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Erfahrungsbericht University of Technology Sydney


Studienfach: Verwaltungswissenschaft

Aufenthaltsdauer: 07/2018 – 11/2018

Gastuniversität: University of Technology, Sydney

Gastland: Australien

Vorbereitung des Auslandsaufenthalts

Mein Plan war schon zu Beginn des Masters ein Auslandssemester in Australien oder Kanada zu absolvieren. Daher suchte ich nach günstigen Möglichkeiten für mein Vorhaben. Im Zuge der Recherche fand ich Informationen über die vorhandenen Hochschulpartnerschaften der Universität Potsdam auf der Homepage der Universität. Die Bewerbungsfrist für Kanada und auch das Angebot dort sagte mir nicht so zu. Deshalb fiel die Wahl auf Australien. Ich verglich die unterschiedlichen Kursangebote der Partnerhochschulen und fokussierte mich anschließend auf die University of Technology in Sydney. Um einen der begehrten Austauschplätze zu erlangen, musste man ein Bewerbungsverfahren durchlaufen und einige Unterlagen zur Verfügung stellen. Dazu zählten ein tabellarischer Lebenslauf, mein Bachelorzeugnis bzw. die aktuelle Leistungsübersicht, das Sprachzertifikat oder auch eine Darstellung des Studienvorhabens bzw. ein Motivationsschreiben. Bei Letzterem half mir meine zuvor erledigte Recherche zu den Kursangeboten sehr weiter. Somit war es leicht, die fachliche Motivation abzuleiten und mein Vorhaben zu erläutern. Anschließend fehlte nur noch das Gutachten eines Hochschullehrers. Dank meiner Tätigkeit an einem Lehrstuhl, dessen Veranstaltungen ich auch selbst belegt hatte, war dies relativ einfach. Ansonsten sollte man dafür jedoch einige Zeit für die Suche eines Kandidaten und die Anfertigung des Gutachtens einplanen. Der letzte Schritt war dann das persönliche Auswahlgespräch. Letztendlich war ich erfolgreich und bekam eine positive Antwort für einen der Austauschplätze, was ein riesiger Vorteil ist. Damit entfallen die in Australien nicht gerade geringen Studiengebühren an der Gastuniversität. Andernfalls sind das ein paar tausend Euro. Außerdem erleichtert es die Kontaktaufnahme mit der Gastuniversität erheblich, weil das International Office der Universität Potsdam mich und die anderen Kandidaten sehr gut unterstützte und die anfängliche Kommunikation erleichterte. Im weiteren Verlauf wurde jegliche Kommunikation dann direkt zwischen der Gastuniversität und mir per E-Mail abgewickelt. Nachdem die universitären Belange nun weitestgehend geklärt waren, ging es an die sonstige Organisation: Finanzierung, Visum, Krankenversicherung oder Beurlaubung. Für die finanziellen Belange setzte ich auf eigene Rücklagen, die Unterstützung meiner Eltern, die Bewerbung für das PROMOS-Stipendium und einen Studienkredit bei der KfW. Auf die Bewerbung für das Auslands-BAföG verzichtete ich, da ich bereits bei meinem Erasmus-Aufenthalt in Schweden leer ausging und die Lebenshaltungskosten vergleichbar sind.

