Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Die Kontaktaufnahme zur Gasthochschule, der Haute École Charlemagne, erfolgte problemlos und schnell, die Erasmuskoordinatorinnen aus Liège waren stets freundlich und zuvorkommend, haben immer schnell geantwortet und somit nicht nur meine Vorfreude vergrößert, sondern auch meinen Aufenthalt erleichtert. Die Freundlichkeit zog sich bis ins Studienklima an der Hochschule, durch die Organisation in kleinen Klassen hatte ich schnelle ein festes und freundliches Umfeld und Ansprechpartnerinnen.


Studienfach: Französisch auf Lehramt

Aufenthaltsdauer: 09/2019 - 01/2020

Gastuniversität:Haute-École Charlemagne

Gastland: Belgien

Da es sich um eine Hochschule und keine Universität handelt (eine Universität gibt es aber, neben vielen anderen Hochschulen, auch in Liège), ist das Studiensystem sehr anders. Ich habe mich gefreut, ein anderes System der Lehrer*innen-Ausbildung kennenzulernen. Das System an der Hochschule ist sehr viel schulischer (wie der Name ja schon impliziert) und lässt sich deshalb nicht wirklich mit der Uni vergleichen (ob dennoch einige Kurse in Potsdam anerkannt werden, kann ich noch nicht sagen). Ich hatte jeden Tag den ganzen Tag lang Hochschule und bin dem Bloc 2 gefolgt (die Ausbildung erfolgt in drei Blöcken, also drei Jahren) und konnte problemlos an mein Wissen aus Potsdam anschließen oder sogar etwas wiederholen. Besonders die Literaturseminare, zum Beispiel zur Jugendbuchliteratur, haben mir sehr gut gefallen, weil solche Themen bei uns in der Uni nicht angeboten werden. Ich musste sehr viel lesen (14 Bücher in 5 Monaten) und habe dadurch mein Leseverständnis extrem verbessert. Ich hatte nur Seminare, keine einzige Vorlesung, was eine tolle Abwechslung zum Unialltag war. Das Semester im Gesamten (in Liège Quadrimestre genannt) war sehr arbeitsaufwändig. Das Gebäude der Hochschule ist alles andere als modern, aber es gibt WLAN und überall Wasserspender. Außerdem gibt es eine kleine Bibliothek mit Arbeitsplätzen im Haus und einen Computerpool. Einige Seminare wurden auch in Computerräumen abgehalten und waren technisch interessant. Allgemein hat mir toll gefallen, dass das Studium praxisnäher ist, so hatte ich in dem Semester einen praktischen Kurs, bei dem in Kooperation mit einer Schulklasse Projekte ausprobiert werden konnten, sowie ein zweiwöchiges Praktikum. An der Hochschule waren 17 Erasmusstudierende, eine überschaubare Gruppe also, die viele Dinge zusammen unternommen hat und für die Feiern von der Hochschule organisiert wurden. Eine deutlich größere Erasmusgruppe hat die Uni Liège, an deren Veranstaltungen  (von Brasserieführungen über gemeinsames Jogging) man auch teilnehmen kann, für Unterhaltung und Kontakte zu ausländischen Studierenden ist also gesorgt. Ich habe mehr Zeit investiert, die Stadt kennenzulernen, war oft im von der Region subventionierten tollen Kino und im Theater und habe mit meinen Klassenkameradinnen Zeit verbracht. Online habe ich durch eine Liste der Stadtverwaltung ein gut gelegenes Zimmer gefunden, das ich dann bezog, allerdings nur für eine Woche blieb, weil mir das Zusammenleben mit der Vermieterin nicht gefiel. Auf https://www.kotaliege.be/ habe ich dann andere Vermieter*innen angeschrieben und schnell ein neues „kot“ (belgisches Wort für Studierendenzimmer) gefunden. Die Mietpreise sind ungefähr wie in Berlin oder Potsdam, die Zimmer sind etwas schlechter wärmeisoliert als in Deutschland, aber es gibt genügend Zimmer. Die Wohnheime sind sehr teuer. In Liège verkehren hauptsächlich Busse, es gib einen tollen Fahrradweg (RaVel) direkt an der Meuse, ohne Ampeln, sodass ich unkompliziert in der Innenstadt und der Hochschule sein konnte. Fahrräder kann man sich für 3 oder 6 Monate bei https://www.provelo.org/fr/implantation/liege direkt am Bahnhof Liège Guillemins leihen, und die Hochschule hat auch zwei Räder parat, die geliehen werden können. Ansonsten gibt es drei Bahnhöfe, den schon eben genannten Guillemins, Liège Carré und Liège Saint-Lambert, an denen regelmäßig Züge verkehren. Ich finde, die Lage ist perfekt, Züge und auch Fernbusse fahren sehr günstig und oft nach Aachen, Maastricht, Spa, Antwerpen, Gent, Brüssel, Ostende usw. Eine Fahrt durch ganz Belgien kostet für unter 26-Jährige nur 6,60 EUR oder 5,50 EUR im Zehnerabo. Die zusätzliche Auslandskrankenversicherung habe ich auf Empfehlung  meiner Krankenkasse hin ausgesucht und abgeschlossen, hatte aber glücklicherweise keinen Bedarf, in Liège zum Arzt zu gehen. Die Lebenshaltungskosten in Belgien sind etwas höher als in Deutschland (dafür ist das Baguette besser und die Waffeln….), aber durch das Erasmusgeld hatte ich keine finanziellen Probleme. Essengehen und Biertrinken gehen gehören sehr viel mehr zum Alltag und zur Kultur, als ich es aus Deutschland kenne, was ich sehr schön fand und die hohe Qualität von Essen und Bier habe ich häufig genossen. Supermarktöffnungszeiten sind kürzer, dafür auch sonntags und Liège verfügt über viele Märkte, die wirklich toll sind. Die Uni hat einen Universitätschor, an dem jede*r teilnehmen kann, so wurde auch ich kurz ein Teil des Ensembles, das im stätischen Aquarium probt. Die Hochschule bietet mehrere kostenlose Sportkurse an, ich habe dadurch zum Beispiel Selbstverteidigung gelernt. Die staatlichen Museen Belgiens sind kostenlos, so bin ich auch oft in den Genuss des Museums La Bovarie gekommen.

Studienfach: Französisch auf Lehramt

Aufenthaltsdauer: 09/2019 - 01/2020

Gastuniversität:Haute-École Charlemagne

Gastland: Belgien


Rückblick

Alles in Allem habe ich Liège als Stadt lieben gelernt, ich kenne keine andere Stadt, die so viele günstige Angebote vorzuweisen hat, sodass auch bei schlechtem Wetter alle Möglichkeiten offen sind (Lesecafés, Spielecafés, Restaurants, Lesungen etc.), was nicht heißen soll, dass das Wetter schlecht war – im Gegenteil. Kleine Parks, der große schöne Fluss, der die Stadt in zwei Hälften teilt, Fleischereien und Käseläden, die sehr gut besucht sind, Bäckereien, die noch selber backen und die durchgehend netten Menschen. Belgien ist ein spannendes Land mit seinen drei Amtssprachen und Brüssel als europäische Metropole. Ich hätte mir gewünscht, dass der Arbeitsaufwand in der Hochschule kleiner gewesen wäre, dann hätte ich vielleicht auch mehr Zeit gehabt, die tollen Angebote zu nutzen oder Menschen kennenzulernen, aber ich bin schon sehr zufrieden mit diesem durchaus interessanten Semester und bin dankbar, dass mir das von der Uni Potsdam und dem Erasmusprogramm ermöglicht wurde!

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