infos zur Gasthochschule und zu den Gegebenheiten des Programms geben konnte. Die Bewerbungsunterlagen wurden dann später von ihr nach Kopenhagen weitergeleitet. Anfang 2017 erhielt ich dann die endgültige Bestätigung meines Aufenthalts von der Gasthochschule.


Studienfach: Lehramt Primarstufe mit Schwerpunkt Inklusionspädagogik

Aufenthaltsdauer: 08/2017 - 12/2017

Gastuniversität: University College Copenhagen (UCC)

Gastland: Dänemark

Studium an der Gastuniversität

Das Studium als solches fand ich gut – die Anforderungen waren herausfordernd, aber nicht überfordernd. Die Module vereinten ein gutes Maß an abwechslungsreichen Arbeitsformen, Eigeninitiative, Gruppenarbeit und Spaß. Die ‚study products‘ wurden immer in Gruppen bearbeitet, den sogenannten ‚study groups‘. Diese wurden teils per Zufallsprinzip festgelegt, teils nach Wohnorten zusammengemischt (im Falle des Moduls ‚Nordic Model‘, da dies ein einwöchiges Schulpraktikum beinhaltete). So hatte man eine feste Gruppe, mit der man von schriftlichen ‚papers‘ bis hin zu eigens gedrehten Videos, gebauten ‚classroom models‘ und kreativen Präsentationen alles gemeinsam machte. Besonders hier fiel mir erstmals auf, dass eine Sprachbarriere durchaus ein großes Hindernis darstellen kann – wenn man nämlich seinen Kommilitonen, die alle nicht Englisch als Muttersprache besitzen bzw. es nur mittelmäßig sprechen, z.B. eigene Ideen präzise erklären will. Das gestaltete sich oft als etwas schwierig und ich meine damit nicht nur fehlende Sprachkompetenzen bei anderen, sondern auch bei mir. Aber an eben diesen Hindernissen lernt man. So war es auch im Schulpraktikum, in dessen Rahmen ich mit zwei anderen Kommilitoninnen die Avedøre Skole (Folkeskolen, die in Dänemark von Klasse 1-9 geht) für fünf Tage besucht habe, nicht unbedingt einfach. Auch wenn Dänisch für uns wesentlich naheliegender ist als z.B. für meine spanischen Kommilitonen, versteht man bei normalem Redetempo der Dänen kaum etwas (Lesen ist da wesentlich einfacher, da sich die Wörter ähneln, aber diese Aussprache…). Wir hospitierten überwiegend in einer fünften Klasse, die gerade erst seit zwei Monaten dabei war Deutsch zu lernen. So erhielten wir auch die Chance, Deutsch zu unterrichten, jedoch stieß der Vorschlag des Klassenlehrers (der auch der Deutschlehrer der Klasse war), den Unterricht einfach langsam und deutlich auf Deutsch zu halten, auf viele fragende Gesichter und wiederholtes Flüstern, was wir da denn wohl gerade redeten. Trotzdem hatten wir es am Ende der Woche geschafft, dreimal in verschiedenen Klassen unterrichtet zu haben. Da Kinder Kinder sind, wurden wir auch trotz Sprachbarriere schnell ins Herz geschlossen und konnten am letzten Tag nur unter starken Protesten verabschiedet werden.

Die Lehrer waren allesamt sehr nett, hilfsbereit und interessiert. Mit den Deutschlehrern sprachen wir deutsch, ansonsten wurde Englisch geredet, was manche Kinder in der fünften Klasse wirklich schon wahnsinnig gut können (sowieso spricht gefühlt jeder in der Stadt gutes Englisch). Insgesamt bin ich der festen Überzeugung, dass sich mein Englisch maßgeblich verbessert hat, besonders jedoch in der Alltagssprache. Nach ein paar Wochen ist man drin, spätestens wenn das Denken (und teils auch das Träumen) auf Englisch stattfindet.

Kontakte zu einheimischen und ausländischen Studierenden

Das Erasmus-Programm startete am Montag, dem 21. August 2017 mit einer Einführungswoche. Durch Kennenlernspiele und gemeinsame Aktivitäten fiel es mir nicht schwer, schnell Kontakte zu knüpfen und Freunde zu finden. Wir waren insgesamt eine Gruppe von ca. 40-50 Leuten aus aller Herren Länder. Worüber ich mich sehr freute war, dass es auch außereuropäische Studierende in unserer Gruppe gab; z.B. aus Südkorea oder dem Libanon, welches den kulturellen Austausch noch spannender machte. Die vertretenen Nationalitäten innerhalb der Gruppe würde ich auf etwa 15-20 schätzen.

