Praktikum am Haifa Center for German and European Studies

Das Haifa Center for German and European Studies ist eines der 19 weltweiten Zentren für Deutschland- und Europastudien, die vom Deutschen Akademischen Austauschdienst und der Universität Haifa gefördert werden (https://www.daad.de/des./).

Das Center bietet ein interdisziplinäres Masterprogramm an, ermöglicht und fördert Studienaufenthalte in Deutschland und deutsche Sprachkurse. Das Center steht in engem Kontakt mit sowohl der deutschen als auch anderen europäischen Botschaften und internationalen Stiftungen. Es bildet ein Forschungszentrum für jene Themen, die aktuell in Europa besprochen werden, so wie Migration und Energiewende. Das Haifa Center for German European Studies hat eine herausragende Bedeutung für die deutsche Sprache im Norden Israels. Im Gegensatz zu Tel Aviv und Jerusalem, wo das Goethe Institut als offizieller Ansprechpartner agiert, gibt es im Norden Israels und der Umgebung von Haifa keine entsprechende Alternative zum Deutschlernen.


Studienfach: Rechtswissenschaften

Aufenthaltsdauer: 11/2019 - 02/2020

Praktikumsgeber: Haifa Center for German and European Studies

Gastland:Israel

Weg zur Praktikumsstelle

Ich hatte mir für 2019 das Ziel eines Auslandspraktikums gesetzt und war während meiner Recherche durch Hinweise aus dem privaten Umfeld auf die Ausschreibung des HCGES gestoßen und bewarb mich. Nach kurzer Rücksprache mit Frau Borsdorf vom International Office bemühte ich mich um eine zeitgleiche Bewerbung für das Stipendium von PROMOS. Der für mich stressigste Punkt war der Erhalt des Englischzertifikats, da mir nicht klar war, dass dieses für PROMOS gefordert wurde. Mein Hinweis ist also, die Fristen für die Englischzertifizierungen in der Universität im Auge zu behalten. Für PROMOS habe ich auch meine Zulassungsbestätigung für den universitären Hebräischkurs angegeben, da die Kursnote erst nach Ende der Bewerbungsfrist feststand. Noch vor Ende der Bewerbungsfrist erhielt ich meine Zusage für das Praktikum. Kurz vor dem Ende des Herbräischkurses erhielt ich auch die Zusage für das Stipendium. Das Praktikum ist unbezahlt, aber man erhält ein „Scholarship“, um die Kosten der Wohnheimunterbringung oder des Hebräischkurses teilweise zu decken. Da es nicht als Arbeitsstelle angesehen wird, ist kein besonderes Visum nötig. Es ist möglich, ein Study Visa zu beantragen – durch welches man dann aber 17 % VAT Tax für Hotelzimmer, Urlaube und Automietung zahlen muss. Meine Empfehlung ist also das normale B2 Touristenvisum. 

