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Erasmus+ Erfahrungsbericht

 Vorbereitung des Auslandsaufenthalts

Nach meinem Bachelorabschluss im Wintersemester 16/17 begann im April mein Masterstudium an der Universität Potsdam (UP). Da ich bereits an der UP war, kannte ich die Bewerbungsformalitäten und habe mich bereits im Bachelor für ein Erasmus+ Platz im Master beworben. Dies tat ich, um mein Auslandsaufenthalt möglichst effizient zu absolvieren und möglichst wenig Veranstaltungen an der Uni Potsdam zu verpassen. Ich bin froh, dass dies reibungslos möglich war.

Informationen sind einfach und übersichtlich auf der Seite des International Office zu finden. Nach intensiver Recherche habe ich feststellen müssen, dass meine favorisierten Länder (Schweden, Finnland, Norwegen) zwar eine Kooperation mit der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät (WiSo-Fakultät) besitzen, jedoch nicht mit dem Fachbereich Wirtschaftswissenschaften. Meine Koordinatorin teilte mir jedoch mit, dass in Einzelfällen Ausnahmen gemacht werden können. Ich habe mich demnach auf Universitäten aus Schweden, Finnland, Norwegen beworben. Leider gab es aus dem oben aufgeführten Grund eine Absage. Kurze Zeit später wurde jedoch eine Resteplätze Liste veröffentlicht, hier fand ich für die WiSo-Fakultät die Universität Gent. Während des Bewerbungsprozesses stellte sich dann raus, dass auch hier keine Kooperation mit dem Fachbereich Wirtschaftswissenschaften existierte. Frau Schmidt und Frau Kettmann konnten jedoch eine Lösung finden, welche es mir ermöglichte trotzdem an die Universität Gent zu gehen und Wirtschaftswissenschaften zu studieren. Hierfür möchte ich ihnen ausdrücklich danken, auch wenn sich mir gleichzeitig die Frage stellt, warum der Fachbereich Wirtschaftswissenschaften keine Kooperationen in Skandinavien (oder auch Großbritannien) besitzt.

Nach der Nominierung durch das International Office erhielt ich eine E-Mail der Universität Gent, in der ich gebeten wurde mich in einem Online Portal (ähnlich PULS) zu bewerben. Hier musste ein Onlineformular mit Wunschseminaren und Kontaktdaten ausfüllen werden. Zusätzlich ein kurzes Motivationsschreiben und bereits das von der UP ausgefüllte Learning Agreement. Dies war aufgrund der näher rückenden Bewerbungsfrist aus Gent sehr zeitkritisch. Nach der Deadline erhielt ich innerhalb einer Woche eine positive Antwort.


Studienfach: Betriebswirtschaftslehre

Aufenthaltsdauer: 09/2017-02/2018

Gastuniversität: Universität Gent

Gastland: Belgien

Studium an der Gastuniversität

Das Studiensystem ähnelt grundsätzlich dem der UP. Die Lehrveranstaltungen bestehen aus Vorlesungen, Seminaren und Übungen. Diese verteilen sich im Wintersemester im Vorlesungszeitraum konstant bis Weihnachten. Im Januar werden dann alle Prüfungen abgenommen. Einige Studiengänge (z.B. Business Engineering) werden jedoch momentan auf ein neues Lehrkonzept umgestellt. Hier entstehen drei Blöcke à sechs Wochen. In den ersten zwei Blöcken werden je zwei Veranstaltungen absolviert (inklusive Prüfung), im letzten Block werden Hausarbeiten geschrieben und Praktika können absolviert werden. Leider ist während der Bewerbung nicht erkennbar welche Kurse nach dem neuen System verlaufen und welche nach dem traditionellen. Dies führte bei fast allen Erasmus+ Studenten zu Problemen im Stundenplan und resultiere meist darin, dass Kurse nicht belegt werden konnten oder gewechselt werden mussten.