Beim Visum entschied ich mich für ein Working Holiday Visa (WHV), denn ich plante neben dem Auslandssemester auch mein Auslandspraktikum in Australien zu absolvieren. Mit dem WHV kann man bis zu 16 Wochen in Australien studieren, was für ein Semester reicht. Ansonsten war das Student Visa am weitesten verbreitet. Mein Visum war gegen meine Erwartungen bereits drei Minuten nach der Online-Beantragung direkt per E-Mail vorhanden. Das muss allerdings nicht immer so laufen. Aufgrund meines WHV konnte ich mich bei der Auslandskrankenversicherung nicht für den Anbieter der UTS entscheiden, sondern musste mich selbst um eine Auslandskrankenversicherung kümmern. Ich entschied mich für das Angebot bei STA Travel in Kooperation mit der Allianz Versicherung. Dies war einer der wenigen Anbieter mit einer Prepaid-Kreditkarte. Deshalb musste ich im Krankheitsfall nicht mein eigenes Geld vorstrecken, sondern konnte nach einem Anruf bei der Allianz direkt mit deren Karte bezahlen. Den Preis fand ich vollkommen in Ordnung. Als nützliche Information ist hier vielleicht zu sagen, dass ein Arztbesuch mit einfacher Erkältung in Sydney schnell zwischen 50 und 70 Euro kosten kann. Die Medikamente kommen dann noch dazu. Eine Freundin hatte sich die Hand gebrochen und war mit Röntgen, Gips, etc. schnell bei $400. Ärgerlich fand ich hingegen, dass ich während meines gesamten Aufenthaltes meine deutsche Krankenversicherung zusätzlich bezahlen musste, da ich über 25 Jahre alt war und nach wie vor ein eingeschriebener Student in Deutschland. Das sind pro Monat immerhin knapp 90 Euro. Allerdings konnte ich keinerlei Leistungen der KV in Australien geltend machen. Das sollte man also beachten, wenn es an die erforderliche, finanzielle Planung geht.

 

Studienfach: Verwaltungswissenschaft

Aufenthaltsdauer: 07/2018 – 11/2018

Gastuniversität: University of Technology, Sydney

Gastland: Australien


Studium

 An der UTS belegte ich 4 Kurse à 6 Leistungspunkte. Einer der Kurse bestand lediglich aus einem Seminar. Die übrigen drei Kurse setzten sich aus einer Vorlesung und einem Seminar zusammen. Im Wesentlichen lässt sich zum Studiensystem sagen, dass ein Großteil der Leistungen in meinem Fall während des Semesters erbracht wurden. Dies ist anzumerken, da ich parallel dazu noch Hausarbeiten für die UP schreiben musste. Jedoch ging das Semester an der UTS bereits Ende Juli wieder los. Zu den Leistungsanforderungen lässt sich sagen, dass diese größtenteils verschieden zu denen an der Universität Potsdam sind. Ich hatte lediglich in einem Kurs eine Klausur. Ansonsten musste ich Reflection Paper bzw. Learning Logs schreiben, die eine Beurteilung meines Erkenntnisgewinns thematisierten. Natürlich waren Präsentationen auch wieder Bestandteil der Leistungserbringung. Eine interessante Präsentationsform, die ich zuvor noch nie durchgeführt hatte, war die aus Japan stammende