Nachdem ich in der Einführungswoche schon die internationale Truppe kennengelernt hatte, freute ich mich nun darauf, auch endlich dänische Studierende kennenzulernen. Es stellte sich jedoch heraus, dass in keinem der Module, die ich gewählt hatte, auch nur ein dänischer Studierender saß – es waren alles Leute aus dem Erasmus-Programm. Das war insofern aber gar nicht so verwunderlich, da es sich ja um Module handelte, die allesamt auf Englisch abgehalten wurden. So erzählten mir meine Freunde später, dass es nur in den Modulen, die Englisch als Fremdsprache zum Thema hatten, auch ein paar Dänen gab. Das fand ich richtig schade! So stellte sich, mit ein paar wenigen Ausnahmen, tatsächlich bis Ende des Semesters kein wirklicher Kontakt zu Dänen her. Es war eher eine Art Separation – die dänischen Studierenden machten ihr Ding, wir ‚internationals‘ machten unser Ding. Das hätte ich mir anders gewünscht.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Wir hatten die Möglichkeit, an einem kostenlosen Dänisch-Kurs für Studierende in „Københavns Sprogcenter“ teilzunehmen, der sich über fast den gesamten Zeitraum des Aufenthalts erstreckte. Dieser fand einmal die Woche am Mittwochnachmittag für 3,5 Stunden statt. Dabei hätte ich es klüger gefunden, die 3,5 Stunden auf zwei Wochentermine zu verteilen bzw. zu reduzieren, denn wir waren nach vier Stunden Seminar am Vormittag meist ziemlich platt, sodass die Konzentration ab 17 Uhr i.d.R. langsam nachließ. Nichtsdestotrotz haben wir Anfang Dezember alle den abschließenden Kurztest (mündliche „basic-conversation“) bestanden. Der „basic“-Sprachkurs ist für Studierende übrigens immer umsonst, es muss lediglich eine Kaution von 1250 DKK hinterlegt werden, die man am Ende (aber auch bei Abbruch) zurückerhält. Auch das entpuppte sich als spaßiger Part meines Aufenthaltes. So hatte ich insgesamt eine sehr abwechslungs- und erlebnisreiche Zeit. Und wie das so ist, wenn man Spaß hat – zack, da waren die vier Monate Erasmus auch schon wieder vorbei.

Wohn- und Lebenssituation

Der vermeintlich größte Teil der Vorbereitung lag in der Wohnungssuche. Im Bewerbungsformular gab es die Option, einen Service der Uni entgegenzunehmen, der sich auf die Vermittlung einer Unterkunft spezialisiert. Ich erhielt ca. drei Monate vor Reiseantritt ein Angebot auf ein Zimmer bei einer Hostfamilie in Skovlunde. Es sollte 20qm groß sein und 3500 Dänische Kronen (im Folgenden DKK genannt) kosten, was zu diesem Zeitpunkt 470€ entsprachen. Das klang jetzt erstmal nach viel, aber gar nicht so viel, wie ich es für das teure Skandinavien erwartet hatte. Als ich jedoch den Namen ‚Skovlunde‘ in Google Maps eingab, sah ich, dass der Ort ca. 45 Zug-Minuten außerhalb von Kopenhagen lag. Das war jetzt nicht gerade das, was ich mir von meinem Aufenthalt vorgestellt hatte. So sagte ich das Angebot schweren Herzens ab, auch im Wissen, dass die Wohnungssuche auf eigene Faust in Kopenhagen nicht gerade einfach werden würde. Es zeigte sich nämlich schnell, dass einschlägige Websites, wie wir sie hier in Form von z.B. ‘wg-gesucht.de‘ haben, wesentlich weniger umfangreich waren oder teilweise auch eine kostenpflichtige Mitgliedschaft voraussetzten, bevor man überhaupt erst mit den Inserierenden Kontakt aufnehmen konnte. Ich geriet leicht in Panik, als ich zunächst keine Antworten erhielt, und hörte mich bei sämtlichen Freunden, Freundesfreunden und anderen um, da ich nach meiner Absage nun wusste, dass die Uni mir kein zweites Angebot unterbreiten würde und es bis zur Anreise nur noch etwas mehr als 2 Monate waren.
Glück hatte ich im Endeffekt dann, als mir nach etwa 2 Wochen die Freundin einer Freundin auf meinen Facebook-Post eine Nachricht schrieb, sie sei gerade erst aus einer Wohnung in Kopenhagen ausgezogen und das Zimmer wäre nun frei, sie hätte provisorisch auch bereits schon den Landlord kontaktiert. Es stellte sich heraus, dass das entsprechende Reihenhaus in Valby liegt, was noch zur Kopenhagener Kommune gehört, und nur 15 Fahrrad-Minuten vom University College UCC und 25 Fahrrad-Minuten vom Stadtzentrum entfernt liegt. Ein Volltreffer! Das Zimmer sollte zwar nur 6qm groß sein, dafür jedoch auch „nur“ (für Kopenhagener Verhältnisse vergleichsweise wenig) 3000 DKK, also ziemlich genau 400€ kosten. Da mir die Lage wesentlich wichtiger war als das Zimmer, nahm ich nochmal persönlich mit dem Landlord Kontakt auf, der mir ein paar Tage später zusagte. Hierbei handelte es sich um einen älteren Mann, der noch als Uni-Professor an einer anderen Uni in Kopenhagen tätig ist (und selber woanders wohnt), und die 5 Zimmer des Reihenhauses regelmäßig an Studierende, überwiegend jedoch aus seinem Fachbereich (Biologie) vermietet. Hab ich wohl Glück gehabt!

 

 

Studienfach: Lehramt Primarstufe mit Schwerpunkt Inklusionspädagogik

Aufenthaltsdauer: 08/2017 - 12/2017

Gastuniversität: University College Copenhagen (UCC)

Gastland: Dänemark


Rückblick

Abschließend kann ich sagen, dass ich Erasmus jedem empfehlen würde. Es ist so eine tolle Gelegenheit, neue Leute aus sämtlichen Ländern und Kulturen kennenzulernen, während man in einer anderen Stadt lebt. Dänemark ist schweineteuer, aber absolut ‚hyggelig‘ und Kopenhagen wirklich wunderschön. So bereue ich definitiv keine einzige Minute, weil man so viel dazulernt und seinen Horizont so sehr erweitert. Auch kann ich nun sagen, dass es mein Ziel für 2018 ist, möglichst viele Freunde in ihren Städten zu besuchen – so hat man sich ein Netzwerk aufgebaut, auf das man z.T. sicherlich lebenslang zurückgreifen kann, wenn’s um’s Reisen geht. In einer kleinen Gruppe haben wir damit bereits in der Ferienwoche im Oktober angefangen und haben uns Stockholm und Prag angeguckt. Und die Reiselust ist gerade erst geweckt worden…

Dänemark

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