Tätigkeitsfeld

Während meines Praktikums hielt ich mich an meine Kernarbeitszeit von 9- 14 Uhr. Sollte es einmal eine besondere Veranstaltung außerhalb dieser Zeiten geben, ist es immer freigestellt, ob man diese besuchen möchte. Zu Zwecken des kulturellen Austauschs und des Networkings bin ich aber stets motiviert gewesen, diese Veranstaltungen zu besuchen. Während stressiger Phasen, z.B. während einer Konferenz, wird sinnigerweise von allen Centerarbeitern erwartet, sich auch außerhalb der Kernzeiten zu engagieren. Das Center war froh, mit mir zum ersten Mal eine Jurastudentin als Praktikantin zu haben. Der Leiter des Centers, Prof. Eli Salzberger, ist selber Jurist und hat mir spannende Einblicke in die juristische Arbeit in Israel gegeben. Für ihn und die Doktorandin Danni Reches habe ich auch juristische Recherchearbeiten fertiggestellt, da viele Arbeiten des Centers Schnittstellen mit der Rechtswissenschaft haben, aber eine schnelle Einarbeitung für die Mitglieder kaum möglich ist. So habe ich mich mit deutschen Anti-Terror-Maßnahmen und der europäischen Migrationswelle beschäftigt. Außerdem hatte ich die Möglichkeiten, für andere Mitglieder der Universität juristische Übersetzungsarbeiten anzufertigen. Das Ziel dieses Praktikums waren jedoch für mich von Beginn an nicht die typischen Tätigkeiten eines Juristen. Stattdessen wollte ich ein alternatives Skillset aufbauen, das mir beim Weg in den auswärtigen Dienst helfen kann. Die Arbeit mit den Botschaftern und deren Mitarbeitern sowie internationalen Stiftungen hat mich wunderbar in diese Arbeit eingeführt und meinen Wunsch gefestigt, später im Auswärtigen Amt arbeiten zu können. Dies ist eine enorme Motivation für mich, mein Staatsexamen mit guten Noten abzuschließen. Da ich seit 2011 auf Honorarbasis als Nachhilfelehrerin gearbeitet hatte, war dies meine erste Erfahrung in einer Büroumgebung mit Kollegen. Wir hatten feste Teambesprechungen, was die Arbeitsaufteilung erleichterte. Ich habe ein Steckenpferd im Bereich Marketing entdeckt, in den ich gerne Zeit investiert habe und mich in technische Bereiche einarbeiten musste. Im Gegensatz zu den anderen Centermitgliedern habe ich die Verwaltungsarbeit sehr genossen, so z.B. die Erstellung der Erhebungen für den Rechenschaftsbericht, Konferenz- und Eventplanungen. Ich hatte die Chance, an verschiedenen (unbenoteten) Kursen zum Nahostkonflikt und Terrorismus teilzunehmen. Dies gibt mir ein fundiertes Wissen über soziale, geschichtliche und politische Vorgänge in Israel, welches ich innerhalb des Jurastudiums nicht erlangt hätte. Ein Herzensprojekt war mir der sog. „German Stammtisch“, welchen ich wieder ins Leben gerufen habe. Es handelt sich dabei um ein Kulturangebot, das das Center für Studierende im Wohnheim anbieten möchte. Ziel war es, Studierende für die Deutschkurse zu motivieren. Dabei wird in lockerer Atmosphäre den Interessenten die deutsche Sprache und Kultur nähergebracht und auch die Chance geboten, dass israelische und deutsche (Austausch)Studierende sich im Sprachtandem zusammenfinden können. Die Arbeit daran ähnelte sowohl meiner Arbeit als Nachhilfelehrerin, als auch meiner Position im Erasmus Student Network und erfüllte mich nicht nur, sondern zeigte mir auch immer die Wichtigkeit der kulturellen Förderung durch das Center. Aber vor allem bin ich stolz auf die Soft Skills, die ich mir im Zuge des Praktikums aneignen konnte. Ich war am Anfang sehr überfordert in meiner Rolle als Jurastudentin unter Politikwissenschaftlern und Soziologen, da es viele Un- und Missverständnisse zwischen diesen Berufsfeldern gibt. Doch habe ich es geschafft, mir selbstbewusst eine Stellung im Center zu erarbeiten. Eine große Unterstützung war die akademische Leiterin Frau Konarek, welche eine unfassbar gute Betreuerin für die ständig wechselnden Praktikanten ist. Sie erklärte, dass die Centermitglieder wie eine Familie sind und daher auch die Praktikanten privat eingebunden und nie sich selbst überlassen werden. Dies erinnerte mich an ein Bewerbungstraining der Akademie des Auswärtigen Dienstes im vergangenen Jahr, bei dem die Leiterin der Auswahlkommission genau diesen Wortlaut auch im Zusammenhang mit der Arbeit in Botschaften verwendete.

Ich bin unglaublich froh, dieses Praktikum angetreten zu haben. Die Zeit in Israel und am HCGES haben mein Leben und meine Karriere bereichert und mir einen Einblick in die interdisziplinäre Welt der Forschung gegeben. Da das Center eine Schnittstelle zwischen Sozialwissenschaften, Recht und Wirtschaft ist, liegt es ganz an den Praktikanten, worauf sie den Fokus legen möchten.

Leben in Israel

  • Unterbringung

Mein Praktikumsgeber bucht für die Praktikanten ein Zimmer im Thalia Wohnheim. Man hat ein eigenes Zimmer mit eigenem Bad. Die Hygienestandards und Baustandards sind anders als in Deutschland: Es gibt im Land viele Kakerlaken und nirgendwo Heizungen, sondern nur Klimaanlagen und elektrische Heizer. Das Wohnheim hatte ein breites Angebot an sozialen Aktivitäten wie Sportkurse, Tanzkurse, Karaokeevents und ein monatliches Schabbatdinner. Es gibt überall an der Uni und dem Wohnheim bewaffnetes Sicherheitspersonal und man muss einen speziellen Ausweis bereithalten, um eingelassen zu werden.