Pecha Kucha Präsentation. Dabei hat man 20 Folien für ein Thema und jede Folie wird für 20 Sekunden gezeigt – der Übergang findet automatisch statt. Das erfordert selbstverständlich ein nahezu sekundengenaues Timing für den Redeanteil. Außerdem musste ich ein Business Training sowie Business Reports (Case Studies) anfertigen. Alles in allem lässt sich sagen, dass die Leistungsbewertung in meinem Fall vergleichbar war mit der Universität Potsdam. Viele der oben genannten Leistungen fanden auch in Gruppenarbeit statt. Das war die Gelegenheit schlechthin mit anderen Kulturen einfach in Kontakt zu kommen. Zudem war es nahezu unmöglich mit Europäern in Gruppen zu sein. Viele Studierende aus meinen Kursen waren aus China, Indien und weiteren nichteuropäischen Ländern. Das führte zu sehr interessanten Erfahrungen. In einem Kurs arbeitete ich als einziger Europäer in einer Gruppe mit fünf Chinesen. Anzumerken ist hierbei das die Englischkenntnisse teilweise stark variierten oder der Kenntnisstand zu bestimmten Themen unterschiedlich war. Aber mit ein wenig Unterstützung und genügend Zeit lief es ohne Probleme. Meine Gruppe in einem anderen Kurs bestand aus Leuten aus China, Südkorea und Vietnam. Hierbei konnte ich feststellen wie unterschiedlich die Verhaltensweisen bei Gruppenarbeiten sind. In Europa sind wir eher „offensiv“ und versuchen schnell ans Ziel zu kommen. Im Vergleich dazu sind viele Asiaten relativ schüchtern und eher zurückhaltend passiv. Dies muss man berücksichtigen und ihnen Zeit einräumen ihre Sichtweisen und Ideen einzubringen. Die letzte Gruppenarbeit hatte ich mit drei Frauen aus Brasilien und Saudi-Arabien. Insgesamt hatte ich also einen bunten Mix an Ländern und war sehr dankbar, denn auch dafür war ich in eine internationale Metropole wie Sydney gegangen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Studienklima an der UTS sehr angenehm ist. In den Studierendenunterkünften des UTS Housing gibt es die RN (Resident Networker), die als Studierende Veranstaltungen organisieren. Ansonsten gibt es zahlreiche studentische Clubs an der UTS in denen man sich einbringen kann. Die Verwaltungsmitarbeiter und die meisten Dozenten sind sehr freundlich, einfach erreichbar und haben offene Ohren für die Probleme der Studierenden. Als besonders empfand ich, dass die Bibliotheken während der Prüfungsphase erweiterte Öffnungszeiten haben und bis 1 Uhr nachts geöffnet sind. Im Allgemeinen muss man festhalten, dass die technische Ausstattung an der UTS überragend ist und jeder Veranstaltungsraum über zahlreiche Beamer, Videoleinwände oder Bildschirme verfügt. Zudem finden sich enorm viele Computer(pools) überall am Campus verteilt, sodass es immer möglich ist einen freien PC zu finden. Außerdem gibt es unzählige, verschiedene Sitzmöglichkeiten, wodurch das Studieren Abwechslung bietet und dadurch beste Voraussetzungen vorliegen.

