Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Meinen Erasmus- Aufenthalt hatte ich für das Wintersemester 2020/21 anvisiert. Mit der Vorbereitung begann ich allerdings schon zu Beginn des Sommersemesters 2020 im März 2020. Ich nutzte die Website und eine persönliche Sprechstunde des Potsdamer International Office, um mich über mögliche Partneruniversitäten und den Ablauf zu informieren. Die Schritt-für-Schritt- Anleitung empfand ich als sehr hilfreiche Guideline. Nachdem ich meine Erst- und Zweitwahl getroffen hatte, kontaktierte ich vor meiner eigentlichen Bewerbung in Gent bereits das dortige International Office der Fakultät für Ökonomie und Betriebswirtschaftslehre. Die Mitarbeiterinnen konnten mir vorab schon eine Vielzahl an Fragen beantworten. Die eigentliche Bewerbung an der Universität Gent lief unkompliziert über das Uni- Portal „Oasis“. Man sollte darauf achten, dass die Bewerbungsfristen für die Uni Gent bzw. generell für Universitäten in Belgien früher gesetzt sind, da die Semester dort ebenfalls früher als in Deutschland beginnen. In meinem Fall begann das Wintersemester bereits im September. Meine Vorbereitungen waren allerdings auch durch die Sorgen der noch bestehenden Corona- Krise geprägt. Mit meiner akzeptierten Bewerbung an der Universität Gent wurde ich jedoch umfassend über die dortige Corona-Policy der Hochschule und bestehenden staatlichen Maßnahmen wie Einreisebeschränkungen via Mail informiert. Es lohnt sich übrigens auch einen Antrag auf Auslands-BAföG zu stellen, wenn man bisher nicht zum Kreis der Inlands-BAföG-Förderungsberechtigten gehört - manchmal bekommt man doch was. Dieser Antrag sollte mindestens sechs Monate vor dem Antritt des Auslandsaufenthaltes bei der für Belgien zuständigen Bezirksregierung Köln gestellt werden, da sich die Bearbeitung über mehrere Monate erstreckt.


Studienfach: Verwaltungswissenschaften

Aufenthaltsdauer: 09/2020 - 01/2021

Gastuniversität: Universität Gent

Gastland: Belgien

Studium an der Gastuniversität

Nach der Ankunft in Gent holt man sich seinen Studentenausweis aus dem International Office ab und bekommt für fast alle Uni Portale automatisch seine Zugänge. Veränderungen am eigenen Curriculum wurden unkompliziert und schnell genehmigt. Als Austauschstudent hat man auch die Möglichkeit, neben Sprachkursen eine begrenzte Anzahl an Kursen zu belegen, die eigentlich zu
anderen Studiengängen und Fakultäten gehören. Die meisten Veranstaltungen an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Uni Gent werden im Vorlesungsformat gehalten und oft von mehreren hundert Studenten belegt. Als Unterschied zu Potsdam musste ich feststellen, dass dort wesentlich mehr Inhalte in eine Vorlesung gepresst werden und diese durchaus auch vier Stunden gehen kann. Die Standorte liegen in der Stadt verstreut, die man am besten mit dem Fahrrad erreicht. Es werden neben einer Abschlussklausur oder einem Paper mehr Nebenleistungen erwartet als in Potsdam. Es ist der Regelfall, dass man für eine 5/6 ECTS- Veranstaltung neben der Klausur z.B. ein Gruppenpaper schreiben, einen Image- Film erstellen, Vorträge halten oder Case-Studies bearbeiten muss, die alle in die Modulbewertung einfließen. Umso wichtiger ist es dann, sich vorab genau zu informieren, welche verschiedenen Leistungen erbracht werden müssen. Die Lehre erfolgt in Gent auf hohem Niveau und die Leistungen werden in allen Modulen auch um einiges strenger als in Potsdam bewertet. Elf (3,0) oder zwölf (2,7) Punkte gehören zum Regelfall. Das sollte man berücksichtigen, wenn man eine Anerkennung der Kurse anstrebt. Das Hauptgebäude der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät ist sehr modern, mit einer Vielzahl an PC Arbeitsplätzen und einer großzügigen Bibliothek ausgestattet.

