uni-potsdam.de

Sie verwenden einen veralteten Browser mit Sicherheitsschwachstellen und können die Funktionen dieser Webseite nicht nutzen.

Hier erfahren Sie, wie einfach Sie Ihren Browser aktualisieren können.

Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Über Erfahrungsberichte von ehemaligen Austauschstudent*innen konnte ich mich bereits vor der Bewerbung relativ konkret über das Studium an der MUN informieren. Nach der Bewerbung für die Hochschulpartnerschaft an der Uni Potsdam lief die Bewerbung an der MUN dann relativ unkompliziert, wenn auch mit einiger zeitlicher Verzögerung ab. Aufgrund meiner Studienplanung musste ich meinen Aufenthalt in Kanada noch einmal zeitlich nach hinten verschieben, was aber dank der zuverlässigen Koordinator*innen an beiden Universitäten glücklicherweise kein Problem war. Da das International Office mir Kontakte mit anderen Austauschstudent*innen vermittelt hatte, konnte ich darüber bereits viele hilfreiche Erfahrungen austauschen und einen genaueren Eindruck vom Leben in Neufundland bekommen. Das International Office der MUN war sehr hilfsbereit und beantwortete bereits vorab per E-Mail all meine Fragen. Bei kürzeren Aufenthalten (maximal 6 Monate) und wenn man nicht arbeiten möchte, benötigt man kein Visum für Kanada sondern lediglich eine eTA, die sehr unkompliziert und schnell online beantragt werden kann. Bei längeren Aufenthalten bzw. wenn man eine Arbeitserlaubnis benötigt sollte ein Studierendenvisum beantragt werden. 


Studienfach: M. Sc. Psychologie

Aufenthaltsdauer: 05/2019 - 08/2019

Gastuniversität:Memorial University of Newfoundland

Gastland: Kanada

Studium an der Gastuniversität

Da ich während meines Auslandsemesters mein Nebenfach absolviert habe, habe ich Bachelor-Kurse belegt. Während des Sommersemesters wurden deutlich weniger Veranstaltungen angeboten als während der Hauptsemester, aber es gab dennoch eine gute Auswahl an Kursen. Da ich mich zu Beginn nicht recht entscheiden konnte und noch nicht wusste wie hoch der Zeitaufwand sein würde, habe ich mich zunächst für 5 Kurse angemeldet und sie mir während der ersten Woche angeschaut. Aufgrund des relativ hohen Workloads habe ich dann nur 3 Kurse in Soziologie und Gender Studies belegt. Das Studiensystem an der MUN ist etwas anders als an deutschen Universitäten und das wird besonders an den Anforderungen deutlich. Die Note setzt sich immer aus mehreren Leistungsnachweisen zusammen und nie wie in Potsdam z.B. nur aus der Klausur. Es werden insgesamt 3 Klausuren geschrieben (1. Midterm, 2. Midterm, Final Exam) und dazu kommen weitere Leistungsnachweise wie Paper, Assignments, mündliche Beitrage und Diskussionen.  Zudem mussten all meine Kurse durch wöchentliches Lesen vorgegebener Literatur vorbereitet werden. Dadurch entsteht zwar ein deutlich höherer Zeitaufwand, gleichzeitig hat die intensive Arbeit aber auch den Druck auf die Klausuren reduziert, da man sich kontinuierlich mit den Kursinhalten beschäftigt und weniger Möglichkeit zum Aufschieben hat. Insgesamt scheint mir diese Lehr- und Lernmethode deutlich effektiver zu sein als das „Bulimie-Lernen“ an deutschen Universitäten.
Inhaltlich waren die Kurse deutlich persönlicher als in Deutschland. Während ich in meinen Vorlesungen und Seminaren in Psychologie die Relevanz wissenschaftlicher Neutralität gelernt habe, wurden wir in den Soziologiekursen eindeutig dazu aufgefordert, uns mit unseren persönlichen Erfahrungen auseinanderzusetzen und diese zu nutzen, um Konzepte zu verstehen und weiterzuentwickeln. Gleichzeitig ist die Beziehung zwischen Lehrenden und Studierenden deutlich weniger hierarchisch als in Deutschland. Viele Dozent*innen stellten sich mit ihrem Vornamen vor, legten keinen Wert auf ihre Titel und zeigten großen Respekt, Verständnis und ein großes persönliches Interesse an ihren Studierenden. Zudem zeigten sich die Lehrenden sehr „approachable“, luden zum Beispiel immer wieder in ihre Sprechstunden ein (auch bei inhaltlichen Fragen und Problemen) und kamen den Studierenden sehr entgegen. Dadurch entstand ein besonders positives Studienklima, was die Angst Fehler zu machen deutlich reduzierte und in dem es großen Spaß machte zu lernen.
Obwohl die technische Ausstattung im Vergleich zu anderen kanadischen Unis laut meiner kanadischen Mitbewohnerin wohl zu wünschen übrig lässt, ist eigentlich alles da, was man zum Studieren benötigt. Generell setzen einige Dozent*innen auch moderne multimediale Tools für ihren Unterricht ein. Ich habe auch einen Onlinekurs belegt, in dem unterschiedliche Methoden, u.a. Twitter, als Diskussionsplattform genutzt wurden. Wenn man die Chance hat, würde ich allerdings das Belegen von persönlichen Kursen empfehlen. In der Bibliothek gibt es ähnlich wie in Potsdam einen Computerpool mit PCs und Druckern, die während der Öffnungszeiten genutzt werden können. Zum Lernen gibt es eine silent area sowie mehrere Gruppenräume, die online gebucht werden können, sodass man jederzeit einen Platz findet.