Kontakte zu  einheimischen und ausländischen Studierenden

Dank meiner Unterbringung im UTS Housing fand ich schnell Anschluss an ausländische und einheimische Studierende, wobei Letztere eindeutig in der Unterzahl sind. Zudem war ich in einer 6er-WG untergebracht. Also hatte ich von Beginn an sehr viel Kontakt zu meinen Mitbewohnern und direkt einige Freunde. Ansonsten trifft man zahlreiche einheimische und ausländische Studierende bei den Lehrveranstaltungen, Campusevents oder der Einführungswoche. Die Kontaktaufnahme fällt also sehr leicht.

 

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Aufgrund meines Erasmus-Aufenthalts im Bachelor und meinem ehrenamtlichen Engagement im ESN Potsdam war ich es gewohnt, regelmäßig Englisch zu sprechen und meine Sprachkompetenz war ziemlich gut entwickelt. Dennoch bemerkte ich, dass ich zahlreiche Vokabeln und Slangbegriffe dazulernte und mein Hörverstehen - auch mit Bezug auf den australischen Dialekt - verbessert wurde.

 

Wohn- und Lebenssituation

Ich nutzte das Angebot, im Rahmen der Hochschulpartnerschaft im UTS Housing unterzukommen, denn ich war nicht wirklich an einer langwierigen Wohnungssuche interessiert und die Lage der Wohnung direkt in Campusnähe und in Sichtweite der Central Station war super. Außerdem hatte ich so ziemlich früh meine Wohnung gesichert und weniger Stress. Die Miete für ein Zimmer in meiner 6er-WG betrug $298 pro Woche. Das klingt erstmal viel. Allerdings muss man sich bewusst machen, dass man als Austauschstudierender kein Studierendenticket für die öffentlichen Verkehrsmittel erhält und diese somit ziemlich teuer sind (ca. $10-$15 pro Tag). Wenn man also weiter weg vom Campus wohnt, kommen diese Kosten hinzu. Zudem war es aus meiner Sicht oftmals ziemlich nervig und anstrengend, in der Stadt zu pendeln, da es einfach ewig dauert. Der Großteil der Öffis läuft über Busse, die sich die Straßen zur Rush Hour mit Millionen Autos teilen und deshalb dementsprechend lange brauchen. Ansonsten gibt es Züge, Fähren und eine einzige Tramlinie (daran wird gerade gearbeitet). Eine Ausnahme bietet der Sonntag. Jeden Sonntag kostet das Reisen am Tag maximal $2,70 – egal wie viel man durch die Stadt fährt. Das sollte man also für längere Reisen nutzen. Zu den Besonderheiten in meinem Housing (Yura Mudang) zählt zum einen der strikte Sicherheitsdienst und die diversen Regeln zum Zusammenleben. Daher ist die Möglichkeit Partys zu feiern und einfach unbegrenzt Freunde einzuladen doch ein wenig eingeschränkt. Allerdings überwogen die Vorteile: die Gratis-Mitgliedschaft in einem nahen Fitnessstudio, Räumlichkeiten zum Lernen, regelmäßiges Gratisessen dank uni-naher Einrichtungen, Grillplätze, Billardtische, Tischtennisplatten und das Highlight: die Dachterrasse. Es ließ sich also aushalten und meine Mitbewohner aus der Schweiz, den USA, Indien und Australien waren super! Ein weiterer Punkt, welcher oft Bestandteil der Vorbereitung ist, ist ein inländischer Bankaccount. Ich habe mir ebenfalls ein australisches Bankkonto zugelegt, jedoch nur um die Lohnzahlungen für das Praktikum zu beschleunigen bzw. zu vereinfachen. Für alle weiteren Zahlungen habe ich mit der DKB super Erfahrungen gemacht. Meine normale deutsche DKB-Kreditkarte hat kostenlos alle Zahlungen abgewickelt. Damit ist ein australischer Bankaccount ziemlich unnötig. Zu den Lebenshaltungskosten kann ich hier nicht so viel sagen. Diese sind natürlich höher als in Deutschland, aber da ich die Miete im Voraus bezahlen musste, komme ich mit dem Geld, was ich normalerweise in Deutschland zur Verfügung habe, gut aus.


Rückblick

Rückblickend muss ich sagen, dass es sehr wichtig war, die Planung frühzeitig zu beginnen, um sich jeglichen Stress zu ersparen. In meinem Fall mindestens ein Jahr im Voraus, was normal scheint, da auch die Bewerbungsfristen für die Austauschplätze sehr früh sind. Außerdem ist es wichtig, genug Geld zur Verfügung zu haben – lieber zu viel als zu wenig. Ich habe meinen Studienkredit nicht aufgebraucht, aber war dadurch viel entspannter. Ansonsten würde ich allen Lesern empfehlen, Sydney zu besuchen, wenn sie in einer internationalen und kulturell vielfältigen Metropole mit all ihren Möglichkeiten leben wollen.
Ich habe in meinem Auslandssemester hier fast ausschließlich positive Erfahrungen gemacht und viele neue, spannende Sachen gelernt. Jetzt nutze ich die Zeit nach dem Semester zum Reisen. In meinen Augen gibt es nur wenig negative Aspekte an einem Studium in Sydney und an der UTS. Wie bereits erwähnt ist der Nahverkehr ziemlich anstrengend. Ein Punkt, den ich vorher nicht bedacht und erwartet hatte, war jedoch auch die geringe Zahl an historischen Gebäuden und Einrichtungen. Natürlich macht das angesichts des relativ jungen Australien Sinn. Dennoch ist es ein wenig gewöhnungsbedürftig, wenn man vom grünen und historischen Potsdam nach Sydney zieht. Dieses kleine optische Minus macht Sydney genauso wie ganz Australien mit unglaublichen Stränden, Landschaften und der Tierwelt wieder wett.