Lehrveranstaltungen werden in Gent meist über drei bis fünf Zeitstunden gehalten. Der Dozent gibt dabei die Pausen vor. Dies ist am zu Beginn schwierig, jedoch gewöhnt man sich schnell daran. Die Betreuung der Studenten erfolgt direkter als an der UP. Studierende schreiben direkt den Professoren und nicht den akademischen Mitarbeitern. Sprechstunden werden von den Studierenden regelmäßig in Anspruch genommen und Professoren gehen in organisatorischen Belangen stark auf die Studierenden ein. So wurden Prüfungszeiten verlegt oder auch Deadlines verschoben.

Gleichzeitig ist das Klima zwischen Lehrenden und Studierenden kälter als an der UP. Wer in Vorlesungen redet oder sich über den Lehrstoff beschwert wird schnell des Raumes verwiesen. Zum Teil kam das Gefühl auf, dass es an gegenseitigem Respekt mangelte.

Die Wirtschaftsfakultät in Gent ist technisch auf dem neusten Stand. Unterrichtet wird in einem neu sanierten Altbaukomplex, welcher zusätzlich Computerräume, Bibliothek, Drucker und Gruppenräume beherbergt.

Das belgische Notensystem beruht auf einer 20 Punkte Skala, wobei 20 Punkte auch die Bestnote darstellen, aber selten zu erreichen sind. 10 Punkte sind zum Bestehen eines Kurses notwendig.

Kontakte zu einheimischen und ausländischen Studierenden

Belgische Studenten sind immer freundlich, hilfsbereit und ausdrucksstark in Englisch. Kontakt entsteht neben dem proaktiven aufeinander zugehen beispielsweise durch Gruppenarbeiten, die in fast jeder Lehrveranstaltung fest integriert sind. Einen Kontakt über das kollegiale Zusammensein hinaus ist jedoch nur selten vorhanden, selbst wenn man sich eine Küche in einem (privaten) Studentenwohnheim teilt. Der Kontakt zu ausländischen Studierenden erfolgt durch multiple Kanäle, hier die drei wichtigsten:

1.      Lehrveranstaltungen auf Englisch bestehen zu großen Teilen aus ausländischen studierenden und sind somit geeignet, um Kontakte zu knüpfen.

2.     Das Erasmus Student Network (ESN) ist in Gent intensiv vertreten und bietet gerade in der ersten Woche zahlreiche Veranstaltungen zum gegenseitigen Kennenlernen an.

3.      Das Wohnheim der Universität Gent trennt ausländische und einheimische Studierende aus administrativen Gründen. Dies führt dazu, dass man im Wohnheim unter Gleichgesinnten ist und schnell in Kontakt kommt.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Durch den Zwang auf Englisch zu kommunizieren, sind hier eindeutige Fortschritte zu erkennen. Zudem wurde durch einen Sprachkurs und durch den täglichen Umgang mit der Sprache erste Kenntnisse in Niederländisch erworben.

Wohn-  und Lebenssituation

Nach der Zusage durch die Universität Gent konnte im Online-Portal eine Bewerbung für einen Wohnheimplatz abgegeben werden. Hier erfolgte eine positive Bestätigung zwei Werktage nach der Anmeldung. Alternativ zum Wohnheim der Universität Gent kann auch privat nach einer Unterkunft gesucht werden. Ein einfaches Zimmer mit Gemeinschaftsküche (genannt Kot) beginnt hier bei ca. 350 €, wobei 400 € bis 450 € der Regelfall sind. Zimmer sind auch in Facebook Gruppen (ESN Gent Second-Hand) oder durch Links auf der Universitätsseite zu finden.

Ich habe im Wohnheim gelebt und kann dies nur weiterempfehlen. Die Bewerbung ist schnell und einfach, die Kosten ist in einem ähnlichen Rahmen, wie auf dem privaten Markt und die Mietkonditionen sind auf den Aufenthalt zugeschnitten. Das Hauptargument ist jedoch der Kontakt zu anderen Erasmusstudenten, denn hier werden Freundschaften geschlossen. Im Flur oder in der Küche lernt man sich kennen, man wird vom Nachbarn zum Freund, man hat zusammen Spaß und leidet zusammen. 30 Studierende teilen sich eine große Küche. Zum Abend wird Englisch, Spanisch, Französisch, Deutsch, Polnisch und Italienisch gleichzeitig gesprochen und gekocht. Dies ist die Erfahrung, die ich in meinem Erasmussemester erleben wollte und gefunden habe. Über kleinere Dinge wie fehlendes WiFi (lediglich Internet als LAN-Verbindung) oder kostenpflichtige Waschmaschinen sieht man da gerne hinweg.