Kontakt zu einheimischen und internationalen Studierenden

Dadurch dass ich auf dem Campus gelebt habe, hatte ich Kontakte sowohl zu kanadischen als auch zu internationalen Studierenden. Da die Uni im Vergleich zu anderen kanadischen Unis relativ günstig ist, zieht sie Studierende aus allen Ecken Kanadas und der Welt an, was zu einer ziemlich diversen Population führt. Da ich mich für das Summer Semester (Mai bis August) entschieden hatte und zu diesem Zeitraum deutlich weniger Studierende anwesend sind, wurden kaum Begrüßungsveranstaltungen angeboten. Von anderen Studierenden habe ich erfahren, dass die Uni im September zahlreiche soziale Veranstaltungen für Neuankömmlinge anbietet. Obwohl es im Sommer deutlich ruhiger zuging, habe ich wahnsinnig viele Menschen kennengelernt und auch die kanadische Freundlichkeit hilft dabei, schnell Freundschaften zu knüpfen.
Im Vergleich zum Fall oder Winter Semester waren wir nur eine sehr kleine Gruppe von Austauschstudierenden, trotzdem hat das International Office zu Beginn ein kleines Informationsmeeting veranstaltet. Während des Semesters wurden auch immer wieder Ausflüge oder regelmäßige coffee clubs angeboten, die die Möglichkeit zur Vernetzung bieten. Auch über soziale Medien wie Facebook lassen sich viele Veranstaltungen in St. John’s finden und organisieren. Die Outdoor Society der Uni organisiert beispielsweise Wanderungen, bei denen man neben der wunderbaren Landschaft Neufundlands immer wieder neue Leute kennen lernen kann.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Durch die Zeit in Kanada hat sich meine Sprachkompetenz deutlich verbessert. Während ich zu Beginn noch Hemmungen hatte frei zu sprechen, ist es mir durch das alltägliche Sprechen zum Ende hin deutlich leichter gefallen. Ich habe unglaublich viel auf sprachlicher Ebene gelernt, sodass ich mich während der letzten Zeit problemlos verständigen konnte. Dadurch, dass für viele internationale Studierende Englisch auch eine Fremdsprache ist, kann man sich gut gegenseitig helfen. Die Freundlichkeit und Geduld der Studierenden und Lehrenden hat dabei ebenfalls sehr geholfen. 