Kontakt zu einheimischen und internationalen Studierenden

Das ESN Gent- Team hat sich trotz Corona wirklich Mühe gegeben, viele Veranstaltungen (Stadtralley, Beertasting…) zu organisieren. Wenn die Corona-Maßnahmen nicht verschärft worden wären, hätte es Reisen nach Maastricht, Brüssel und Paris gegeben. Ich würde empfehlen, an diesen Veranstaltungen besonders am Anfang teilzunehmen, um schnell Kontakte zu knüpfen. Damit man allerdings nicht nur in seiner „Erasmus- Blase“ bleibt, lohnt es sich auch zu den Veranstaltungen der Studentenvereinigungen seines Studienganges oder seiner Fakultät zu gehen. Die Vereinigung bieten eine Vielzahl von Veranstaltungen an, bei denen man bei einem Bier auch schnell die einheimischen Studenten kennenlernt, die ich ausnahmslos als sehr offene und herzliche Menschen empfunden habe. Sowohl die Dozenten als auch alle einheimischen Studenten sprechen Englisch auf sehr hohem Niveau - kommunikative Barrieren existierten also nicht.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Mein Englisch hat sich durch das Erasmus-Semester entschieden verbessert. Insbesondere in der Gesprächsführung bin ich sicherer geworden und habe einiges an fachspezifischem Vokabular dazugelernt. Ich habe ebenfalls eine Veranstaltung auf Niederländisch belegt und auch Grundkenntnisse in dieser Sprache erwerben können. Man muss dazu aber auch sagen, dass Niederländisch der deutschen Sprache verhältnismäßig ähnlich ist und man sich viel selbst herleiten kann.

Wohn- und Lebenssituation

Ich habe während meines Auslandsaufenthaltes mit meiner Freundin in einer 3- Zimmer- Wohnung für 800€ Gesamtmiete pro Monat gewohnt. Die Mietpreise in Gent sind im Vergleich zu Potsdam nach meinem Empfinden etwas höher. Aus diesem Grund würde ich empfehlen, sich auch für die Wohnheimplätze der Uni Gent zu bewerben. Die Zimmer dort sind wesentlich billiger. Außerdem gab es dort beinahe jeden Abend eine „Küchenparty“ der dort wohnenden Erasmus-Leute. Das Verkehrsmittel der Wahl in Gent ist eindeutig das Fahrrad. Ich habe mir dort ein eigenes Fahrrad besorgt und es in einer von der Uni unterstützten Fahrradwerkstatt zum Studententarif verkehrstauglich aufbereiten lassen. Es gibt aber auch verschiedene Anbieter von Langzeitverleihern, die einige meiner Kommilitonen genutzt haben. In den Genuss eines Semestertickets für die Öffis kommt man dort jedoch nicht. Gent ist eine wahnsinnig tolle Studentenstadt. Es gibt - wenn nicht gerade Corona-Beschränkungen gelten - ein reichhaltiges Kulturangebot und eine sehr lebendige Barszene und viele Clubs. Von Gent aus kommt man auch in weniger als eine Stunde in die anderen belgischen Städte Brüssel, Antwerpen, Brügge oder an die Küste.

Studienfach: Verwaltungswissenschaften

Aufenthaltsdauer: 09/2020 - 01/2021

Gastuniversität: Universität Gent

Gastland: Belgien


Rückblick

Ich würde jedem empfehlen, die Gelegenheit zu nutzen und ein Austauschsemester in Gent zu machen. Auch wenn es durch die Corona- Pandemie etwas holprig ablief und man nicht den gesamten Zeitraum die volle Erasmus-Erfahrung erleben konnte, war es das trotzdem wert!

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