Bewegung erfolgt in Gent mit dem Rad, daher besitzt die Universität eine eigene Fahrradvermietung. Hier sollte man sich so schnell wie möglich ein Rad mieten, da alle anderen Transportmittel teurer und komplizierter sind.

Die Lebenserhaltungskosten in Belgien sind höher als in Deutschland, was sich durch alle Rubriken des alltäglichen Lebens zieht. Ich habe in der Erasmuszeit meine Ausgaben dokumentiert und hatte Kosten in Höhe von durchschnittlich knapp 50 € pro Tag. Dies beinhaltet: Miete, Lebensmittel, GYM-Mitgliedschafft, Rundreise durch Belgien, Weihnachten, Wochenendreisen nach Liechtenstein und in die Niederlande, Bücher, Einschreibegebühren, Fahrradmiete, Versicherungen und alle weiteren anfallenden Kosten.

Das Freizeitangebot in Gent umfasst vor allem Städtetouren. Hier kann man sich dem ESN anschließen, welcher Touren nach Amsterdam, Köln, Dublin und Paris organisiert, oder selbst mit dem Zug oder Auto durch Belgien fahren. Letzteres bietet sich an, da Städte wie Lille, Brüssel, Lüttich, Antwerpen, Maastricht, Den Haag oder Amsterdam schnell erreicht werden können. Weiterhin ist der Flughafen in Brüssel schnell zu erreichen und verfügt über zahlreiche günstige Verbindungen.

Der Hochschulsport ist ebenfalls stark ausgeprägt und günstig, ich selbst habe jedoch nicht daran teilgenommen, da ich wie viele andere Studierenden das Fitnessstudio direkt neben dem Wohnheim bevorzugt habe.

  Ratschläge

Mein Ratschlag für zukünftige Studierende ist es, sich ein Zimmer im Studentenwohnheim zu nehmen, da man hier die Erfahrungen macht, die Erasmus+ einem verspricht. Zudem empfehle ich sich ein Fahrrad zu besorgen. Das Erlebnis jeden Morgen um 8 Uhr mit 50 bis 80 anderen Studierenden auf Rädern an der Ampel zu stehen wird mir lange in Erinnerung bleiben. Durch den Kontakt mit Studierenden im Bachelor ist mir aufgefallen, dass wenig englischsprachige Veranstaltungen im Bachelor angeboten wurden, daher belegten viele Kurse im Masterbereich, was jedoch kein Problem darstellte. Zur Übersicht veröffentlicht die Universität Gent eine Liste mit Lehrveranstaltungen auf Englisch. Leider kam es hin und wieder zu Problemen, da die Dozierenden die Veranstaltungen auf Niederländisch halten wollten. Dann wurde den nicht niederländisch sprachigen Studierenden ein Skript oder ein Buch benannt, welches sie lesen/lernen (und zum Teil auch kaufen) mussten, und ihnen wurde gesagt, dass sie erst zur Klausur wiederkommen müssen. Dies hatte den Vorteil, dass man viel Freizeit hatte, jedoch die Prüfungen meist weniger erfolgreich waren. Solide Kenntnisse in Niederländisch hätten dieses Problem gelöst.

Studienfach: Betriebswirtschaftslehre

Aufenthaltsdauer: 09/2017-02/2018

Gastuniversität: Universität Gent

Gastland: Belgien


Rückblick

Meine Zeit in Gent war ein unvergleichbares Erlebnis. Ich bin froh an diese Universität gegangen zu sein und kann sie mit gutem Gewissen weiterempfehlen.

 

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