Ein Adapter war im Wohnheim nicht nötig. Eurostecker funktionieren überall (flache Stecker wie z.B. Handyladegeräte).

  • Finanzen

Israel ist ein kostspieliges Land. Gerade Lebensmittel sind teuer. Daher empfehle ich, viel aus Deutschland mitzunehmen und sich nicht darauf zu verlassen, Dinge hier zu kaufen. Ich habe mir nach reiflicher Überlegung ein zusätzliches Handy gekauft, um Onlinebanking zu betreiben. Meine Bank hatte mir dies auch empfohlen, denn: Wer vor Ort erst eine neue SIM-Karte kauft, braucht einen neuen Registrierungsbrief und eine Start-SMS. Die DKB versendet diesen nach eigenen Aussagen nicht ins außereuropäische Ausland. Daher habe ich mir kurz vorher ein günstiges Handy mit Prepaidkarte zugelegt, welches auch sicher im Zimmer verstaut war. Denn sollte das normale Handy im Alltag kaputt gehen oder gestohlen werden, stößt man ohne Zugang zum Online Banking auf große Probleme. Ich habe mir vor der Abreise bei meiner Bank die Auslandswährung beschafft. Dafür musste ich horrende Wechselgebühren bezahlen, aber dafür habe ich zur Anreise kein Problem mit dem Bezahlen von z.B. Bussen oder Bahnen gehabt und war nicht gezwungen, an nicht ATMs Geld abzuheben, die ohnehin auch sehr hohe Gebühren verlangen (ca. 15 Shekel). Ich bin Kundin der DKB und hatte vor meiner Abreise versäumt, mein Konto wieder auf den Aktivmodus umzustellen. Daher musste ich einige Zeit lang den Wechselkurs der DKB zahlen, was hätte vermieden werden können.

  • Ankunft

Man landet am International Airport Ben Gurion / Tel Aviv Jafa /Yaffo  (dieser Flughafen hat viele Namen). Auch wenn Flüge am Freitagmorgen oder Samstagabend verführerisch günstig sind, sollte man lieber unter der Woche kommen, um nicht vom Schabbat überrascht zu werden. Mit der ESN Card ist es möglich, Rabatte beim Fliegen zu erhalten. Bei der Einreise muss man auch mit 1-2 h Visumskontrolle rechnen. Vom Airport kann man mit dem Zug leicht nach Tel Aviv fahren.

  • Transport

An den Bahnhöfen oder auch im Bus sollte man so schnell wie möglich eine Rafkaf kaufen, eine Karte für den öffentlichen Nah- und Fernverkehr. Ein Ticket ist für 90 min gültig. Der Transport in Israel ist sehr günstig, so kostet eine Fahrt von Haifa nach Tel Aviv ca. 5 Euro, oder Hin- und Rückfahrt nach Eilat ca. 20 Euro.

  • Handykarte

Ich hatte einige Probleme, eine Handykarte zu bekommen. Ich wurde mehrfach abgewiesen, weil angeblich nur israelische Staatsbürger einen Handyertrag abschließen dürfen, was selbstverständlich nicht stimmt. Ich empfehle HOT Mobile: Für 30 Schekel im Monat (ca. 7,50 Euro) erhält man 100 GB und auch einige Freiminuten und SMS. Der Vertrag ist nach 3 Monaten Mindestvertragslaufzeit per Anruf kündbar.

  • Sprachkurse

Wenn man einen Besuch in Israel plant, empfehle ich dringend den Besuch eines Sprachkurses („Ulpan“). Auch wenn man nach dem ersten Level nicht viel zu einer Unterhaltung beitragen kann, so ist einem viel geholfen, wenn man die Buchstaben lesen kann. Der Sommerulpan an der Uni Potsdam ist sehr empfehlenswert, da auch ein Kulturprogramm angeboten wird und der Kurs kostenlos ist (in Israel kosten Ulpane ca. 1500 US-Dollar). Außerdem kann man so erste Kontakte knüpfen mit Leuten, die wohl auch die nächsten Monate im Zielland verbringen werden.

Studienfach: Rechtswissenschaften

Aufenthaltsdauer: 11/2019 - 02/2020

Praktikumsgeber: Haifa Center for German and European Studies

Gastland:Israel


 

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