Wohn- und Lebenssituation

Eine Unterkunft in St. John’s zu finden stellte sich als überraschend unkompliziert heraus. Weil ich vorher noch nie in einem Studierendenwohnheim gewohnt habe und diese Erfahrung gern einmal ausprobieren wollte, habe ich mich dafür entschieden, auf dem Campus zu wohnen. Das ist zwar etwas teurer als in einem WG-Zimmer unterzukommen, aber im Vergleich zu den Berliner Mieten noch etwas günstiger. Der Bewerbungsprozess war ziemlich einfach und sobald die Zimmer vergeben werden, kann man sich online ein Zimmer in einem Apartment aussuchen. Ich habe in den Burton’s Pond Apartments gelebt, wo man sich zu viert ein Apartment mit Wohnzimmer, Küche und Bad teilt. Die Zimmer sind zwar sehr klein, die Schalldämmung nicht komplett zuverlässig, die Rauchmelder sehr empfindlich und ab und zu fliehen wohl auch mal Mäuse im kalten Winter in die unteren Etagen, aber insgesamt habe ich mich in den drei Monaten in denen ich dort gelebt habe sehr wohl gefühlt.  Ein besonderer Vorteil beim Leben at residence ist die Nähe zur Uni und zu Freund*innen, die nur ein paar Türen weiter leben. Im Gegensatz zum Berliner Wohnungsmarkt ist es hier auch einfach, ein Zimmer zu finden, die in Facebook-Gruppen oder Websites wie Kijiji ausgeschrieben werden. Das Housing Department der Uni bietet auch bei der Suche von off-campus Unterkünften Unterstützung an.
Obwohl St. John’s die Provinzhauptstadt ist, ist sie mit 200.000 Einwohnern eine relativ kleine Stadt. Als öffentliche Verkehrsmittel verkehren Busse mehr oder weniger regelmäßig und pünktlich. Eine Fahrt kostet 2,50 $, die man entweder in Münzen bei der Busfahrer*in bezahlen kann oder vorher z.B. im University Center (UC) in Form einer Zehnerkarte. Anders als im deutschen öffentlichen Nahverkehr ist das Klima im Bus ausgesprochen freundlich und man verabschiedet und bedankt sich, wenn man aus dem Bus aussteigt. Mit den Bussen und zu Fuß sind alle wichtigen Stationen in St. John’s problemlos zu erreichen, so dass ein Auto eigentlich überflüssig ist – vor allem, weil die Versicherungen dafür in Neufundland extrem hoch sind.  
Bankgeschäfte habe ich mit meiner deutschen Kreditkarte geregelt. Es gibt allerdings auch die Möglichkeit, ein kanadisches Konto zu eröffnen. Generell kann man eigentlich immer und überall mit Karte bezahlen. Für Aufenthalte unter einem Jahr ist es obligatorisch, sich über die Universität eine Krankenversicherung abzuschließen. Die Kosten liegen bei ca. 250 CAD.
Die Lebenshaltungskosten in Kanada sind etwas höher in Deutschland. Das macht sich vor allem im Supermarkt bemerkbar. Ähnlich wie in den USA sind die Verpackungsgrößen enorm und je größer die Verpackung, desto günstiger ist der Preis. Um zu sparen, lohnt es sich also, Essen mit Mehreren zu teilen. Obst und Gemüse muss per Schiff oder Flugzeug nach Neufundland importiert werden und ist deswegen etwas teurer und oftmals weniger frisch. Alkohol und Zigaretten sind aufgrund von Besteuerung ebenfalls deutlich teurer. Ansonsten bekommt man in Neufundland alles was man braucht.
St. John’s und die MUN bieten zahlreiche Freizeitangebote. Als Student*in hat man automatisch Zugang zu dem Fitnessstudio The Works, in dem man zahlreiche Kurse und Geräte nutzen kann.  Auch das unieigene Schwimmbad kann man zu bestimmten Zeiten umsonst besuchen. In St. John’s gibt es auch einige Yoga-Studios und im Sommer immer wieder freie Yoga-Stunden in der Natur (für solche Aktionen sind die Facebook-Veranstaltungen sehr hilfreich). Sowieso bietet die Natur in und rings um St. John’s wahnsinnig viele fantastische Wandermöglichkeiten. Neufundlands Küste ist Teil des East Coast Trail, aber auch vom Wasser (z.B. Kanu) lässt sich die Schönheit der Provinz aufsaugen. Im Sommer kann man Wale, Eisberge und Puffins beobachten und auch Adler zeigen sich ab und zu mal am Himmel. Von der Uni aus gibt es auch immer wieder verschiedene Freizeitangebote, wie zum Beispiel Achtsamkeitstrainings oder Diskussionsgruppen. Zudem lohnt es sich auch, Downtown St. John’s mit seinen kleinen Cafés und Shops zu entdecken, sich Kunst im Museum anzuschauen, eine der zahlreichen Craft Beer Brauereien zu besuchen oder bei der Live Musik in einem der zahlreichen Pubs auf der George Street zu versacken.

Studienfach: M. Sc. Psychologie

Aufenthaltsdauer: 05/2019 - 08/2019

Gastuniversität:Memorial University of Newfoundland

Gastland: Kanada


Rückblick

Im Rückblick bin ich wahnsinnig froh und dankbar für die Möglichkeit an der MUN studieren zu dürfen. Ich habe unheimlich viel gelernt und meine Erfahrungen werden mich wohl mein ganzes Leben begleiten. Besonders berührt hat mich die Herzlichkeit und Freundlichkeit fast ausnahmslos aller Menschen die mir begegnet sind und Neufundland zu einem wirklich lebenswerten Ort machen. Noch ein kleiner Tipp: Simkarten sind in Kanada extrem teuer (ca. 70 -100 $ im Monat). Wenn man auf dem Campus lebt, kann man aber fast überall das WLAN nutzen und braucht nicht unbedingt eine kanadische Simkarte. Ansonsten kann ich nur empfehlen nach St. John’s zu kommen und in die dortige warmherzige Kultur einzutauchen.

Kanada

zurück zur Länderseite

Studium im Ausland

Hier finden Sie alle Informationen zum Studium im Ausland.

Finanzierung & Stipendien

Wie Sie Ihr Auslandsstudium finanzieren können und welche Stipendien Sie erhalten können, erfahren Sie hier